Fair Festival Award: Wie ver.di faire Arbeitsbedingungen und Kulturförderung bei Filmfestivals stärkt

Die Gewerkschaft ver.di vergibt erstmals 2024 zum dritten Mal den Fair Festival Award, um gerechte Arbeitsbedingungen und faire Vergütung bei Filmfestivals ins Rampenlicht zu rücken. Vom 5. bis 25. Februar 2024 können Festivalmitarbeiter:innen anonym die Arbeitsbedingungen ihrer Einsatzorte bewerten, um die Preisträger für faire Lohn- und Honorarstrukturen zu ermitteln. Mit der Initiative soll eine offene Debatte über Bezahlung und Arbeitsbelastung angestoßen und künftig die Vergabe öffentlicher Fördergelder an faire Entlohnungsstandards geknüpft werden. ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz betont, dass nur so nachhaltige Veränderungen in der Branche möglich sind.
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– Zum dritten Mal verleiht ver.di den „Fair Festival Award“ an Filmfestivals auf Basis einer anonymen, zweistufigen Mitarbeiter:innen-Umfrage (5.–25. Februar 2024); die Preisverleihung findet im Sommer statt.
– Viele Filmfestivals kämpfen mit knappen Budgets, mangelnder Förderung und fehlenden Tarifverträgen, was zu befristeten Arbeitsverhältnissen, hoher Arbeitsbelastung, Burnouts und unzureichender Lohn- bzw. Honorarentwicklung führt.
– Die Initiative will eine offene Diskussion über faire Arbeits- und Vergütungsstrukturen anstoßen, Fördergelder an faire Bedingungen koppeln und das Bewusstsein für nachhaltige Festivalarbeit stärken.

Fair Festival Award: Faire Arbeitsbedingungen im Fokus

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) wird zum dritten Mal den „Fair Festival Award“ an Filmfestivals vergeben. Anlass ist eine Umfrage, die von 5. bis 25. Februar 2024 stattfindet und bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Filmfestivals die Fairness ihres Festivals bewerten können. Um das Label „Faires Festival“ zu erhalten, müssen Festivals diese Befragung durchlaufen. Die Initiative reagiert auf die oft knappe Finanzierung vieler Filmfestivals, bei der Personalkosten selten ausreichend berücksichtigt werden. Dies führt zu einer steigenden Arbeitsbelastung und damit verbundenen Burnouts und Existenzängsten der Beschäftigten.

Die Filmszene ist geprägt von wenigen Tarifverträgen und überwiegend befristeten Arbeitsverhältnissen, weshalb sowohl feste als auch freie Mitarbeitende häufig keine angemessene Lohn- oder Honorarentwicklung erfahren. Christoph Schmitz, Bundesvorstandsmitglied von ver.di, stellt klar: „Es ist an der Zeit, das Thema gerechte Arbeitsbedingungen und faire Vergütung stärker in das Bewusstsein von Festivalarbeiterinnen, Festivals und Förderinstitutionen zu rücken.“

Der Award wird durch zwei anonyme Befragungsrunden bestimmt. In der ersten Runde können alle Personen, die im letzten Jahr bei Filmfestivals gearbeitet haben, eine Bewertung abgeben. Die Festivals mit den besten Ergebnissen treten in eine zweite Runde ein, in der die gesamte Belegschaft erneut zur Teilnahme eingeladen wird. Die Preisverleihung ist für den Sommer 2024 geplant.

Mit dem Preis will ver.di eine offene Diskussion über Honorar- und Gehaltsstrukturen anstoßen. Die Botschaft ist klar: Nur gemeinsam können Beschäftigte Veränderungen erreichen, und Fördergelder sollten an faire Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung gekoppelt werden. Die Verleihung im Jahr 2022 hatte bereits den Grundstein für diese Debatte gelegt und soll weiterhin als Ansporn für Verbesserungen dienen. Dabei wird betont, dass Filmfestivals nicht von selbst entstehen, sondern auf das Engagement hochqualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen sind, die meist nicht ganzjährig von ihrer Festivalarbeit leben können.

Faire Arbeit in der Festivalbranche: Herausforderung und Perspektiven

Faire Arbeitsbedingungen in der Festival- und Kulturbranche sind keine Selbstverständlichkeit. Gerade in der Filmfestival-Szene zeigen sich strukturelle Probleme, die auf die spezifischen Anforderungen und Organisationsformen der Branche zurückzuführen sind. Häufig sind die Arbeitsverhältnisse geprägt von befristeten Verträgen, hoher Arbeitsbelastung und einer unzureichenden Anerkennung der Leistungen der Beschäftigten. Diese Faktoren erschweren nicht nur die Planbarkeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern beeinträchtigen auch die Attraktivität der Branche als Arbeitgeber.

Was bedeutet Fairness im Kulturbetrieb?

Fairness im Kulturbetrieb umfasst mehr als eine angemessene Bezahlung. Sie beinhaltet auch respektvolle Arbeitsbedingungen, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, transparente Strukturen und die Möglichkeit zur kontinuierlichen Qualifikation. In einem internationalen Vergleich wird deutlich, dass viele Filmfestivals noch immer hinter diesen Anforderungen zurückbleiben. Länder mit ausgeprägteren Sozialsystemen und stärkerem gewerkschaftlichem Engagement zeigen hingegen, dass es möglich ist, Festivals unter faireren Bedingungen zu organisieren. Damit einhergehen müssen auch eine verbesserte Wertschätzung und verbindliche Standards, die sicherstellen, dass kulturelle Veranstaltungen nicht auf Kosten der Beschäftigten realisiert werden.

Wege zu einer nachhaltigeren Festivalwirtschaft

Die Herausforderungen der Festivalbranche erfordern eine nachhaltige Neuausrichtung. Dazu zählen insbesondere:

  • Einführung verbindlicher Tarifverträge und sozialer Mindeststandards
  • Ausbau von Festanstellungen und Reduzierung prekärer Beschäftigungsformen
  • Förderung von Weiterbildung und Gesundheitsschutz
  • Aufbau von langfristigen Strukturen und verlässlicher Finanzierung

Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern und die Festivalwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten – von Veranstaltern über Förderinstitutionen bis hin zu Gewerkschaften – gemeinsam an einer faireren Arbeitswelt in der Kulturbranche arbeiten. Nur so lassen sich die gesellschaftliche Bedeutung von Festivals erhalten und zugleich die Menschen stärken, die diese anspruchsvollen Veranstaltungen ermöglichen.


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