Pestizide mit S-Metolachlor verboten: Gardo Gold und Dual Gold nur noch bis Juli – DUH-Erfolg für Umweltschutz

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Syngenta hat den Widerruf der Zulassungen für die Herbizide Gardo Gold und Dual Gold beantragt, nachdem die EU-Kommission den Wirkstoff S-Metolachlor nicht verlängert hat. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erlaubt den Einsatz in Deutschland nur noch bis zum 23. Juli 2024. Die Deutsche Umwelthilfe hatte im Mai und Oktober 2023 mit Klagen gegen die Verlängerung der Zulassungen deren Stopp erwirken wollen.

Inhaltsverzeichnis

DUH erzwingt Zulassungswiderruf für giftige Pestizide von Syngenta

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen bedeutenden Erfolg im Kampf gegen toxische Pestizide erzielt: Nachdem sie im Mai und Oktober letzten Jahres Klage gegen die Zulassungen der Syngenta-Pestizide Gardo Gold und Dual Gold eingereicht hatte, hat der Hersteller nun selbst den Widerruf der Zulassung beantragt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist diesem Antrag gefolgt und entschied, dass beide Pestizide nur noch bis zum 23. Juli 2024 in Deutschland zum Einsatz kommen dürfen. Dieser Schritt kam, nachdem die EU-Kommission den Wirkstoff S-Metolachlor, der in beiden Produkten enthalten ist, nicht mehr genehmigen wollte. Die DUH hatte diese Entscheidung zuvor aktiv angefochten. Durch den Antrag von Syngenta will der Konzern einem möglichen behördlichen oder gerichtlichen Widerruf zuvorkommen und bestätigt damit die berechtigte Kritik der DUH an der Zulassung dieser Pestizide. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, beschreibt den Erfolg mit den Worten: Mit unserem juristischen Druck zwingen wir die profitgierige Agrarlobby und unverantwortliche Behörden dazu, Umwelt und Gesundheit zu schützen.

Der Wirkstoff S-Metolachlor gilt nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als gesundheitsschädlich für bestimmte Säugetiere und stellt eine Bedrohung für deren Lebensgrundlage dar. Außerdem gelangten problematische Abbauprodukte in Konzentrationen ins Grundwasser, die auch grenzüberschreitend als kritisch eingestuft werden. Dies führt zu einer ernsthaften Verunreinigung des Trinkwassers und gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Verbraucherorganisation foodwatch weist darauf hin, dass letztlich die Verbraucher*innen die Folgen einer fahrlässigen Zulassung wie jener von S-Metolachlor tragen müssen. Dabei gebe es gerade im Maisanbau gute Alternativen, die ohne solche schädlichen Pestizide auskommen.

Rechtsanwältin Caroline Douhaire von Geulen & Klinger sieht den Syngenta-Antrag als reine Schadensbegrenzung, um einem Widerruf durch die Behörden zu entgehen. Sie betont: „Der Widerruf kommt angesichts der erheblichen Sicherheitsbedenken der EFSA reichlich spät.“ Im Gegensatz zu Deutschland habe die französische Zulassungsbehörde bereits vor Monaten entsprechende Zulassungen für S-Metolachlor-haltige Mittel aufgehoben, um das Grundwasser zu schützen.

Interessant ist auch der Blick auf die Hintergründe: Die Genehmigung für S-Metolachlor war bereits 2015 ausgelaufen, wurde aber sechsmal ohne neue Risikobewertung verlängert. Gleiches gilt für die Zulassung von Gardo Gold, die das BVL mehrfach ohne Risikoüberprüfung gestattete. Während die EU die Nicht-Verlängerung des hochtoxischen Wirkstoffs diskutierte, verlängerte die deutsche Behörde die Zulassung weiter.

Die DUH führt aktuell sechs Verfahren gegen die Zulassungen stark schädlicher Pestizidprodukte durch das BVL. Neben Gardo Gold und Dual Gold klagt sie auch gegen das glyphosathaltige Produkt Roundup PowerFlex. Weitere Verfahren betreffen die Herbizide Tactic der Adama Deutschland GmbH und Elipris der Corteva GmbH München mit den Wirkstoffen Diflufenican und Flufenacet. Zudem beteiligt sich die DUH an einer Klage der Hersteller SBM Developpement SAS und SBM Life Science GmbH gegen das vom BVL verhängte Anwendungsverbot für das Insektizid Sherpa Duo mit dem Wirkstoff Cypermethrin. Überdies hat die DUH Anträge auf Überprüfung der Genehmigungen für die Wirkstoffe Flufenacet und Sulfurylfluorid gestellt und plant weitere Schritte gegen die Zulassung hochtoxischer Pestizide.

Warum das Verbot von Gardo Gold und Dual Gold weitreichende Folgen hat

Das Ende der Zulassung der Pestizide Gardo Gold und Dual Gold markiert einen bedeutsamen Schritt in der Debatte um Umweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und Verbrauchersicherheit. Die gesellschaftliche Relevanz dieses Verbots ergibt sich aus dem Zusammenspiel von politischen Entscheidungen, regulatorischen Verfahren und ökologischen Herausforderungen. Pestizide beeinflussen nicht nur die Artenvielfalt und Bodenqualität, sondern bestimmen auch, wie Lebensmittel erzeugt und konsumiert werden. Die zu Grunde liegenden Prozesse, die zu solchen Verboten führen, spiegeln den komplexen Umgang mit chemischen Pflanzenschutzmitteln in einer zunehmend umweltbewussten Gesellschaft wider.

Europäische Politik und Umweltstandards

Auf europäischer Ebene spielt die Regulierung von Pflanzenschutzmitteln eine zentrale Rolle bei der Umsetzung strenger Umweltstandards. Die Entscheidung über die Zulassung oder das Verbot bestimmter Wirkstoffe basiert auf wissenschaftlicher Bewertung, Risikoabwägung und gesellschaftlichen Erwartungen an Gesundheit und Nachhaltigkeit. Die Entwicklungen rund um Gardo Gold und Dual Gold reiihen sich in eine Reihe ähnlicher Entscheidungen ein, die zeigen, wie die EU ihre ambitionierten Zielvorgaben – wie den Schutz von Böden, Gewässern und Biodiversität – durchsetzt. Dabei sind die politischen Gremien gefordert, komplexe Interessen zwischen Landwirtschaft, Wirtschaft und Umweltschutz auszubalancieren.

Der Ausschluss dieser beiden Pestizide bedeutet eine klare Signalwirkung: verlängerte Toleranz für potentiell schädigende Substanzen wird zugunsten nachhaltigerer Praktiken aufgegeben. Für alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von Landwirtinnen und Landwirten bis zu Verbraucherinnen und Verbrauchern – hat dies unmittelbare Auswirkungen.

Alternativen in der Landwirtschaft

Ohne Gardo Gold und Dual Gold stellt sich die Frage, welche Alternativen zur Verfügung stehen, um die Kulturen effektiv zu schützen und Erträge zu sichern. Umweltschonende Pflanzenschutzmethoden und neue Technologien gewinnen dabei an Bedeutung. Eine Auswahl der wichtigsten Alternativen umfasst:

  • Biologische Pflanzenschutzmittel zur Minimierung chemischer Rückstände
  • Mechanische Unkrautbekämpfung, wie beispielsweise Mulchen oder Hacken
  • Fruchtfolge und Bodenpflege zur natürlichen Schädlingsbekämpfung
  • Präzisionslandwirtschaft zur gezielten und reduzierten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Diese Optionen verdeutlichen den Wandel in der Landwirtschaft hin zu einer ressourcenschonenderen und anpassungsfähigeren Praxis.

Der Fall von Gardo Gold und Dual Gold ist deshalb mehr als eine lokale oder nationale Angelegenheit: Er illustriert den fortschreitenden Umbau der Pflanzenschutzmittel-Politik in Europa. In Zukunft ist mit weiteren Verschärfungen bei Zulassungen und Verboten zu rechnen, die den Schutz von Natur und Menschen ins Zentrum rücken und Landwirtinnen sowie Landwirten neue Herausforderungen und Chancen eröffnen.

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell


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