Kreditwachstum der Volksbanken und Raiffeisenbanken schwächt sich ab: Gründe, Kennzahlen und Ausblick auf Dekarbonisierung als Chance

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Die Volks- und Raiffeisenbanken verzeichneten 2023 ein Kreditwachstum von 21 Mrd. € (2,8 %) auf 778 Mrd. €, konnten damit aber nicht an die hohen Vorjahresraten anknüpfen – gedämpft durch Zinserhöhungen, Inflation und einen schwächelnden Wohnimmobilienmarkt. Während Wohnbaufinanzierungen um 3,1 % zulegten, verlangsamte sich die Nachfrage bei Firmenkrediten spürbar. BVR-Präsidentin Marija Kolak erwartet für 2024 wieder höhere Kreditnachfrage, vor allem bei Dekarbonisierung und Digitalisierung, sofern Bund und Länder für mehr Planungssicherheit und Investitionsanreize sorgen.

Inhaltsverzeichnis

Abschwächung des Kreditwachstums bei Volksbanken und Raiffeisenbanken: Aktuelle Zahlen und Perspektiven

Das Kreditgeschäft der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat im vergangenen Jahr zwar eine positive Entwicklung gezeigt, die hohen Wachstumsraten der Vorjahre wurden jedoch nicht erreicht. Laut vorläufigen Daten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) stiegen die Kredite der 697 Genossenschaftsbanken um 21 Milliarden Euro bzw. 2,8 Prozent auf insgesamt 778 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung ist vor allem eine Folge der erwartungsgemäßen Zinswende der Europäischen Zentralbank, die das Kreditwachstum dämpfte. Zusätzlich reduzierten konjunkturelle Unsicherheiten, der hohe Kaufkraftentzug durch Inflation und die trüben Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt die Kreditnachfrage deutlich.

Für 2023 blieben die langfristigen Wohnbauforderungen weiterhin der Haupttreiber des abgeschwächten Kreditwachstums. Sie stiegen voraussichtlich um 3,1 Prozent auf 458 Milliarden Euro. Die Gesamtheit der Privatkundenkredite erhöhte sich im gleichen Zeitraum voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 363 Milliarden Euro per Ende 2023. Währenddessen sorgten auf der Firmenkundenseite höhere Kreditzinsen und ein sinkender Mittelbedarf für Anlageinvestitionen für eine geringere Nachfrage. Dennoch wuchsen die Firmenkundenkredite im Jahr 2023 um 4 Prozent auf 415 Milliarden Euro.

BVR-Präsidentin Marija Kolak sieht trotz der gebremsten Entwicklung positive Perspektiven: Die Kreditnachfrage im kommenden Jahr [wird] voraussichtlich wieder ansteigen, insbesondere im Bereich der Dekarbonisierung und Digitalisierung, sofern die Bundesregierung für mehr Planungssicherheit sorgt und Investitionsanreize verstärkt. Die starke Bedeutung der Volksbanken und Raiffeisenbanken für den Wirtschaftsstandort Deutschland zeigt sich in der steigenden Kreditnachfrage in diesen Zukunftsbereichen. Die Präsidentin appelliert dabei an die Bundesregierung, für mehr Planungs- und Investitionssicherheit zu sorgen, um die Wachstumschancen dieser Bereiche voll auszuschöpfen.

Die Zukunft des Kreditgeschäfts in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld

Das Kreditwachstum in Deutschland verlangsamt sich spürbar – ein Phänomen, das tief in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen verwurzelt ist. Mehrere Faktoren wirken zusammen und beeinflussen sowohl die Nachfrage nach Finanzierungen als auch das Rahmenbild, in dem Banken agieren. Die traditionellen Treiber für Kreditnachfrage stehen unter Druck, nicht zuletzt durch die jüngste Zinswende, die stabile Inflation sowie ein gesamtwirtschaftlich eher zurückhaltendes Investitionsklima. Dabei spielen die Genossenschaftsbanken eine zentrale Rolle, denn sie sind wichtige Finanzpartner für kleine und mittlere Unternehmen sowie zahlreiche private Haushalte, die die deutsche Wirtschaft wesentlich prägen. Angesichts dieser Ausgangslage stellt sich die Frage: Warum stockt die Kreditnachfrage und wie werden Dekarbonisierung und Digitalisierung als neue Wachstumstreiber die zukünftige Entwicklung prägen?

Warum stockt die Kreditnachfrage?

Die zurückhaltende Kreditnachfrage lässt sich maßgeblich durch die veränderten Rahmenbedingungen erklären. Nach Jahren sehr niedriger Zinsen, die Investitionen und Kredite förderten, hat die nun eingeleitete Zinswende die Finanzierungskosten deutlich erhöht. Dadurch scheuen sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen größere Kreditaufnahmen – die höhere Belastung dämpft den unmittelbaren Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig wirkt die anhaltende Inflation gedämpft auf das verfügbare Einkommen und das unternehmerische Budget, was Investitionsentscheidungen vorsichtiger macht.

Zudem verändert sich das wirtschaftliche Umfeld grundlegend. Unsicherheiten durch geopolitische Spannungen und volatile Märkte lassen Investoren zunehmend auf Sicht fahren und reduzieren das Risikobereitschaftsniveau. Die Folge: Ein konservativeres Investitionsverhalten treibt die Nachfrage nach Krediten auf Sparflamme. In dieser Phase profitieren regionale und genossenschaftliche Banken durch ihre Nähe zu Kunden und eine enge Einbindung in die Wirtschaft vor Ort – sie können als verlässliche Partner gerade in unruhigen Zeiten Stabilität bieten.

Dekarbonisierung und Digitalisierung als Wachstumsfaktor

Nicht nur das aktuelle Umfeld beeinflusst die Kreditnachfrage, sondern auch fundamentale Strukturveränderungen. Die Pfade hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung und einer zunehmend digitalen Wirtschaft eröffnen erhebliche Investitionsbedarfe. Die Dekarbonisierung ist eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre – Unternehmen müssen ihre Produktionsprozesse, Energiequellen und Lieferketten neu ausrichten. Dieser Wandel erzeugt einen wachsenden Bedarf an Finanzierung für innovative Technologien, erneuerbare Energieprojekte und nachhaltige Infrastruktur.

Parallel sorgt die Digitalisierung für einen enormen Transformationsdruck, der nicht nur die IT-Systeme betrifft, sondern Geschäftsmodelle und Arbeitswelten vollständig neu gestaltet. Investitionen in digitale Innovationen, Automatisierung und neue Plattformen sind unverzichtbar, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Hier entstehen neue Chancen für Banken, die sich als Partner in der Finanzierung nachhaltiger und zukunftsorientierter Projekte positionieren.

Die Kombination dieser beiden Themenfelder wird das Kreditgeschäft maßgeblich prägen. Sie fordert von den Banken ein tiefes Verständnis und eine gezielte Förderstrategie – ebenso wie eine Anpassung der Risikomodelle an die langfristigen Entwicklungen.

Für die Genossenschaftsbanken bedeutet dies eine wichtige Aufgabe: Sie müssen ihre Rolle als Förderer der regionalen Wirtschaft stärken und sich als Spezialisten für die Finanzierung von Dekarbonisierungs- und Digitalisierungsprojekten positionieren, um langfristig wieder ein dynamisches Kreditwachstum zu ermöglichen.

Angesichts der komplexen Herausforderungen und Chancen ist das Kreditgeschäft nicht am Ende, sondern befindet sich in einem Wandel, der neue Impulse und eine aktiv gestaltende Haltung der Banken erfordert. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese Anpassungen gelingen und wie stark die zweifache Transformation – ökologisch und digital – zur entscheidenden Triebfeder für die Kreditnachfrage wird.

Quelle: Kreditwachstum der Genossenschaftsbanken schwächt sich ab / BVR-Präsidentin Kolak fordert verlässliche Rahmenbedingungen für künftiges Wachstum – BVR
Weitere Nachrichten aus der Verbands- und Vereinswelt finden Sie in unserem Newsportal.

3 Antworten

  1. Typisch, dass du dich darüber wunderst! Es ist offensichtlich, dass das Kreditwachstum der Genossenschaftsbanken abnimmt. Es ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die Wirtschaftslage nicht so rosig ist, wie manche es gerne hätten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​