Neue Projekte fördern Biodiversität in Städten und Kommunen
Die Bundesregierung setzt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt den Masterplan Stadtnatur um, der darauf abzielt, den Anteil an naturnahen, arten- und strukturreichen Grün- und Freiflächen in städtischen Gebieten zu erhöhen und die biodiversitätsfördernde Durchgrünung von Städten und Gemeinden zu verbessern. Dort werden vielfältige Projekte gefördert, die anhand ganz unterschiedlicher Ansätze die biologische Vielfalt in urbanen Lebensräumen stärken.
So unterstützt der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. gemeinsam mit der Deutschen Schreberjugend e. V. bundesweit das Projekt „Kleingärten für Biologische Vielfalt“. Ziel ist es, die biologische Vielfalt in Kleingärten zu unterstützen und Gartenneulinge dabei zu begleiten, mehr Naturschutz in ihren Gärten umzusetzen. Dafür werden Bildungs- und Beratungskampagnen durchgeführt sowie praxisnahe Formate und Veranstaltungen entwickelt. Die Ergebnisse stehen Kleingärtnerorganisationen und Multiplikatoren zur Verfügung.
In München entsteht ein innovatives Modell: Hier werden mit Unterstützung der Bürger*innen Modellquartiere nach dem Prinzip des Mehr-Zonen-Gartens aufgebaut. Gemeinschaftsgärten dienen als Basis, um biodiversitätsfördernde Maßnahmen zu erforschen, zu bewerten und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, diese Maßnahmen auch außerhalb der Gärten umzusetzen und die Zivilgesellschaft aktiv in den Prozess der sozial-ökologischen Transformation der Stadt einzubinden. In den vier Modellquartieren sind sogenannte BioDivHubs geplant, die als Lernorte und Netzwerke fungieren. Zusätzlich sollen Bildungsmaßnahmen, Symposien und ein Kongress den Erfahrungsaustausch fördern. Das Projekt wird von verschiedenen Organisationen und Institutionen getragen und bis Mai 2028 gefördert.
Die Universität Stuttgart widmet sich mit einem weiteren Projekt der Entwicklung künstlicher Lebensräume für Insekten an Gebäuden. Dabei werden sowohl die bauphysikalischen Aspekte als auch die gesellschaftliche Einstellung zu fassadenintegrierten Habitat-Systemen für Insekten untersucht. Ziel ist es, Risiken und Hürden für die Gestaltung solcher Systeme zu identifizieren und zu überwinden, um die biologische Vielfalt zu fördern. Es werden konstruktive und intelligente Gestaltungsvarianten angestrebt, die sowohl die Gebäudesubstanz als auch den Nutzerkomfort erhalten. Das Projekt läuft bis Juni 2026 und erhält eine Förderung von rund 956.000 Euro.
Kommunale Biodiversitätsstrategien werden ebenfalls direkt in Städten umgesetzt: Die Stadt Moers in Nordrhein-Westfalen kämpft mit den Auswirkungen des Steinkohlebergbaus und großflächigem Kiesabbau. Im Rahmen eines Projekts soll dort der Anteil an naturnahen Grün- und Freiflächen erhöht und die biologische Vielfalt gefördert werden. Die Strategie wird zusammen mit der Bevölkerung erarbeitet, um das bürgerschaftliche Engagement für mehr Natur zu fördern. Durch Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sollen Bürger motiviert werden, ihre Privatflächen in das Konzept zu integrieren. Moers wird dafür mit rund 183.500 Euro bis September 2025 gefördert.
Die niedersächsische Stadt Verden nimmt ihre Verantwortung für die Biodiversität ebenfalls ernst: Gemeinsam mit dem „Runden Tisch Biodiversität“ und einer externen Fachberatung wird eine kommunale Biodiversitätsstrategie erarbeitet und umgesetzt. Ziel ist es, die Motivation in politischen Gremien, der Verwaltung und bei Naturschutzverbänden zu bündeln und die Artenvielfalt zu steigern. Dafür sollen bestehende Lebensräume vernetzt und die Grünflächenpflege umgestellt werden. Außerdem sind Naturerlebnisräume geplant, um die Akzeptanz für eine ökologisch wertvolle Grünraumpflege zu erhöhen. Das Projekt erhält Fördermittel von rund 637.000 Euro und läuft bis Oktober 2029.
Als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar liegt Mannheim in einem Hotspot der biologischen Vielfalt. Hier existieren seltene Lebensräume wie unbeeinflusste Rheinauen, Flugsandfelder und Binnendünen, die geschützt werden sollen. Eine kommunale Biodiversitätsstrategie soll helfen, Einzelmaßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu bündeln und in einen übergeordneten Kontext zu stellen. Zudem sollen Synergien mit bereits bestehenden Maßnahmen geschaffen und die Potenziale der Stadt genutzt werden. Das Projekt wird bis November 2025 mit 218.490 Euro gefördert.
Diese Projekte verdeutlichen vielfältige Ansätze, um Biodiversität in urbanen Räumen zu stärken – von lokalen Garteninitiativen über kommunale Strategien bis hin zu wissenschaftlichen Innovationen in der Gebäudegestaltung. Sie bilden wichtige Bausteine im Gesamtkonzept des Bundesprogramms Biologische Vielfalt für grünere Städte für mehr biologische Vielfalt und besseres Klima.
Warum urbane Natur für unsere Städte unverzichtbar wird
In einer Welt, in der natürliche Lebensräume durch Ausbau und Siedlungsdruck immer stärker zurückgedrängt werden, rücken Städte als letzte ökologische Rückzugsräume zunehmend in den Fokus des Naturschutzes. Die Stärkung naturnaher Flächen und die Förderung von Biodiversität im urbanen Raum sind deshalb von enormer gesellschaftlicher und ökologischer Bedeutung. Urbane Lebensräume können nicht nur das lokale Klima ausgleichen und Umweltbelastungen mindern, sondern auch die Lebensqualität der Bürger:innen erheblich steigern. Angesichts der Herausforderungen wie Klimawandel und Verlust artenreicher Naturräume gewinnt die ökologische Aufwertung städtischer Gebiete eine neue Dringlichkeit.
Urbane Lebensräume als letzte Ressource
Städte bieten mit ihren Grünflächen, Parks und Gewässern wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig sind urbane Gebiete heute Heimat für einen Großteil der Bevölkerung, was ihre Bedeutung als biologische und soziale Lebensräume unterstreicht. Die Herausforderungen liegen dabei in der Erhaltung und Wiederherstellung artenreicher Lebensräume in dicht bebauten Arealen, die durch Infrastrukturprojekte und Flächenversiegelung bedroht sind. Zudem wirkt sich der Klimawandel in Städten besonders stark aus – Hitzeinseln und Starkregenereignisse erhöhen Risiken für Mensch und Natur gleichermaßen.
Bedeutende Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen haben viele Kommunen bereits mit Biodiversitätsstrategien entwickelt: Sie fördern ökologische Vernetzung, verbessern die Bodenqualität und integrieren naturnahe Gestaltung in städtische Planungen. Dabei wird immer deutlicher, dass aktive Bürgerbeteiligung ein Schlüssel für nachhaltige und langfristig erfolgreiche Projekte ist. Engagement und Mitgestaltung durch die Einwohner:innen erhöhen die Akzeptanz und ermöglichen passgenaue Lösungen direkt vor Ort.
Wie nachhaltige Städte gelingen können
Strategien zur Stärkung urbaner Natur bewirken vielfältige positive Effekte:
- Verbesserung der Luft- und Wasserqualität
- Erhöhung der Stadtresilienz gegenüber Wetterextremen
- Förderung von Erholungs- und Begegnungsräumen für Bürger:innen
- Stärkung des Naturbewusstseins und sozialer Zusammenhalt
- Erhalt und Wiederherstellung von Biodiversität als Grundlage funktionierender Ökosysteme
Diese Aspekte zeigen auch Parallelen zu erfolgreichen Programmen in anderen Regionen und Kontinenten, etwa in Städten, die bereits umfassende Grüne-Infrastruktur-Initiativen verfolgen. Dort sind sowohl politische Verbindlichkeit als auch bürgerschaftliches Engagement zentrale Erfolgsfaktoren.
Gleichzeitig gilt es Risiken und Hürden nicht zu unterschätzen: Eingeschränkte Flächenverfügbarkeit, Interessenkonflikte etwa zwischen Stadtentwicklung und Naturschutz sowie unzureichende finanzielle Ressourcen können die Umsetzung erschweren. Eine nachhaltige und inklusive Planung, die alle Akteure frühzeitig einbindet, ist deshalb entscheidend.
Der langfristige Fokus auf Stadtnatur und Biodiversität ist damit nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch zentral für die Zukunftsfähigkeit urbaner Räume. Er verbindet Umwelt- und Lebensqualität, fördert Gemeinschaft und stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des globalen Wandels.
Quelle: BMUV: Grünere Städte für mehr biologische Vielfalt und besseres Klima
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