– 2023 stieg der Passagierluftverkehr in Deutschland um 20 % auf 197,2 Mio., doch das Sitzplatzangebot erreichte mit 79 % des Vorkrisenniveaus deutlich weniger als der EU-Durchschnitt (96 %); Punkt-zu-Punkt-Verbindungen liegen bei 68 % vs. 115 %, dezentrale Inlandstrecken bei 25 %.
– Erhöhte staatliche Standortkosten seit 2020, eine Luftverkehrsteuererhöhung ab Mai 2024 und steigende Sicherheitsgebühren belasten deutsche Airlines, fördern Umsteigerströme an Nicht-EU-Drehkreuzen (Anteil auf Asienrouten von 37 % auf 56 %) und schwächen Investitionen in nachhaltige Luftfahrt.
– Trotz eines Frachtminus von 7 % (4,7 Mio. t) behauptet Deutschland 2023 die Führungsrolle im europäischen Luftfrachtmarkt; für Sommer 2024 wird ein Sitzplatzangebot von 89 % (2019er-Basis) erwartet vs. 104 % in Europa, weshalb die Branche Wettbewerbsnachteile abbauen und Klimainvestitionen stärken fordert.
Luftverkehr in Deutschland 2023: Trotz Wachstum vom europäischen Trend abgekoppelt
Der Passagierluftverkehr in Deutschland setzte im Jahr 2023 seine Erholung fort, blieb aber im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich zurück. Die Passagierzahlen an deutschen Flughäfen stiegen um 20 Prozent auf 197,2 Millionen, wobei das Sitzplatzangebot jedoch nur 79 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreichte. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit weit hinter dem Niveau anderer Länder, die bereits 96 Prozent verzeichnen. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch im Travel-Retail-Markt wider, der sich zwar erholt und steigende Passagierzahlen verzeichnet, dennoch insgesamt nicht vergleichbar dynamisch wächst.
Die Ursachen für dieses Zurückbleiben sind vor allem in den seit 2020 massiv gestiegenen staatlichen Standortkosten zu suchen, die in Deutschland inzwischen deutlich höher sind als in anderen europäischen Ländern. Hinzu kommt die geplante erneute Erhöhung der Luftverkehrsteuer zum 1. Mai 2024 sowie steigende Luftsicherheitsgebühren an vielen Flughäfen im kommenden Jahr, die die wirtschaftlichen Belastungen zusätzlich verschärfen.
Besonders betroffen ist der europäische Punkt-zu-Punkt-Verkehr, der wichtige Wirtschaftszentren direkt verbindet. Im Jahr 2023 lag das Angebot der Punkt-zu-Punkt-Airlines in Deutschland bei nur 68 Prozent des Vor-Corona-Niveaus, während es in anderen europäischen Staaten auf 115 Prozent anwuchs. Auch der inländische Luftverkehr entwickelte sich schwächer als erwartet. Während an den großen Drehkreuz-Flughäfen Frankfurt und München das Angebot an Zubringerflügen aufgrund der internationalen Langstrecke um 14 Prozent zulegte, sank das Sitzplatzangebot auf den dezentralen innerdeutschen Strecken auf nur noch 25 Prozent des Wertes von 2019. Gründe hierfür sind unter anderem die zunehmende Nutzung digitaler Kommunikation sowie eine Verlagerung des Verkehrs auf Straße und Schiene.
Ein weiterer besorgniserregender Trend ist die Verlagerung von Passagierströmen an Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union. Reisende auf dem Weg nach Afrika oder Asien steigen immer häufiger außerhalb der EU um, insbesondere am Persischen Golf und in der Türkei. So ist der Anteil der Umsteiger an Nicht-EU-Drehkreuzen auf Asien-Verbindungen zwischen 2010 und 2023 von 37 auf 56 Prozent gestiegen. Dies wirkt sich negativ auf die Investitionskraft der europäischen Luftfahrt im Bereich Klimaschutz aus und führt zu wettbewerbsverzerrenden Belastungen. Die Bundesregierung reagiert paradoxerweise, indem sie die Luftverkehrsteuer erhöht und gleichzeitig 2 Milliarden Euro für die Förderung nachhaltiger Kraftstoffe streicht.
Trotz rückläufiger Frachtmengen hat Deutschland seine Spitzenposition als Luftfrachtstandort in Europa verteidigt. Frankfurt bleibt das größte Luftfracht-Drehkreuz vor London-Heathrow und Amsterdam. Insgesamt wurden rund 4,7 Millionen Tonnen Luftfracht an deutschen Flughäfen verladen, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Jahresende zeichnete sich jedoch eine Stabilisierung ab.
Für das Jahr 2024 wird erwartet, dass der Luftverkehr in Deutschland weiterhin hinter dem europäischen Wachstum zurückbleibt. Das geplante Sitzplatzangebot an deutschen Flughäfen liegt bei 89 Prozent des Niveaus von 2019, während im übrigen Europa 104 Prozent erreicht werden. Angesichts dieser Herausforderungen spricht sich die deutsche Luftverkehrswirtschaft für eine Korrektur der wettbewerbsverzerrenden Belastungen an europäischen Standorten sowie eine Stärkung der Investitionskraft für den Klimaschutz aus. Trotz allem bleibt der Luftverkehr ein zentraler Beitrag zur Mobilität und zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands.
Für weitere Informationen, Pressekontakte, Bilder oder Dokumente geht es hier zur Quelle mit dem Originaltitel:
BDL legt Jahreszahlen zur Entwicklung des Luftverkehrs im Jahr 2023 vor und gibt …
Original-Content übermittelt durch news aktuell.
Weitere Nachrichten aus der Verbands- und Vereinswelt finden Sie in unserem Newsportal.