Im Fokus: Der Bundesverband Deutscher Stiftungen

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Mit den Worten „Der Bundesverband Deutscher Stiftungen trägt mit seiner verdienstvollen Arbeit dazu bei, dass die Stiftungen erfolgreich an der Erneuerung unseres Landes mitwirken“ würdigte der damalige Bundespräsident Horst Köhler im Jahr 2005 den Einsatz dieser bemerkenswerten Organisation. Selbst heute, fast zwei Jahrzehnte später, behalten seine Worte noch ihre volle Bedeutung und Relevanz. Denn die Welt ist voller guter Absichten. Jeden Tag werden neue Ideen geboren, die das Potenzial haben, das Leben von Menschen zum Besseren zu wenden. Doch Ideen allein reichen nicht aus, sie benötigen auch ein stabiles Fundament und tatkräftige Unterstützung, um zur Realität zu werden.

Hier kommen Stiftungen ins Spiel – als essenzielle Komponenten unserer Gesellschaft, die oft unsichtbar, aber effektiv arbeiten, um soziale, kulturelle oder wissenschaftliche Fortschritte zu fördern. Eine Organisation, die in diesem Bereich eine zentrale Rolle spielt, ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Unsere Reihe „Vereinsgeschichten“ widmet sich nicht nur der Vorstellung verschiedener Vereine. Nein, wir tauchen noch tiefer ein und bringen Ihnen auch andere eingetragene Organisationen aus ganz Deutschland näher. Begleiten Sie uns auf unserer Reise in die faszinierende Welt der Stiftungen.

Was sind Stiftungen?

Im Herzen jeder Stiftung steht ein Vermögen, das einem speziellen Zweck gewidmet ist. Dieser kann gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich sein. Gleichzeitig gibt es eine Organisation, die dieses Vermögen verwaltet und den Stiftungszweck umsetzt. Von Bildung und Forschung über Kultur hin zu Sozial- und Umweltprojekten – die Aktionsfelder von Stiftungen sind vielfältig. Keine Stiftung gleicht der anderen, jede hat ihren eigenen Charakter und Zweck. Doch sie alle teilen das gemeinsame Ziel, unsere Gesellschaft zu verbessern.

Zahlen und Fakten über die Stiftungen in Deutschland

Wie der Bundesverband auf seiner Website mitteilt, gibt es in Deutschland

  • 25.254 rechtsfähiger Stiftungen bürgerlichen Rechts
  • 30 Stiftungen pro 100.000 Einwohner bundesweit (gerundet)
  • 693 Neuerrichtungen im Jahr 2022 und
  • 90 % der Stiftungen haben ausschließlich einen steuerbegünstigten Zweck.

Verteilung der Stiftungen nach ihrem Satzungszweck

SatzungszweckAnteil in Prozent
Kunst und Kultur29,2
Sport und Bewegung9,4
Freizeit und Geselligkeit7,8
Wissenschaft und Forschung22,1
Bildung und Erziehung33,1
Diversität und Inklusion5,1
Gesundheitswesen15,3
Soziale Dienste46,1
Wirtschaftsverbände und Berufsorganisationen1,8
Umwelt-, Natur- und Artenschutz14,9
Internationale Solidarität9,4
Bürger*innen- und Verbraucher*inneninteressen0,9
WIrtschaftsverbände und Berufsorganisationen0,7
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben1,8
Kirchen und religiöse Vereinigungen10,5
Politik und politische Interessenvertretung4,3
Justiz und Kriminalitätsprobleme:1,1
Privatnützige Interessen8,8
Quelle: Stiftungsdatenbank des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Stand 01.05.2023.

Vielfalt an Stiftungsformen

Wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, dass sich hinter dem Begriff „Stiftung“ verschiedene Rechtsformen und Typen verbergen. So eröffnet das deutsche Zivilrecht für Stifter vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, ihre Vorhaben zu realisieren. Besonders beliebt sind die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts und die Treuhandstiftung. Aber auch eine Stiftungs-GmbH oder ein Stiftungsverein kann die passende Wahl sein.

Die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts entsteht durch Anerkennung der Stiftungsaufsichtsbehörde. Im Vorfeld legt der Stifter fest, welches Vermögen er in die Stiftung einbringt und formuliert den Zweck der Stiftung. Bei der Treuhandstiftung wird das Stiftungsvermögen auf einen Treuhänder übertragen, der es getrennt von seinem eigenen Vermögen gemäß den Satzungsbestimmungen der Stiftung verwaltet.

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Private oder gemeinnützige Zwecke

Stiftungen können entweder privatnützige oder gemeinnützige Zwecke verfolgen. Privatnützige Stiftungen dienen in erster Linie dem Interesse eines abgeschlossenen Personenkreises, unter anderem einer Familie oder den Mitarbeitern eines bestimmten Unternehmens. Im Gegensatz dazu verfolgen gemeinnützige Stiftungen Ziele, die der Allgemeinheit zugutekommen. Diese sind steuerbegünstigt und berechtigt, Spenden anzunehmen und Zuwendungsbestätigungen auszustellen. In Deutschland sind die meisten Stiftungen steuerbegünstigt.

Das breite Spektrum an Stiftungstypen zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Egal, ob man ein großes oder kleines Vermögen stiftet, für Bildung, Kultur oder Umwelt – jede Stiftung hat das Potenzial, einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. So lädt die Stiftungswelt dazu ein, tiefer einzutauchen und mehr über die vielfältigen Möglichkeiten zu erfahren, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Link-Tipp: Gesetz über die Bildung und Tätigkeit von Stiftungen

Eine Erfolgsgeschichte seit 1948

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen, eine zentrale Stütze in der Welt der gemeinnützigen Arbeit, hat eine lange und faszinierende Geschichte. Angefangen hat alles im Jahr 1948, als eine Gruppe engagierter Menschen erkannte, dass Stiftungen – jene unsichtbaren Helden, die seit Jahrhunderten in den Diensten des Gemeinwohls wirken – eine starke Interessenvertretung benötigten.

Die Wiege des Bundesverbandes steht in Würzburg. Hier trafen sich im April 1948 drei Persönlichkeiten – Prof. Dr. Freiherr von Pölnitz, Ludwig Kastner und Prof. K. Franz – um die Zukunft des Stiftungswesens in Deutschland zu diskutieren. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft war im September desselben Jahres die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft bayerischer Wohltätigkeits-, Erziehungs- und Kultus-Stiftungen“.

Die neu gebildete Arbeitsgemeinschaft erweiterte bald ihren Fokus und schloss auch Stiftungen außerhalb Bayerns ein. Diese Entwicklung spiegelte sich 1949 in der Namensänderung zur „Arbeitsgemeinschaft der Wohltätigkeits-, Erziehungs- und Kultus-Stiftungen“ wider.

Über die Jahre wuchs die Arbeitsgemeinschaft beständig weiter und konnte durch ihr Engagement maßgeblich dazu beitragen, dass die gesetzlichen Grundlagen des Stiftungswesens gefestigt und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Stiftungen verbessert wurden. 1961 änderte sich der Name erneut, diesmal zur „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Stiftungen“.

1986, ein Meilenstein in der Geschichte des Verbandes, signalisierte der Zusatz „Bundesverband“ die überregionale Bedeutung und den Einfluss der Arbeitsgemeinschaft. Dieser Fortschritt wurde 1990 durch eine umfassende Satzungsreform und die Umbenennung zum heutigen „Bundesverband Deutscher Stiftungen e. V.“ weiter untermauert.

Neben der kontinuierlichen Entwicklung hin zu einer zentralen Anlaufstelle für Stiftungen in Deutschland brachte die Geschichte des Bundesverbandes auch wichtige Publikationen hervor. Etwa das 1963 erschienene „Handbuch des Stiftungsrechts“ von Prof. Dr. Hans Liermann. Oder der „StiftungsReport“, der seit 2007 regelmäßig erscheint und sich schnell zu einer beliebten Veröffentlichungsreihe entwickelt hat.

Die Leistung des Bundesverbandes wurde auch außerhalb seiner Mitgliedschaft anerkannt. 2008 wurde er als „Verband des Jahres“ ausgezeichnet und seine Pressestelle erhielt den Preis des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher „Goldener Apfel“ für hervorragende Kommunikation.

Heute, nach sieben Dekaden des Engagements, vertritt der Bundesverband mehr als 20.000 rechtsfähige Stiftungen in Deutschland. Dabei stellt er sich ständig neuen Herausforderungen, wie der digitalen Transformation – der Modernisierung des Stiftungsrechts oder den immer komplexeren Anforderungen in der Stiftungsarbeit. Seine wichtige Rolle besteht darin, Stiftungen zu unterstützen, ihre Arbeit effizient und wirkungsvoll zu gestalten, und gleichzeitig die Öffentlichkeit über die Bedeutung und Vielfalt des Stiftungswesens aufzuklären.

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Nachdem wir uns mit der beeindruckenden Vergangenheit und den beispielhaften Leistungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen auseinandergesetzt haben, wird es Zeit, einen Blick auf die beeindruckenden Zahlen und Fakten zu werfen, die die gegenwärtige Stärke und den Einfluss dieses Verbandes unterstreichen.

Ein Blick auf die beeindruckenden Zahlen

Werfen wir einen Blick auf die Statistik: Der Bundesverband Deutscher Stiftungen ist mit über 4.800 Mitgliedern der größte und älteste Stiftungsverband in Europa. Indirekt, durch Stiftungsverwaltungen, sind ihm sogar rund 9.800 Stiftungen verbunden. Das zeigt, welch bedeutende Rolle der Verband in Deutschland und Europa spielt.

Das Herzstück der Stiftungsarbeit ist das Engagement für das Gemeinwohl. Und hier setzen deutsche Stiftungen jedes Jahr beeindruckende 5,4 Milliarden Euro ein. Ein bemerkenswerter Beitrag, der unterstreicht, wie wesentlich Stiftungen für unsere Gesellschaft sind.

Mehr als nur ein Verband

Doch der Bundesverband Deutscher Stiftungen ist mehr als nur ein Vertreter seiner Mitglieder. Er ist ein aktiver Akteur, der sich für optimale Bedingungen für das Stiften und das Wirken von Stiftungen einsetzt. Mit etwa 40 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin unterstützt er Stifterinnen und Stifter durch Beratung und Vernetzung.

Auch digital ist der Bundesverband aktiv. Auf seiner Homepage www.stiftungen.org finden sich neben allgemeinen Informationen und Statistiken zum deutschen Stiftungswesen auch ein Veranstaltungskalender, Material für Journalisten und ein Job-Portal. Wer gezielt nach Stiftungen sucht, wird auf www.stiftungssuche.de fündig, dem umfangreichsten Verzeichnis von Stiftungen in Deutschland mit rund 29.000 Einträgen.

All diese Zahlen und Fakten zeigen, wie wesentlich der Bundesverband Deutscher Stiftungen für das Stiftungswesen in Deutschland ist. Sie laden dazu ein, mehr über diese beeindruckende Organisation zu erfahren und vielleicht sogar selbst ein Teil davon zu werden. Denn wie wir sehen, haben Stiftungen das Potenzial, auf vielfältige Weise zum Gemeinwohl beizutragen. Und der Bundesverband Deutscher Stiftungen ist der ideale Partner, um dieses Potenzial voll auszuschöpfen.

Blicken wir auf die konkrete Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, wird deutlich, wie vielseitig und dynamisch die Aufgaben dieses Verbandes sind.

Eine starke Stimme für Stiftungen

Bundesverband Deutscher Stiftungen

An erster Stelle steht die Vertretung der Interessen der Stiftungen. Der Verband fungiert als Mittler zwischen Stiftungen und den entscheidenden politischen und gesellschaftlichen Akteuren. Durch seine Arbeit sorgt der Verband dafür, dass die Belange der Stiftungen Gehör finden und berücksichtigt werden.

Ein weiterer Pluspunkt für Mitglieder des Verbandes ist der Zugang zu einem weitreichenden Netzwerk. Hier vernetzen sich Stiftungen mit anderen Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen. Dies ermöglicht einen regen Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Projekten.

Ein zentraler Aspekt der Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sind seine Schulungs- und Bildungsprogramme. Mit diesen Angeboten unterstützt der Verband seine Mitglieder dabei, ihre Advocacy-Arbeit auszubauen und ihre Ziele noch effektiver zu erreichen.

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Vielfältige Dienstleistungen

Ebenso haben Mitglieder des Verbandes Zugang zu einer Reihe von Dienstleistungen und Ressourcen. So etwa die Online-Stiftungssuche, die ihnen hilft, ihre Arbeit effizienter zu gestalten.

Als Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen profitieren Stiftungen von Sonderkonditionen bei verschiedenen Dienstleistern und Partnern des Verbandes. Diese Vorteile tragen dazu bei, dass Stiftungen ihre Ressourcen optimal einsetzen können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bundesverband Deutscher Stiftungen seinen Mitgliedern ein breites Spektrum an Leistungen bietet. Diese unterstützen sie dabei, ihre Arbeit effektiver zu gestalten und ihre Interessen zu vertreten. Dieser Blick hinter die Kulissen macht deutlich, wie engagiert und vielfältig die Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist.

Wie wird man Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen?

Falls Sie sich jetzt fragen, wie man eigentlich Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen wird, dann haben wir gute Nachrichten für Sie: Der Weg ist einfacher, als Sie vielleicht denken!

Das Mitgliederspektrum ist bunt gemischt: Von kleinen und großen Stiftungen aller Rechtsformen über gemeinnützige Stiftungsverwaltungen hin zu anderen gemeinnützigen Organisationen, Privatpersonen und einigen ausgewählten kommerziellen Dienstleistern. Im Prinzip unterscheidet der Verband dabei drei verschiedene Mitgliedschaftsmodelle.

Unterschiedliche Mitgliedschaftsmodelle

  1. Stiftungen, Stiftungsverwaltungen, gemeinnützige juristische Personen: Wenn Sie eine Stiftung, eine Stiftungsverwaltung oder eine gemeinnützige juristische Person repräsentieren, können Sie problemlos eine Mitgliedschaft beantragen. Die Beitragsbemessung startet hierbei ab 200 EUR im Jahr.
  2. Gründerinnen von Stiftungen, Wissenschaftlerinnen, natürliche Personen: Als Privatperson ohne kommerzielle Interessen können Sie dem Verband als Freund*in des Stiftungswesens beitreten. Auch hier beginnt die Beitragsbemessung ab 200 EUR pro Jahr.
  3. Natürliche und juristische Personen mit kommerziellem Interesse: Wenn Sie als Einzelperson, kleineres Unternehmen oder stiftungsinteressiertes größeres Unternehmen dem Verband beitreten möchten, können Sie dies als Freund*in des Stiftungswesens oder als Stiftungspartner tun. Hier beginnt die Beitragsbemessung ab 600 EUR pro Jahr.

Mehr als nur eine Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft ist für Stiftungen freiwillig und bietet mehr als nur ein Zugehörigkeitsgefühl. Sie eröffnet Zugang zu Beratungs- und Informationsmöglichkeiten rund um die Gründung und Führung einer Stiftung und ermöglicht die Vernetzung in Arbeits- und Expertenkreisen. Ferner profitieren Mitglieder von Weiterbildungsangeboten in der Deutschen Stiftungsakademie (DSA) zu besonderen Konditionen. Unter dem Dach des Bundesverbandes sind zudem das Netzwerk der Bürgerstiftungen Deutschlands, das Koordinationsprojekt European Community Foundation Initiative (ECFI) und der Deutsche Engagementpreis angesiedelt.

Mehr über die genauen Bestimmungen und Details der Mitgliedschaft können Sie in der Satzung nachlesen.

Ende der Reise

Die Welt mag voller guter Absichten sein, doch dank der unermüdlichen Arbeit von Organisationen wie dem Bundesverband Deutscher Stiftungen werden diese guten Absichten in die Tat umgesetzt. Der Verband steht als Zeichen dafür, dass wir gemeinsam viel bewegen können.

Auch wenn der Bundesverband Deutscher Stiftungen seit seiner Gründung vor fast 75 Jahren viel erreicht hat, bleibt noch viel zu tun. Die Welt verändert sich ständig, und mit ihr die Herausforderungen und Möglichkeiten für Stiftungen. Daher bleibt der Bundesverband weiterhin unermüdlich in seiner Mission, das Stiftungswesen zu stärken und die Bedeutung von Stiftungen in unserer Gesellschaft hervorzuheben.

Die Reise des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie engagiertes Handeln, visionäres Denken und das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung dazu beitragen können, einen positiven Wandel in unserer Gesellschaft zu bewirken. Mit Sicherheit wird diese Erfolgsgeschichte in den kommenden Jahren noch viele spannende Kapitel hinzufügen.

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