Zukunftswerkstatt: Freie Lektor*innen geben Orientierung in Zeiten des Wandels

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Freie Lektor*innen geben Orientierung in Zeiten des Wandels

Digitale Zukunftswerkstatt des VFLL sondiert gesellschaftliche Trends und wirtschaftliche Herausforderungen für Textdienstleistende

Am vergangenen Wochenende trafen sich rund 70 Mitglieder des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V. (VFLL) zur Onlinekonferenz „Zukunftswerkstatt Freies Lektorat“. Sie diskutierten, wie sich Digitalisierung, die Entwicklung zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Inklusion sowie der Sprachwandel auf ihren Beruf auswirken.

Dabei wurde klar: Mit ihrem Engagement für Textqualität und gute Kommunikation geben freie Lektorinnen und Lektoren Orientierung in Zeiten des Wandels. Dieser wichtige kulturelle Beitrag verdient gesellschaftliche Anerkennung und braucht sichere wirtschaftliche Grundlagen. Neben den Verbandsmitgliedern waren zahlreiche Expert*innen aus Kultur und Wirtschaft zur Konferenz eingeladen, darunter Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Duden-Redaktion, und die Gewerkschafterin und Autorin Steff Schulze.

Bewältigungsstrategien für Diversität, Sprachwandel und Digitalisierung

In ihren Gesprächsrunden arbeiteten die Lektorinnen und Lektoren heraus, dass sich ihre Arbeit in den kommenden zehn Jahren stark verändern wird. In der Verlags- und Publishingbranche entstehen neue Tätigkeitsfelder. Die Wünsche und Ansprüche von Auftraggeber*innen ändern sich ebenso wie die Rahmenbedingungen für Soloselbstständige.

Die Teilnehmer*innen machten aber auch deutlich, dass sie an den großen gesellschaftlichen Trends – Diversität, Sprachwandel, Digitalisierung – als wichtige Akteure mitwirken. Lektoratsprofis beraten Schreibende zur geschlechtergerechten Sprache. Sie helfen bei der Inklusion von Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geringer Sprachkompetenz, indem sie Texte in Leichter oder Einfacher Sprache bearbeiten. Als Sensitivity Reader achten sie auf Diversität in Romanen. Und Verlage unterstützen sie bei der Umsetzung digitaler Workflows und der Entwicklung neuer zielgruppengerechter Medienformate.

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„In unsicheren Zeiten geben Lektorinnen und Lektoren mit ihrem Fachwissen, hohen Qualitätsbewusstsein und handwerklichen Können Orientierung. Sie erfüllen daher eine wichtige Funktion und gestalten die Zukunft unserer Gesellschaft maßgeblich mit“, erklärt VFLL-Vorstandsmitglied Claudia Lüdtke.

Wirtschaftliche Grundlagen müssen stimmen

Dass diese wichtige Aufgabe Anerkennung in Form angemessener Honorare verdient, darüber waren sich die Teilnehmer*innen einig. Als Herausforderungen sehen sie neben dem wachsenden Kostendruck in der Publishingbranche die Konkurrenz durch digitale Geschäftsmodelle.

„Aus meiner Sicht wird der Lektoratsberuf durch den wachsenden Markt der Clickworking-Plattformen ganz neu herausgefordert“, erklärt Steff Schulze im Rückblick auf die Veranstaltung. Sie war als externe Expertin zur Tagung eingeladen und brachte ihre Perspektive als Gewerkschafterin und Autorin ein.

„Um das Berufsbild zu erhalten und zu festigen, wird sich der VFLL deswegen verstärkt mit Fragen der beruflichen Identität und Arbeitsethik beschäftigen müssen. Hochqualifizierte Lektoratsprofis stehen mit ihrem breiten Leistungsangebot, Nischenspezialisierungen und den hohen Qualitätsansprüchen ihren Auftraggeber*innen persönlich gegenüber. Die Auftragsabwicklung über die Plattformen dagegen ist deutlich anonymer. Oft fehlen Qualitätskriterien und es herrscht Preisdumping.

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Die Lektorinnen und Lektoren des VFLL zeigten sich bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Tagung werden verbandsinterne Arbeitsgruppen starke Positionen zu Honoraren und zum Berufsbild erarbeiten. Auch mit einer Weiterentwicklung der Verbandsstrukturen und der Öffentlichkeitsarbeit werden sich die VFLL-Mitglieder in naher Zukunft beschäftigen.

Hochkarätige Expertise aus dem Branchenumfeld

Neben Schulze hatte der VFLL weitere Expertinnen und Experten eingeladen:

  • Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Duden-Redaktion
  • Martin Bergmann, Programmleiter beim Schäffer-Poeschel Verlag
  • Dr. Lutz Kreutzer, Autor und Organisator des Self-Publishing-Day
  • Lisa Eckstein, Vorsitzende der Jungen Verlags- und Medienmenschen e. V., und ihre Verbandskollegin Charlotte Hütten
  • Frederik Eichler, Gründer der SciFlow GmbH
  • Katja Staudt, Expertin und Trainerin für Online-Marketing bei Boost My Business

Sie alle traten nicht als Referent*innen auf, sondern mischten sich unter die Teilnehmer*innen, um die Gespräche mit Perspektiven aus ihren Arbeitsgebieten zu bereichern. Die Veranstaltung wurde als Videokonferenz im selbstorganisierten Open-Space-Format abgehalten. Aufgrund des großen Erfolgs will der VFLL auch weiterhin auf digitale Formate als Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen setzen.

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Stefanie Liliane Meyer rückt in Vorstand nach

Im Vorfeld der Veranstaltung, am 17.9., hielt der VFLL seine jährliche Mitgliederversammlung ab, ebenfalls als virtuelle Konferenz. In diesem Rahmen wurde die Lektorin Stefanie Liliane Meyer aus Mülheim an der Ruhr als neues Vorstandsmitglied gewählt. Sie löst Georg-D. Schaaf aus Münster ab, der nach drei Jahren im Vorstand aus privaten Gründen ausscheidet.

Über den VFLL

Der im Jahr 2000 gegründete VFLL ist Berufsverband für freiberuflich arbeitende Lektorinnen und Lektoren im deutschsprachigen Raum. Er kümmert sich um die beruflichen Interessen seiner mehr als 1000 Mitglieder, zu denen neben Lektorinnen und Lektoren auch (Schluss-)Redakteure und Korrektorinnen zählen. Der VFLL setzt sich in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik für die wirtschaftlichen und sozialen Belange der freien Lektorinnen und Lektoren ein. Er ist Mitglied im Deutschen Kulturrat und in der Deutschen Literaturkonferenz. Den bei der Künstlersozialkasse (KSK) versicherungspflichtigen Lektorinnen und Lektoren kommt zugute, dass der VFLL sowohl im Beirat als auch im Widerspruchsausschuss der KSK vertreten ist. Seit 2016 ist der VFLL zudem Mitglied im Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

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