– Zugvögel meiden Windenergieanlagen zu über 99,8 Prozent.
– Kollisionsrisiko ist deutlich geringer als bisher angenommen.
– Studie basiert auf über vier Millionen Vogelbewegungen.
Studie belegt: Zugvögel umfliegen Windenergieanlagen zuverlässig
Eine aktuelle Untersuchung des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) zeigt, dass Windenergieanlagen und Zugvögel besser koexistieren können als bisher angenommen. Die am 25. November 2025 veröffentlichte Studie widerlegt frühere Annahmen zum Kollisionsrisiko und liefert belastbare Daten für die energiepolitische Debatte.
Die Forschenden dokumentierten über vier Millionen Vogelbewegungen innerhalb von eineinhalb Jahren (Stand: 2025)* mit modernster Radar- und KI-gestützter Kameratechnologie. Das zentrale Ergebnis: Über 99,8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel mieden die Anlagen zuverlässig (Stand: 2025)*.
BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm betont: „Die neue Studie zeigt, dass Zugvögel Windenergieanlagen meiden. Das bestätigt, dass der naturverträgliche Ausbau der Offshore-Windenergie im Einklang mit diesen Vögeln funktioniert und nicht gegen sie.“
Die vollständige Studie „The collision risk of migrating birds at wind farms“ steht auf der BWO-Website zum Download bereit.*
Moderne Technologien im Vogelschutz
Moderne Monitoring-Systeme kombinieren verschiedene Technologien, um ein möglichst vollständiges Bild vom Flugverhalten der Vögel zu erhalten. Radarstationen erfassen großräumig die Zugbewegungen und liefern Daten zu Flugrichtungen und -höhen über weite Distanzen. Ergänzt werden diese durch KI-gestützte Stereokameras, die im Nahbereich der Windenergieanlagen präzise Aufnahmen liefern. Diese Kamerasysteme arbeiten mit künstlicher Intelligenz, um Vögel automatisch zu erkennen und ihre Flugbahnen dreidimensional zu verfolgen.
Wie KI & Radar zusammenarbeiten
Die Kombination beider Technologien ermöglicht eine bisher unerreichte Genauigkeit in der Vogelzugforschung. Während das Radar die übergeordnete Zugintensität erfasst, dokumentieren die KI-Kameras das konkrete Ausweichverhalten im Rotorbereich. Diese Datenfusion erlaubt es Forschenden, Ausweichmanöver präzise zu quantifizieren. Über 99,8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel mieden die Windräder* (Stand: 2025).
Stärken und Grenzen der Datenerfassung
Die technologischen Fortschritte bieten bedeutende Vorteile: Die hohe zeitliche Auflösung erlaubt kontinuierliche Beobachtungen über lange Zeiträume, und das 3D-Tracking liefert detaillierte Informationen zu Flugmanövern. Allerdings stößt auch die modernste Technik an Grenzen. Bei Nacht oder schlechten Wetterbedingungen kann die Erfassungsgenauigkeit beeinträchtigt werden. Zudem zeigen Untersuchungen, dass nächtliche Kollisionsereignisse sich schwer sicher erfassen lassen* (Stand: 2025). Eine weitere Herausforderung bleibt die Identifikation tatsächlich getroffener Vögel, besonders bei kleinen Arten oder bei ungünstigen Sichtverhältnissen. Diese methodischen Einschränkungen müssen bei der Interpretation von Monitoring-Daten stets berücksichtigt werden.
Frühere Befunde im Vergleich
Die wissenschaftliche Erfassung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen hat sich über die Jahre deutlich weiterentwickelt. Während frühere Studien mit methodischen Einschränkungen kämpften, ermöglichen moderne Technologien heute präzisere Einblicke in das tatsächliche Risiko.
Kollisionsschätzungen früherer Studien
Bereits 2011 ermittelte eine Untersuchung im niederländischen Offshore-Windpark OWEZ Kollisionsraten zwischen 0,011 und 0,025 Prozent bei Vögeln im Rotorbereich (Stand: 2011). Drei Jahre später bestätigten empirische Auswertungen diese Größenordnung mit 1,4 bis 2,6 Vogelkollisionen pro Offshore-Anlage und Jahr bei Tageslicht (Stand: 2014).
Eine europaweite Gefährdungskartierung 2022 identifizierte zwar Hotspots mit besonderem Konfliktpotenzial, dokumentierte aber gleichzeitig ausgeprägtes Ausweichverhalten. Beispielsweise wichen Schwarzmilane Windrädern typischerweise schon ein Kilometer vorher aus (Stand: 2022)*.
Neuere Monitoring-Ergebnisse im Vergleich
Aktuelle Monitoringberichte vom Januar 2025 zeigen, dass Zugvögel auch nachts Offshore-Windparks durchfliegen. Dabei bestätigt sich: Kollisionsrisiken sind bei schlechter Sicht und Beleuchtung zwar erhöht, bleiben aber insgesamt niedrig.
Moderne KI-basierte Kampagnen wie das Vattenfall-Projekt in der Aberdeen Bay dokumentierten 2025 sogar keine Vogelkollisionen. Allerdings bleibt die Erfassung nächtlicher Ereignisse methodisch anspruchsvoll.
Vergleich gemessener Kollisionsraten und Monitoring-Ergebnisse
| Jahr | Wert | Einheit/Parameter | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2011 | 0,011–0,025 % | Kollisionsrate im Rotorbereich | Krijgsveld et al., Stand: 2011* |
| 2014 | 1,4–2,6 | Vogelkollisionen pro Anlage/Jahr (Tageslicht) | Empirische Auswertungen, Stand: 2014* |
| 2022 | 1 km | Ausweichdistanz (Schwarzmilan) | Europaweite Gefährdungskartierung, Stand: 2022* |
| Jan 2025 | Niedrig | Kollisionsrisiko (trotz Nachtflügen) | Monitoringberichte, Stand: Januar 2025* |
| 2025 | 0 | Dokumentierte Kollisionen (KI-Projekt) | Vattenfall Aberdeen Bay, Stand: 2025* |
Die Entwicklung der Methodik – von ersten Schätzungen hin zu KI-gestützten Echtzeitanalysen – unterstreicht den technologischen Fortschritt in der Vogelzugforschung. Während frühere Studien das grundsätzliche Risiko quantifizierten, liefern neuere Monitoring-Verfahren zunehmend detaillierte Einblicke in das tatsächliche Verhalten der Vögel.
Rechtliche Einordnung und politische Konsequenzen
Die neuen Forschungsergebnisse zum Ausweichverhalten von Zugvögeln werfen Fragen nach ihrer rechtlichen und politischen Bedeutung auf. Während die Studie des Bundesverbands Windenergie Offshore nahelegt, dass über 99,8 Prozent der tag- und nachtziehenden Vögel Windenergieanlagen meiden*, bleiben die rechtlichen Rahmenbedingungen komplex und fordern differenzierte Betrachtungen.
Naturschutzpflichten und Abschaltungen
Das Bundesnaturschutzgesetz (§44 BNatSchG) wird für Windenergieanlagen relevant betrachtet*. Lokale temporäre Abschaltungen während des Vogelzugs sind möglich. Bundesweit einheitliche Grenzwerte liegen derzeit nicht vor (Stand: 2025)*. Die Regelungen variieren je nach Standort und Art.
Folgen für Genehmigungsverfahren
Die Daten zum tatsächlichen Kollisionsrisiko könnten Einfluss auf Genehmigungsverfahren haben*. Die bisher geltenden pauschalen Annahmen über das Gefährdungspotenzial werden durch die Erkenntnis infrage gestellt, dass keine Korrelation zwischen Zugintensität und Kollisionen besteht. Dies ermöglicht eine differenziertere und standortspezifische Bewertung. Allerdings bleiben Wetterbedingungen, lokale Gegebenheiten und artspezifisches Verhalten wichtige Faktoren für individuelle Entscheidungen.
Die politische Debatte um den Ausbau der Windenergie gewinnt durch diese Forschungsergebnisse an Sachlichkeit. Sie liefert eine Grundlage, um pauschale Abschaltregelungen zu überdenken und stattdessen auf datengestützte Lösungen zu setzen, die sowohl den Artenschutz als auch die Energieversorgungssicherheit im Blick behalten.
Ausblick: Was jetzt nötig ist
Die aktuelle Forschung liefert wichtige Erkenntnisse zum Ausweichverhalten von Zugvögeln, doch für eine vollständige Bewertung der Umweltverträglichkeit bleiben entscheidende Fragen offen. Die bisherigen Monitoring-Programme zeigen methodische Grenzen auf, die gezielte Weiterentwicklung erfordern.
Aktuelle KI-gestützte Monitoring-Systeme konnten zwar bisher keine Vogelkollisionen dokumentieren, stoßen jedoch bei der nächtlichen Erfassung an technische Grenzen*. Parallel dazu weisen Monitoringberichte auf nächtliche Durchflüge und ein erhöhtes Risiko bei schlechter Sicht hin*. Diese Diskrepanz unterstreicht den dringenden Bedarf an verbesserten Nachterfassungssystemen.
Drei prioritäre Schritte sind jetzt entscheidend:
- Ausbau des KI-Monitorings: Entwicklung spezieller Nachterfassungstechnologien zur Schließung der aktuellen Datengrenzen
- Standardisierte Auswertungskriterien: Einheitliche Methodik für die Erfassung und Bewertung von Vogelbewegungen über alle Tageszeiten hinweg
- Transparente Datenveröffentlichung: Vollständige Zugänglichkeit von Monitoringdaten für Wissenschaft und Öffentlichkeit
Die bisherigen Forschungsergebnisse markieren einen wichtigen Schritt, doch erst kontinuierliche, technologisch verbesserte Erfassung und offene Kommunikation schaffen die notwendige Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen in der Energie- und Naturschutzpolitik.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Bundesverbandes Windenergie Offshore e.V. (BWO), der neue Erkenntnisse zur Vermeidung von Zugvögeln durch Windenergieanlagen vorstellt.
Weiterführende Quellen:
- „Die Studie von Krijgsveld et al. (2011) im Offshore-Windpark OWEZ (NL) ermittelte Kollisionsraten von 0,011–0,025 % bei Vögeln im Rotorbereich.“ – Quelle: https://www.uvp-verbund.de/documents-ige-ng/igc_mv/2262c90a-7fa6-41a4-9af6-4c157bf7ef69/14.2.16-GEN-Monitoring_Zugvoegel-20220811.pdf
- „Empirische Auswertungen zeigten 1,4 bis 2,6 Vogelkollisionen pro Offshore-Anlage und Jahr bei Tageslicht (Stand: 2014).“ – Quelle: https://www.uvp-verbund.de/documents-ige-ng/igc_mv/2262c90a-7fa6-41a4-9af6-4c157bf7ef69/14.2.16-GEN-Monitoring_Zugvoegel-20220811.pdf
- „Eine europaweite Gefährdungskartierung (Stand: 2022) identifizierte Hotspots mit Ausweichverhalten von Zugvögeln; Schwarzmilanen wichen Windrädern typischerweise schon 1 km vorher aus.“ – Quelle: https://www.windindustrie-in-deutschland.de/fachartikel/koennen-zugvoegel-und-windraeder-miteinander-koexistieren
- „KI-basierte Monitoring-Kampagnen (Vattenfall, Aberdeen Bay, Stand: 2025) dokumentierten keine Vogelkollisionen an Offshore-Windanlagen, wobei nächtliche Kollisionsereignisse schwer erfassbar sind.“ – Quelle: https://group.vattenfall.com/de/newsroom/news/2025/ki-gibt-aufschluss-uber-vogelkollisionen-an-offshore-windparks
- „KI-Technologie ermöglichte dreidimensionales Tracking des Ausweichverhaltens von Vögeln am Rotor; erste Ergebnisse (2025) zeigten nur wenige Kollisionsfälle während intensiver Zugzeiten.“ – Quelle: https://www.windkraft-journal.de/2025/06/26/vattenfall-studie-ki-gibt-aufschluss-ueber-vogelkollisionen-an-offshore-windparks/213481
- „Nach Bundesnaturschutzgesetz (§44 BNatSchG, Stand: 2025) gibt es artspezifische Prüfpflichten bei Windenergieanlagen, lokale temporäre Abschaltungen bei Vogelzug sind möglich; bundesweit einheitliche Grenzwerte fehlen.“ – Quelle: https://www.wind-energie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/01-mensch-und-umwelt/03-naturschutz/20250122_BWE_Positionspapier_Antikollisionssysteme.pdf
- „Aktuelle Monitoringberichte (Stand: Januar 2025) zeigen, dass Zugvögel auch nachts Offshore-Windparks durchfliegen; Kollisionsrisiken sind bei schlechter Sicht und Beleuchtung erhöht, bleiben aber insgesamt niedrig.“ – Quelle: https://www.uvp-verbund.de/documents-ige-ng/igc_mv/2262c90a-7fa6-41a4-9af6-4c157bf7ef69/14.2.16-GEN-Monitoring_Zugvoegel-20220811.pdf
3 Antworten
Diese Ergebnisse sind wirklich interessant und ich frage mich, wie sich das auf zukünftige Windparks auswirken wird. Könnten die Genehmigungsverfahren jetzt einfacher werden? Ich hoffe, das wird alles transparenter.
Die Studie ist echt spannend! Ich hätte nicht gedacht, dass Vögel Windkraftanlagen so gut umfliegen können. Was denkt ihr, könnten wir noch mehr für den Vogelschutz tun? Ich finde es wichtig, auch in Zukunft darüber zu diskutieren.
Ich finde auch, dass der Schutz der Vögel wichtig ist. Aber wie können wir sicherstellen, dass die Technologie weiterhin verbessert wird? Es gibt viele Möglichkeiten, die wir erkunden sollten.