Zentrum für Safe Sport beschlossen: Warum der Kampf gegen Gewalt im Sport jetzt erst richtig beginnt

Die 53. Sportministerkonferenz hat die Gründung eines Zentrums für Safe Sport beschlossen. Der Verband Athleten Deutschland begrüßt diesen Schritt für unabhängige Verfahren bei Gewaltvorfällen, mahnt aber zugleich eine schnelle Umsetzung und verbindliche Kooperation der Sportverbände an.
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– Athleten Deutschland begrüßt die Gründung des Zentrums für Safe Sport durch die Sportministerkonferenz.
– Die Wirksamkeit hängt von der verbindlichen Umsetzung des Safe Sport Codes durch die Sportverbände ab.
– Es bestehen offene Fragen, etwa zu rechtlichen Grundlagen und einem klaren Zeitplan für den Aufbau.

Safe Sport: Neues Zentrum, alte Streitpunkte

Die 53. Sportministerkonferenz in Norderney hat den Weg für die Gründung des Zentrums für Safe Sport freigemacht. Athleten Deutschland begrüßt den Beschluss ausdrücklich. Für Betroffene von Gewalt im Sport sei die neue Einrichtung ein wichtiger Schritt, weil sie Zugang zu unabhängigen Untersuchungs- und Disziplinarverfahren eröffnen solle. Zugleich warnt der Verein: Ohne Tempo beim Aufbau, ohne Transparenz und ohne verbindliche Zusammenarbeit der Verbände drohe das Projekt hinter den Erwartungen zurückzubleiben.

Der Beschluss macht den Weg frei, damit nach Jahren der Vorarbeit das Zentrum jetzt endlich gegründet werden kann“, sagt Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Er verbindet die Zustimmung mit einer klaren Forderung: „**Erstens muss das Zentrum sofort gegründet werden. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren. Zweitens muss der Aufbau des Zentrums mit großer Sorgfalt und transparent erfolgen, und drittens müssen die Spitzenverbände bereit sein, mit dem Zentrum zusammenzuarbeiten. Ansonsten wird es seine gewünschte Wirkung nicht entfalten können.**“

Für Athleten Deutschland ist der Beschluss auch deshalb ein Meilenstein, weil der Verein das Thema nach eigenen Angaben bereits 2021 auf die sportpolitische Agenda des Bundes gesetzt und das Vorhaben seither vorangetrieben hat.

Was das neue Zentrum leisten soll

Die geplante Einrichtung soll eine Lücke schließen, die im organisierten Sport seit Jahren diskutiert wird. Bisher geht es beim Schutz vor Gewalt häufig um Prävention innerhalb bestehender Verbandsstrukturen. Das neue Zentrum soll darüber hinaus einen unabhängigen Ort schaffen, an den sich Betroffene wenden können, wenn Vorwürfe untersucht und mögliche Konsequenzen geprüft werden müssen.

Genau diese Unabhängigkeit ist der Kern des Projekts. Untersuchungs- und Disziplinarverfahren sollen nicht allein dort stattfinden, wo sportliche, organisatorische oder persönliche Abhängigkeiten eine Rolle spielen können. Für Betroffene kann das den Unterschied machen zwischen einer internen Bearbeitung und einem Verfahren, das erkennbar außerhalb der bisherigen Zuständigkeiten steht.

Hinzu kommt eine zweite Aufgabe: Das Zentrum soll Präventionsstandards setzen und Verbände bei deren Umsetzung sowie bei Aufarbeitungsprozessen unterstützen. Es wäre damit nicht nur Anlaufstelle für konkrete Fälle, sondern auch Teil eines Systems, das Regeln vereinheitlichen und Schutzmechanismen verbessern soll.

Zeitplan und politische Einordnung

Der Beschluss der Sportministerkonferenz ist ein politischer Durchbruch, aber noch nicht gleichbedeutend mit einem sofort voll arbeitsfähigen Schutzsystem. Nach Recherchen aus mehreren öffentlichen Quellen liegen zwischen Gründung, Arbeitsaufnahme und Regelbetrieb unterschiedliche Etappen.

Bereits das damalige Bundesinnenministerium hatte 2023 laut Correctiv das Ziel ausgegeben, das Zentrum 2026 auf den Weg zu bringen. Ein Sachstandsbericht, über den der Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestags 2025 informiert wurde, nannte dann einen Start bis Herbst 2026 und den Regelbetrieb ab Mitte 2027. Diese Linie findet sich auch in Länderinformationen vom März 2026 wieder: Nach Angaben des Landes Niedersachsen wurde der Trägerverein des Zentrums für Safe Sport im Rahmen der 53. Sportministerkonferenz am 19. März 2026 gegründet; die Arbeit soll im Herbst 2026 beginnen, der Regelbetrieb ab Mitte 2027.

Gleichzeitig hatte das Land Hessen im März 2026 mitgeteilt, der Bund plane die Gründung für das Frühjahr 2026 und übernehme die Anschubfinanzierung. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die verschiedenen Stufen des Vorhabens: Die rechtliche oder organisatorische Gründung ist etwas anderes als die tatsächliche Arbeitsaufnahme, und diese wiederum ist nicht mit einem vollständigen Regelbetrieb gleichzusetzen.

Genau daraus erklärt sich die Dringlichkeit der aktuellen Debatte. Politisch ist das Zentrum nun beschlossen und organisatorisch angeschoben. Für Betroffene entscheidend wird aber erst, wann die Stelle tatsächlich arbeitet, Verfahren übernehmen kann und mit klaren Zuständigkeiten ausgestattet ist.

Der Knackpunkt heißt Verbindlichkeit

Ob das Zentrum am Ende wirksam wird, hängt nach Einschätzung von Athleten Deutschland vor allem an einer Frage: Machen die Sportorganisationen mit – und zwar nicht nur symbolisch, sondern verbindlich?

Dafür spielt der Safe Sport Code eine Schlüsselrolle. Nach Angaben von Athleten Deutschland müssen Spitzenverbände und Landessportbünde den auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2024 verabschiedeten Code zügig umsetzen und ihre Mitgliedsorganisationen daran binden. Der Code soll die Grundlage für ein einheitliches Regelwerk im organisierten Sport bilden und ist Voraussetzung für den Anschluss an das Zentrum.

Hinzu kommt ein zweiter, noch sensiblerer Punkt: Verbände müssen ihre Untersuchungs- und Sanktionsbefugnisse an das Zentrum übertragen. Erst dann können Betroffene sich mit Aussicht auf ein wirksames Verfahren an die neue Stelle wenden.

Die Recherche zeigt, warum Athleten Deutschland hier auf mehr Druck drängt. Der Deutsche Olympische Sportbund beschloss am 7. Dezember 2024, dass Mitgliedsorganisationen den Muster-Safe-Sport-Code bis spätestens 31. Dezember 2028, hilfsweise 2032, implementieren sollen. Diese Fristen markieren zwar einen formalen Rahmen, sie unterstreichen aber auch das Problem der langen Übergänge. Aus Sicht von Athleten Deutschland wächst damit die Sorge, dass ein neues Zentrum geschaffen wird, ohne dass seine Regeln und Zuständigkeiten schnell genug im Sport verankert werden.

Der Verein fordert deshalb seit längerem, die Umsetzung des Codes und die Übertragung der Zuständigkeiten an Förderbedingungen im geplanten Sportfördergesetz zu knüpfen. Herber formuliert den Konflikt in einem Satz: „Der wirksame Schutz von Menschen im Sport sollte nicht freiwillig sein. Die Bundesregierung muss hier endlich Entschlossenheit zeigen und ihre staatliche Schutzpflicht wahrnehmen“.

Offene Baustellen beim Aufbau

Neben der Grundsatzfrage der Verbindlichkeit sieht Athleten Deutschland mehrere Punkte, die in der Aufbauphase geklärt werden müssen. Sie betreffen nicht nur die Organisation des Zentrums, sondern auch seine spätere Akzeptanz und rechtliche Belastbarkeit.

Zu den zentralen offenen Baustellen zählen nach Angaben des Vereins:

  • die Rückkehr zum Aufgabenportfolio der ursprünglichen Roadmap für das Zentrum als Blaupause für den Aufbau
  • die bereichsspezifische gesetzliche Grundlage für den Umgang mit sensiblen Daten
  • ein unabhängiges, externes Schiedsgericht als Berufungsinstanz
  • die wirksame Einbindung von Betroffenen und ihren Vertreter*innen in den Aufbauprozess
  • ein sinnvolles Zuständigkeitssystem im Breitensport
  • klare Zeitpläne mit überprüfbaren Meilensteinen, regelmäßigen öffentlichen Zwischenberichten und aktivem Erwartungsmanagement

Diese Punkte wurden nach Angaben von Athleten Deutschland im mehrjährigen Stakeholderprozess gemeinsam mit Betroffenenvertretungen und weiteren maßgeblichen Akteuren wiederholt eingebracht. Entsprechend drängt der Verein auf eine klare Perspektive, wann und von wem diese offenen Fragen gelöst werden sollen.

Hinter diesen Punkten stehen sehr praktische Fragen. Wer sensible Daten zu Gewaltvorwürfen bearbeitet, braucht eine belastbare rechtliche Grundlage. Wer Entscheidungen trifft, braucht eine unabhängige Berufungsinstanz. Und wer Schutz im gesamten Sport verspricht, muss auch beantworten, wie Zuständigkeiten jenseits des Spitzensports aussehen sollen.

Gerade die Einbindung von Betroffenen gilt dabei als besonders heikel. Sie ist nicht nur eine Frage der Beteiligung, sondern auch der Glaubwürdigkeit. Wenn das Zentrum Vertrauen schaffen soll, muss der Aufbauprozess aus Sicht der Kritikerinnen und Kritiker nachvollziehbar sein und diejenigen ernsthaft einbeziehen, für die die Einrichtung am Ende da sein soll.

Warum Vertrauen jetzt entscheidend ist

Mit dem Beschluss von Norderney ist ein lange vorbereitetes Vorhaben auf den Weg gebracht. Doch ob daraus ein belastbares Schutzsystem wird, entscheidet sich erst in den nächsten Schritten: bei der konkreten Ausgestaltung, bei den rechtlichen Grundlagen und bei der Bereitschaft von Verbänden, Kompetenzen tatsächlich abzugeben.

Athleten Deutschland verweist dabei auch auf die Verantwortung der Länder. Sie müssten ihre Förderhebel nutzen, damit im Nachwuchsleistungs- und Breitensport die nötigen rechtlichen Grundlagen für Untersuchungen und Disziplinarverfahren geschaffen werden.

Am Ende geht es damit nicht nur um eine neue Institution, sondern um ihre Glaubwürdigkeit. „Der Aufbau des Zentrums bleibt eine komplexe Aufgabe, die wenig Spielraum für Fehler zulässt. Wir appellieren daher eindringlich, jeden Schritt sorgfältig zu planen und jede Entscheidung auf ihre möglichen Folgen zu prüfen. Nur mit hoher Transparenz und der vertrauensvollen Einbindung der wichtigsten Akteure, insbesondere der Betroffenen, kann das notwendige Vertrauen in das Zentrum geschaffen werden“, sagt Herber. Genau daran wird sich das Zentrum für Safe Sport nun messen lassen müssen.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung von Athleten Deutschland e.V.

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