– ZDB-Umfrage: über 25 % bewerten öffentliche Hand als mangelhaft oder sehr schlecht zahlend.
– Rund 50 % warten bis zu einen Monat, 20 % sogar bis zu sechs Monate.
– Personalmangel in Verwaltungen verzögert Zahlungen; Forderung nach EU-Zahlungsverzugsrichtlinien-Überarbeitung zum Schutz des Mittelstands.
Deutsche Baufirmen kämpfen mit schlechten Zahlungsbedingungen der öffentlichen Hand
Eine jüngste Umfrage des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) offenbart ein ernstzunehmendes Problem: Öffentliche Auftraggeber zahlen im Vergleich zu privaten oder gewerblichen Auftraggebern deutlich schlechter. „Über ein Viertel der befragten Betriebe bewertet das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand als mangelhaft oder gar sehr schlecht.“ Im deutlichen Gegensatz dazu sehen nur etwa 5 Prozent dasselbe Problem bei privaten Auftraggebern.
Ungefähr die Hälfte der Baufirmen ist von erheblichen Verzögerungen bei den Zahlungen öffentlicher Auftraggeber betroffen. Diese können bis zu einem Monat länger auf ihr Geld warten. Besonders alarmierend ist, dass 20 Prozent der Unternehmen bis zu sechs Monate auf ihre Vergütung warten müssen – eine Wartezeit, die für viele Unternehmen existenzgefährdend sein kann.
Ein entscheidender Grund für diese gravierenden Zahlungsfristen liegt im akuten Personalmangel in der öffentlichen Verwaltung. Dazu erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB: „Manche Behörden lassen sich besonders lange Zeit, und unsere Betriebe haben dann meist das Nachsehen. Wir beklagen die schlechte Zahlungsmoral am Bau, die zusammen mit der Vorleistungspflicht eine erhebliche Liquiditätsbelastung für die Bauunternehmen darstellt.“
Pakleppa fordert deshalb dringend gehandelte Verbesserungen, vor allem im Zusammenhang mit der aktuellen Überarbeitung der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie: „Bei der aktuellen Überarbeitung der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie muss deshalb der Schutz von Mittelstand und Handwerk vor unverhältnismäßig langen Zahlungsfristen im Zentrum stehen. Gerade bei der öffentlichen Hand besteht noch deutlicher Nachholbedarf.“
Er betont zudem, dass es unerlässlich sei, dass sich vor allem öffentliche Auftraggeber strikt an gesetzliche Zahlungsfristen halten, um die finanzielle Belastung der Bauunternehmer nicht weiter zu verschärfen. Für viele kleine und mittelständische Betriebe im Baugewerbe sind pünktliche Zahlungen nicht nur eine Frage der Geschwindigkeit, sondern eine Notwendigkeit für das Überleben. Jede verzögerte Zahlung belastet die Liquidität der Unternehmen und gefährdet deren Fortbestand.
Die Dringlichkeit dieser Problematik macht deutlich, dass bei der Umsetzung notwendiger Veränderungen keine Verzögerungen möglich sind. Sowohl Politik als auch öffentliche Verwaltung sind gefordert, Lösungen zu finden und umzusetzen, um die Zahlungsprozesse effizienter und fairer zu gestalten. Die überarbeitete EU-Zahlungsverzugsrichtlinie bietet dabei eine Chance, einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Diesmal richtet sich der Appell an alle Beteiligten: Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, den Mittelstand zu schützen und das Baugewerbe zu stärken – bevor es zu spät ist.
Warum das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand zum Risiko für Wirtschaft und Gesellschaft wird
Die öffentliche Hand spielt eine zentrale Rolle als Auftraggeberin für Bauvorhaben und Infrastrukturprojekte. Doch wenn sie ihre Zahlungen verzögert, drohen erhebliche Risiken für Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt. Besonders mittelständische Unternehmen geraten durch schleppende Zahlungen in finanzielle Bedrängnis, da sie oft nicht über ausreichend Liquidität verfügen, um die Zeiträume zwischen Leistungserbringung und Bezahlung zu überbrücken. Dadurch kann sich die wirtschaftliche Stabilität dieser Firmen gefährden, was wiederum Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftsstandort hat.
Das Problem zeigt sich auch deutlich im Bereich des Wohnungsbaus und bei Infrastrukturprojekten. Verzögerte Zahlungen können Bauvorhaben verlangsamen oder zum Stillstand bringen, was die Verfügbarkeit von neuem Wohnraum einschränkt und dringend benötigte öffentliche Infrastruktur verzögert. Für Mieter und Steuerzahler bedeutet dies unter Umständen höhere Kosten und verlängerte Wartezeiten auf fertiggestellte Projekte. So entstehen indirekte Folgekosten, die letztlich die gesamte Gesellschaft belasten.
Folgen für Bauvorhaben und Wohnungsbau
Die Auswirkungen sind vielschichtig: Wenn Mittelständler nicht rechtzeitig entschädigt werden, fehlt oft das Kapital, um Bauprojekte zügig abzuschließen. Verzögerungen wirken sich auf die Verfügbarkeit von Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen aus und können Investitionshemmnisse erzeugen. Kurzfristig sind vor allem die Baufirmen betroffen, doch mittel- und langfristig entstehen Engpässe, die auch die Bürgerinnen und Bürger spüren.
Lösungsperspektiven und mögliche Reformen
Politisch wurde das Thema bereits adressiert, unter anderem durch die EU-Zahlungsverzugsrichtlinie. Diese sieht vor:
- Verpflichtende Zahlungsfristen zur Begrenzung von Verzögerungen
- Rechtliche Schritte gegen verspätete Zahlungen
- Erhöhte Transparenz bei Zahlungsprozessen
Trotz dieser Regelungen bleiben Herausforderungen, und weitere Reformen werden diskutiert, um effektiveres Zahlungsverhalten sicherzustellen. So könnten beispielsweise automatisierte Zahlverfahren oder stärkere Sanktionen eingeführt werden, um die Liquidität der Firmen zu schützen und Bauvorhaben zuverlässig zu ermöglichen.
Wird die Situation nicht verbessert, drohen erhebliche Verzögerungen bei zahlreichen öffentlichen Projekten und eine weitere Belastung vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen. Langfristig könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts und die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum gefährden – mit spürbaren Folgen für alle Bürgerinnen und Bürger.
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Baugewerbe kritisiert schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand
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