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Young Finance: Wie Caritas und ING auf wachsende Geldsorgen junger Menschen reagieren

Wenn Vertragslaufzeiten, Online-Käufe oder die erste eigene Wohnung das Budget belasten, wird Finanzwissen schnell zum Alltagsthema. Das Projekt Young Finance von Caritas und ING erreicht inzwischen 27.000 junge Menschen in 65 Städten – und macht deutlich, wie früh Finanzfragen im Leben vieler Jugendlicher und junger Erwachsener auftauchen.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Young Finance bietet seit 2023 kostenfreie Finanzbildungs-Workshops für junge Menschen in 65 deutschen Städten an.
  • Das Projekt will Jugendliche befähigen, Finanzentscheidungen und Vertragsangelegenheiten eigenständig zu verstehen und zu managen.
  • Überschuldung bei unter 30-Jährigen steigt, oft durch Konsumschulden, Kredite und Online-Zahlungsmodelle.
  • Finanzbildung soll präventiv wirken, bevor Schulden und Mahnverfahren zu Blockaden im Lebensplan führen.
  • Die langfristige Wirkung des Projekts ist noch unklar, da eine unabhängige Evaluation fehlt.

Wenn der erste Handyvertrag läuft, das Streaming-Abo jeden Monat abgebucht wird und die erste eigene Wohnung plötzlich Kaution, Strom und neue Möbel kostet, wird aus Alltagskomfort schnell eine Geldfrage. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene beginnt genau dort das Risiko, den Überblick zu verlieren. Ein Projekt von Caritas und ING setzt deshalb früh an.

Was Young Finance in 65 Städten anbietet

Das Projekt Young Finance des Deutschen Caritasverbands und der ING Deutschland läuft seit 2023. Nach Angaben der Träger hat es in rund 2.000 Workshops bereits 27.000 junge Menschen erreicht und ist an 65 Standorten in Deutschland präsent. Die kostenfreien Angebote finden an Schulen und in Einrichtungen der Jugendhilfe statt.

Auch interessant:Junge Verschuldung steigt: Caritas weitet Präventionsprojekt Young Finance auf 60 Standorte aus

Wie sich die erreichten Teilnehmenden auf die einzelnen Orte verteilen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Deutlich wird aber: Finanzfragen tauchen nicht erst im Erwachsenenalter auf, sondern oft genau dann, wenn junge Menschen zum ersten Mal eigene Verträge abschließen oder mit offenen Rechnungen umgehen müssen.

„In der Lebensphase, in der Ausbildung, Studium, Berufseinstieg und Familiengründung anstehen, werden Schulden leicht zu Blockaden, die die Umsetzung von Lebensplänen verhindern.“

„Finanzbildung ist dafür ein wichtiger Grundstein.“

Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands

Die Caritas versteht das Projekt damit als Präventionsangebot. Junge Menschen sollen Finanzthemen besser einordnen können, bevor aus unübersichtlichen Ausgaben, Mahnungen oder Konsumversprechen ein größeres Problem wird.

Warum die Zahlen bei jungen Menschen drängen

Dass solche Angebote auf Interesse stoßen, passt zu den aktuellen Zahlen zur Überschuldung. Im SchuldnerAtlas Deutschland 2025 meldet Creditreform 5,67 Millionen überschuldete Menschen in Deutschland, das sind 111.000 mehr als im Vorjahr. Bei den unter 30-Jährigen stieg die Zahl um 19.000 Fälle beziehungsweise 2,6 Prozent.

Auch die Studie Jugend in Deutschland 2025 verweist auf Belastungen bei jungen Menschen. Danach haben 20 Prozent der 14- bis 29-Jährigen bereits Schulden, bei jungen Berufstätigen sind es 31 Prozent. Als Ursachen nennt die Untersuchung unter anderem Auto- oder BAföG-Kredite sowie Konsumschulden durch Online-Shopping und Buy now, pay later-Angebote, also Raten- oder Spätzahlmodelle beim Einkaufen im Netz.

Der SCHUFA-Jugend-Finanzmonitor zeigt zudem, dass mehr als ein Viertel der 16- bis 25-Jährigen seine Ausgaben bereits einschränken muss. Nur 49 Prozent gehen demnach davon aus, später einen mindestens so guten Lebensstandard wie ihre Eltern zu erreichen. Die Studien unterscheiden sich in Methode und Zielgruppe, weisen aber in dieselbe Richtung: Geldfragen spielen bei vielen Jüngeren früher eine Rolle, als Schule oder Ausbildung das bisher auffängt.

Welche Geldfragen im Alltag schnell wichtig werden

Young Finance greift genau diese Situationen auf. In den Workshops geht es um Konto, Karte und Kredit, um Mahnverfahren, Auto und Führerschein sowie um die erste eigene Wohnung. Auf der Projektseite werden außerdem Konsum, Budgetplanung, Online-Shopping und Verträge genannt. Ein Mahnverfahren ist dabei der formale Weg, auf dem offene Forderungen weiterverfolgt werden.

Durchgeführt werden die Workshops von pädagogischen Fachkräften der Caritas-Schuldnerberatungen. Ziel ist laut Projektbeschreibung, junge Menschen zu reflektierten Finanz- und Konsumentscheidungen zu befähigen. Für den Alltag bedeutet das vor allem: Wer zum ersten Mal allein wirtschaftet, soll Rechnungen, Vertragslaufzeiten oder Kaufangebote besser einschätzen können.

Mehr Standorte sind noch kein Beleg für Wirkung

Finanziell abgesichert ist das Vorhaben laut Mitteilung zunächst bis 2027. Die Förderung durch die ING Deutschland läuft weiter, zugleich sucht die Caritas zusätzliche Unterstützer, um weitere Standorte aufzubauen. Das zeigt einerseits, dass das Projekt ausgebaut werden soll. Andererseits bleibt es von weiterer Finanzierung abhängig.

Offen bleibt vor allem die Frage nach der messbaren Wirkung. In der Mitteilung wird keine unabhängige Evaluation genannt, die zeigt, ob Teilnehmende ihr Verhalten nach einem Workshop tatsächlich ändern oder ob sich spätere Schuldenrisiken sichtbar verringern. Gerade bei Präventionsangeboten ist das der entscheidende Punkt: Viele erreichte Jugendliche sind wichtig, belastbare Effekte im Alltag noch wichtiger.

Young Finance verweist damit auf ein grundsätzliches Problem, das viele Schulen, Träger und Beratungsstellen kennen. Finanzbildung wird oft erst dann sichtbar, wenn etwas schiefgeht. Ob das Projekt auf Dauer mehr bewirkt als punktuelle Aufklärung, dürfte sich erst zeigen, wenn Reichweite, Qualität und Begleitung zusammenkommen.

Quellen

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