Wolfspopulation in Deutschland stagniert: BUND fordert Ende der Hetze und mehr Herdenschutz

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Die Zahl der Wolfs-Territorien in Deutschland ist erstmals leicht zurückgegangen – von 285 auf 276. Gleichzeitig sank die Zahl der Nutztierrisse im letzten Berichtsjahr um ein Viertel. Der BUND fordert eine realistische Wolfspolitik und mehr Unterstützung für die Weidetierhaltung, um die Koexistenz zu sichern.

Inhaltsverzeichnis

– Wolfsterritorien sind stabil, Wachstum ist gestoppt.
– Nutztierrisse sind bereits um ein Viertel zurückgegangen.
– BUND fordert realistische Wolfspolitik und Unterstützung der Weidetierhaltung.

BUND fordert realistische Wolfspolitik

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagiert auf die aktuellen Wolfsbestandszahlen mit einem klaren Appell für mehr Sachlichkeit in der Debatte. Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, kommentiert: „Die Hetze gegen den Wolf muss aufhören. Der Bestand des Wolfs wächst nicht mehr. Der grundlose Abschuss von Wölfen in einer Jagdzeit und die Schaffung wolfsfreier Gebiete gefährdet den Wolf und hilft niemandem. Nötig sind eine realistische Wolfspolitik und die deutliche Unterstützung der Weidetierhaltung. Nur so kann die Koexistenz der Weidehaltung mit den Wölfen gesichert werden.“

Die Entwicklung der Wolfsbestände gibt dieser Forderung Nachdruck: Bereits im Wolfsjahr 2023/2024 nahm die Zahl der Territorien nur noch um 3,4 Prozent zu*. Mit 276 Territorien (219 Rudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere) zu 285 Territorien (212 Rudel, 56 Paare und 17 sesshafte Einzeltiere) hat sich der Wolfsbestand stabilisiert*.

Parallel zur Bestandsentwicklung zeigt sich auch bei den Nutztierrissen ein positiver Trend: Die Zahl der Nutztierrisse hat im letzten Berichtsjahr bereits um ein Viertel abgenommen*. Der BUND sieht hier weiteren Handlungsbedarf und betont: „Weitere Verbesserungen beim Herdenschutz sind machbar und werden zu weiteren Reduktionen führen.“

Die folgenden Kapitel beleuchten detaillierte Fakten zur Wolfsentwicklung und zeigen konkrete Lösungsansätze für das Zusammenleben von Wolf und Weidetierhaltung auf.

Einordnung: Zahlen, Trendbruch und neue Messwerte

Die Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland zeigt seit 2024 eine deutliche Veränderung. Während das Monitoringjahr 2023/2024 noch 209 Wolfsrudel registrierte (Stand: Juli 2024, Bundesamt für Naturschutz), dokumentiert die aktuelle Bestandserhebung für das Wolfsjahr 2024/2025 bereits 276 Territorien mit 219 Rudeln, 43 Paaren und 14 territorialen Einzeltieren (Stand: September 2025, Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf). Diese Zahlen markieren einen Wendepunkt in der Populationsdynamik.

Bestands- und Populationsdaten

Die aktuellsten Zählungen belegen eine Stagnation der Wolfspopulation auf hohem Niveau. Mit Stand November 2025 wurden mindestens 1.636 Wolfsindividuen in 276 Territorien erfasst*. Die Entwicklung der letzten beiden Monitoringperioden verdeutlicht die veränderte Dynamik:

Jahr Territorien Rudel Paare Sesshafte Einzeltiere Quelle/Stand
2023/2024 209 BfN, Juli 2024*
2024/2025 276 219 43 14 DBB Wolf, September 2025*

Rechtliche Änderungen 2025

Parallel zur stabilisierten Population vollzog sich 2025 eine bedeutende rechtliche Anpassung. Im Juni 2025 wurde der Schutzstatus des Wolfs in der FFH-Richtlinie von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft (Stand: Juni 2025, Bundesumweltministerium). Diese Änderung ebnete den Weg für die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz im November 2025. Das neue Maßnahmenpaket erlaubt unter bestimmten Bedingungen eine erleichterte Entnahme: wenn Wölfe wirksame Herdenschutzmaßnahmen überwinden oder in Regionen mit geografischen Hindernissen auftreten (Stand: November 2025, Regionalheute/Hessischer Bauernverband). Diese regulatorischen Anpassungen reagieren auf die veränderte Bestandssituation und schaffen einen neuen rechtlichen Rahmen für das Wolfsmanagement.

Herdenschutz, Schäden und regionale Unterschiede

Die Diskussion um den Wolf in Deutschland wird maßgeblich durch konkrete Schadensfälle und regionale Besonderheiten geprägt. In Brandenburg etwa betrafen 58 Prozent der Nutztierrisse Weidetiere ohne wolfsabweisende Herdenschutzmaßnahmen (Stand: ca. 2024/2025)*. Diese Zahl unterstreicht den direkten Zusammenhang zwischen unzureichenden Schutzvorkehrungen und Schadensereignissen. Sie zeigt auch, dass dort, wo Herdenschutz fehlt, die Wahrscheinlichkeit für Nutztierverluste deutlich steigt.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben fast alle Bundesländer mittlerweile umfassende Wolfsmanagement-Strukturen etabliert. Dazu gehören finanzielle Ausgleichszahlungen für nachgewiesene Wolfsrisse sowie die Förderung präventiver Maßnahmen (Stand: aktuell)*. Zu den häufig unterstützten Schutzmaßnahmen zählen der Aufbau elektrischer Zäune, der Einsatz von Herdenschutzhunden und eine fachkundige Beratung der Tierhalter. Diese Instrumente sollen die Weidetierhaltung auch in Wolfsgebieten langfristig sichern.

Für Weidetierhalter stehen verschiedene zentrale Unterstützungsangebote zur Verfügung:

  • Finanzielle Ausgleichszahlungen und Schadenregulierung
  • Förderung von Herdenschutzmaßnahmen
  • Regionale Beratungs- und Managementstellen

Die Wirksamkeit eines konsequenten Herdenschutzes zeigt sich in der bundesweiten Entwicklung: Die Zahl der Nutztierrisse ist im letzten Berichtsjahr bereits um ein Viertel zurückgegangen. Diese positive Tendenz bestätigt, dass mit den richtigen Maßnahmen die Koexistenz von Wolf und Weidewirtschaft möglich ist.*

Auswirkungen und Debatten: Zwischen Schutz, Weidetierhaltung und Politik

Die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen haben trotz stagnierender Wolfsbestände nicht nachgelassen. Während die Zahlen stabil bleiben, verschärfen sich die Kontroversen um den richtigen Umgang mit dem Raubtier. Die Diskussion bewegt sich zwischen den Polen strengen Artenschutzes und praktischen Lösungen für die Weidetierhaltung.

Konfliktlinien

Umweltschutzverbände wie der BUND setzen auf Prävention und Förderung. Sie verweisen darauf, dass die Zahl der Nutztierrisse im letzten Berichtsjahr bereits um 25 Prozent abgenommen hat (Stand: November 2025)*. Aus ihrer Sicht sind "weitere Verbesserungen beim Herdenschutz machbar und werden zu weiteren Reduktionen führen". Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt fordert: "Die Hetze gegen den Wolf muss aufhören." Statt "grundlosem Abschuss" brauche es "realistische Wolfspolitik und die deutliche Unterstützung der Weidetierhaltung".

Landwirtschaftsverbände hingegen drängen auf stärkere Entnahmeregeln. Der Hessische Bauernverband begrüßt die jüngsten rechtspolitischen Änderungen, die eine leichtere Entnahme von Wölfen ermöglichen, die Herdenschutz überwinden (Stand: November 2025). Für viele Weidetierhalter bleibt die Situation prekär, besonders in Regionen mit topographischen Herausforderungen wie steilen Hängen oder unwegsamem Gelände, wo herkömmliche Schutzmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen.

Handlungsoptionen

Die im November 2025 beschlossene Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz markiert einen politischen Kompromiss. Das neue Maßnahmenpaket erlaubt die Entnahme nicht nur bei konkreten Schäden, sondern auch in Regionen mit geografischen Hindernissen beim Herdenschutz. Diese Regelung soll Landwirten in schwierigem Gelände mehr Handlungssicherheit geben.

Dennoch bleiben zentrale Fragen offen: Wie wirksam kann Herdenschutz in Mittelgebirgslagen oder an Steilhängen tatsächlich sein? Reichen die Förderprogramme für Elektrozäune und Herdenschutzhunde aus, um die Weidetierhaltung flächendeckend zu sichern? Und wie lässt sich die Akzeptanz für den Wolf in der ländlichen Bevölkerung erhöhen, wenn Schutzmaßnahmen an natürliche Grenzen stoßen?

Die Debatte zeigt: Selbst bei stabilen Bestandszahlen bleibt der Wolf ein politisches Streitthema, bei dem sich Naturschutzinteressen und landwirtschaftliche Praxis nicht einfach in Einklang bringen lassen.

Wege zur Koexistenz: Was jetzt auf dem Spiel steht

Die Diskussion um den Umgang mit dem Wolf in Deutschland hat sich verschoben – von der grundsätzlichen Frage nach Rückkehr oder Abwehr hin zur konkreten Suche nach praktikablen Lösungen für das Zusammenleben. Die bereits erreichte Reduktion von Nutztierrissen um 25 % im letzten Berichtsjahr zeigt, dass sich die Situation konsolidiert. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch erst: die Umsetzung einer tragfähigen Koexistenz.

Drei zentrale Handlungsfelder werden die Diskussion in den kommenden Monaten prägen. Erstens steht die konkrete Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen an. Die geplante Änderung des Bundesjagdgesetzes mit der Einführung einer begrenzten Jagdzeit und die Diskussion um wolfsfreie Zonen bedürfen einer praxistauglichen Umsetzung, die weder den Schutzstatus des Wolfes aushöhlt noch die Weidetierhaltung zusätzlich belastet. Zweitens muss die Evaluation der bestehenden Herdenschutzförderung zeigen, ob die bereitgestellten Mittel tatsächlich bei den Betrieben ankommen und die Schutzmaßnahmen die erhoffte Wirkung entfalten. Die dokumentierten Defizite beim flächendeckenden Herdenschutz bleiben eine kritische Schwachstelle. Drittens wird die kontinuierliche Aktualisierung des Monitorings entscheidend sein, um politische Entscheidungen auf einer verlässlichen Datenbasis zu treffen.

Für die Bewertung der Wolfspolitik in den nächsten Monaten werden mehrere Indikatoren maßgeblich sein: die Entwicklung der Schadensstatistiken bei Nutztieren, die Ergebnisse der Evaluation gesetzlicher Maßnahmen und die regelmäßigen Monitoring-Meldungen zur Populationsentwicklung. An diesen konkreten Zahlen wird sich zeigen, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich zu einer entspannteren Koexistenz zwischen Weidetierhaltung und Wolf führt.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Stellungnahmen, die auf einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) basieren.

Weiterführende Quellen:

11 Antworten

  1. Wie sieht es eigentlich aus mit den neuen Regelungen für den Wolfsmanagement? Glaubt ihr, dass sie ausreichend sind?

    1. Das könnte ein wichtiger Punkt sein! Vielleicht sollte der Staat mehr finanzielle Unterstützung anbieten.

  2. ‚Die Hetze gegen den Wolf muss aufhören.‘ Da stimme ich Olaf Bandt zu! Wir müssen einen Weg finden, wie Wölfe und Weidetierhaltung zusammenleben können.

  3. Ich finde die Argumente des BUND sehr überzeugend! Der Wolf ist ein Teil unserer Natur und sollte nicht einfach abgeschossen werden. Wie können wir die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen?

    1. Das ist eine gute Frage! Vielleicht sollten wir mehr Aufklärung betreiben und den Leuten zeigen, wie man mit Wölfen umgehen kann.

    2. Auf jeden Fall! Ich denke auch, dass wir mehr Informationen brauchen sollten über Herdenschutz und wie man Wölfe nicht gefährdet.

  4. Die aktuellen Entwicklungen sind wirklich interessant. Mich wundert es, dass die Zahl der Nutztierrisse so stark gesunken ist. Was denkt ihr, könnte das an besseren Herdenschutzmaßnahmen liegen?

    1. Ja, ich glaube auch, dass Herdenschutz eine große Rolle spielt! Aber was ist mit den Landwirten in schwierigen Regionen? Haben die genug Unterstützung?

    2. Ich denke auch, dass Herdenschutz wichtig ist. Aber wenn die Wölfe immer wieder in Konflikt mit den Tieren kommen, wie können wir das lösen?

  5. Ich finde es sehr wichtig, dass wir die Diskussion über Wölfe sachlich führen. Die Zahlen zeigen ja, dass sich der Bestand stabilisiert hat. Es wäre gut, wenn alle Seiten mehr miteinander reden würden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​