Wolf in Deutschland: Bestand stabilisiert sich – Tierschutzbund warnt vor Aufnahme ins Jagdrecht

Der Deutsche Tierschutzbund warnt in einer aktuellen Pressemitteilung (12.11.2025) vor der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Die Organisation verweist auf aktuelle Monitoring-Daten, die eine Stabilisierung der Population belegen. „Es gibt keinerlei fachliche Grundlage, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen oder seine reguläre Bejagung zu fordern“, betont James Brückner, Leiter des Wildtierreferats. Stattdessen fordert der Verband wirksamen Herdenschutz und Aufklärung.
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Inhaltsübersicht

– Wolfspopulation in Deutschland hat sich stabilisiert
– Keine fachliche Grundlage für Bejagung oder Aufnahme ins Jagdrecht
– Politik sollte auf Herdenschutz und Aufklärung setzen

Wolfspopulation stabilisiert sich – Tierschutzbund warnt vor Aufnahme ins Jagdrecht

Die heute veröffentlichten Daten zum Wolfsbestand in Deutschland zeigen eine Stabilisierung – und liefern nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes keinerlei Grundlage für eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht (Pressemitteilung, 12.11.2025)*. Die Organisation spricht von einem klaren Erfolg des Artenschutzes und warnt vor politisch motivierten Forderungen nach Bejagung.

James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund, stellt klar: „Die neuen Zahlen widerlegen einmal mehr das Schreckensbild vom ‚explodierenden Wolfsbestand‘. Der Wolf hat in Deutschland seinen Platz gefunden. Es gibt keinerlei fachliche Grundlage, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen oder seine reguläre Bejagung zu fordern.“*

Der Experte betont die politische Dimension der Debatte: „Solche Vorschläge sind rein politisch motiviert und gefährden die Akzeptanz des Artenschutzes. Statt falsche Erwartungen zu wecken und Lobbyinteressen zu bedienen, sollte die Politik auf wirksamen Herdenschutz und Aufklärung setzen.“

Die aktuellen Monitoring-Ergebnisse der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) bestätigen diese Einschätzung und zeigen, dass die Bestandsentwicklung stagniert.*

Wolfsmonitoring 2024/25: Bestandsentwicklung im Blick

Die aktuellen Monitoringdaten zeigen eine differenzierte Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland. Im Monitoringjahr 2023/2024 wurden bundesweit 209 Wolfsrudel bestätigt* (Quelle: Bundesamt für Naturschutz — Stand: Juli 2024). Die regionale Konzentration lag weiterhin auf Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie Niedersachsen.

Ein Jahr später dokumentiert die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) für das Monitoringjahr 2024/25 insgesamt 108 Wolfsterritorien, darunter 78 Rudel, 21 Paare und 9 territoriale Einzeltiere* (Quelle: DBBW — Stand: September 2025). In 72 Rudeln wurde Reproduktion mit insgesamt 259 Welpen bestätigt*.

Monitoringjahr 2024/25: Kernzahlen im Detail

Die aktuellen Zahlen des Monitoringjahrs 2024/25 bilden den bundesweiten Wolfsbestand zum Stichtag September 2025 ab. Neben den 78 bestätigten Rudeln zeigen die 21 Paare und 9 territorialen Einzeltiere, dass nicht alle Wolfsvorkommen bereits als etablierte Rudelstrukturen zu werten sind. Die Reproduktionsrate von 72 Rudeln mit Nachwuchs unterstreicht die Fortpflanzungsaktivität der Population.

Vergleich zu früheren Monitoringwerten

Die Entwicklung der Wolfszahlen lässt sich anhand der Monitoringperioden nachvollziehen. Während im Vorjahreszeitraum noch 209 Rudel dokumentiert wurden, liegt der aktuelle Wert bei 78 Rudeln innerhalb der 108 Territorien. Diese Differenz in der Zählweise könnte auf methodische Anpassungen oder unterschiedliche Erfassungskriterien zurückgehen.

Monitoring-Vergleich

Monitoringperiode Kennzahl Wert Einheit Quelle/Stand
Monitoringjahr 2023/2024 Bestätigte Wolfsrudel 209 Rudel Bundesamt für Naturschutz — Stand: Juli 2024
Monitoringjahr 2024/25 Wolfsterritorien gesamt 108 Territorien DBBW — Stand: September 2025
Monitoringjahr 2024/25 Rudel 78 Rudel DBBW — Stand: September 2025
Monitoringjahr 2024/25 Paare 21 Paare DBBW — Stand: September 2025
Monitoringjahr 2024/25 Territoriale Einzeltiere 9 Einzeltiere DBBW — Stand: September 2025
Monitoringjahr 2024/25 Rudel mit Reproduktion 72 Rudel DBBW — Stand: September 2025
Monitoringjahr 2024/25 Bestätigte Welpen 259 Welpen DBBW — Stand: September 2025

Die Monitoringdaten bilden die Grundlage für die Diskussion um den Umgang mit Wölfen in Deutschland. Fachleute werten die Zahlen unterschiedlich – während einige von einer Stabilisierung der Population sprechen, sehen andere weiterhin dynamische Entwicklungen, die besondere Managementmaßnahmen erforderlich machen könnten.

Herdenschutz, Schäden und Rechtsrahmen

Die Diskussion um den Umgang mit Wölfen in Deutschland wird maßgeblich durch drei Faktoren bestimmt: die Entwicklung von Nutztierrissen, die finanziellen Aufwendungen für Schutzmaßnahmen und den rechtlichen Rahmen.

Für Herdenschutzmaßnahmen wurden 2023 insgesamt 21.263.081 Euro bereitgestellt* – mehr als das 30-fache der Summe, die für Ausgleichszahlungen bei entstandenen Schäden aufgewendet wurde (637.972 Euro; Stand: 2023)*.

Ein wichtiger Wendepunkt in der rechtlichen Behandlung des Wolfs erfolgte im Juni 2025: Der Schutzstatus in der FFH-Richtlinie wurde von „streng geschützt“ auf „geschützt“ abgesenkt (Stand: Juni 2025)*. Diese Änderung eröffnet neue politische Handlungsspielräume und ermöglicht Anpassungen im deutschen Naturschutz- und Jagdrecht. Konkrete Regelungen werden derzeit zwischen Bund und Ländern abgestimmt und könnten künftig differenziertere Managementansätze ermöglichen.

Wolfsmanagement zwischen Artenschutz und Alltagskonflikten

Die aktuellen Monitoring-Daten zeigen: 108 Wolfsterritorien sind in Deutschland bekannt, darunter 78 Rudel, 21 Paare und 9 territoriale Einzeltiere. Zudem wurde die Anzahl der Wolfsrudel im Monitoringjahr 2023/2024 mit 209 bestätigt.*

Die Debatte wird sich künftig stärker auf konkrete Koexistenz-Maßnahmen konzentrieren. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: der weitere Ausbau wirksamer Herdenschutzmaßnahmen, transparente Information der Bevölkerung über Wolfsverhalten und die Entwicklung regional angepasster Managementkonzepte. Die stabilen Populationszahlen bieten hierfür eine solide Basis, um sachorientierte Lösungen zu finden, die sowohl den Artenschutz als auch die berechtigten Interessen der Weidetierhalter berücksichtigen.

Für politische Entscheidungsträger ergeben sich daraus klare Handlungsoptionen:

  • Konsequente Förderung von Herdenschutzmaßnahmen: Elektrozäune, Herdenschutzhunde und andere Schutzvorrichtungen haben sich als wirksam erwiesen und sollten weiter ausgebaut werden, um Konflikte präventiv zu vermeiden.

  • Flächendeckende Informationskampagnen: Sachliche Aufklärung über Wolfsverhalten kann Ängste in der Bevölkerung abbauen und das Verständnis für notwendige Schutzmaßnahmen fördern.

Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate aus einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Weiterführende Quellen:

5 Antworten

  1. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Wölfe sich in Deutschland etabliert haben. Ich hoffe nur, dass die Politik die richtigen Entscheidungen trifft. Was denkt ihr darüber, wie man den Herdenschutz verbessern kann?

  2. Ich finde es wichtig, dass der Tierschutzbund vor Bejagung warnt. Aber was denkt ihr über die steigenden Nutztierrisse? Sollte das nicht auch ein Thema sein, das diskutiert werden muss?

  3. Die Zahlen zur Wolfspopulation sind interessant! Ich frage mich, ob es genug Informationen für die Bevölkerung gibt. Wie können wir mehr über den Wolf und seine Rolle im Ökosystem erfahren?

  4. Die Aussage, dass der Wolf seinen Platz gefunden hat, ist beruhigend. Aber wie können wir sicherstellen, dass die Landwirte nicht leiden? Vielleicht sollten wir mehr über Herdenschutz lernen und das verbreiten.

  5. Ich finde es gut, dass die Wolfspopulation sich stabilisiert hat. Aber warum ist Herdenschutz so teuer? Könnten wir nicht einfach mehr Aufklärung machen? Das wäre doch sinnvoller als Bejagung.

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