– Akuter Mangel an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum verschärft sich bundesweit
– VdK fordert sozialen und barrierefreien Wohnungsbau als Daseinsvorsorge
– Mietpreisbremse verlängern und verbindliche Barrierefreiheit bei Neubauten einführen
Dringender Handlungsbedarf: Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum wird knapp
Die Wohnungsnot in Deutschland spitzt sich immer weiter zu. Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum bleibt sowohl in Städten als auch auf dem Land rar, was vor allem Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Auszubildende, Studierende und Geringverdienende massiv trifft. Angesichts dieser Situation appelliert VdK-Präsidentin Verena Bentele eindringlich: „Wohnen ist ein Grundrecht und ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Doch in Deutschland verschärft sich die Wohnungsnot immer weiter.“
Zahlen untermauern die Dringlichkeit: Mehr als zwei Millionen altersgerechte Wohnungen fehlen bereits, obwohl gerade die Baby-Boomer-Generation zunehmend auf barrierefreie Wohnmöglichkeiten angewiesen ist. Gleichzeitig schrumpft der Bestand an sozialgebundenen Wohnungen durch Verkaufsmaßnahmen, während Bau- und Energiekosten steigen und die Neubautätigkeit rückläufig ist. Diese Entwicklungen treiben die Mieten in die Höhe und verschärfen damit die soziale Ungleichheit.
Der Sozialverband VdK fordert ein entschiedenes Umsteuern in der Wohnungspolitik. „Der Sozialverband VdK fordert deshalb ein entschiedenes Umsteuern und eine gesetzliche Verankerung des Wohnens als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ Es brauche einen konsequenten Ausbau sozialer und barrierefreier Wohnprojekte ebenso wie verbindliche Standards für Neubauten und eine Verlängerung sowie Verschärfung der Mietpreisbremse über 2029 hinaus.
Wohnen geht weit über die reine Unterkunft hinaus, wie Bentele betont: „Wohnen ist weit mehr als ein Dach über dem Kopf – es ist die Grundlage für soziale Teilhabe, Chancengerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben.“ Deshalb darf Wohnraum nicht zur Armutsfalle werden. „Wir sagen klar: Wohnraum darf keine Armutsfalle sein – nicht heute und nicht in Zukunft.“ Die Politik steht in der Verantwortung, für sichere, bezahlbare und inklusive Wohnverhältnisse zu sorgen, damit immer mehr Menschen nicht aus ihren Vierteln verdrängt oder in Armut gedrängt werden.
Warum bezahlbares und barrierefreies Wohnen uns alle angeht
Die Wohnungsnot in Deutschland hat inzwischen eine breite gesellschaftliche Dimension erreicht, die weit über einzelne Risikogruppen hinausgeht. Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum ist knapp – und das trifft Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Auszubildende, Studierende sowie Geringverdienende gleichermaßen. Die Ursachen sind komplex: Ein stetiger Rückgang sozialgebundener Wohnungen trifft auf steigende Bau- und Energiepreise sowie sinkende Neubautätigkeiten. Zusätzlich verschärft die demografische Entwicklung die Lage, denn die Baby-Boomer-Generation tritt zunehmend in ein Alter ein, in dem barrierefreier Wohnraum zwingend notwendig wird. Aktuell fehlen mehr als zwei Millionen altersgerechte Wohnungen. Ohne einen gezielten Ausbau barrierefreier und sozial geförderter Wohnangebote entstehen Wohnverhältnisse, die soziale Teilhabe erschweren und für viele Menschen zu einer echten Belastung werden.
Der Zusammenhang zwischen Wohnungsmarkt und sozialer Ungleichheit lässt sich auch an der wachsenden Altersarmut ablesen: Immer mehr Menschen verfügen im Alter über geringe finanzielle Mittel, gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten – allen voran die Mieten. Wenn dringend benötigte Förderprogramme wie der Investitionszuschuss „Altersgerecht umbauen“ auslaufen, wird der Handlungsdruck größer. So warnt VdK-Präsidentin Verena Bentele: „Wohnraum darf keine Armutsfalle sein – nicht heute und nicht in Zukunft.“ Die Verhältnisse werden durch politische Weichenstellungen maßgeblich beeinflusst. Beispielsweise hat der Verkauf kommunaler Wohnbestände dazu geführt, dass der Markt die Preise stärker bestimmt, was die Mietkosten weiter in die Höhe treibt.
Der gesellschaftliche Wandel, geprägt durch Urbanisierung und veränderte Lebensmodelle, verlangt nach neuen Lösungsansätzen, um die Versorgung mit bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum zu gewährleisten. Wohnen bedeutet weit mehr als ein Dach über dem Kopf: Es bildet die Basis für soziale Integration und ein selbstbestimmtes Leben. Die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt betreffen daher nicht nur Rentner:innen oder Familien mit kleinem Einkommen, sondern wirken sich auf die gesamte Gesellschaft aus.
Wachsende Altersarmut und die Generation der Baby Boomer
Die Baby-Boomer– also die Jahrgänge zwischen 1955 und 1969 – verändern den Wohnungsmarkt nachhaltig. Viele rücken in ein Alter vor, in dem barrierefreie und altersgerechte Wohnungen keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit sind. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter das Risiko von Einkommenseinbußen und Altersarmut. Die Zahl der Senior:innen, die sich eine angemessene Wohnung nicht mehr leisten können, wächst. Das führt nicht selten zu einem Abstieg in beengte, unwürdige oder sogar unsichere Wohnverhältnisse. Studien bestätigen, dass mehr als zwei Millionen altersgerechte Wohnungen fehlen, obwohl der Bedarf mit der Zeit weiter steigt.
Diese Entwicklung zeigt, dass bezahlbares und barrierefreies Wohnen nicht nur eine soziale Herausforderung, sondern auch eine Frage der Gerechtigkeit und Planungssicherheit ist. Ohne nachhaltige politische Maßnahmen drohen soziale Ausgrenzung und Vereinsamung für viele ältere Menschen.
Politische Lösungswege und gesellschaftliche Verantwortung
Die Politik steht vor der Aufgabe, den Wohnungsmarkt so zu steuern, dass bezahlbares und barrierefreies Wohnen zum Standard wird. Kombinationen aus gesetzlicher Regulierung, Förderprogrammen und nachhaltiger Planung sind notwendig. Diskutiert werden unter anderem:
- Ausbau der Mittel für den sozialen Wohnungsbau
- Verbindliche Barrierefreiheit bei Neubauten
- Verlängerung und Verschärfung der Mietpreisbremse über 2029 hinaus
- Stärkere Förderung von inklusiven und bezahlbaren Wohnprojekten
- Ausbau finanzieller Förderprogramme für den barrierefreien Umbau bestehender Wohnungen
- Flächendeckende Beratungs- und Unterstützungsangebote für benachteiligte Haushalte
Diese Ansätze zielen darauf ab, den Markt zu entlasten, sozialen Wohnraum zu sichern und bestehende Lücken zu schließen. Dabei ist klar: Wohnen muss als Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge gesetzlich verankert sein, um langfristig soziale Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu gewährleisten. Ohne ein entschiedenes Umsteuern droht eine Zuspitzung der Wohnungsnot mit weitreichenden sozialen Folgen für die Gesellschaft insgesamt.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland.




