– Mai 2025: 16.800 neue Wohnungen genehmigt, 5,3% weniger als Vorjahr.
– Januar–Mai 2025: 90.700 Genehmigungen, 1,9% Zuwachs gegenüber Vorjahreszeitraum.
– ZIA fordert „Bau Turbo 2“ mit niedrigeren Baustandards, optimierter Förderung und steuerlichen Anreizen.
Neue Baugenehmigungszahlen: Wohnungsbau stagniert weiter
Im Mai 2025 wurden bundesweit 16.800 neue Wohnungen genehmigt – das sind rund 5,3 Prozent beziehungsweise 900 weniger als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt meldet. Für den Zeitraum von Januar bis Mai 2025 liegt die Zahl der genehmigten Wohnungen bei 90.700, was zwar einem leichten Plus von 1,9 Prozent beziehungsweise 1.700 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, aber von einer echten Erholung im Wohnungsbau keine Spur ist.
„Die Hoffnung war Erholung, die Realität heißt aber weiterhin: keine Dynamik“, erklärt Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Die Situation zeige sich festgefahren, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum bleibe bestehen: „Die Lage ist wie festgefahren. Der Mangel an Wohnraum ist allgegenwärtig.“
Um diesem Stillstand entgegenzuwirken, fordert die Immobilienwirtschaft entschlossene politische Maßnahmen. Der „Bau-Turbo“ müsse endlich und ohne Verzögerung im Bundestag und Bundesrat umgesetzt werden. Darüber hinaus sieht der ZIA weitere notwendige Schritte, um den Wohnungsneubau spürbar anzutreiben:
- Absenkung der Baustandards, um kostengünstiger bauen zu können
- Optimierung der KfW-Förderbedingungen
- Einführung steuerlicher Anreizmodelle
- Abbau der „Staatsquote“, etwa durch Aussetzung oder Senkung der Grunderwerbsteuer
„Der ZIA drängt deshalb auf den nächsten Schritt: einen ‚Bau Turbo 2‘“, so Özkan. Die Forderungen der Branche zielen darauf ab, die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zu verbessern und die Hemmnisse auf dem Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum abzubauen.
Wohnungsbau in der Krise: Warum einfache Lösungen nicht ausreichen
Der Wohnungsbau in Deutschland steckt fest: Trotz des spürbaren Mangels an bezahlbarem Wohnraum verharren die Baugenehmigungen auf einem niedrigen Niveau. Im Mai 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt nur 16.800 neue Wohnungen genehmigt, 5,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Insgesamt zeigt sich von Januar bis Mai 2025 nur eine leichte Steigerung von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark die Baukrise in Deutschland die dringend benötigte Schaffung von neuem Wohnraum ausbremst. Ein schneller Ausweg scheint derzeit nicht in Sicht. Die Ursachen sind vielschichtig, gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren greifen ineinander, politische Lösungsansätze bleiben bislang unzureichend.
Die Stagnation bei den Bauanträgen hat weitreichende Folgen für Mieterinnen und Mieter: Sie verschärft die ohnehin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, treibt die Preise weiter in die Höhe und erhöht die Gefahr sozialer Verdrängung. Auch die Wirtschaft spürt die Bremse, denn der Wohnungsbau trägt wesentlich zur Beschäftigung in zahlreichen Branchen bei. Sinkende Genehmigungszahlen wirken daher dämpfend auf Wachstum und Beschäftigungspotenziale.
Dass sich die Lage kaum verbessert, liegt an mehreren strukturellen Hemmnissen:
- Hohe Baustandards: Die strikten Anforderungen verteuern Bauprojekte und verzögern sie.
- Schwierige Förderbedingungen: Bestehende finanzielle Anreize sind oft nicht praxisnah oder greifen zu langsam.
- Hohe Steuerlast: Insbesondere die Grunderwerbsteuer schlägt bei Bauvorhaben stark zu.
- Langwierige Verfahren: Genehmigungs- und Planungsprozesse dauern häufig zu lange.
- Mangel an Fachkräften: Engpässe im Bauhandwerk bremsen die Umsetzung zusätzlich.
Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig, was schnelle Lösungen erschwert. Der Ruf der Immobilienwirtschaft nach einem „Bau Turbo 2“ bringt das Problem auf den Punkt: Es braucht koordinierte und mehrschichtige Maßnahmen, um den Bau wieder zu beschleunigen und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Wurzeln und Folgen des deutschen Wohnraummangels
Die Ursachen für den Wohnraummangel reichen tief. Bevölkerungswachstum, zunehmende Urbanisierung und veränderte Lebensstile erhöhen die Nachfrage nach Wohnungen stetig. Zugleich steht der Neubau preislich und organisatorisch unter Druck, was den Bestand entlastet, aber keine ausreichende Erweiterung schafft. Die Folgen zeigen sich nicht nur in steigenden Mieten, sondern auch in sozialer Ungleichheit: Menschen mit geringem Einkommen und Familien geraten zunehmend unter Druck.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenfalls erheblich. Die Baubranche gilt als wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Milliardenumsätze und zahlreiche Arbeitsplätze generiert. Eine anhaltende Baukrise schwächt diesen Bereich erheblich, was negative Folgen für die gesamte Volkswirtschaft mit sich bringt. Die Politik steht damit vor einer großen Herausforderung: Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die einerseits bezahlbares Wohnen möglich machen und andererseits den Bau als Wirtschaftsmotor erhalten.
Perspektiven und Chancen für einen Wandel
Trotz der aktuellen Lage gibt es Ansatzpunkte für eine Trendwende. Die Politik muss jetzt zeigen, dass sie den Wohnungsbau auf breiter Front fördern will. Das bedeutet konkret: Baustandards prüfen und gegebenenfalls anpassen, Förderprogramme vereinfachen und beschleunigen, steuerliche Belastungen, wie beispielsweise die Grunderwerbsteuer, senken oder aussetzen. Effizienzgewinne bei Genehmigungsverfahren und der Abbau bürokratischer Hürden sind ebenso zentral wie Investitionen in die Fachkräfteausbildung der Baubranche.
Im Mittelpunkt steht zudem der gesellschaftliche Diskurs: Wohnungsbau betrifft viele Gruppen – von privaten Eigentümern über Investoren bis hin zu den Mieterinnen und Mietern. Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen und der politische Wille stark genug ist, können nachhaltige Lösungen erarbeitet werden. Die kommenden Monate werden deshalb entscheiden, ob in Deutschland der lang erwartete „Bau-Turbo“ gezündet werden kann.
„Die Lage ist wie festgefahren. Es braucht weitere Bausteine, um dem Bau einen echten Schub zu geben“, warnt ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan. Diese Mahnung unterstreicht, dass in der Debatte über Wohnungsbau schnelle und einfache Antworten nicht reichen. Vielmehr bedarf es eines integrativen Ansatzes, der ökonomische, soziale und politische Aspekte gleichzeitig berücksichtigt. Nur so lässt sich dem Wohnraumdruck langfristig begegnen und die Krise entschärfen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf der Pressemitteilung des ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.