– Wohnungsbau-Aufträge im Jahresvergleich nominal minus 16 %, real minus 17,5 % (Q1)
– Tiefbau-Aufträge steigen nominal um 14 %, real um 11 %, besonders Wirtschaftsinfrastruktur
– Gesetz bietet degressive Abschreibung, Experten fordern Bauanforderungen senken oder Förderungen erhöhen
Wohnungsbau in der Krise: Alarmierende Zahlen und Forderungen der Branche
Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zeichnen ein klares und besorgniserregendes Bild für den Wohnungsbau in Deutschland. Die Auftragseingänge im Hochbau sind nominal um fast 5 Prozent und real sogar um 6 Prozent zurückgegangen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im Wohnungsbau selbst: Hier sank das Auftragsvolumen nominal um etwa 16 Prozent und real um etwa 17,5 Prozent.* Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, bringt es auf den Punkt: "Für den Wohnungsbaumarkt beginnt das neue Jahr fatalerweise, wie das alte endete."* Dieser Einbruch setzt sich fort an dem Rückgang der Baugenehmigungen aus dem Vorjahr, der um fast 100.000 Wohnungen niedriger ausfiel.
Trotz der schwierigen Lage im Wohnungsbau zeigt sich im Tiefbau ein bemerkenswerter Unterschied. Hier stiegen die Aufträge nominal um 14 Prozent und real um 11 Prozent.* Insbesondere der Wirtschaftstiefbau verzeichnet ein Wachstum von nominal 22 Prozent, angetrieben von Großprojekten in der Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Allerdings profitieren davon vor allem nicht alle Marktsegmente gleichermaßen, denn der Baumittelstand bleibt hiervon weitgehend außen vor.
Die Baubranche steht zudem vor weiteren Belastungen: Witterungsbedingte Verzögerungen und zu geringe Auftragspolster insbesondere im Wohnungsbau erschweren die Situation zusätzlich. Ein Indikator dafür sind die geleisteten Arbeitsstunden, die im Vergleich zum Vorjahr um circa 8 Prozent zurückgingen. Auch der Umsatz spiegelt diese Entwicklung wider: Im Januar erreichte das Bauhauptgewerbe etwa 5 Milliarden Euro, was einem nominalen Rückgang von 3,7 Prozent und real etwa 5,3 Prozent entspricht. Innerhalb dieses Gesamtvolumens bricht der Wohnungsbau mit nominalen 16 Prozent Umsatzrückgang und rund 1,2 Milliarden Euro besonders stark ein. Im Gegensatz dazu bleibt der gewerbliche Bau stabil bei etwa 2,4 Milliarden Euro Umsatz, während der öffentliche Bau mit einem nominalen Zuwachs von 3 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro wächst.
Vor diesem Hintergrund appelliert Pakleppa an die Politik: Das am Freitag beschlossene Wachstumschancengesetz sieht er als "ein wichtiges Signal", da es insbesondere durch die Möglichkeit der degressiven Abschreibung mehr Investitionssicherheit im Wohnungsbau schaffen will.* Dennoch mahnt er an, dass dies allein nicht ausreiche, um die tiefgreifende Wohnungsbaukrise zu bewältigen. Seiner Auffassung nach müsse die Bundesregierung entweder die Bauanforderungen senken oder die Förderungen erhöhen. Angesichts der hohen Bauzinsen, steigender Materialpreise und umfassender energetischer Auflagen erscheine eine Zinsstütze für viele Bauherren mittlerweile unumgänglich.
Die Konsequenzen der aktuellen Entwicklung reichen weit über die Bauwirtschaft hinaus: Ein Rückgang im Wohnungsbau verschärft die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter und treibt die Wohnkosten nach oben. Dies belastet vor allem Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die heute getroffenen Entscheidungen formen somit das künftige Gesicht der Städte und Gemeinden. Die dringende Forderung von Pakleppa macht deutlich: Es wird eine langfristige Strategie benötigt, die sowohl die Interessen der Bauindustrie als auch die Bedürfnisse der Gesellschaft berücksichtigt.
Wohnungsbaukrise: Gesellschaftliche Herausforderung mit weitreichenden Folgen
Der Einbruch im Wohnungsbau ist längst nicht nur eine Frage der Bauwirtschaft – er hat direkte Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, die soziale Gerechtigkeit und die städtische Entwicklung. Wenn nicht ausreichend neue Wohnungen entstehen, drohen engere Märkte, die Mieten steigen lassen und zahlreiche Bevölkerungsgruppen vor große Probleme stellen. Gerade in Städten, wo Wohnraum ohnehin knapp ist, können die Folgen gravierend sein: Gesellschaftliche Spannungen wachsen, die Vielfalt geht verloren und die soziale Durchmischung wird erschwert.
Historische Krisenjahre zeigen, wie wichtig es ist, frühzeitig gegen solche Engpässe vorzugehen. Wohnungsbaukrisen verändern nicht nur die Struktur von Städten, sondern auch ihr soziales Gefüge. Mit steigenden Kosten und einer knapper werdenden Infrastruktur wird der Druck auf breite Bevölkerungsschichten immer größer. Das beeinflusst auch die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt, denn fehlender Wohnraum begrenzt die Mobilität von Arbeitskräften und hemmt Wachstumspotenziale.
Die Politik und alle Akteure sind jetzt gefordert, konsequente und nachhaltige Reformen auf den Weg zu bringen. Statt kurzfristiger Lösungen braucht es eine klare Strategie, die sowohl den sozialen Bedarf als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Es gilt, die Wohnungsbaukrise als gesamtgesellschaftliches Problem zu begreifen und entsprechend zu handeln.
Mögliche Reform- und Handlungsfelder
- Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und Abbau bürokratischer Hürden
- Förderung bezahlbaren Wohnraums und sozialer Wohnungsbau
- Integration von Infrastruktur- und Wirtschaftsbau zur Stärkung der Quartiere
- Stärkere Unterstützung der Kommunen bei der Flächenausweisung und Stadtentwicklung
Nur durch entschlossenes und koordiniertes Handeln lassen sich die Herausforderungen der Wohnungsbaukrise meistern – andernfalls riskieren Städte, Mieter und die Wirtschaft erhebliche Einbußen.
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Düstere Aussichten für den Wohnungsmarkt: Aufträge im Wohnungsbau brechen weiter ein
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