– H1/2025 Baugenehmigungen 110.000 Wohnungen (+2,9%), Wohnraummangel in Ballungsgebieten bleibt bestehen.
– Mehrfamilienhaus-Genehmigungen stagnieren mit nur +0,1% nach über 40% Rückgang seit 2021.
– Politik braucht Maßnahmenmix aus Regulatorikabbau, Förderkulisse und Planungsvereinfachung für Wohnungsbau.
Gedämpfte Halbjahresbilanz 2025 im Wohnungsbau trotz leichter Genehmigungszunahme
Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 110.000 Wohnungen im Neu- und Umbau genehmigt. Das entspricht einem leichten Anstieg von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im Juni wurde sogar ein Plus von 7,9 Prozent verzeichnet. Diese Zahlen spiegeln jedoch nur begrenzt eine Erholung wider, denn der Wohnungsbau steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Besonders in den Ballungsgebieten und deren Umland bleibt der Wohnungsmangel dringend bestehen. „Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres müssen wir eine gedämpfte Bilanz für den Wohnungsbau ziehen. Denn der enorme Wohnungsmangel in Ballungsgebieten und ihrem Umland hält trotz hohem Bedarf weiter an. Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache“, fasst Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, die Lage zusammen.
Die Baugenehmigungen entwickeln sich je nach Segment unterschiedlich: Im Bereich der Einfamilienhäuser stiegen die Genehmigungen mit rund 21.300 um 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dahingegen sank die Zahl bei den Zweifamilienhäusern um 8,3 Prozent auf etwa 6.000. Das zentrale Segment für den Wohnungsmarkt stellt der Bau von Mehrfamilienhäusern dar, das zwei Drittel des Neubaus umfasst. Hier hat sich die Zahl der genehmigten Wohnungen mit rund 57.300 im ersten Halbjahr 2025 nahezu stabilisiert (+0,1 Prozent). Allerdings hatten die Genehmigungszahlen in diesem wichtigen Bereich zwischen 2021 und 2024 einen Rückgang von über 40 Prozent zu verzeichnen.
Ein maßgeblicher Hemmschuh für den Aufschwung bleibt die Kombination aus hohen Zinsen und steigenden Baukosten. „*Im Zangengriff weiterhin hoher Zinsen und Baukosten springe der Wohnungsbau auch bisher nicht an.“ Trotz des politischen Engagements der neuen Bundesregierung zeigt sich die Wirkung derzeit begrenzt. Mit dem sogenannten „Bau-Turbo“ soll die Aufstellung von Bebauungsplänen in den Kommunen beschleunigt werden, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Allerdings warnt Müller: „Doch allein der politische Wille baut noch keine Wohnung. Im zweiten Halbjahr muss die Bundesregierung deshalb dringend einen Maßnahmenplan zur Umsetzung der weiteren Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag vorlegen. Denn alles, was nicht 2025 angestoßen wird, hat für den Wohnungsbaumarkt kaum noch einen Effekt in dieser Legislaturperiode.*“
Neben der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren ist der Abbau von übermäßiger Regulierung und Bürokratie zentral für die Entlastung der Branche. Gleichzeitig fordert Müller eine stärkere Förderkulisse, um neue Bauvorhaben wirtschaftlich attraktiver zu gestalten und die anhaltende Knappheit wirksam zu bekämpfen. Ein weiteres grundlegendes Problem identifiziert er im Bereich des Baulands: „*Wurden 2011 in den sieben A-Städten noch 5,850 Millionen Quadratmeter Bauland verkauft, waren es 2024 mit 1,633 Millionen nur noch rund ein Viertel. Eines der größten Hemmnisse für die Ausweitung des Wohnungsbaus ist – vor allem in den Ballungsgebieten – das nicht ausreichend zur Verfügung stehende und zu teure Bauland.*“ Ohne eine ausreichende Bereitstellung von Bauland wird sich die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt kaum entspannen lassen.
Herausforderungen und Perspektiven für den Wohnungsmarkt
Der Wohnungsmarkt in Deutschland steht vor anhaltenden Schwierigkeiten, die sich nicht allein durch politische Absichtserklärungen lösen lassen. Trotz eines leichten Anstiegs der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2025 – unter anderem um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bleibt die Entwicklung insgesamt schleppend. Besonders bei Mehrfamilienhäusern, die etwa zwei Drittel des Wohnungsneubaus ausmachen, stagniert die Genehmigungszahl auf einem niedrigen Niveau, nachdem sie zwischen 2021 und 2024 um mehr als 40 Prozent zurückgegangen war. Hohe Baukosten und steigende Zinsen setzen dem Wohnungsbau schwer zu und bremsen den dringend benötigten Ausbau von bezahlbarem Wohnraum aus.
Hauptursache für die anhaltende Stagnation ist die Kombination aus zu wenig verfügbarem Bauland und einer komplexen Regulierungs- und Genehmigungspraxis. So hat sich die Fläche für den Verkauf von Bauland in den sieben größten Städten Deutschlands seit 2011 auf ungefähr ein Viertel reduziert. Dieses knappe und teure Bauland wirkt als einer der größten Hemmschuhe, insbesondere in Ballungsgebieten, wo die Nachfrage am höchsten ist.
Für viele Menschen bedeutet die Wohnungsknappheit wachsende Belastungen. Mieterinnen und Mieter sehen sich mit steigenden Preisen konfrontiert, während junge Familien oder geringverdienende Haushalte oft keinen Zugang zu geeignetem Wohnraum finden. Auch die soziale Durchmischung der Städte leidet, wenn bezahlbare Wohnungen fehlen und Wohnen zunehmend zum Luxus wird.
Wohnraummangel und gesellschaftliche Auswirkungen
Der Stocken am Wohnungsmarkt führt zu spürbaren gesellschaftlichen Folgen. Neben höheren Mieten wächst die Gefahr, dass sich soziale Spannungen verschärfen. Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigem Einkommen und Familien, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind. Der Trend zur Verstädterung verschärft die Situation in den Metropolregionen zusätzlich. Gleichzeitig können Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden haben, wenn diese keine bezahlbaren Wohnmöglichkeiten in der Nähe finden.
Auch wirtschaftlich ist ein funktionierender Wohnungsmarkt wichtig. Ein Mangel an Wohnraum behindert die Mobilität von Arbeitskräften und kann Wachstumschancen der Regionen mindern. Das Investitionsklima im Baugewerbe leidet unter den hohen Kosten und langen Planungszeiträumen. Für den Neubau werden mehr Anreize benötigt, die über politische Willensbekundungen hinausgehen.
Mögliche Lösungen und Zukunftstrends
Politische Initiativen wie der sogenannte "Bau-Turbo", mit dem Bebauungspläne schneller aufgestellt werden sollen, zeigen den Willen zu handeln. Allerdings genügt dieser allein nicht, um den Rückstand aufzuholen. Ein wirksamer Maßnahmenplan muss deshalb mehrere Hebel gleichzeitig bedienen:
- Abbau von Bürokratie und Regulierungen: Vereinfachte und schnellere Genehmigungsverfahren sind entscheidend, um Bauvorhaben zügiger zu realisieren.
- Effektive Förderkulissen: Förderprogramme sollten gezielter ankommen und Investitionen in bezahlbaren Wohnraum attraktiver machen.
- Ausweitung von Bauland: Vor allem in Ballungsräumen muss Bauland besser verfügbar und erschwinglicher werden.
- Innovative Bauweisen: Neue Materialien und Digitalisierung können Kosten senken und Bauzeiten verkürzen.
- Nachhaltige Stadtentwicklung: Konzepte, die Klimaschutz, Lebensqualität und Wohnraum eng verbinden, gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Langfristige Trends wie der demografische Wandel, die Zunahme von Single-Haushalten und veränderte Ansprüche an urbanes Wohnen beeinflussen die Nachfrage zusätzlich. Die Wohnraumversorgung wird in Zukunft daher nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen müssen.
Die Herausforderungen am Wohnungsmarkt sind komplex und gehören zu den zentralen gesellschaftlichen Aufgaben der kommenden Jahre. Die Umsetzung breit angelegter Maßnahmen wird entscheidend dafür sein, ob sich die Lage spürbar entspannt und die Wohnungsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen verbessert.
Die vorgestellten Daten und Zitate zur Halbjahresbilanz stammen aus einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V.
6 Antworten
Es gibt viel Reden über Bauland, aber was konkret passiert da eigentlich? Das Bauland wird immer teurer und damit auch die Mieten. Wer kann denn noch hier wohnen bleiben? Was denkt ihr über alternative Wohnmodelle?
Ich finde es sehr wichtig, dass wir über diese Themen diskutieren! Der Wohnraummangel betrifft uns alle und vor allem die einkommensschwächeren Schichten in unserer Gesellschaft. Haben wir genug Druck auf unsere Politiker ausgeübt?
Es ist erschreckend zu sehen, wie stark der Rückgang bei den Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser ist. Was denkt ihr über die Idee von schnelleren Genehmigungsverfahren? Könnte das helfen oder sind die Probleme tiefer verwurzelt?
Die Zahlen sind zwar leicht angestiegen, aber der Wohnungsmangel bleibt ja wirklich ein großes Problem. Warum tut die Politik nicht mehr, um das zu ändern? Es ist frustrierend, dass die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser so stagnieren. Wir brauchen dringend Lösungen!
Ich stimme zu! Es ist einfach nicht genug, was derzeit getan wird. Die hohen Baukosten und Zinsen machen es doch fast unmöglich für junge Familien, ein Zuhause zu finden. Was könnte man da noch tun?
Das sind wirklich wichtige Punkte, Resi! Ich frage mich auch, wie wir als Gesellschaft den Druck auf den Wohnungsmarkt erhöhen können? Vielleicht mehr Bürgerinitiativen gründen?