Wohnungsbau stagniert: ZIA warnt vor fehlenden Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern – bezahlbarer Wohnraum in Gefahr

Im Juni genehmigte das Statistische Bundesamt 19 000 neue Wohnungen, ein Plus von 7,9 Prozent im Jahresvergleich. ZIA-Chefin Aygül Özkan macht jedoch deutlich, dass dieser Zuwachs fast ausschließlich auf Einfamilienhäusern beruht, während bei dringend benötigten Mehrfamilienhäusern keine Bewegung zu verzeichnen ist. Der Verband kritisiert den bis Herbst 2025 befristeten „Bau-Turbo“ und den kommunalen Zustimmungsvorbehalt als zusätzliche Hürden und fordert stattdessen unbefristete, beschleunigte Verfahren sowie langfristige Planungssicherheit. Um den Wohnungsbau nachhaltig anzukurbeln, brauche es zudem abgesenkte Baustandards, optimierte Förderbedingungen und steuerliche Anreize.
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– 19.000 Wohnungsbaugenehmigungen im Juni, Plus 7,9 %, aber kaum Mehrfamilienhäuser
– ZIA fordert schnellere Verfahren, Wegfall kommunaler Zustimmungs­vorbehalte und dauerhafte Planungssicherheit
– Zusätzliche Maßnahmen verlangt: niedrigere Baustandards, optimierte KfW-Förderung sowie steuerliche Anreize

Aktuelle Baugenehmigungszahlen: Steigerung bei Einfamilienhäusern, stagnierende Mehrfamilienhaus-Baugenehmigungen

Das Statistische Bundesamt hat im Juni insgesamt 19.000 genehmigte Wohnungen gemeldet, was einem Anstieg von 7,9 Prozent beziehungsweise 1.400 Einheiten im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Diese Zahlen hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) unter die Lupe genommen und steuer t eine differenzierte Bewertung vor. Für ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan ist das Ergebnis „auf den ersten Blick positiv, auf den zweiten enttäuschend“. Denn die Zunahme basiert vor allem auf mehr genehmigten Einfamilienhäusern, während die Anzahl der dringend benötigten *Mehrfamilienhäuser kaum zunimmt“.

Der ZIA sieht darin eine klare Begrenzung der aktuellen Entwicklung. Özkan unterstreicht: „Von einer Trendwende kann dennoch keine Rede sein. Der Bau-Turbo, der bis Herbst 2025 beschlossen sein soll, ist ein wichtiger Schritt – aber er allein wird den Wohnungsbau nicht in Schwung bringen“. Damit verweist sie auf das geplante Programm zur Beschleunigung von Bauvorhaben, den sogenannten Bau-Turbo. Kritik übt der Verband insbesondere am geplanten Zustimmungsvorbehalt seitens der Kommunen sowie an der vorgesehenen zeitlichen Befristung des Bau-Turbos. Özkan fordert deshalb: „Wir brauchen schnellere Verfahren ohne neue Hürden und langfristige Planungssicherheit. Die Befristung sollte gestrichen werden“.

Um den Wohnungsbau effizient zu beleben, schlägt der ZIA zusätzliche Maßnahmen vor: eine Absenkung der Baustandards, um kostengünstiger bauen zu können, optimierte Förderbedingungen bei der KfW, steuerliche Anreizmodelle sowie den Abbau der sogenannten „Staatsquote“, zum Beispiel durch die Aussetzung oder Senkung der Grunderwerbsteuer. Özkan betont abschließend: „Der Bau-Turbo ist nur ein Baustein. Wir brauchen jetzt das ganze Set, um wirklich Tempo aufzunehmen“.

Diese Einschätzung unterstreicht die aktuellen Herausforderungen im Wohnungsbau in Deutschland: Trotz leichter Zuwächse bleibt der Bedarf an bezahlbarem und dichtem Wohnraum vor allem in Mehrfamilienhäusern weiterhin hoch. Die Forderungen des ZIA zielen darauf ab, die Rahmenbedingungen für Wohnungserzeugung nachhaltig zu verbessern und bürokratische Hemmnisse abzubauen.

Steigende Wohnungsnot in Deutschland: Warum bezahlbarer Wohnraum knapp bleibt

Deutschland steht vor einer immer drängenderen Herausforderung: Die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen wächst stark, doch der Wohnungsbau kommt nicht ausreichend voran, um die Engpässe zu lindern. Trotz steigender Zahlen bei Baugenehmigungen zeigt sich in der Realität kaum Entspannung auf dem Wohnungsmarkt – vor allem bei den dringend benötigten Mehrfamilienhäusern. Das hat vielfältige Ursachen, die tief in den Strukturen von Planung, Finanzierung und Bauprozessen verwurzelt sind. Zudem ist die Wohnungsnot ein gesamtgesellschaftliches Thema, das Städte, Mieterinnen und Mieter, Familien sowie Investoren gleichermaßen betrifft.

Die aktuellen Zahlen belegen zwar einen leichten Anstieg bei den genehmigten Wohnungen: Im Juni wurden bundesweit rund 19.000 Wohnungen genehmigt, was 7,9 Prozent mehr sind als im Vorjahresmonat. Doch die Zunahme ist vorrangig auf Einfamilienhäuser zurückzuführen, während Mehrfamilienhäuser, die für eine größere Zahl von Bewohnern wichtig sind, kaum zulegen. Das erklärt maßgeblich, warum der Wohnungsmarkt trotz positiver Signale angespannt bleibt.

Wie Engpässe im Wohnungsbau unsere Städte verändern

In vielen deutschen Städten führen die Wohnungsengpässe zu spürbaren Veränderungen. Erwerbsnahe Ballungszentren und Wachstumsregionen erleben eine zunehmende Verdrängung von einkommensschwächeren Gruppen, da bezahlbarer Wohnraum knapp und teuer wird. Besonders Familien mit mittleren oder niedrigen Einkommen spüren den Druck, weil ihnen passende, bezahlbare Wohnungen immer seltener zur Verfügung stehen. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die soziale Durchmischung von Vierteln aus und prägt langfristig das Erscheinungsbild und die Lebensqualität in den Städten.

Das stockende Mehrfamilienhaus-Bauvolumen erschwert zudem einen nachhaltigen Zuwachs an Wohnraum in urbanen Räumen. Höhere Baukosten, lange Genehmigungsverfahren und fehlende Flächen führen dazu, dass neue Projekte häufig verzögert oder ganz verworfen werden. Investoren sind zurückhaltend bei Projekten, denen es an Planungssicherheit und attraktiven Rahmenbedingungen fehlt.

Diese Reformen könnten nachhaltige Impulse geben

Um den Wohnungsbau endlich zu beschleunigen und die Wohnungsnot zu mildern, sind umfangreiche politische und strukturelle Reformen notwendig. Der von der Bundesregierung angekündigte „Bau-Turbo“, der bis Herbst 2025 beschlossen werden soll, ist dabei ein wichtiger erster Schritt. Allerdings bleibt er allein nach Ansicht von Experten unzureichend, um die Marktlage spürbar zu verändern. Entscheidend sind weitere Maßnahmen, die das Bauen günstiger und schneller machen und langfristige Planbarkeit schaffen.

Vier zentrale Handlungsfelder stechen dabei besonders hervor:

  • Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, da neue Hürden und zeitliche Befristungen den Bau-Turbo behindern und Investoren verunsichern.
  • Absenkung der Baustandards, um kostengünstiger bauen zu können, ohne dabei die Qualität unnötig zu überhöhen.
  • Verbesserte Förderbedingungen, beispielsweise durch eine Anpassung der KfW-Programme, die Bauherren zugutekommen.
  • Steuerliche Anreizmodelle, etwa durch Senkung oder Aussetzung der Grunderwerbsteuer, die Bauprojekte für Investoren attraktiver machen.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Bauvolumen dauerhaft zu erhöhen und speziell den Bau von Mehrfamilienhäusern zu fördern. Für Städte und Gemeinden wäre das eine Chance, die wachsende Wohnungsnachfrage mit bezahlbaren Angeboten zu bedienen. Für Mieterinnen und Mieter könnten sich dadurch bessere Perspektiven auf ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum eröffnen.

Die Herausforderungen sind vielseitig und erfordern ein abgestimmtes Handeln von Politik, Planungsbehörden und der Bauwirtschaft. Nur so lässt sich die wachsende Wohnungsnot nachhaltig entschärfen und der Bedarf der Gesellschaft in einer Weise decken, die sozial und wirtschaftlich tragfähig ist.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von ZIA – Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

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8 Kommentare

  1. Die Vorschläge des ZIA sind interessant. Besonders die steuerlichen Anreize könnten helfen! Gibt es schon konkrete Pläne oder Modelle dafür? Ich frage mich auch, wie Investoren darauf reagieren werden.

    1. Ja genau! Es wäre gut zu wissen, ob es bereits Gespräche mit Investoren gibt und wie deren Meinung dazu aussieht.

    2. Das wäre wirklich spannend! Ich hoffe nur, dass diese Maßnahmen nicht zu lange auf sich warten lassen und wir schnell Ergebnisse sehen.

  2. Ich finde es wichtig, dass die Baustandards gesenkt werden können. Aber wo liegt die Grenze? Qualität sollte ja nicht verloren gehen. Was haltet ihr davon?

  3. Die Anhebung der Anzahl an Einfamilienhäusern ist zwar positiv, aber ich mache mir Sorgen um die soziale Durchmischung in unseren Städten. Welche Maßnahmen könnten helfen, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

    1. Ich stimme zu, Waltraud! Wir müssen auch an Mehrfamilienhäuser denken. Habt ihr Ideen oder Beispiele aus anderen Städten, die gut funktioniert haben?

  4. Die Forderung nach schnelleren Verfahren klingt gut, aber wie wird das in der Praxis umgesetzt? Ich habe oft von langen Genehmigungsprozessen gehört, die viele Projekte behindern. Was denkt ihr darüber?

  5. Ich finde die Zahlen zu den Wohnungsbaugenehmigungen recht interessant, aber wie können wir sicherstellen, dass Mehrfamilienhäuser nicht weiter vernachlässigt werden? Das ist doch ein wichtiges Thema für Familien.

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