– GdW begrüßt „Bau-Turbo“-Gesetzentwurf, fordert Nachbesserungen für wirksame Beschleunigung des Wohnungsbaus.
– Bezahlbarer Wohnraum soll als überragendes öffentliches Interesse im Baurecht verankert werden.
– GdW fordert Gebäudetyp E-Absicherung, flexiblere TA-Lärm-Regeln und dreisäulige Wohnungsbauförderung.
„Bau-Turbo“ im Wohnungsbau: Ein wichtiges Signal mit Nachbesserungsbedarf
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW begrüßt den neuen Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Wohnungsbaus als wichtigen Schritt gegen den anhaltenden Wohnungsmangel in Deutschland. Doch der Verband warnt: Der Begriff „Bau-Turbo“ erwecke den Eindruck, der gesamte Bauprozess werde schneller und einfacher – tatsächlich aber geht es aktuell nur darum, schneller mehr Baugrund verfügbar zu machen. Weitere Maßnahmen sind zwingend nötig, um die Schaffung von Wohnraum wirklich zu beschleunigen.
Axel Gedaschko, Präsident des GdW, bringt die Lage auf den Punkt: „Der Wohnungsmangel in Deutschland ist längst zu einer sozialen und wirtschaftlichen Schicksalsfrage geworden.“ Für ihn liegt die Verantwortung vor allem bei den Kommunen: „Jetzt kommt es darauf an, dass der Bau-Turbo nicht nur ein Etikett bleibt, sondern schnell, wirksam und praxistauglich umgesetzt wird. Entscheidend sind die Kommunen. Sie haben den Zündschlüssel für den Bau-Turbo in der Hand. Sie müssen das Gesetz vor Ort zur Anwendung bringen.“
Eine zentrale Forderung des GdW ist die gesetzliche Verankerung der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum als „überragendes öffentliches Interesse“ – vergleichbar mit § 2 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Diese Festschreibung könnte Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen. Gedaschko betont: „Wir brauchen eine ‚Fast Lane‘ für den Wohnungsbau. Wenn der Ausbau von Windrädern oder Stromtrassen im überragenden öffentlichen Interesse steht, dann gilt das erst recht für bezahlbaren Wohnraum. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Weiterhin fordert der Verband die bundesrechtliche Absicherung des sogenannten Gebäudetyps E. Diese Bauart ermöglicht flexible Bau- und Ausstattungsstandards, die die Baukosten spürbar senken können – ein wichtiger Hebel für mehr bezahlbaren Wohnraum.
Ein weiteres bislang blockierendes Hindernis ist die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Laut Gedaschko sollten Kommunen bei der Ausweisung von Baugebieten mehr Freiheiten erhalten, insbesondere wenn Wohnungsbau an bestehenden Gewerbe- oder Industrieflächen stattfinden soll: „Wenn wir Wohnungsbau an bestehenden Gewerbe- oder Industriegebieten ermöglichen wollen, dann dürfen wir uns nicht durch überzogene Detailvorgaben selbst blockieren.“
Neben diesen rechtlichen und planerischen Anpassungen fordert der GdW ein umfassendes, ressortübergreifendes Konzept zur Überwindung der Wohnungsbaukrise. Dieses umfasst eine dreisäulige Förderung für sozialen Wohnungsbau, das mittlere Preissegment sowie steuerliche Anreize. Kurzfristig wichtig ist zudem die Wiederaufnahme der EH55-Förderung, die der Haushaltsausschuss des Bundestages kürzlich in Aussicht gestellt hat.
Abschließend stellt Gedaschko klar: „Wir müssen beim Wohnungsbau deutlich an Geschwindigkeit zulegen. Und Deutschland braucht ein echtes Neubau-Klima. Nur so kann wieder bezahlbarer Wohnraum für alle entstehen.“ Damit der „Bau-Turbo“ mehr als ein Schlagwort bleibt, ist eine schnelle und uneingeschränkte Umsetzung nötig.
Die ausführliche GdW-Stellungnahme zum „Bau-Turbo“ steht zum Download bereit:
https://www.gdw.de/media/2025/09/2025-09-03_gdw-stn-refe-bau-turbo-1.pdf
Mehr Tempo beim Wohnungsbau: Warum der „Bau-Turbo“ allein nicht reicht
Die Wohnungsnot in Deutschland hat sich zu einer drängenden sozialen und wirtschaftlichen Herausforderung entwickelt. Steigende Mieten, knapper Raum und lange Genehmigungsverfahren belasten viele Menschen – vor allem diejenigen mit geringem Einkommen. Vor diesem Hintergrund steht der Vorschlag eines „Bau-Turbos“, der den Wohnungsbau beschleunigen soll, im Fokus der politischen Debatte. Doch die Frage bleibt: Warum ist mehr Tempo beim Bauen so wichtig, und warum reicht eine bloße Beschleunigung des Baugrundangebots nicht aus?
In Deutschland fehlen Millionen bezahlbarer Wohnungen. Diese Knappheit wirkt sich auf den sozialen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung aus, denn Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität. Ein schnellerer Wohnungsbau könnte Entlastung schaffen und die Wohnqualität verbessern. Allerdings sind die Ursachen der Wohnraumknappheit komplex und eng miteinander verflochten.
Kommt mit dem „Bau-Turbo“ die Wohnungswende?
Der „Bau-Turbo“ zielt vor allem darauf ab, schneller mehr Baugrund bereitzustellen. Das ist unverzichtbar, denn langwierige Flächenausweisungen verzögern Projekte maßgeblich. Doch schneller Baugrund ist nur ein Baustein. Die Verkürzung von Genehmigungsverfahren, die Anpassung von Baurecht und technischen Vorschriften sowie die Förderung bezahlbaren Wohnraums müssen Hand in Hand gehen. Ohne eine solche umfassende Strategie sinken die Chancen auf eine echte Wohnungswende.
Auch aus anderen Ländern zeigen sich Parallelen: Erfolgreiche Wohnungsbauprogramme kombinieren schnelles Baugenehmigungsverfahren mit finanziellen Anreizen und sozialpolitischer Steuerung. Sie setzen auf eine aktive Rolle der Kommunen, die vor Ort die Weichen stellen müssen – von der Flächenauswahl bis zur Begleitung der Bauprojekte.
Baurecht, Förderungen und lokalpolitische Verantwortung
Die Verzahnung von Baurecht und Förderung spielt eine zentrale Rolle. Zum Beispiel könnte die Festschreibung von bezahlbarem Wohnraum als „überragendes öffentliches Interesse“ die Verfahren beschleunigen und rechtliche Konflikte reduzieren. Gleiches gilt für eine erhöhte Flexibilität bei technischem Lärmschutz, um Baugebiete an bestehenden Gewerbeflächen besser nutzen zu können.
Kommunen tragen eine große Verantwortung. Sie sind es, die den Bau-Turbo zünden können, indem sie Bauflächen schnell und effizient ausweisen, widerspruchsfreier genehmigen und lokale Förderprogramme gestalten. Doch sie benötigen klare bundesrechtliche Rahmenbedingungen und ausreichende Mittel, um dieser Rolle gerecht zu werden.
Zentrale Herausforderungen und mögliche Handlungsschritte lassen sich so zusammenfassen:
- Beschleunigung der Flächenausweisung und Vereinfachung der Planungsverfahren
- Festschreibung bezahlbaren Wohnraums als öffentliches Interesse zur Beschleunigung von Genehmigungen
- Flexiblere technische Vorschriften wie die Anpassung der TA Lärm
- Dreisäulige Förderung: sozialer Wohnungsbau, Mittleres Preissegment, steuerliche Anreize
- Verstärkung der kommunalen Steuerungs- und Planungskompetenz
Ausblick: Wohin steuert der Wohnungsbau?
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie schnell und praxisnah der Bau-Turbo umgesetzt wird. Auch die Frage, ob weitere gesetzliche Nachbesserungen folgen, bleibt entscheidend. Zudem rückt das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus: Neubau und Wohnqualität müssen ökologische, soziale und ökonomische Anforderungen zugleich erfüllen.
Ein Neubau-Klima, das Investoren, Kommunen und Bauunternehmen gleichermaßen motiviert, könnte zu spürbaren Verbesserungen führen – aber nur, wenn rechtliche Hemmnisse abgebaut, Fördermittel klug eingesetzt und lokale Verantwortlichkeiten klar geregelt sind. Deutschland braucht mehr Tempo beim Wohnungsbau, doch noch wichtiger ist, diese Beschleunigung in ein ganzheitliches Konzept einzubetten, das dauerhaft bezahlbaren Wohnraum sichert.
Für diesen Beitrag stammen alle Informationen und Zitate aus einer Pressemitteilung des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.