Wissenschaftskarriere im Umbruch: Deutscher Hochschulverband fordert Reformen der Personalstrukturen für attraktive Karrierewege

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Am 14. Juli 2025 hat der Deutsche Hochschulverband (DHV) die Politik aufgefordert, verlässliche Karrierewege im Wissenschaftsbetrieb zu schaffen, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und deutsche Nachwuchstalente im Land zu halten. Präsident Lambert T. Koch kritisierte befristete Verträge, häufige Ortswechsel und prekäre Lebensverhältnisse als abschreckend für angehende Wissenschaftler:innen. Er fordert stattdessen vielfältige, eigenständige Positionen außerhalb der Professur mit attraktiver Vergütung und lobt die Empfehlungen des Wissenschaftsrats als gute Grundlage. Bund und Länder müssten nun Personalkategorien definieren, Dauerstellen bereitstellen und eine verlässliche Grundfinanzierung sicherstellen.

Inhaltsverzeichnis

– Bonn (14. Juli 2025): DHV begrüßt Wissenschaftsrat-Empfehlungen gegen Fachkräftemangel.
– Forderung nach klaren Karrierewegen, mehr Dauerstellen und verlässlicher Grundfinanzierung durch Bund und Länder.
– Diskussion über Department-Strukturen und größere Autonomie für nichtprofessorale Positionen ergebnisoffen fortführen.

Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem: Forderungen des DHV an die Politik

Am 14. Juli 2025 hat der Deutsche Hochschulverband (DHV) die aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem begrüßt. Die Vorschläge zielen darauf ab, die Wissenschaft als Beruf attraktiver zu machen – gerade vor dem Hintergrund eines wachsenden Fachkräftemangels. Für den DHV ist klar: Die Zukunft der Wissenschaft hängt entscheidend davon ab, verlässliche und transparente Karrierewege zu schaffen, die Talente im Land halten.

Der Präsident des DHV, Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, benennt zentrale Probleme, mit denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler konfrontiert sind: Zeitverträge, häufige Ortswechsel sowie unsichere und knappe finanzielle Rahmenbedingungen führen zu oft prekären und familienunfreundlichen Lebensverhältnissen. Er erklärt: „Diejenigen, die sich auf den langen und gerade zu Beginn oftmals entbehrungsreichen Weg einer wissenschaftlichen Karriere begeben, zeichnen außerordentliche Leistungsbereitschaft und eine überdurchschnittlich hohe Motivation aus.“ Doch genau diese Bedingungen können zermürben und schrecken zunehmend ab. Als Folge verliere die deutsche Wissenschaft Talente, die ins Ausland oder in andere Bereiche abwandern. „Es mangelt aktuell an verlässlichen, transparenten Karrierewegen sowie attraktiven Optionen für einen Verbleib in der Wissenschaft“, so Koch.

Der DHV stimmt mit dem Wissenschaftsrat darin überein, dass zwischen Qualifikation und Daueraufgaben unterschieden werden muss. Insbesondere in der Postdoc-Phase sollten früh durch qualitätsgeleitete Verfahren Entscheidungen über den weiteren Verbleib im Wissenschaftssystem getroffen werden. Der Bedarf an unbefristeten Stellen für erfahrenes Personal in Lehre, Forschung und Wissenschaftsmanagement ist dabei fach- und standortabhängig. Koch betont: „Personalkategorien außerhalb der Professur sind dann attraktiv, wenn sie sich von der Professur unterscheiden und zugleich den Stelleninhaberinnen und Stelleninhabern größtmögliche Eigenständigkeit und hinreichende Entwicklungsmöglichkeiten bei attraktiver Vergütung bieten.“

Diskutiert wird auch die Einführung von Department-Strukturen, wie sie in anderen Wissenschaftssystemen üblich sind. Diese bieten flachere Hierarchien und weniger formale Strukturen als das traditionelle Lehrstuhlprinzip. Koch weist jedoch darauf hin, dass die Akzeptanz solcher Strukturen sehr unterschiedlich sei: „Ich halte es für wenig sinnvoll, sie dem System flächendeckend überzustülpen. Einen organischen Wandel hingegen, der die Organisationsmitglieder dorthin mitnimmt, finde ich begrüßenswert.“ Selbständigkeit und Autonomie sollten auch an weiterentwickelten Lehrstühlen möglich sein – etwa durch frühere Übertragung von Verantwortung und eine offenere, vernetztere Arbeitsweise. Dabei gelte: „Mehrere Wege führen nach Rom.“

Für den DHV ist nach den Vorschlägen des Wissenschaftsrats der nächste Schritt klar: „**Jetzt ist die Politik am Zug!**“ Bund und Länder müssen ihre Regelungskompetenz nutzen, um Personalkategorien zu definieren, aufeinander abzustimmen und zusätzliche Dauerstellen bereitzustellen. Es seien Anreize erforderlich, damit Hochschulen und Forschungseinrichtungen die neuen Optionen systematisch nutzen. Koch warnt eindringlich: „Ohne eine verlässliche Grundfinanzierung, das kann man nicht oft genug betonen, wird das nicht gelingen.“ Nur so könne die deutsche Wissenschaft langfristig wettbewerbsfähig bleiben und ihre Talente binden.

Wissenschaftskarrieren zwischen Unsicherheit und Reformbedarf

Die Laufbahn in der Wissenschaft ist für viele junge Forschende ein unsicherer Weg, der von befristeten Verträgen, häufigen Ortswechseln und finanziellen Engpässen geprägt sein kann. In Deutschland nimmt diese Unsicherheit insbesondere dadurch zu, dass verlässliche und transparente Karrierewege fehlen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Betroffenen, sondern auf das gesamte Wissenschaftssystem und seine gesellschaftliche Rolle. Ein Mangel an Planungssicherheit führt dazu, dass Talente ins Ausland oder in andere Berufsfelder abwandern. Dabei ist die Attraktivität des Wissenschaftsberufs entscheidend für den Erfolg von Forschung und Lehre, gerade angesichts eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels.

Was brauchen junge Wissenschaftler?

Junge Wissenschaftler:innen stehen vor der Herausforderung, in einem System Fuß zu fassen, das sich noch stark am Lehrstuhlprinzip orientiert und häufig keine unbefristeten Perspektiven bietet. Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV), beschreibt die Situation so: „Zeitverträge, häufige Ortswechsel, gleichermaßen unsichere wie knappe finanzielle Rahmenbedingungen und somit im Ergebnis mitunter prekäre und nicht zuletzt familieninkompatible Lebensverhältnisse – das kann zermürben und schreckt in zunehmendem Maße ab.“ Die Unsicherheit betrifft vor allem die frühen Karrierephasen, etwa die Postdoc-Phase, in der oftmals noch unklar ist, ob und wie es weitergeht.

International wird an verschiedenen Modellen gearbeitet, um langfristige Perspektiven zu schaffen. In einigen Ländern gibt es bereits etablierte Personalkategorien, die außerhalb der Professur unbefristete und eigenständig ausgestaltete Forschungs- und Lehrpositionen bieten. Diese unterscheiden sich von klassischen Professuren durch spezielle Aufgabenprofile, eigenständige Verantwortungsbereiche und attraktive Vergütungen. Solche Modelle könnten auch im deutschen Wissenschaftssystem künftig eine Rolle spielen, um den Verbleib von Nachwuchskräften zu sichern.

Wie prägen Personalstrukturen die Forschung?

Die aktuelle Personalstruktur in Deutschland ist durch klare Hierarchien im Lehrstuhlprinzip geprägt, bei dem die Professur als zentrale Position gilt. Eine Folge sind oft starre Organisationsformen, die wenig Raum für die Entfaltung eigenständiger wissenschaftlicher Karrieren außerhalb der Professur lassen. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats betonen daher die Notwendigkeit, stärker zwischen Qualifikationsphasen und Daueraufgaben zu unterscheiden. Lambert T. Koch hebt hervor: „Personalkategorien außerhalb der Professur sind dann attraktiv, wenn sie sich von der Professur unterscheiden und zugleich den Stelleninhaberinnen und Stelleninhabern größtmögliche Eigenständigkeit und hinreichende Entwicklungsmöglichkeiten bei attraktiver Vergütung bieten.“

Zudem diskutieren Expert:innen und Verbände wie der DHV, ob sich deutsche Hochschulen öffentlicher gegenüber international verbreiteten Department-Strukturen zeigen sollten, die flachere Hierarchien und mehr kollegiale Selbstverwaltung ermöglichen. Diese könnten zu mehr Flexibilität und einer ausgewogeneren Verteilung von Verantwortung und Anerkennung führen. Allerdings betont Koch, dass solche Veränderungen nicht flächendeckend und von oben verordnet geschehen sollten, sondern als organischer Wandel verstanden werden müssen, der unterschiedliche Fachkulturen und regionale Besonderheiten berücksichtigt.

Positive Effekte gelungener Personalreformen lassen sich unter anderem an folgenden Punkten festmachen:

  • Steigerung der Attraktivität des Wissenschaftssystems für Nachwuchsforschende
  • Nachhaltige Bindung von Talenten und Verringerung der Abwanderung ins Ausland
  • Bessere Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben durch stabile Arbeitsverhältnisse
  • Erhöhung von Autonomie und Eigenverantwortung selbst außerhalb der Professur
  • Flexiblere Organisationsformen mit weniger starren Hierarchien
  • Qualitätssteigerung in Forschung und Lehre durch klar definierte und attraktive Karrierewege

Blick in die Zukunft

Die Debatte um Strukturreformen im deutschen Wissenschaftssystem ist nicht nur eine Frage der Personalpolitik, sondern betrifft die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Forschungslandschaft. Nach Einschätzung des DHV-Präsidenten liegt der Ball nun bei der Politik: Bund und Länder müssen Grundlagen schaffen, um „Personalkategorien definieren und diese aufeinander abstimmen, zusätzliche Dauerstellen bereitstellen sowie Anreize schaffen, damit die Hochschulen und Forschungseinrichtungen von den erweiterten Optionen systematisch Gebrauch machen.“ Gleichzeitig betont Koch, dass „ohne eine verlässliche Grundfinanzierung, das kann man nicht oft genug betonen, wird das nicht gelingen.“

Zukünftige Debatten werden sich daher um Finanzierung, Nachhaltigkeit und Umsetzungsstrategien drehen müssen. Dabei geht es um mehr als die individuelle Karriere, denn stabile und attraktive Karrieremodelle sind eine Grundvoraussetzung, damit Wissenschaft gesellschaftlich relevant bleibt und ihr Innovationspotenzial entfalten kann. Die kommenden politischen Entscheidungen werden maßgeblich bestimmen, ob Deutschland diesen Herausforderungen erfolgreich begegnet.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbands.

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