– GAIN-Tagung 25. Jahrestagung von Humboldt-Stiftung, DAAD und DFG, 29.–31. August in Boston.
– Über 25 Workshops und 80 deutsche Forschungseinrichtungen präsentieren Karriereberatung und offene Stellen.
– Fokus auf transatlantische Wissenschaftskooperation und Solidarität angesichts aktueller US-Regulierungsdrucke.
GAIN-Tagung in Boston: Neue Impulse für deutsch-amerikanische Wissenschaftskarrieren
Vom 29. bis 31. August versammelt sich das German Academic International Network (GAIN) in Boston zur 25. Jahrestagung, der größten Plattform für internationale Wissenschaftskarrieren in Deutschland außerhalb Europas. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Postdocs und Early-Career-Forschende aus Deutschland, die aktuell in den USA oder Kanada tätig sind. Ziel der Tagung ist es, Nachwuchswissenschaftler:innen umfassend über Karrieremöglichkeiten an deutschen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und in der Industrie zu informieren sowie bestehende deutsch-amerikanische Wissenschaftskooperationen zu stärken und auszubauen.
Die GAIN-Tagung findet in einer herausfordernden Phase statt, in der das akademische Umfeld in den USA unter erheblichem Druck steht. Seit Beginn des Jahres sehen sich Forschungseinrichtungen mit zunehmenden Repressionen konfrontiert: Institutionen werden geschlossen, Projekte abgebrochen, Wissenschaftler:innen verlieren ihre Anstellungen, ausländische Forschende und Studierende werden in ihrer Aufenthaltsgenehmigung eingeschränkt. Die Veranstalter setzen daher ein deutliches Zeichen der Solidarität. „Seit Jahresbeginn ist die Wissenschaft in den USA immer neuen Repressionen ausgesetzt. Wir alle, die Wissenschaftsgemeinschaft in Deutschland ebenso wie weltweit, verfolgen diese Entwicklung mit Entsetzen“, betont Katja Becker, Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Das Aufrechterhalten und die weitere Stärkung der transatlantischen Wissenschaftsbeziehungen sind der DFG daher ein besonderes Anliegen.“
Die Jahrestagung bietet mit über 25 Workshops praxisnahe Einblicke in Berufungsverfahren, den Aufbau von Tenure-Track-Karrieren sowie Möglichkeiten in internationalen Organisationen. Parallel stellt die „Talent Fair“ rund 80 deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor, die ihre Karrierechancen und ausgeschriebenen Stellen präsentieren. Zudem informieren die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die DFG speziell über Förderprogramme für junge Wissenschaftler:innen.
Die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Wissenschaftsaustauschs wird auch im politischen und institutionellen Umfeld hervorgehoben: Deutschland ist nach den USA mit etwa 75.000 Forschenden an Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen das zweitwichtigste Gastland für internationale Wissenschaftler:innen. Die langjährigen partnerschaftlichen Netzwerke beider Länder tragen entscheidend zur Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschland bei. „Die GAIN-Tagung ist seit einem Vierteljahrhundert ein erfolgreiches Forum für den Dialog über internationale Wissenschaftskarrieren und die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschland“, unterstreicht DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee. Angesichts der aktuellen Herausforderungen in den USA sei es „umso wichtiger, unsere Partner:innen in den USA zu unterstützen, unsere Solidarität zu zeigen und gemeinsam die deutsch-amerikanischen Hochschulkooperationen zu erhalten und wo immer möglich auszubauen.“
Robert Schlögl, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, verweist auf die globale Bedeutung offener Wissenschaftsnetze: „Wir erleben seit einigen Jahren weltweit starke Tendenzen der Renationalisierung. Wer den globalen Austausch in der Wissenschaft erschwert, gefährdet nicht nur die Demokratie, sondern den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit der Menschheit.“ Die Global Minds Initiative der Bundesregierung werde in den kommenden Jahren verstärkt Stipendien und Forschungspreise zur Förderung internationaler Netzwerke vergeben. Solche Verbindungen seien essenziell für die Qualität der eigenen wissenschaftlichen Leistungen und die Stabilität der globalen Zusammenarbeit.
Die GAIN25 wird im Marriott Hotel in Boston stattfinden und verspricht mit über 600 Anmeldungen erneut ein bedeutendes Forum zu werden, das Forschende und Institutionen aus beiden Ländern enger verknüpft und ihre Zusammenarbeit auf zukunftsfähige Beine stellt.
Globale Weichenstellung für freie Wissenschaft und internationale Kooperation
Die Bedeutung von Wissenschaftsfreiheit und globaler Zusammenarbeit in Forschung und Lehre erlebt angesichts zahlreicher gesellschaftlicher, politischer und technologischer Veränderungen eine neue Dringlichkeit. Die Wissenschaft steht an einem Scheideweg: Internationale Mobilität von Forschenden, offene Netzwerke und partnerschaftlicher Austausch sind zentrale Pfeiler, um Innovationen voranzutreiben und Herausforderungen wie den Fachkräftemangel oder zunehmende politische Restriktionen zu begegnen.
Die GAIN-Tagung, als eine der wichtigsten Plattformen für den Dialog zwischen Deutschland und den USA im Wissenschaftsbereich, zeigt insbesondere den Wert transatlantischer Kooperationen. Sie bündelt Expertisen, fördert Karrieren und unterstützt den Austausch, der weit über bilaterale Beziehungen hinaus Auswirkungen auf den globalen Forschungserfolg hat. Gerade Deutschland nimmt als Gastland für rund 75.000 internationale Forschende eine Spitzenposition ein – eine Verbindung, die durch enge Partnerschaften mit US-amerikanischen Instituten über Jahrzehnte gewachsen ist.
Die Einbindung internationaler Talente stärkt nicht nur die Innovationskraft der beteiligten Länder, sondern trägt zur Resilienz wissenschaftlicher Institutionen gegenüber Krisen bei. Denn disruptive Ereignisse wie Repressionen gegen Forschende oder Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in manchen Ländern zeigen, wie wichtig verlässliche, offene Netzwerke sind, um Forschungsfreiheit und Exzellenz weltweit zu sichern.
Wissenschaftsfreiheit als Standortvorteil
Wissenschaftsfreiheit ist ein Grundpfeiler für Erfolg im globalen Wissenschaftssystem. Sie ermöglicht unabhängige Forschung ohne staatliche Eingriffe, fördert kreative Lösungsansätze und sorgt für einen vielfältigen Ideenreichtum. Institutionen und Länder, die sich für Wissenschaftsfreiheit starkmachen, sichern sich zugleich Wettbewerbsvorteile im internationalen Vergleich.
Der Standort Deutschland setzt hierbei auf eine Kombination aus unabhängiger Forschung und verlässlicher Grundfinanzierung, die auch durch Verfassungsrecht verankert ist. Diese Rahmenbedingungen ziehen internationale Forschende an und schaffen ein Klima, in dem Karrieren nachhaltig geplant und gestaltet werden können. Die Förderung durch Programme wie die Global Minds Initiative zeigt, wie gezielte Unterstützung eine langfristige Vernetzung und Zusammenarbeit auf internationalem Niveau ermöglicht.
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Renationalisierung in der Forschung ist die Bewahrung und Förderung von Offenheit und Mobilität essenziell. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren von freien Zugängen zu Forschungsdaten, ungehindertem Austausch und Kooperationen. Damit tragen sie aktiv zur Standortattraktivität bei und stärken die Innovationsökosysteme.
Deutsch-amerikanische Kooperation im Wandel
Die transatlantischen Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA gelten als beispielhaft, doch sie stehen aktuell vor besonderen Herausforderungen. Während die USA bisher als Vorbild für Wissenschaftsfreiheit und internationalen Austausch galten, sehen sich ihre Hochschulen und Forschungseinrichtungen zunehmend mit politischen Spannungen und Einschränkungen konfrontiert. Repressive Maßnahmen führen dazu, dass Projekte abgebrochen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entlassen und internationale Forschende in ihrer Mobilität eingeschränkt werden.
Dieses Umfeld verstärkt die Dringlichkeit zum Erhalt und Ausbau von transatlantischen Netzwerken. Die GAIN-Tagung in Boston veranschaulicht den festen Willen zur Unterstützung und Solidarität mit US-amerikanischen Partnern. Zugleich reflektiert sie die Notwendigkeit, dem Wettbewerb um globale Talente mit attraktiven Angeboten und stabilen Karriereperspektiven auf beiden Seiten des Atlantiks zu begegnen.
Zentrale Herausforderungen der US-Wissenschaft:
- Politische Restriktionen und zunehmende Regulierungen erschweren freie Forschungsarbeit
- Schließung von Forschungseinrichtungen und Abbruch von Projekten
- Verlust von Anstellungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
- Einschränkungen für internationale Talente durch Visaprobleme und Aufenthaltsunsicherheit
- Gefährdung der akademischen Freiheit als Fundament für exzellente Forschung
Mit den Bemühungen um eine enge Zusammenarbeit wird nicht nur ein Gegengewicht zu diesen Entwicklungen geschaffen, sondern auch das Ziel verfolgt, Innovations- und Wissensflüsse nachhaltig zu sichern. Die transatlantische Partnerschaft bleibt ein Kernstück einer global vernetzten Wissenschaft, die den Austausch von Ideen, kultureller Vielfalt und interdisziplinärer Kooperation zentralstellt.
Die aktuelle Situation fordert eine verstärkte Aufmerksamkeit für den Schutz der Wissenschaftsfreiheit und eine strategische Neuausrichtung der internationalen Mobilität. Nur so kann sichergestellt werden, dass Forschung und Innovation zum Wohl der Gesellschaft auch künftig frei und wirkungsvoll gedeihen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).
10 Kommentare
Ich finde es toll, dass es solche Veranstaltungen gibt! Wir sollten immer wieder darauf hinweisen und andere ermutigen teilzunehmen. Wer hat denn schon Erfahrungen mit der GAIN-Tagung gemacht? Gibt es Tipps für Neulinge?
Ich habe letztes Jahr teilgenommen und fand es sehr bereichernd! Die Workshops waren super organisiert und ich konnte viele neue Kontakte knüpfen.
„Talent Fair“ klingt spannend! Es wäre interessant zu wissen, welche deutschen Hochschulen dabei sind und wie sie internationale Talente ansprechen wollen. Gibt es bereits gute Beispiele dafür?
Die Diskussion über Wissenschaftsfreiheit ist so wichtig! Wenn die Bedingungen für Forschung schlechter werden, verlieren wir wertvolle Ideen und Innovationen. Wie können wir sicherstellen, dass unsere Forschungsnetzwerke stabil bleiben?
Da hast du recht! Vielleicht sollten wir auch politische Maßnahmen ergreifen oder Lobbyarbeit leisten, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen.
@Ghess Absolut richtig! Es sollte auch eine Plattform geben, wo Forscher ihre Erfahrungen teilen können. Das könnte helfen!
Es ist erschreckend zu hören, wie viele Wissenschaftler in den USA ihre Jobs verlieren. Was kann Deutschland tun, um diese Situation zu verbessern? Ich denke an mehr finanzielle Unterstützung und einen aktiveren Austausch mit amerikanischen Universitäten.
Ja, das wäre hilfreich! Vielleicht sollten wir auch über Stipendienprogramme nachdenken, um die besten Köpfe nach Deutschland zu holen. Was meint ihr dazu?
Die GAIN-Tagung ist wirklich wichtig! Gerade in Zeiten, wo die Wissenschaft unter Druck steht, sollte Solidarität groß geschrieben werden. Wie können wir die transatlantische Zusammenarbeit noch weiter stärken? Ich finde, wir müssen mehr Möglichkeiten für den Austausch schaffen.
Ich stimme zu! Die Idee von mehr Workshops ist super. Woher kommen denn die meisten internationalen Wissenschaftler? Vielleicht könnten wir gezielte Programme auflegen, um Talente aus verschiedenen Ländern anzuziehen.