Wirtschaftsweisen-Gutachten 2025: BVR warnt vor Wachstumsstagnation und fordert entschlossenen Bürokratieabbau

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Berlin, 12.11.2025 – Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) warnt vor einem anhaltend schwachen Wirtschaftswachstum in Deutschland und fordert entschlossene Reformen. BVR-Präsidentin Marija Kolak mahnt einen deutlich ausgeweiteten Bürokratieabbau und eine zielgerichtete Nutzung des Sondervermögens an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zudem müssten geplante Sozialreformen als Auftakt für eine nachhaltige Sicherung der Sozialsysteme verstanden werden.

Inhaltsverzeichnis

– Die Bundesregierung steht erst am Anfang notwendiger Wachstumsreformen.
– Sondervermögen muss strenger kontrolliert werden, um Zweckentfremdung zu verhindern.
– Rentenreformen sind nur als Auftakt für umfassende Sozialstaatsanpassungen sinnvoll.

Wirtschaftsweisen-Gutachten: BVR fordert entschlossene Reformen

Berlin, 12. November 2025 – Das heute vorgelegte Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen zeichnet ein nüchternes Bild der deutschen Konjunktur. Trotz minimal verbesserter Wachstumsprognosen von 0,2 Prozent in diesem Jahr und 0,9 Prozent im kommenden Jahr (Stand: 12.11.2025)* sieht der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) akuten Handlungsbedarf. Die bisherigen Reformansätze der Bundesregierung bewertet der Verband als ersten Schritt, der jedoch deutlich erweitert werden muss.

BVR-Präsidentin Marija Kolak betont: "Die Bundesregierung steht mit ihren Reformen für mehr Wachstum erst am Anfang des Weges. Die im Oktober vorgestellte Modernisierungsagenda und die vom Entlastungskabinett beschlossenen Maßnahmen weisen zwar in die richtige Richtung. Ein entschlossener Bürokratieabbau muss deutlich erweitert werden, wenn das politisch gesteckte Ziel von 25 Prozent Entlastung der Wirtschaft von unnötigen Aufwänden bis zum Ende der Legislaturperiode erreicht werden soll."

Besondere Sorge gilt dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz. Kolak warnt: "Aktuell droht das Sondervermögen zum Verschiebebahnhof für ohnehin geplante staatliche Investitionen oder andere Zwecke zu werden. Jeder zweite Euro könnte nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft bis 2029 zweckentfremdet werden." Die Bundesregierung muss hier dringend nachsteuern.

Die geplanten Rentenreformen bewertet der BVR als potenziell positive Signale, fordert aber weitergehende Anpassungen der sozialen Sicherungssysteme. Entscheidend sei, dass alle politischen Ebenen zusammenwirken: "Wachstum in Deutschland kann nur an Fahrt aufnehmen, wenn alle an einem Strang ziehen, Bund, Länder und Kommunen gemeinsam mit der Wirtschaft", unterstreicht Kolak.

Wirtschaftliche Lage und Wege aus der Bürokratiefalle

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2025 vor einer ernüchternden Situation. Eine dringende Notwendigkeit für strukturelle Reformen, um das Wachstum wieder anzukurbeln, zeigt sich deutlich.

BIP-Prognose und Konjunkturbild

Die wirtschaftliche Basis zeigt sich angespannt. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um spürbare Impulse zu setzen. Besonders problematisch: Trotz verschiedener Ankündigungen und Initiativen konnte keine spürbare Reduktion der bestehenden Bürokratie erreicht werden.*

Diese Feststellung zeigt, dass zwischen politischen Absichtserklärungen und tatsächlicher Entlastung der Wirtschaft weiterhin eine deutliche Lücke klafft.*

Bürokratieabbau: Empfehlungen der Wirtschaftsweisen

Als zentrale Hebel für mehr Wachstum identifizieren die Wirtschaftsweisen konsequente Verwaltungsmodernisierung. Sie empfehlen die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse und (Teil-)Automatisierung der Informationspflichten als Kernmaßnahmen. Diese Ansätze würden Unternehmen spürbar entlasten und Ressourcen für produktivere Tätigkeiten freisetzen. Gleichzeitig weisen die Experten auf die unsichere fiskalische Einordnung des geplanten Sondervermögens hin: Dessen Kompatibilität mit EU-Fiskalregeln bewerten sie als unsicher – eine wichtige Randbedingung für künftige Investitionsplanungen.*

Die wirtschaftspolitische Herausforderung besteht darin, die bestehenden Reformansätze wirksamer umzusetzen und durch technologische Lösungen zu ergänzen. Nur so lässt sich die aktuelle Stagnation überwinden und die Grundlage für nachhaltiges Wachstum schaffen.

Sondervermögen: Zahlen, Struktur und fiskalische Risiken

Das Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" bewegt erhebliche Summen. Aus diesem Fördertopf wurden im Jahr 2025 bislang 37,2 Milliarden Euro verausgabt (Stand: Oktober 2025). Gleichzeitig bestehen bereits Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 84,8 Milliarden Euro für die Folgejahre (Stand: Oktober 2025).

Was wurde bisher ausgegeben?

Die finanziellen Dimensionen des Sondervermögens zeigen sich in den bereits getätigten Ausgaben und den langfristigen Verpflichtungen. Die Mittel fließen in sieben definierte Bereiche, darunter:

  • Verkehrsinfrastruktur
  • Krankenhausinfrastruktur
  • Digitalisierung

Diese Investitionsschwerpunkte sollen gezielt Engpässe in der deutschen Infrastruktur beseitigen und die Klimatransformation vorantreiben. Allerdings warnen Experten vor möglichen Zweckentfremdungen: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte bis 2029 jeder zweite Euro für andere als die ursprünglich vorgesehenen Zwecke verwendet werden.

Struktur, Rückzahlung und fiskalische Fragen

Die Rückzahlung der Kredite aus dem Sondervermögen folgt einem langfristigen Plan: Sie soll ab dem 1. Januar 2044 beginnen, mit einer 20-jährigen Rückzahlungsfrist nach 12 Jahren Bewilligungsfrist (Stand: März 2025). Diese zeitliche Staffelung soll die Haushalte entlasten, wirft jedoch Fragen zur fiskalischen Nachhaltigkeit auf.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung äußert im Frühjahr 2025 Bedenken zur fiskalischen Kompatibilität mit EU-Regeln. Die Wirtschaftsweisen fordern eine konsequente Überprüfung der Mittelverwendung und die Ausweitung der Zusätzlichkeitsregelung auch auf Länder und Kommunen. BVR-Präsidentin Marija Kolak warnt: "Aktuell droht das Sondervermögen zum Verschiebebahnhof für ohnehin geplante staatliche Investitionen oder andere Zwecke zu werden."

Jahr Position Betrag Einheit Quelle/Stand
2025 Verausgabte Mittel 37,2 Milliarden Euro Oktober 2025*
2025+ Verpflichtungsermächtigungen 84,8 Milliarden Euro Oktober 2025*

Die strukturelle Ausgestaltung des Sondervermögens bleibt damit nicht nur eine finanzpolitische, sondern auch eine wachstumspolitische Herausforderung für die kommenden Jahre.

Wachstumsstau trifft Mittelstand und Sozialhaushalt

Die wirtschaftliche Stagnation Deutschlands zeigt konkrete Folgen für Unternehmen und öffentliche Finanzen. Die erhoffte Dynamik bleibt aus. Diese Entwicklung trifft den Mittelstand besonders hart, der seit Jahren unter Investitionsrückständen und bürokratischen Hürden leidet.

Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen sehen sich mit doppelten Herausforderungen konfrontiert. Einerseits fehlen klare wirtschaftliche Perspektiven, andererseits bleiben administrative Lasten hoch. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung empfiehlt eine konsequente Digitalisierung und Automatisierung von Informationspflichten.*

Die Bundesregierung arbeitet am Bürokratieabbau, plant vereinfachte Vergabeverfahren, höhere Schwellenwerte im Datenschutz und reduzierte Berichtspflichten.*

Doch deren Umsetzung verzögert sich. Für mittelständische Betriebe bedeutet dies weiterhin erheblichen Verwaltungsaufwand, der Ressourcen bindet, die eigentlich für Innovationen und Expansion benötigt werden.

Kurzfristige vs. langfristige Effekte

Aktuell spüren Unternehmen vor allem die unmittelbaren Folgen: Fehlende Planungssicherheit bremst Investitionen, während gleichzeitig die öffentliche Hand selbst mit Priorisierungsproblemen kämpft. Experten des Best Practice Forum kritisieren, dass bisherige Schwerpunktsetzungen bei Infrastruktur, Bildung und Verteidigung nicht ausreichen, um die grundlegenden Herausforderungen zu bewältigen.

Langfristig droht ein Teufelskreis: Ohne ausreichende öffentliche Investitionen verschlechtert sich die Standortqualität, was wiederum private Investoren abschreckt. Der Sachverständigenrat betont die essentielle Bedeutung staatlicher Ausgaben in diesen Bereichen – doch genau hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

Die wirtschaftliche Flaute zwingt zum Umdenken. Wenn Unternehmen zögern, in neue Technologien und Personal zu investieren, fehlen später die Grundlagen für Wachstum und Wohlstand. Gleichzeitig steht der Sozialstaat unter Druck: Weniger Wirtschaftskraft bedeutet geringere Steuereinnahmen, während die Ausgaben für soziale Sicherung steigen.

Was bedeuten diese Entwicklungen konkret für Beschäftigte, Steuerzahlerinnen und Steuerzahler? Die Antwort auf diese Frage wird entscheidend sein für die Akzeptanz künftiger Reformen und die Verteilung künftiger Lasten.

Ausblick: Handlungsbedarf und Empfehlungen

Die wirtschaftspolitische Agenda erfordert klare Prioritäten und pragmatische Umsetzungsschritte. Aus den aktuellen Diskussionen lassen sich konkrete Handlungsfelder ableiten, die sowohl kurzfristige Wirkung entfalten als auch mittelfristig die Weichen für nachhaltiges Wachstum stellen.

Kurzfristige Schritte

Im unmittelbaren Handlungsrahmen steht die Digitalisierung und Teilautomatisierung von Informationspflichten im Vordergrund. Parallel dazu bedarf das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz klarerer Konturen. Die fiskalische Unsicherheit dieser Konstruktion lässt sich nur durch strenge Investitionsorientierung und begleitende Strukturreformen reduzieren. Transparenz bei der Mittelverwendung und die Sicherstellung der Zusätzlichkeit der Investitionen gehören zu den dringendsten Aufgaben.

Mittelfristige Prioritäten

Für die mittlere Frist gewinnt die Planungssicherheit besondere Bedeutung. Die Zahlungs- und Rückzahlungsfristen des Sondervermögens sehen eine Rückzahlung ab 1. Januar 2044 vor, mit einer 20-jährigen Rückzahlungsfrist nach 12 Jahren Laufzeit (Stand: März 2025, Bundesfinanzministerium)*. Diese langfristige Ausrichtung verlangt nach einem mehrjährigen Finanzplan, der Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen bietet. Priorität sollte dabei die zielgenaue Lenkung der Mittel in infrastrukturelle Schlüsselbereiche erhalten, statt bestehende Haushaltsposten lediglich umzuschichten.

Die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen hängt wesentlich von der Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen ab. Nur durch abgestimmtes Handeln aller staatlichen Ebenen lassen sich die komplexen Herausforderungen bewältigen und Investitionshemmnisse systematisch abbauen.

Dieser Beitrag stützt sich auf eine Pressemitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Weiterführende Quellen:

12 Antworten

  1. Es scheint so als ob der Mittelstand unter den aktuellen Bedingungen leidet. Was denkt ihr darüber? Können wir etwas tun um dies zu ändern? Es wäre wichtig.

    1. Ja! Wir müssen unsere Stimme erheben und fordern was nötig ist! Die Unternehmen dürfen nicht im Stich gelassen werden!

  2. Die Sorgen um das Sondervermögen sind berechtigt. Wenn jeder zweite Euro zweckentfremdet wird, wo bleibt da die Verantwortung? Welche Maßnahmen haltet ihr für notwendig?

    1. Ich glaube strenge Kontrollen sind wichtig! Sonst wird das Geld verschwendet und dann gibt es kein Wachstum.

  3. Die Rentenreform könnte tatsächlich einen positiven Effekt haben, aber nur wenn sie umfassend genug ist. Glaubt ihr, dass alle Parteien an einem Strang ziehen werden? Ich bin da eher pessimistisch.

    1. Es wäre schön zu sehen, wenn alle zusammenarbeiten würden! Aber ich habe meine Zweifel… Wie seht ihr das?

    2. Ich hoffe auch auf eine bessere Zusammenarbeit! Vielleicht sollten wir mehr Druck auf die Politiker ausüben.

  4. Die Reformen sind ein guter Anfang, aber ich glaube nicht, dass sie ausreichen werden. Wir brauchen viel mehr Engagement von allen politischen Ebenen. Was haltet ihr von den Vorschlägen zur Digitalisierung der Verwaltung?

    1. Ich bin skeptisch, ob die Digitalisierung wirklich so helfen kann. Es gab schon viele Versprechen, aber wenig Umsetzung. Wer hat hier Erfahrungen gemacht?

    2. Ich denke auch, dass mehr Transparenz bei den Mitteln nötig ist. Wenn wir nicht genau wissen, wo das Geld hingeht, können wir nicht vertrauen.

  5. Ich finde es wichtig, dass die Regierung endlich etwas gegen die Bürokratie macht. Das ist wirklich ein großes Problem für viele Unternehmen. Was denkt ihr, wie lange es dauern wird, bis wir echte Fortschritte sehen?

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