ADFC Berlin kritisiert: Senat verschleppt Winterdienst für Radwege – trotz Konzept

Der Berliner Senat verschleppt nach Ansicht des ADFC Berlin die Umsetzung seines eigenen Winterdienstkonzepts für Radwege. Trotz gesetzlicher Vorgabe würden Radwege bei Eis und Schnee weiterhin nicht mit gleicher Priorität wie Straßen geräumt, was der Verband als unverantwortlich kritisiert. Der ADFC ruft Radfahrende daher auf, mit einem Winterdienst-Check den Bedarf sichtbar zu machen.
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– Der ADFC Berlin kritisiert die mangelnde Räumung von Radwegen trotz eines neuen Winterdienstkonzepts des Senats.
– Mit einer interaktiven Karte sollen Bürger Mängel und Positivbeispiele beim Winterdienst dokumentieren.
– Das Konzept von Januar 2025 sieht gleiche Priorität für Radwege vor, wurde aber bisher nicht umgesetzt.

Winterdienst für Radwege: Senat verschleppt Konzept – ADFC Berlin ruft zum Check auf

Berlin, 06. Januar 2026: Trotz Eis und Schnee werden Berlins Radwege weiterhin nicht zuverlässig geräumt*. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Berlin wirft dem Senat vor, sein eigenes Winterdienstkonzept zu verschleppen und Radfahrende damit zu gefährden. Obwohl der Senat ein Konzept vorgelegt hat, das Radwege mit derselben Priorität räumen soll wie Straßen für Autos*, bleibt die Umsetzung in der Praxis aus. Der ADFC Berlin ruft deshalb mit einem Winterdienst-Check dazu auf, Mängel und Positivbeispiele zu dokumentieren und sichtbar zu machen.

Die Politische Referentin des ADFC Berlin, Marlene Alber, kritisiert scharf: „Es ist beeindruckend, wie viele Menschen trotz fehlendem Räumdienst aufs Rad steigen. Auch im Winter ist ein großer Teil der Berliner:innen auf das Fahrrad angewiesen. Doch Eis und Schnee zeigen einmal mehr, wie der Senat den Radverkehr ausbremst. Das ist unverantwortlich. Während die Wege fürs Auto selbstverständlich geräumt und gestreut werden, verschleppt der Senat sein eigenes Winterdienstkonzept für den Radverkehr – und lässt Radfahrende auf glatten und nicht geräumten Wegen zurück. Radverkehr ist Verkehr. Ob zu Fuß oder auf dem Rad: Die Menschen auf dem Weg zur Arbeit, Schule oder Ausbildung brauchen sichere und geräumte Wege.“ Sie verweist auf erste Rückmeldungen von Bürger:innen: „Viele Menschen haben uns bereits Eindrücke von der Straße geschickt. Das zeigt: der Wunsch nach sicheren Radwegen im Winter ist riesig. Vereinzelte Positivbeispiele zeigen auch, dass das möglich ist.“

Der ADFC Berlin stellt mit seinem Aufruf praktische Ressourcen bereit. Der ADFC-Winterdienst-Check bietet eine Plattform, um Zustände zu melden. Zusätzlich gibt der Verband mit 10 Tipps für sicheres Radfahren im Winter konkrete Hilfestellungen für den Alltag.

Radnetz und Winterdienst: Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Das Berliner Radverkehrsnetz ist umfangreich, doch nur ein Teil davon wird im Winter tatsächlich geräumt. Die Zahlen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen vorhandener Infrastruktur und winterdienstlicher Betreuung. Mit Stand Februar 2023 bearbeiteten die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) rund 1.200 Arbeitskilometer Radwege winterdienstlich*.

Dem gegenüber steht ein Gesamtnetz von circa 2.376 Kilometern (Stand: November 2023). Dieses teilt sich in ein Vorrangnetz mit rund 871 Kilometern und ein Ergänzungsnetz mit etwa 1.505 Kilometern auf*.

Wie viele Kilometer Radwege sind betroffen?

Die Lücke zwischen dem gesamten Radnetz und den winterdienstlich betreuten Strecken beträgt mehr als 1.100 Kilometer. Diese Wege blieben bis zur geplanten Reform des Winterdienstes ohne garantierte Räumung bei Schnee und Eis. Für Radfahrende bedeutete dies oft improvisierte Routen oder gefährliche Fahrten auf verschneiten oder vereisten Flächen.

Was bedeutet die Priorisierung R1 / R2?

Als Reaktion auf diese Situation entwickelte der Berliner Senat ein neues Winterdienstkonzept, das ab 2026 gelten soll. Es führt zwei neue Einsatzstufen für den Radverkehr ein, die parallel zum bestehenden Streuplan für Autoverkehrsflächen angewendet werden sollen*.

  • Prioritätsstufe R1: Diese höchste Dringlichkeitsstufe umfasst das Radvorrangnetz, Fahrradstraßen und wichtige Verbindungen. Diese Strecken sollen vorrangig und mit der gleichen Priorität wie Fahrbahnen für den Kfz-Verkehr bearbeitet werden.
  • Prioritätsstufe R2: Diese Stufe beinhaltet das Ergänzungsnetz und weitere Radwege. Sie folgt in der Bearbeitung nach der Räumung der R1-Strecken.

Die folgende Tabelle fasst die zentralen Zahlen und die geplante Priorisierung übersichtlich zusammen:

Kategorie Kilometer Einheit Quelle / Stand
Gesamtlänge Radverkehrsnetz Berlin 2.376 km Senatsverwaltung, Nov. 2023
davon Vorrangnetz 871 km Senatsverwaltung, Nov. 2023
davon Ergänzungsnetz 1.505 km Senatsverwaltung, Nov. 2023
Winterdienstlich bearbeitet (bisher) 1.200 Arbeits-km Senatsverwaltung, Feb. 2023
Geplante Priorisierung (ab 2026) R1 (Vorrangnetz) & R2 (Ergänzungsnetz) Senatsverwaltung, 2026

Die chronologische Entwicklung ist klar: Auf den unbefriedigenden Status quo (1.200 km Bearbeitung bei 2.376 km Gesamtnetz) folgte mit dem Konzept ein Plan für eine flächendeckende, priorisierte Winterwartung. Dessen Umsetzung steht jedoch, wie der ADFC Berlin kritisiert, weiter aus. Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin, bringt es auf den Punkt: „Während die Wege fürs Auto selbstverständlich geräumt und gestreut werden, verschleppt der Senat sein eigenes Winterdienstkonzept für den Radverkehr.“

Folgen für Alltag, Mobilität und Klima

Wenn Radwege im Winter nicht geräumt werden, hat das konkrete Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. Radfahrende weichen auf die geräumte Fahrbahn aus, was zu Konflikten mit dem Autoverkehr führt. Andere steigen auf den ÖPNV um, der in der Erkältungssaison ohnehin stärker frequentiert ist. Diese Verlagerung belastet das öffentliche Verkehrssystem zusätzlich und untergräbt ein zentrales Ziel der Verkehrswende: die Entlastung von Bussen und Bahnen durch eine funktionierende, ganzjährige Radinfrastruktur. Kurzfristig gefährdet der mangelnde Winterdienst die Sicherheit. Langfristig schadet er dem Klimaschutz, wenn Menschen aus Sorge vor unsicheren Wegen wieder auf das Auto zurückgreifen.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) verfügt nach eigenen Angaben über die Kapazität, rund 1.200 Arbeitskilometer Radwege winterdienstlich zu räumen (Stand: Februar 2023)*. Dass dies nicht flächendeckend geschieht, ist daher primär eine Frage der politischen und verwaltungstechnischen Umsetzung. Kommunen stehen vor der Aufgabe, bestehende Konzepte wie das Winterdienstkonzept des Berliner Senats endlich in die verbindliche Praxis zu überführen. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet die aktuelle Situation, eigene Vorkehrungen zu treffen und Druck auf die Verantwortlichen auszuüben.

Was Betroffene jetzt tun können

Die Initiative für sichere Winterwege geht nicht nur von der Politik aus. Jede und jeder kann aktiv werden, um die Situation zu verbessern und sich selbst zu schützen.

Was Sie tun können:

  • Gefahrenstellen melden: Dokumentieren Sie nicht geräumte oder glatte Radwege mit Fotos und genauer Ortsangabe. Nutzen Sie dafür beispielsweise den ADFC-Winterdienst-Check, um die Mängel sichtbar zu machen.
  • Sichere Routen wählen: Planen Sie Ihre Wege im Winter um. Oft sind kleinere Nebenstraßen oder bereits geräumte Hauptwege eine sicherere Alternative.
  • Winterausrüstung prüfen: Spikes-Reifen, funktionierende Beleuchtung und angepasste Fahrweise erhöhen die eigene Sicherheit auf winterlichen Straßen erheblich.
  • Lokale Politik kontaktieren: Wenden Sie sich an Ihr Bezirksamt, Ihre Stadträtin oder Ihren Abgeordneten und fragen Sie nach dem Stand der Umsetzung des Winterdienstkonzepts in Ihrem Kiez.

Von der Verwaltung sind nun zügige Umsetzungsschritte zu erwarten: Die im Konzept definierten Prioritätsrouten müssen verbindlich in die Räumpläne der Bezirke aufgenommen und deren Einhaltung kontrolliert werden. Die politische Verantwortung liegt klar beim Senat.

Diese Meldung und die zitierten Passagen stammen aus einer Pressemitteilung des ADFC Berlin.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Der Winterdienst für Radwege ist mehr als ein Komfort-Thema: Wenn Radinfrastruktur bei Eis und Schnee nicht zuverlässig geräumt wird, entstehen echte Sicherheitsrisiken. Gleichzeitig geraten Menschen zwischen gefährlichen Ausweichrouten, Wechsel zum ÖPNV und im schlimmsten Fall einer Rückkehr aufs Auto – mit Folgen für Verkehrssystem, Verkehrswende-Ziel und langfristigen Klimaschutz, wie der Beitrag beschreibt.

Für Politik und Verwaltung ergibt sich daraus eine klare Verpflichtung: Das im Winterdienstkonzept vorgesehene Priorisieren der Radstrecken (R1 vor R2) muss in verbindliche Räumpläne überführt und kontrolliert werden. Organisationen und Verbände können derweil Transparenz schaffen, etwa über Meldungen und Karten, damit Probleme sichtbar werden und positive Beispiele skaliert werden.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum reicht es nicht, dass es ein Winterdienstkonzept gibt?
Weil das Konzept laut Beitrag bisher nicht flächendeckend umgesetzt wird. Erst die Umsetzung in den Räumplänen macht den Unterschied im Alltag.

Welche Radwege sollen ab 2026 zuerst behandelt werden?
Das Konzept sieht Prioritätsstufe R1 für das Radvorrangnetz und wichtige Verbindungen vor, R2 folgt danach für das Ergänzungsnetz.

Wie können Betroffene helfen, damit der Status sichtbar wird?
Gefahrenstellen dokumentieren und melden – eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein. Im Beitrag wird dafür der ADFC-Winterdienst-Check genannt.

An wen kann ich mich wenden, wenn mein Kiez betroffen ist?
Der Beitrag empfiehlt, lokale Politik zu kontaktieren, etwa Bezirksamt oder Abgeordnete, und nach dem Stand der Umsetzung zu fragen.

9 Kommentare

  1. „Das Problem betrifft uns alle – besonders jetzt im Winter! Vielleicht sollten wir eine Gruppe gründen oder eine Veranstaltung planen? Wie können wir mehr Menschen motivieren mitzumachen?“

  2. „Ich bin ein regelmäßiger Radfahrer und kann bestätigen, dass die schlechten Bedingungen im Winter echt nervig sind. Ist jemand von euch schon mal gestürzt wegen Eis auf dem Radweg? Das kann doch nicht sein!“

  3. Ich finde die Idee mit dem Winterdienst-Check klasse! Aber ich habe immer noch das Gefühl, dass der Senat viel zu langsam ist mit der Umsetzung. Was glaubt ihr, warum sind sie so zögerlich?

    1. „Vielleicht fehlt es einfach an Ressourcen? Oder vielleicht will man einfach nicht zu viel ändern? Aber es ist wirklich wichtig für unsere Sicherheit! Wir müssen mehr Druck ausüben!“

    2. „Genau! Ich denke auch, dass wir zusammenhalten sollten und alle an einem Strang ziehen müssen! Wenn jeder ein bisschen macht, können wir vielleicht was bewegen.“

  4. Der ADFC hat absolut recht! Ich sehe täglich, wie viele Radfahrer auf den Straßen kämpfen müssen. Die Kartenidee klingt gut, aber wird das auch wirklich helfen? Ich hoffe, der Senat reagiert schnell!

    1. Ja genau, ich habe auch schon Mängel gemeldet! Es ist wichtig, dass wir aktiv werden und unsere Stimmen laut machen. Gibt es noch andere Möglichkeiten, wie wir helfen können?

    2. Ich frage mich, ob es genug Druck auf den Senat gibt. Vielleicht könnten mehr Leute sich melden? Vielleicht sollten wir eine Petition starten oder so? Was denkt ihr?

  5. Ich finde es echt schade, dass die Radwege im Winter oft nicht geräumt werden. Das macht das Radfahren echt gefährlich. Warum tut der Senat nichts dagegen? Es wäre wichtig, dass alle sicher fahren können!

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