Wildkatze schützen: Naturschutz fordert wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft – BUND warnt vor Gefahren und lädt zum Fachseminar ein

Der BUND warnt, dass zahlreiche Jungwildkatzen bei forstlichen Eingriffen wie Holzernte, Zaunbau und Hackarbeiten zwischen März und August ums Leben kommen, und fordert Forstbetriebe auf, diese Zeiträume und Fundstellen zu meiden. Im Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ erarbeitet der Verband gemeinsam mit Partnern praxistaugliche Maßnahmen wie maschinenfreie Zonen in der Aufzuchtzeit, artgerechte Zäune und den Einsatz von Hunden. Am 8. September 2025 von 14 bis 17 Uhr lädt der BUND zu einem Online-Fachseminar „Sichere Wälder – wie wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft gelingen kann“ ein.
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– BUND ruft Forstbetriebe auf, März–August auf Maschinen- und Holzbewegungen zu verzichten.
– Holzpolter, Kalamitätsflächen, Knotengitterzäune und Gifte gefährden Europäische Wildkatzenjunge.
– Online-Fachseminar „Sichere Wälder – wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft“ am 8. September 2025.

Wildkatzen in Gefahr: Schutzmaßnahmen bei forstlichen Arbeiten dringend notwendig

Die Europäische Wildkatze steht trotz Schutzstatus weiterhin unter starkem Druck. Jedes Jahr sterben viele junge Wildkatzen durch forstliche Eingriffe wie Holzernte, das Verschieben von Holzpoltern, Zäune oder den Einsatz von Giften. Besonders in der Zeit von März bis August wächst die Gefahr für die Jungtiere erheblich, da sie in Holzstapeln und Reisighaufen ihre Verstecke finden. Pauline Münchhagen, naturschutzfachliche Koordinatorin im Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“, warnt: „Um Wildkatzen zu schützen, sollten wir die Zeit der Jungenaufzucht berücksichtigen. Von März bis August sollten keine schweren Maschinen eingesetzt, Holzpolter nicht bewegt oder Energieholzmieten gehäckselt werden. Dabei könnten Wildkatzenjunge getötet werden. Wer sichergehen will, plant forstliche Arbeiten außerhalb dieser sensiblen Zeit. Wenn Tätigkeiten im Wald unverzichtbar sind, sollten diese bei Funden von Wildkatzen sofort und mindestens bis zum Folgetag unterbrochen werden.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ruft Waldbesitzende und Forstbetriebe deshalb zu mehr Umsicht auf, um die Lebensbedingungen der Wildkatze zu verbessern. Neben der zeitlichen Anpassung von Forstarbeiten empfiehlt der BUND auch den Abbau unnötiger Knotengitterzäune, die für Wildkatzen oft tödliche Fallen darstellen. In Kooperation mit Partnern wie SaarForst werden Wildkatzen vor dem Abtransport von Holzpoltern mithilfe von Hunden vergrämmt, um Verletzungen zu vermeiden. In Sachsen arbeiten BUND und Privatwaldbesitzende gemeinsam am Entfernen von Knotengittern, während in Hessen das Projekt erforscht, welche Übersteighilfen Wildkatzen an Zäunen tatsächlich nutzen.

Diese Maßnahmen sind Teil des bundesweit geförderten Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“, das Forstbetriebe und Waldbesitzende einbindet, um die komplexen Gefahren, die durch forstwirtschaftliche Praktiken für die Wildkatze entstehen, zu reduzieren.

Wer mehr über den praktischen Schutz von Wildkatzen bei der Waldbewirtschaftung erfahren möchte, kann am Online-Fachseminar „Sichere Wälder – wie wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft gelingen kann“ teilnehmen, das am 8. September 2025 von 14:00 bis 17:00 Uhr stattfindet. Hier diskutieren Fachleute aus Forstwirtschaft, Naturschutz und Verbänden, wie Schutzmaßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können. Die Anmeldung ist über die Website des BUND möglich: https://aktion.bund.net/wildkatzenwaelder-seminar2.

Die dringende Aufforderung des BUND an alle, die im Wald arbeiten, lautet: Die sensible Aufzuchtzeit der Wildkatzen ernst nehmen, unnötige Eingriffe vermeiden und bei Nachweisen der Tiere Tätigkeiten sofort stoppen. Nur so lässt sich das Überleben der Wildkatzen in ihren ursprünglichen Lebensräumen sichern.

Wildkatzen und Waldwirtschaft – Ein Balanceakt für die Zukunft

Die Europäische Wildkatze gilt als ein wertvolles Symbol für die Biodiversität in unseren Wäldern. Ihr Vorkommen steht für intakte, strukturreiche Lebensräume und eine funktionierende Natur. Gleichzeitig steht diese scheue Tierart vor großen Herausforderungen, die eng mit der Nutzung unserer Wälder verknüpft sind. Forstwirtschaft und Naturschutz müssen deshalb sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, um den Erhalt der Wildkatze und anderer Waldbewohner zu sichern.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Wildkatze reicht weit über den Artenschutz hinaus. Sie zeigt, wie empfindlich das Gleichgewicht im Ökosystem Wald ist. Wälder erfüllen wichtige Funktionen für Klima, Wasser und Erholung – sie sind zugleich Wirtschaftsfaktor und Lebensraum. Eine wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft kann daher als ein Modell für nachhaltiges Waldmanagement stehen, das den Artenreichtum erhält, ohne die Holznutzung grundlegend einzuschränken.

Für die Umsetzung dieses Balanceakts sind allerdings gravierende Herausforderungen zu meistern:

  • Gefährdung der Wildkatzenjungen durch forstliche Arbeiten: Holzpolter und Reisighaufen dienen oft als Verstecke und Kinderstuben. Werden sie in der Aufzuchtzeit von März bis August bewegt oder zerkleinert, sterben häufig ganze Würfe.

  • Zerstörung naturnaher Waldbereiche: Kalamitätsflächen, etwa nach Stürmen oder Trockenperioden, bieten Wildkatzen sichere Rückzugsorte. Maschinelle Beräumungen in diesen Bereichen gefährden jedoch ihren Lebensraum.

  • Todesfallen durch Schutzmaßnahmen fürs Holz: Knotengitterzäune zum Schutz junger Bäume sind für Wildkatzen häufig tödlich, wenn sie sich darin verfangen.

  • Gefahren durch Schadstoffe: Chemische Mittel in der Forstwirtschaft gelangen über die Nahrungskette zur Wildkatze und gefährden insbesondere Jungtiere.

Wie lassen sich diese Herausforderungen bewältigen, damit Waldnutzung und Artenschutz Hand in Hand gehen können?

Naturschutzziele und forstliche Nutzung vereinen

Der Schutz der Wildkatze verlangt vor allem sensibles zeitliches und räumliches Management forstlicher Arbeiten. Die Hauptaufzuchtzeit darf nicht gestört werden, um Jungtiere nicht zu gefährden. Auch die natürliche Regeneration auf Kalamitätsflächen sollte Vorrang haben und Einschränkungen für maschinelle Eingriffe mit sich bringen.

Praktische Maßnahmen beinhalten unter anderem:

  • Forstarbeiten gezielt außerhalb der sensiblen Zeiträume planen
  • Holzpolter und Energieholzlager im Frühjahr und Sommer meiden
  • Knotengitterzäune durch wildtierfreundliche Alternativen ersetzen
  • Auf den Einsatz giftiger Mittel verzichten

Diese Ansätze zeigen, dass sich produktive Waldbewirtschaftung mit einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Wildkatzenschutz kombinieren lässt. Dabei gilt: Guter Waldschutz ist kein Luxus, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit, um die biologische Vielfalt als Fundament funktionierender Ökosysteme und auch der forstlichen Nutzung zu bewahren.

Wildkatze als Symbol für Biodiversität

Die Wildkatze steht stellvertretend für viele weitere Waldbewohner, die auf unzerschnittene, vielfältige und naturnahe Wälder angewiesen sind. Dort, wo sie sich wohlfühlt, profitieren auch Arten wie Bechsteinfledermaus, Mittelspecht und Schwarzstorch. Ihre Anwesenheit zeigt an, dass das Ökosystem intakt genug ist, um komplexe Lebensgemeinschaften zu tragen.

Wildkatzenfreundliche Forstwirtschaft bedeutet deshalb nicht nur Artenschutz, sondern auch die Sicherung ökologischer Funktionen und Leistungen, von denen langfristig sowohl Natur als auch Menschen profitieren. Es geht darum, die Wälder so zu gestalten, dass sie widerstandsfähig bleiben gegenüber Klimawandel, Schädlingsbefall und anderen Belastungen.

In diesem Sinne sind Wald und Wildkatze untrennbar miteinander verbunden: Die Wildkatze macht sichtbar, wie vielfältig und lebendig unsere Wälder sein können – wenn sie richtig bewirtschaftet und geschützt werden. Der Weg in eine nachhaltige Zukunft liegt darin, diese Balance zwischen Nutzung und Naturschutz klug und konsequent zu gestalten.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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8 Kommentare

  1. … ich glaube nicht genug Leute wissen um die Gefahren für Wildkatzen durch Giftstoffe in der Forstwirtschaft. Wie könnte man da mehr Aufklärung schaffen? Vielleicht auch in Schulen oder so?

  2. Die Aufzuchtzeit der Wildkatzen ist wirklich kritisch! Ich finde es toll, dass es Seminare gibt. Wer wird da alles teilnehmen? Ich bin neugierig auf die verschiedenen Perspektiven.

    1. Ich plane auch teilzunehmen! Es wird spannend zu sehen, wie verschiedene Experten das Problem angehen wollen. Welche Themen stehen denn auf der Agenda?

    2. … und ich hoffe, dass viele Teilnehmer Ideen mitbringen werden! Es könnte auch interessant sein zu hören, welche neuen Technologien eventuell helfen können.

  3. Ich verstehe nicht ganz, warum Knotengitterzäune noch verwendet werden, wenn sie so gefährlich sind? Wir sollten mehr Alternativen finden! Wer hat Ideen dazu?

    1. Gute Frage! Vielleicht könnten wir uns auch über umweltfreundliche Materialien informieren, die als Zaun dienen könnten. Ist das nicht eine Überlegung wert?

  4. Das Thema ist echt wichtig! Die Wildkatzen sind unsere Verantwortung. Mich würde interessieren, wie genau die Zusammenarbeit zwischen BUND und SaarForst aussieht. Gibt es da Beispiele für Erfolge?

  5. Ich finde die Idee von wildkatzenfreundlicher Forstwirtschaft sehr gut! Die Warnung vor den Maschinen im Frühjahr ist wichtig, aber wie können wir sicherstellen, dass alle Forstbetriebe sich daran halten?

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