– Video- und Bilddokumentation aus zwei Wiesenhof-Vertragsbetrieben (Bayern) zeigt tote, kranke, bewegungsunfähige Masthühner.
– PHW-Gruppe ignoriert Verantwortung, trotz Milliardenumsatz bleibt Tierleid in Mastanlagen unverändert.
– VIER PFOTEN startet E-Mail-Protest, fordert Abschaffung Qualzucht, reduzierte Besatzdichte und mehr Freilauf.
Grausame Zustände in Wiesenhof-Vertragsmastbetrieben: VIER PFOTEN fordert mehr Verantwortung und startet E-Mail-Protest
Die aktuelle Berichterstattung zeigt erschütternde Bilder und Videos aus zwei Wiesenhof-Vertragsmastbetrieben in Bayern. Im Gegensatz zum Image des Geflügelunternehmens als nachhaltig, regional und tierfreundlich dokumentiert das zugespielte Material das genaue Gegenteil: tote, kranke und bewegungsunfähige Tiere. Die Bilder stammen aus Betrieben mit den Haltungsformen Stufe 2 und 3, wie sie von der Initiative Tierwohl definiert sind. Dennoch zeigen sie eng gedrängte Hühner, die unter Entzündungen, Verletzungen und Immobilität leiden, oft liegen sogar verendete Tiere neben ihren Leidensgenossen.
Diese erschütternden Zustände werfen ein Schlaglicht auf die Praxis des zur PHW-Gruppe gehörenden Konzerns, der rund 1.000 Landwirt:innen mit der Mast beauftragt und jährlich einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro erzielt. Die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN kritisiert, dass die PHW-Gruppe trotz aller Einflussmöglichkeiten ihre Verantwortung zum Schutz der Tiere nicht wahrnimmt.
Vanessa Schilke, Campaignerin bei VIER PFOTEN Deutschland, bringt die Kritik auf den Punkt:
„Während Wiesenhof jährlich zwei Milliarden Euro umsetzt, müssen die Tiere für diesen Profit in den Mastanlagen buchstäblich ihre Knochen herhalten. Doch hohe Besatzdichten und Qualzuchten führen nicht nur zu Knochenbrüchen, sondern auch zu Erkrankungen und Bewegungsunfähigkeit der Tiere – auch verendete Hühner sind an der Tagesordnung. Wer einmal hinter den Vorhang der wunderschönen Wiesenhof-Werbewelt geblickt hat, der erschaudert über die grausamen Zustände der ausgebeuteten und gequälten Lebewesen. Das muss ein Ende haben, die PHW-Gruppe muss endlich Verantwortung übernehmen.“
Die Haltungsform Stufe 2, in der bis zu 90 Prozent der Masthühner in Deutschland gehalten werden, erlaubt den Tieren lediglich minimale Beschäftigungsmöglichkeiten wie Picksteine oder Stroh. Dennoch erhält diese Haltungsform das Label der Initiative Tierwohl. VIER PFOTEN zeigt anhand des zugespielten Materials, dass dies nicht ausreicht, um Tierleid zu verhindern.
Wiesenhof bewirbt zudem das Konzept seiner sogenannten „Privathöfe“, in denen Haltungsform Stufe 3 gilt. Diese bietet den Tieren zwar mehr Platz, jedoch keinen Freilauf. Auch hier zeigen sich laut VIER PFOTEN kranke und tote Tiere, was weit entfernt von einer artgerechten Haltung sei. Schilke ergänzt:
„Es stimmt, die Tiere haben hier mehr Platz als in Haltungsform Stufe 2, aber auch keinen Freilauf und die Bilder zeigen ebenfalls kranke und tote Tiere. Das ist weit entfernt von einer artgerechten Haltungsform. Den Tieren geht es vielleicht besser, aber nicht gut.“
Ein zentrales Problem ist die Verwendung von schnell wachsenden Qualzucht-Rassen, die massive gesundheitliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochendeformationen und Brustmuskelentzündungen verursachen. Die Masthühner leben in riesigen Megaställen mit oft über 100.000 Tieren, dicht gedrängt mit bis zu 24 Tieren pro Quadratmeter. Dabei verfügen nur 1,4 Prozent der Masthühner über Zugang zu Freilauf.
Angesichts dieser Fakten fordert VIER PFOTEN, dass Wiesenhof als größter Geflügelproduzent Deutschlands endlich Verantwortung übernimmt, um das Leid der Tiere zu beenden. Um den Druck auf PHW und Wiesenhof zu erhöhen, hat die Tierschutzorganisation einen E-Mail-Protest gestartet, mit dem Verbraucher:innen den Konzern direkt auffordern können, Verbesserungen einzuführen.
Forderungen von VIER PFOTEN im Überblick:
- Keine Verwendung schnell wachsender Qualzuchtrassen
- Reduktion auf maximal 4.800 Hühner pro Stall
- Maximal 10 Tiere pro Quadratmeter und 4 Quadratmeter Freilauf pro Tier
- Deutliche Senkung des Antibiotika-Einsatzes durch bessere Haltungsbedingungen
Der E-Mail-Protest kann hier unterstützt werden: E-Mail-Protest starten
Ergänzend steht das Video mit den Eindrücken aus einem Betrieb in Haltungsstufe 2 zur Verfügung: Video Haltungsstufe 2 ansehen, ebenso das Video aus Stufe 3: Video Haltungsstufe 3 ansehen.
Die Dokumentation der Zustände in Wiesenhof-Vertragsbetrieben offenbart die Diskrepanz zwischen Werbeversprechen und Praxis. VIER PFOTEN macht klar, dass diese Tierquälerei ein Ende haben muss – und setzt dabei auf die Unterstützung von Verbraucher:innen, die sich mit dem E-Mail-Protest direkt an Wiesenhof wenden können.
Bildmaterial und Video dürfen kostenfrei verwendet werden; beachten Sie das Copyright von VIER PFOTEN.
- Bildmaterial: Fotos und Bilder der Zustände
- Video Haltungsstufe 2: siehe Link oben
- Video Haltungsstufe 3: siehe Link oben
Haltung, Verbrauchererwartung und Politik: Warum die Bilder aus den Wiesenhof-Ställen eine Debatte anstoßen
Die jüngsten Aufnahmen aus zwei Wiesenhof-Vertragsmastbetrieben in Bayern bringen dramatische Zustände ans Licht: tote, kranke und bewegungsunfähige Masthühner, eng gedrängt in Ställen, die offiziell den Haltungsformen Stufe 2 und 3 entsprechen. Diese Bilder stellen nicht nur die Praktiken eines einzelnen Konzerns infrage, sondern berühren grundlegende Fragen zur Tierhaltung in der Geflügelbranche – mit Auswirkungen für Verbraucher:innen, Politik und den Tierschutz insgesamt.
In Deutschland leben rund 90 Prozent der Masthühner in Haltungsform Stufe 2, das entspricht minimalen Ausstattungen wie Picksteinen oder Stroh, aber keineswegs einem artgerechten Umfeld. Selbst Stufe 3, die Wiesenhof als ihr vermeintlich besseres Privathof-Konzept bewirbt, bietet nur mehr Platz, jedoch keinen Zugang zum Freilauf. Gleichzeitig führen schnell wachsende Qualzucht-Rassen zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochenbrüche, Brustmuskelentzündungen und letztlich immobilitätsbedingtes Leiden gehören zum Alltag. Dies spiegelt sich im früher Tod vieler Tiere wider, die nicht einmal das Schlachtalter von wenigen Wochen erreichen.
Diese Enthüllungen werfen ein grelles Licht auf die Diskrepanz zwischen vermarkteten Nachhaltigkeitsversprechen und der Realität in der privaten Geflügelhaltung. Für die Verbraucher:innen entsteht daraus die Herausforderung, echte Orientierung zu finden und den Wert gängiger Labels kritisch zu hinterfragen. Zugleich setzt die öffentliche Empörung die Politik unter Druck, strengere Rahmenbedingungen zu schaffen und Kontrollen zu intensivieren.
Wie Verbraucher:innen Orientierung gewinnen können
Für viele Konsument:innen bleibt der Lebensmittelkauf ein undurchsichtiger Prozess. Begriffe wie „Initiative Tierwohl“ oder verschiedene Haltungsstufen sollen Transparenz schaffen, bieten sich aber als begrenzte Instrumente an: Die „Initiative Tierwohl“ erlaubt beispielsweise in Stufe 2 nur minimale Verbesserungen, die offenbar nicht ausreichen, um das für Lebewesen notwendige Wohlbefinden zu gewährleisten. Das Label ersetzt somit keine grundlegende Verbesserung der Haltungsbedingungen.
Expert:innen und Tierschützer:innen betonen, dass höhere Haltungsstufen oder Qualitätskennzeichnungen keine Garantie für artgerechte Tierhaltung darstellen. Verbraucher:innen sollten:
- auf Labels achten, die strenge Kriterien für Platzangebot, Beschäftigungsmöglichkeiten und Zugänge zum Freilauf vorsehen.
- kritisch sein gegenüber Werbung, die mit Begriffen wie „regional“ oder „nachhaltig“ Emotionen weckt, ohne die Fakten zu untermauern.
- verstärkt auf Herkunft und Produktionsbedingungen achten und gegebenenfalls den Dialog mit den Anbietern suchen.
Die aktuelle Debatte zeigt deutlich, dass Verbraucher:innen mit steigender Sensibilität und Informationsanspruch eine bedeutende Rolle spielen. Ihre direkte Einflussnahme via E-Mail-Proteste, wie von VIER PFOTEN gestartet, macht Druck auf Unternehmen, Haltungsformen zu überdenken.
Politische Entwicklungen und zukünftige Kontrollen
Die Politik steht angesichts dieser Enthüllungen vor einem Spannungsfeld aus wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie, Verbraucherschutz und dem wachsenden gesellschaftlichen Anspruch nach mehr Tierwohl. Derzeit gibt es verschiedene Gesetzesinitiativen und Diskussionsansätze, die das Ziel verfolgen, Mindestanforderungen zu verschärfen. Dazu zählen insbesondere:
- Forderungen nach einer Reduktion der Maximaldichte in den Ställen auf etwa 10 Tiere pro Quadratmeter und ein erweitertes Platzangebot inklusive Freilauf.
- Ein Verbot oder starke Beschränkungen von schnell wachsenden Qualzuchtrassen, die das Tierwohl massiv beeinträchtigen.
- Eine Verbesserung der Transparenz durch verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnungen, die für Verbraucher:innen nachvollziehbar sind.
- Intensivere und häufigere Kontrollen durch unabhängige Behörden, um Missstände frühzeitig aufzudecken und die Einhaltung von Richtlinien zu gewährleisten.
Die Debatte um Wiesenhof verdeutlicht auch die Rolle von Protestaktionen und zivilgesellschaftlichem Engagement. Organisationen wie VIER PFOTEN nutzen mediale Aufmerksamkeit, um Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben – ein Element, das politisch zunehmend an Gewicht gewinnt.
Die komplexen Herausforderungen der Massentierhaltung betreffen nicht nur das Wohl der Tiere, sondern auch Themen wie Antibiotikaeinsatz, Umweltbelastungen und Lebensmittelqualität. Deshalb wird die öffentliche Diskussion um letztlich tragfähige Lösungen weitergehen. Zentrale Schlüsselbegriffe in diesem Prozess lauten: Verantwortung, Transparenz, Nachhaltigkeit und tatsächliches Tierwohl.
In der Gesamtbetrachtung ist klar: Die jüngsten Bilder aus den Wiesenhof-Ställen sind ein Weckruf, der Verbraucher:innen und Politik gleichermaßen zum Handeln auffordert. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Debatte entwickelt und ob nachhaltige Verbesserungen der Haltungsbedingungen tatsächlich verankert werden können.
Die hier verwendeten Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung der VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.