– Jeder Euro Wiederaufforstung generiert gesellschaftlichen Wert von zwölf Euro – 1 100 % Rendite.
– Laut Waldzustandsbericht sind 525 000 Hektar geschädigt, nur jeder fünfte Baum wirklich gesund.
– Klima-Initiative der Volksbanken forstete im Juli 2024 rund 560 Hektar – gesellschaftlicher Nutzen über 100 Mio Euro.
Hohe gesellschaftliche Rendite durch Wiederaufforstung: Ein Euro erwirtschaftet zwölf
Die Wiederaufforstung geschädigter Wälder in Deutschland hat eine deutlich höhere Bedeutung als oft angenommen. Eine aktuelle Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt, dass jeder in die Wiederaufforstung investierte Euro für die Gesellschaft einen Wert von zwölf Euro generiert. Das entspricht einer Gemeinwohlrendite von elf Euro pro investiertem Euro, was einem Zuwachs von 1.100 Prozent gleicht. Dieser hohe Wert entsteht durch vielfältige ökologische Leistungen, die der Gesellschaft direkt zugutekommen.
Wälder sind mehr als nur Kohlenstoffspeicher. Sie filtern Luft, halten Nährstoffe zurück und werten Landschaften auf – alles Funktionen, die in Geld messbar sind. So liefert ein Hektar wiederaufgeforsteter Mischwald, also eine Fläche von 100 mal 100 Metern, einen gesellschaftlichen Nutzen von etwa 200.000 Euro. Dabei fließen Leistungen wie CO₂-Speicherung, Luftfilterung, Nährstoffrückhalt und die Aufwertung des Landschaftsbildes ein. Angesichts der aktuellen Lage ist dieses Thema dringend: Laut Waldzustandsbericht sind in Deutschland bereits 525.000 Hektar Wald so stark geschädigt, dass Wiederaufforstung notwendig ist. Nur jeder fünfte Baum gilt noch als gesund.
Marija Kolak, Präsidentin des BVR, unterstreicht die gesellschaftliche Verantwortung: „Mit der Wiederaufforstung unserer Wälder unterstützen wir langfristig die natürlichen Lebensgrundlagen unserer Regionen.“ Sie ergänzt, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken deshalb ein ureigenes Interesse daran haben, die gesellschaftlichen Werte des Waldes zu erhalten.
Die Studie beruht auf anerkannten ökonomischen Bewertungsmethoden, unter anderem dem Schadenskostenansatz des Umweltbundesamtes. Dr. Jesko Hirschfeld, Studienleiter am IÖW, erklärt: „Die Ergebnisse unterstreichen die ökonomische und gesellschaftliche Relevanz von Wiederaufforstungen und zeigen, dass sich Investitionen aus gesellschaftlicher Perspektive um ein Vielfaches auszahlen.“ Die tatsächlichen Erträge könnten sogar noch höher liegen, da weitere Ökosystemleistungen wie Biodiversität, Temperaturregulierung oder Wasserspeicherung bisher noch nicht berücksichtigt sind. Als Kosten für die Wiederaufforstung werden 17.000 Euro pro Hektar veranschlagt – ein konservativer Wert an der Obergrenze der standortabhängigen Kostenspanne.
Im Rahmen der Klima-Initiative „Morgen kann kommen“ der Volksbanken und Raiffeisenbanken, die 2022 gestartet wurde, sind bisher über eine Million Setzlinge finanziert und mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in den Boden gebracht worden. Die wiederaufgeforstete Fläche von 560 Hektar aus dem Studienzeitraum summiert sich auf einen gesellschaftlichen Wert von mehr als 100 Millionen Euro. Über ein neues Spendenportal können nun auch Bürgerinnen und Bürger ab 7,50 Euro eigene Setzlinge finanzieren, die in zwölf regionalen Waldgebieten gepflanzt werden. Damit eröffnet sich eine breite Möglichkeit, aktiv zum Schutz und Erhalt deutscher Wälder beizutragen.
Warum Waldschutz jeden von uns betrifft
Wälder sind mehr als nur Ansammlungen von Bäumen – sie sind unverzichtbare Lebensräume, Klimaschützer und Ressourcenlieferanten zugleich. Sie speichern Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Heimatraum. Zudem prägen sie das Landschaftsbild, bieten Erholung und sind eine wesentliche Grundlage für viele Wirtschaftsbereiche. Der Schutz unserer Wälder ist daher nicht nur eine ökologische, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Denn wenn Wälder sterben oder verloren gehen, spüren das Klima, die Artenvielfalt und auch die Menschen direkt.
Die ökologische Bedeutung der Wälder ist eng mit ihrer ökonomischen und sozialen Funktion verknüpft. Gesunde Wälder tragen dazu bei, saubere Luft zu gewährleisten, Erosion zu verhindern und Grundwasser zu speichern. Wirtschaftlich profitieren etwa die Holzindustrie, die Tourismusbranche und die regionale Landwirtschaft von intakten Waldgebieten. Auch die Gesundheitsvorsorge durch Erholungsräume in der Natur sowie kulturelle und soziale Aspekte fließen in den Nutzen des Waldes ein. Wer weiterhin frische Luft atmen, die Temperatur stabilisieren und die Lebensqualität bewahren will, muss die Wälder schützen.
Folgen des Waldverlustes für Gesellschaft und Wirtschaft
Die derzeitigen Herausforderungen für die deutschen Wälder sind vielfältig. Faktoren wie Klimawandel, Schädlingsbefall und langjährige Trockenphasen führen zu einer forstwirtschaftlichen Krise: Viele Bäume sind geschwächt, der Wald verändert sich sichtbar. Das hat nicht nur negative Umweltfolgen, sondern wirkt sich auch direkt auf die Wirtschaft aus. Beispielsweise wird die Holzernte begrenzt, Waldtourismus leidet, und durch veränderte Ökosysteme entstehen höhere Kosten für Wasseraufbereitung oder Hochwasserschutz. Belastet ist zudem die Biodiversität – zahlreiche Arten sind auf gesunde Wälder als Lebensraum angewiesen.
Gesunde Wälder kommen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zugute:
- Klimaschutz durch CO₂-Speicherung
- Schutz von Biodiversität und Lebensräumen
- Regulierung des Wasserhaushalts
- Erhaltung der Luftqualität
- Unterstützung von Holz- und Tourismuswirtschaft
- Bereitstellung von Naherholungsgebieten
Verliert der Wald diese Funktionen, geht nicht nur ein Naturraum verloren, sondern auch ein wirtschaftlicher und sozialer Mehrwert, der sich kaum ersetzen lässt.
Bürgerbeteiligung: Wie jeder einen Beitrag leisten kann
Der Schutz des Waldes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der nicht nur Politik und Forstwirtschaft gefragt sind. Auch jeder Einzelne kann mitwirken – sei es durch bewussten Konsum, nachhaltiges Verhalten oder direkte Beteiligung an Aufforstungsprojekten. In Deutschland haben sich neben staatlichen Initiativen auch zahlreiche Programme entwickelt, die Engagement und Spenden von Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen. So bieten etwa neue Spendenportale die Möglichkeit, direkt die Pflanzung von Setzlingen zu unterstützen.
Dieses breite Engagement fördert zudem das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Walderhalt und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Politik hat in den letzten Jahren schrittweise die Bedeutung von Waldschutz erkannt und vermehrt Fördermaßnahmen und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen. Gleichzeitig entstehen innovative Kooperationsformen, die lokalen Gemeinschaften und Unternehmen den Zugang zu Beteiligungsmöglichkeiten erleichtern und neue Wege der Waldpflege eröffnen.
Herausforderungen und Chancen der Wiederaufforstung
Die Wiederherstellung geschädigter Waldflächen ist ein zentrales Element, um dem Waldsterben entgegenzuwirken und den Ökosystemleistungen langfristig zu sichern. Dabei steht insbesondere die Aufforstung mit vielfältigen Mischwäldern im Fokus, um widerstandsfähigere und anpassungsfähigere Waldökosysteme zu schaffen. Die Zukunft des Waldschutzes erfordert dabei eine Balance aus wissenschaftlicher Planung, gesellschaftlichem Engagement und kluger Politik.
Trotz der Herausforderungen bietet die Wiederaufforstung große Chancen: Neue Perspektiven entstehen für den Klimaschutz, den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Regionalentwicklung. Das Waldökosystem kann sich stabilisieren und wichtige Funktionen für die Gesellschaft zurückgewinnen. Entscheidend wird sein, dass der Schutz und die Pflege der Wälder als gemeinsames Anliegen anerkannt werden. So trägt jeder Beitrag – ob von Verwaltungen, Verbänden, Unternehmen oder Bürgerinnen und Bürgern – dazu bei, die Wälder als Lebensgrundlage für kommende Generationen zu bewahren.
Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).