Ein Geräteraum kann rechnerisch noch freie Quadratmeter haben und praktisch trotzdem voll sein. Das passiert vor allem dann, wenn sperrige Sportgeräte, Veranstaltungsmaterial, Anhänger und Maschinen gemeinsam untergebracht werden. Denn nicht die Grundfläche allein entscheidet darüber, ob ein Lager funktioniert. Ebenso wichtig sind Zugänge, Verkehrswege, Rangierflächen und die Frage, wie häufig auf einzelne Gegenstände zugegriffen werden muss.
Wer zusätzlichen Stauraum schaffen will, sollte deshalb nicht mit der Wahl einer bestimmten Bauform beginnen. Zuerst muss geklärt werden, welches Material tatsächlich Platz benötigt, wie es bewegt wird und welchen Schutz es braucht. Erst daraus lässt sich ableiten, ob Auslagern, ein Geräteschuppen, ein Container oder eine größere überdachte Lagerfläche sinnvoll ist.
Platzmangel entsteht häufig über Jahre
In vielen Vereinsheimen wächst der Materialbestand mit den Aktivitäten. Neue Trainingsangebote benötigen zusätzliche Geräte, Veranstaltungen bringen Tische, Bänke, Absperrmaterial oder Technik mit sich, für die Platzpflege kommen Werkzeuge und Maschinen hinzu.
Kritisch wird es, wenn jeder gerade freie Bereich schrittweise zum Lager wird. Dann blockiert selten benötigtes Material gut erreichbare Stellplätze, Gegenstände müssen vor jeder Nutzung umgeräumt werden oder Verkehrswege werden zunehmend enger.
Dass Ordnung dabei mehr als eine Komfortfrage ist, zeigen die Hinweise der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zur Sicherheit von Sportstätten und Sportgeräten. Für Geräteräume nennt die DGUV unter anderem feste Markierungen beziehungsweise Beschriftungen, die sichere Lagerung von Sportgeräten sowie freie Verkehrs- und Fluchtwege. Geräte, die nicht mehr oder nur sehr selten genutzt werden, sollten ausgelagert werden.
Eine Bestandsaufnahme sollte daher mehr erfassen als Stückzahlen. Für jeden größeren Materialposten sind vier Informationen relevant: Abmessungen, Nutzungshäufigkeit, notwendige Zugänglichkeit und erforderliche Lagerbedingungen.
Erst sortieren, dann zusätzliche Fläche schaffen
Für die erste Bestandsaufnahme genügt eine einfache Einteilung. Regelmäßig benötigte Trainingsgeräte sollten möglichst nah am Einsatzort bleiben. Saisonales Material kann weiter hinten oder in einem separaten Lagerbereich untergebracht werden. Ausstattung für einzelne Veranstaltungen lässt sich gegebenenfalls vollständig aus dem unmittelbaren Vereinsbetrieb herausnehmen.
Gerade gewachsene Lagerräume folgen allerdings selten einer solchen Logik. Ein Regal steht dort, weil an dieser Stelle vor zehn Jahren Platz war. Später kam ein Schrank hinzu, danach ein Materialwagen. Irgendwann bestimmt die Entstehungsgeschichte des Raums die Laufwege.
Bei der Neuplanung sollte deshalb nicht nur auf die Menge des Materials geschaut werden. Die DGUV empfiehlt für Materiallager ausdrücklich, bereits bei Neu- oder Umbauten sowohl das Lagergut als auch die Betriebsabläufe zu berücksichtigen. Dazu zählen kurze und sichere Transportwege ebenso wie ausreichend dimensionierte Türen und Tore.
Das ist ein wesentlicher Unterschied: Ein Lager wird nicht allein nach seinem Inhalt dimensioniert, sondern auch danach, wie dieser Inhalt hinein-, heraus- und innerhalb der Fläche bewegt wird.
Auslagern kann wirtschaftlicher sein als Erweitern
Nicht jeder zusätzliche Quadratmeter muss auf dem Vereinsgelände entstehen. Für Gegenstände, die nur wenige Male im Jahr benötigt werden, kann ein externes Lager zweckmäßig sein. Denkbar ist außerdem die gemeinschaftliche Nutzung wenig ausgelasteter Geräte durch mehrere Vereine oder Organisationen.
Beim externen Lager verschiebt sich das Problem allerdings von der Fläche zur Logistik. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Entfernung. Viel wichtiger ist die Zugriffshäufigkeit. Muss Veranstaltungsmaterial zweimal jährlich geholt werden, fallen zusätzliche Wege anders ins Gewicht als bei Ausrüstung, die jede Woche benötigt wird.
Für regelmäßig eingesetzte Maschinen, Anhänger und Geräte sprechen dagegen kurze Wege zum Einsatzort. Welche Lösung sinnvoll ist, ergibt sich deshalb aus dem konkreten Nutzungsmuster.
Vier Lagerkonzepte im Vergleich
Die folgende Gegenüberstellung ist bewusst kein Ranking. Sie zeigt, welche Kriterien bei unterschiedlichen Lagerformen den Ausschlag geben können.
| Lagerlösung | Sinnvoll zu prüfen bei | Wichtige Planungskriterien | Mögliche Grenze |
| Geräteschuppen | Werkzeug, kleineren Sportgeräten, Verbrauchsmaterial | Zugänglichkeit, Regale, Einbruchschutz, Türbreite | begrenzter Raum für sperrige Geräte |
| Container | Werkzeug, Veranstaltungsmaterial, robustem Lagergut | Zugang, Innenmaße, Belüftung, Aufstellfläche | feste Raum- und Zugangsgeometrie |
| Externes Mietlager | selten benötigtem oder saisonalem Material | Entfernung, Zugriff, Transportaufwand, laufende Kosten | zusätzliche Wege bei häufigem Zugriff |
| Flexible Hallenlösung | Maschinen, Anhängern, Fahrzeugen, großvolumigem Material | Innenhöhe, Spannweite, Zugänge, Rangierfläche, Untergrund | tatsächliche Nutzfläche hängt stark von Geometrie und Standort ab |
Gerade bei großem und beweglichem Lagergut wird deutlich, warum die Quadratmeterzahl allein nur begrenzt aussagekräftig ist.
Warum 100 Quadratmeter nicht 100 Quadratmeter Nutzfläche bedeuten
Bei einem Regal lässt sich die benötigte Stellfläche vergleichsweise einfach bestimmen. Bei Fahrzeugen und Maschinen funktioniert diese Rechnung nicht.
Ein zwei Meter breiter Anhänger benötigt nicht nur zwei Meter Hallenbreite. Er muss hineingefahren, abgestellt, angekuppelt und wieder herausbewegt werden können. Vor und neben dem Fahrzeug entstehen damit Funktionsflächen, die in einer einfachen Addition der Außenmaße nicht auftauchen.
Auch die Raumgeometrie beeinflusst die Nutzbarkeit. Bei geneigten oder gebogenen Außenflächen steht die maximale Innenhöhe nicht über die gesamte Grundfläche zur Verfügung. Hohe Maschinen oder Regale können deshalb gegebenenfalls nicht bis unmittelbar an den Rand gestellt werden. Die Zusammenhänge zwischen Spannweite, Abmessungen und Rundbogenkonstruktion sind dafür ein gutes Beispiel: Außenmaß und praktisch nutzbarer Innenraum müssen getrennt betrachtet werden.
Für eine realistische Dimensionierung lassen sich fünf Flächen unterscheiden:
- Stellfläche: die tatsächlichen Abmessungen von Maschinen, Fahrzeugen, Regalen und sonstigem Lagergut.
- Bedienfläche: Raum, der zum Öffnen, Be- und Entladen oder zur Entnahme von Gegenständen benötigt wird.
- Verkehrsfläche: Wege für Personen sowie für den Materialtransport.
- Rangierfläche: Bewegungsraum beim Ein- und Ausfahren von Anhängern, Maschinen oder Fahrzeugen.
- Reservefläche: Platz für absehbare Veränderungen des Materialbestands oder eine spätere Neuordnung.
„Der klassische Planungsfehler besteht darin, Stellfläche mit Lagerfläche gleichzusetzen. Bei einem Anhänger oder einer Maschine endet der Platzbedarf nicht an der Außenkante des Gegenstands. Erst wenn Bedien-, Verkehrs- und Rangierflächen mitgedacht werden, entsteht eine realistische Flächenplanung“, erklärt Alexander Engel von Profizelt24.
Diese Betrachtungsweise ist unabhängig davon, welche Lagerbauform später gewählt wird. Entscheidend ist, die Bewegungsabläufe vor der Dimensionierung zu verstehen – und nicht erst dann, wenn Tore, Regale und Stellplätze bereits festgelegt sind.
Unterschiedliches Lagergut verlangt unterschiedlichen Schutz
Auch beim Wetterschutz ist eine pauschale Betrachtung wenig hilfreich. Ein Metallgestell, ein Rasenpflegegerät und empfindliche Veranstaltungstechnik stellen unterschiedliche Anforderungen an ihre Umgebung.
Robuste Gegenstände benötigen unter Umständen in erster Linie Schutz vor direktem Niederschlag. Bei elektrischer Ausrüstung können dagegen Feuchtigkeit und konkrete Lagerbedingungen stärker ins Gewicht fallen. Bei wertvollen und leicht transportierbaren Gegenständen kommt der Diebstahlschutz hinzu.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen akkubetriebene Werkzeuge und Maschinen. Die aktuelle DGUV-Information zum Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien weist unter anderem darauf hin, dass Batterien auf nicht brennbarem Untergrund gelagert und Abstände zu Brandlasten berücksichtigt werden sollten. Für größere Mengen beziehungsweise leistungsstarke Batterien können weitergehende Maßnahmen bis hin zu räumlich getrennten Lagerbereichen erforderlich werden.
Damit wird deutlich, warum „trocken und abschließbar“ als allgemeine Beschreibung eines Lagers nicht ausreicht. Die Anforderungen müssen aus dem konkreten Lagergut abgeleitet werden.
Sinnvoll kann deshalb eine Zonierung sein: geschützte Bereiche für empfindliches Material, schnell erreichbare Flächen für häufig benötigte Ausrüstung und ausreichend dimensionierte Stellbereiche für Maschinen.
Regale sind Teil der Sicherheitsplanung
Bei kleineren Geräten und Veranstaltungsmaterial wird zusätzlicher Stauraum häufig über Regale geschaffen. Auch dabei spielt nicht nur die verfügbare Wandfläche eine Rolle.
Lagereinrichtungen müssen für die auftretenden Belastungen geeignet sein und standsicher betrieben werden. Die DGUV Information 208-061 zu Lagereinrichtungen und Ladungsträgern behandelt unter anderem Bau, Ausrüstung, Betrieb, Prüfung und Instandhaltung von Regalen und anderen Lagereinrichtungen.
In der Praxis bedeutet das: Zusätzliche Regalfläche ist nur dann gewonnener Stauraum, wenn sie sicher erreichbar und passend belastbar ist und Verkehrswege dadurch nicht eingeschränkt werden. Auch hier führt möglichst dichtes Packen nicht automatisch zur besten Flächennutzung.
Der Standort kann wichtiger sein als zusätzliche Quadratmeter
Eine ausreichend große Lagerfläche kann im Vereinsalltag trotzdem schlecht funktionieren. Das zeigt sich besonders bei ungünstigen Zufahrten.
Vor einer Standortentscheidung sollte deshalb nicht nur das Gebäude, sondern der gesamte Bewegungsablauf betrachtet werden. Von welcher Seite fährt ein Anhänger an? Wo kann das Zugfahrzeug wenden? Kann eine Maschine gerade durch das Tor gefahren werden oder sind mehrere Rangierbewegungen erforderlich? Wo wird Material be- und entladen?
Auch die Beschaffenheit des Untergrunds und sichere Transportwege gehören in diese Betrachtung. Was bei trockenem Wetter problemlos funktioniert, muss nicht unter allen Bedingungen gleichermaßen praktikabel sein.
Eine maßstäbliche Skizze ist hier häufig aufschlussreicher als eine Quadratmeterangabe. Darin sollten nicht nur Regale und Fahrzeuge, sondern auch Türen, Tore, Fahrwege und Bewegungszonen eingezeichnet werden.
Kosten entstehen nicht nur durch Miete oder Anschaffung
Beim wirtschaftlichen Vergleich sollten Vereine die gesamte Nutzung betrachten. Bei einer eigenen Lagerlösung können beispielsweise Aufwendungen für Standortvorbereitung, Transport, Montage, Instandhaltung oder erforderliche Genehmigungsunterlagen hinzukommen. Bei Mietflächen entstehen dagegen laufende Kosten und gegebenenfalls wiederkehrende Transportwege.
Gerade im Ehrenamt hat auch Zeit einen praktischen Wert. Eine günstige externe Fläche kann organisatorisch aufwendig werden, wenn Helfer vor jedem Einsatz zunächst Material an einem anderen Standort holen müssen.
Gleichzeitig sollte der zukünftige Bedarf nicht ignoriert werden. Eine Fläche exakt auf den heutigen Bestand auszulegen, kann dazu führen, dass bereits die nächste größere Anschaffung das Lagerkonzept wieder infrage stellt. Reserve bedeutet allerdings nicht, pauschal möglichst groß zu planen. Anpassbare Lagerzonen oder Erweiterungsmöglichkeiten können sinnvoller sein als dauerhaft ungenutzte Fläche.
Genehmigungsfragen gehören vor die Detailplanung
Auch eine technisch passende Lösung muss am vorgesehenen Standort rechtlich zulässig sein. Welche Anforderungen gelten, hängt unter anderem vom Bundesland, vom Grundstück, von Abmessungen und Nutzung sowie von örtlichen Vorgaben ab.
Die Annahme, eine mobile Konstruktion oder ein Bauwerk ohne klassisches Fundament sei grundsätzlich genehmigungsfrei, reicht als Planungsgrundlage nicht aus. Ebenso wenig darf „verfahrensfrei“ mit „frei von öffentlich-rechtlichen Anforderungen“ gleichgesetzt werden.
Deshalb sollten Vereine frühzeitig mit der zuständigen Bauaufsichtsbehörde klären, welche Anforderungen für den konkreten Standort und die geplante Nutzung gelten. Gerade bei größeren Lagerflächen ist dieser Schritt sinnvoll, bevor Detailplanung und Beschaffung weit fortgeschritten sind.
Mehr Fläche löst keine schlechte Lagerorganisation
Der vielleicht folgenreichste Fehler besteht darin, ein bestehendes Ordnungsproblem einfach auf eine größere Fläche zu übertragen. Ohne feste Stellplätze, Lagerzonen und eine regelmäßige Bestandskontrolle wird auch ein neues Lager mit der Zeit unübersichtlich.
Eine Erweiterung bietet deshalb die Gelegenheit, die Organisation grundsätzlich neu aufzusetzen: häufig benötigte Sportgeräte nah am Einsatzort, Veranstaltungsmaterial getrennt davon, Maschinen mit ausreichend Bewegungsfläche und selten benötigte Gegenstände in nachgeordneten Bereichen.
Ein gutes Lager ist damit nicht das Lager mit den meisten Quadratmetern. Es ist eine Fläche, auf der Material, Menschen und Fahrzeuge möglichst konfliktfrei zusammenkommen. Wer Stellfläche, Schutzbedarf und Bewegungsabläufe getrennt analysiert, kann den tatsächlichen Platzbedarf wesentlich präziser bestimmen – und verhindert, dass aus einem Platzproblem lediglich ein größeres Platzproblem wird.