– Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald sichert ärztliche Ausbildung in ländlichen Regionen.
– Netzwerk umfasst 17 Praxen und Krankenhäuser mit digitaler Plattform ab Oktober 2025.
– Hartmannbund fordert bundesweite Etablierung solcher Modelle und bessere Finanzierung.
Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald: Vorbild für ländliche Ärzteausbildung
Im Landkreis Dahme-Spreewald entsteht derzeit ein Modell, das die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen langfristig sichern könnte. Das analoge Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald wurde 2022 gegründet und der Landkreis stellt jährlich 60.000 Euro bis Ende 2027 für die Finanzierung bereit*. Der Hartmannbund würdigt das Weiterbildungsnetzwerk ausdrücklich als gelungenes Beispiel für sektorenübergreifende Kooperation. Das Besondere: 17 Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten hier mit den örtlichen Krankenhäusern zusammen, um möglichst alle Abschnitte der Facharztweiterbildung innerhalb einer Region anbieten zu können.
„Solche Verbünde schaffen Planungssicherheit für Weiterzubildende und sichern die Qualität der Weiterbildung“, betont Klaus-Peter Schaps, Vorsitzender des Arbeitskreises IV – Aus- und Weiterbildung im Hartmannbund. Eine hauptamtliche Koordinatorin unterstützt die beteiligten Ärztinnen und Ärzte bei organisatorischen und formalen Aufgaben und entlastet sie so im Alltag. Ab dem 1. Oktober 2025 wird das analoge Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald durch ein digitales Weiterbildungsnetzwerk ergänzt. Für den Aufbau dieses Prototyps stellt der Bund über drei Jahre Fördermittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro bereit*. „Diese Förderung durch den Bund ist ausdrücklich zu begrüßen!“, so Schaps weiter.
Der Hartmannbund fordert, dass solche Modelle bundesweit etabliert werden. Die Krankenhausreform dürfe keinesfalls dazu führen, dass Weiterbildungsbefugnisse verloren gehen oder die Qualität der Weiterbildung gefährdet wird. Ebenso fordert der Verband eine deutliche Verbesserung der Finanzierung der ambulanten Weiterbildung. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte trügen erhebliche Kosten und organisatorische Lasten – hier brauche es eine nachhaltige und faire Lösung.
Bereits beim 129. Deutschen Ärztetag hatte der Hartmannbund die Stärkung von Weiterbildungsverbünden in allen Fachgruppen gefordert. Diese Forderung ist seit Jahren ein zentrales Anliegen des Arbeitskreises IV – Aus- und Weiterbildung. „Der Hartmannbund fordert, dass diese Ansätze bundesweit Schule machen!“
Vom regionalen Projekt zum geförderten Netzwerk
Das Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald entstand 2022.* Initiativen aus der Ärzteschaft vor Ort erkannten, dass nur durch sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Praxen und Krankenhäusern eine durchgängige Facharztweiterbildung in der Region möglich wird.*
Gründung und Aufbau
Die Gründung im Jahr 2022 (Stand: September 2025, Quelle: Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg)* markierte den Startpunkt für eine bislang einzigartige Kooperation. Binnen kurzer Zeit gelang es, 17 Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen sowie die örtlichen Krankenhäuser für das Netzwerk zu gewinnen. Entscheidend für den Erfolg war die Einrichtung einer hauptamtlichen Koordinationsstelle, die die beteiligten Ärztinnen und Ärzte von organisatorischen Aufgaben entlastet und so die praktische Umsetzung der Weiterbildung deutlich erleichtert.
Kommunale Finanzierung
Die finanzielle Basis des Netzwerks sichert der Landkreis Dahme-Spreewald durch eine verbindliche Zusage: Er stellt jährlich 60.000 Euro für die Finanzierung bereit (Stand: September 2025, Quelle: Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg).* Diese Planungssicherheit ermöglichte dem Netzwerk nicht nur kontinuierliche Arbeit, sondern schuf auch die Voraussetzungen für weitere Fördermittel – darunter die dreijährige Bundesförderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro für den Aufbau einer digitalen Plattform ab Oktober 2025.*
Zentrale Finanzierungsdaten im Überblick:
- Gründungsjahr: 2022 (Quelle: Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg)*
- Jährlicher Landkreis-Zuschuss: 60.000 Euro (Quelle: Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg)*
| Jahr | Ereignis | Wert/Art | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2022 | Gründung des Netzwerks | – | Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg, September 2025* |
| 2023-2027 | Kommunale Finanzierung | 60.000 € jährlich | Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg, September 2025* |
Diese solide Finanzierungsgrundlage bildet das Fundament für die Weiterentwicklung des Netzwerks – von der analogen Zusammenarbeit hin zu digital unterstützten Strukturen, die die Attraktivität der ärztlichen Weiterbildung in der Region nachhaltig stärken.
Regelwerke und Modellansätze für ländliche Gesundheitsversorgung
Die strukturelle Absicherung ärztlicher Weiterbildung in ländlichen Regionen folgt klaren politischen und berufsrechtlichen Rahmenbedingungen. Verschiedene Akteure haben hierzu konkrete Leitlinien und Modellansätze entwickelt, die als Orientierung für regionale Netzwerke dienen.
Leitlinien für Weiterbildungsnetzwerke
Die Hessische Landesärztekammer hat Richtlinien für Weiterbildungsnetzwerke erarbeitet, die Rahmenbedingungen für freiwillige Weiterbildungsnetzwerke und gemeinsame Befugnisse für verbundene fachgleiche Einrichtungen eröffnen.* Diese Vorgaben schaffen verbindliche Strukturen für Kooperationen zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Sie definieren organisatorische Standards und erleichtern die Anerkennung von Weiterbildungsabschnitten across verschiedenen Einrichtungen hinweg.
Der Ansatz verfolgt das Ziel, durch klare Regelwerke Planungssicherheit für Weiterbildungsassistenten zu schaffen. Die Richtlinien bieten damit eine wichtige Grundlage für regionale Initiativen, die die ärztliche Versorgung in strukturschwachen Gebieten stärken wollen.
Ländliche Entwicklung als politisches Thema
Auf übergeordneter Ebene gewinnt das Thema zunehmend politische Relevanz. Das 18. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung fand im Januar 2025 in Berlin statt und behandelte unter anderem die Stärkung der Handlungsfähigkeit und Identifikation vor Ort sowie Nachwuchsgewinnung in ländlichen Kommunen.* Diese bundesweite Plattform zeigt, dass die Sicherung von Fachkräften und die Stärkung regionaler Strukturen zentrale politische Anliegen sind.
Die Diskussionen auf dem Zukunftsforum machen deutlich: Erfolgreiche Modelle wie das Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald benötigen nicht nur lokales Engagement, sondern auch überregionale politische Unterstützung. Die dort behandelten Themen reichen von der Digitalisierung ländlicher Räume bis hin zu konkreten Fördermöglichkeiten für regionale Kooperationen im Gesundheitswesen.
Die Verknüpfung berufsrechtlicher Leitlinien mit politischen Initiativen schafft somit ein vielschichtiges Ökosystem, in dem regionale Weiterbildungsnetzwerke gedeihen können. Beide Ebenen – die berufsständische Selbstverwaltung und die politische Gestaltung – tragen dazu bei, langfristig tragfähige Strukturen für die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen zu etablieren.
Netzwerk mit Zukunft – aber wie nachhaltig ist das Modell?
Die Einrichtung von Weiterbildungsnetzwerken wie in Dahme-Spreewald markiert einen wichtigen Schritt zur Sicherung der ärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen. Die Beteiligung von 17 Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen sowie örtlichen Krankenhäusern schafft tatsächlich Planungssicherheit für Weiterbildungsassistenten – ein zentrales Argument für die Attraktivität des Modells. Doch die bisherigen Finanzierungszusagen werfen Fragen auf: Der Landkreis stellt jährlich 60.000 Euro bis Ende 2027 für die Finanzierung bereit*, die Bundesförderung für die digitale Plattform ist auf drei Jahre befristet. Gerade für junge Ärztinnen und Ärzte, die eine mehrjährige Facharztweiterbildung anstreben, bedeutet diese zeitliche Begrenzung Unsicherheit. Zwar stärken die im Januar 2025 aktualisierten LÄK-Richtlinien die Anerkennung von Weiterbildungsverbünden, doch ohne dauerhafte Finanzierungsmodelle droht erfolgreichen Netzwerken das Aus genau dann, wenn sie erste Erfolge bei der Nachwuchsgewinnung zeigen.
Die offene Frage bleibt, wer nach der Anschubfinanzierung die strukturellen Kosten trägt – die Kommunen, die Länder oder die Kammern? Auch die Übertragbarkeit des Modells auf andere Regionen hängt maßgeblich davon ab, ob sich tragfähige Kooperations- und Finanzierungsstrukturen etablieren lassen.
Für die weitere Berichterstattung bieten sich zwei konkrete Fragen an: Wird es eine Anschlussfinanzierung nach 2027 geben, und lassen sich die Strukturen des Netzwerks auch auf andere Landkreise übertragen? Mögliche Ansprechpartner für vertiefende Recherchen sind die Landesärztekammer, der Landkreis Dahme-Spreewald sowie der Hartmannbund als Interessenvertretung der Ärzteschaft.
Die nachfolgenden Informationen und Aussagen entstammen einer offiziellen Pressemitteilung des Hartmannbundes – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Ab dem 1. Oktober 2025 wird das analoge Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald durch ein digitales Weiterbildungsnetzwerk ergänzt. Der Bund gewährt über drei Jahre eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro für den Aufbau der digitalen Netzwerkplattform als Prototyp.“ – Quelle: https://mgs.brandenburg.de/mgs/de/presse/pressemitteilungen/detail/~10-09-2025-aerztliches-weiterbildungsnetzwerk
- „Das analoge Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald wurde 2022 gegründet und der Landkreis stellt jährlich 60.000 Euro bis Ende 2027 für die Finanzierung bereit.“ – Quelle: https://mgs.brandenburg.de/mgs/de/presse/pressemitteilungen/detail/~10-09-2025-aerztliches-weiterbildungsnetzwerk
- „Die Hessische Landesärztekammer hat Richtlinien für Weiterbildungsnetzwerke erarbeitet, die Rahmenbedingungen für freiwillige Weiterbildungsnetzwerke und gemeinsame Befugnisse für verbundene fachgleiche Einrichtungen eröffnen.“ – Quelle: https://www.laekh.de/heftarchiv/ausgabe/artikel/2025/januar-2025/weiterbildung-im-fokus-halten
- „Das 18. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung fand im Januar 2025 in Berlin statt und behandelte unter anderem die Stärkung der Handlungsfähigkeit und Identifikation vor Ort sowie Nachwuchsgewinnung in ländlichen Kommunen.“ – Quelle: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Termine/DE/2025-01-22-23-zukunftsforum-laendliche-raume.html
10 Antworten
Mir gefällt dieser Ansatz! Aber ich mache mir Sorgen um die zukünftige Finanzierung des Netzwerks nach 2027? Was passiert dann mit den Auszubildenden?
Das sind wichtige Fragen Patricia! Wir müssen dafür sorgen,dass solche Modelle nicht einfach enden nach ein paar Jahren.
‚Ich finde es toll, dass solche Netzwerke entstehen! Sie sind wichtig für die Ausbildung und Entlastung der Ärzte. Aber müssen wir nicht auch über die Qualität der Ausbildung sprechen?‘
Das Modell hat viel Potenzial! Aber ich mache mir Sorgen über die finanzielle Sicherheit auf lange Sicht. Gibt es Pläne für eine Anschlussfinanzierung? Wie sieht’s mit anderen Regionen aus?
‚Ich stimme zu! Solche Modelle sollten auch in anderen ländlichen Gebieten umgesetzt werden. Es wäre gut zu wissen, wie andere Länder das handhaben.‘
‚Ein interessanter Punkt! Vielleicht könnte man aus den Erfahrungen anderer Regionen lernen und so bessere Strukturen schaffen.‘
Ich finde das Netzwerk sehr spannend! Es ist wichtig, dass in ländlichen Gebieten die ärztliche Versorgung gesichert wird. Aber was passiert wenn die Förderung ausläuft? Wer kümmert sich dann darum?
Genau! Die Nachhaltigkeit ist der Schlüssel. Ich denke, wenn das Modell gut funktioniert, sollte es doch einfacher sein, weitere Gelder zu bekommen.
Das Weiterbildungsnetzwerk ist eine gute Idee, aber ich frag mich, ob die Finanzierung wirklich reicht. Wie wird das nach 2027 weitergehen? Und werden die Ärzte wirklich entlastet?
Ja, die Fragen sind wichtig. Ich hoffe, dass da eine Lösung gefunden wird, sonst bringt das alles wenig. Vielleicht sollten mehr Experten einbezogen werden.