– Jahrestag der Weiterbildung am 20. November 2025 in Frankfurt mit rund 100 Teilnehmern
– Berufliche Weiterbildung als wirksames Instrument gegen Fachkräftemangel in Hessen
– Diskussion über Bildung in Transformationsprozessen und nötige politische Rahmenbedingungen
Bildung in der Transformation: Hessen diskutiert Zukunft der Weiterbildung
Am 20. November 2025 trafen sich in Frankfurt am Main rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Bildungseinrichtungen, Politik, Wissenschaft und Verwaltung zum Jahrestag der Weiterbildung. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Bildung im Kontext multipler Krisen – eine Gesellschaft in der Transformation" und bot eine Plattform für den Austausch über aktuelle Herausforderungen der Bildungslandschaft.
Andreas Haberl, Vorstandsvorsitzender von Weiterbildung Hessen e.V., eröffnete die Veranstaltung mit einem Plädoyer für die Bedeutung der Weiterbildung als zentralen gesellschaftlichen Ort. Er betonte die verbindende Kraft der Bildung in unsicheren Zeiten und verwies auf aktuelle politische Herausforderungen, die Bildungseinrichtungen derzeit bewegen.
Staatsminister Kaweh Mansoori, Stellvertretender Ministerpräsident und Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, unterstrich in seinem Grußwort die strategische Bedeutung der beruflichen Weiterbildung:
"Wir brauchen berufliche Weiterbildung, um die hessische Wirtschaft zukunftsfest zu machen. Denn Weiterbildung ist eines der wirksamsten Instrumente gegen den Fachkräftemangel. Die Betriebe leisten ihren Beitrag, indem sie ihre Beschäftigten dabei finanziell und mit Freistellungen unterstützen, und die Beschäftigten bauen die dringend benötigten Kompetenzen auf – davon profitieren alle. Um Weiterbildung zu einer zentralen Rolle der Transformation der hessischen Wirtschaft zu machen, leisten die hessischen Bildungscoaches mit ihrer Beratung einen wichtigen Beitrag. Auch der Verein 'Weiterbildung Hessen' sorgt für Qualität und Transparenz im Weiterbildungsgeschehen und wird dabei mit Landesförderung unterstützt. Aber auch die Bereitschaft, sich ein Leben lang Neues anzueignen, ist eine Lebensversicherung des Wirtschaftsstandortes Hessen. Lebenslanges Lernen muss deshalb für jede Hessin und jeden Hessen selbstverständlich und machbar sein."
Der wissenschaftliche Input kam von Prof. Dr. Julia Elven von der Goethe-Universität Frankfurt, die in ihrem Vortrag "Integrieren, Stabilisieren, Transformieren – Mit Weiterbildung durch die Multikrise" die Rolle der Weiterbildung bei der Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen analysierte.
Im Anschluss an die Vorträge diskutierten die Teilnehmenden in moderierten Arbeitsgruppen konkrete Handlungsansätze zu den Themen Klimazukunft, Wirtschaftstransformation und gesellschaftliche Herausforderungen. Der Tag endete mit einem Get-together, das Raum für vertiefende Gespräche und Netzwerken bot.
Weiterbildung Hessen e.V., der 2003 mit Unterstützung des Hessischen Wirtschaftsministeriums gegründet wurde, zählt heute rund 310 Mitglieder (Stand: 20. November 2025). Die nächste Veranstaltung des Vereins findet am 25. November 2025 als Online-Format statt.*
Politische Weichenstellungen für Hessens Weiterbildung
Die hessische Weiterbildungslandschaft operiert innerhalb eines klar definierten rechtlichen und finanziellen Rahmens. Zwei zentrale Säulen bilden hierfür die Grundlage: das Hessische Weiterbildungsgesetz als langfristige Basis und der Weiterbildungspakt als zeitlich befristetes Förderinstrument. Beide ergänzen sich und schaffen gemeinsam die Voraussetzungen für ein flächendeckendes und vielfältiges Bildungsangebot.
Das Hessische Weiterbildungsgesetz (HWBG)
Das Hessische Weiterbildungsgesetz (HWBG) bietet seit über 20 Jahren* einen klar geregelten gesetzlichen und finanziellen Rahmen für die öffentliche und freie Weiterbildung in Hessen. Es bildet das Fundament, auf dem die gesamte Erwachsenenbildung im Land aufbaut, und sichert die Grundfinanzierung der Einrichtungen*. Dieses Gesetz gewährleistet Planungssicherheit für Bildungsträger und stellt sicher, dass Weiterbildungsangebote nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in ländlichen Regionen Hessens verfügbar sind.
Weiterbildungspakt 2021–2025: Mittel und Zweck
Als gezieltes Förderprogramm ergänzt der zweite hessische Weiterbildungspakt (2021–2025) die gesetzlichen Grundlagen. Er stellt rund 13 Mio. Euro für Projekte und Grundförderung bereit* (Stand: 2025). Die Aufschlüsselung zeigt, wie die Summe verwendet wird:
| Jahr | Maßnahme/Bereich | Betrag | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| 2021–2025 | Erhöhung des Fördersatzes pro Unterrichtsstunde | 5,5 | Mio. Euro | Hessisches Kultusministerium, Stand 2025 |
| 2021–2025 | Finanzierung innovativer Projekte | 7,5 | Mio. Euro | Hessisches Kultusministerium, Stand 2025 |
Die Aufstockung der Grundförderung soll die finanzielle Basis der Bildungseinrichtungen stärken, während die Projektmittel gezielt neue Bildungsformate und inhaltliche Schwerpunkte ermöglichen. Beide Instrumente – das HWBG als Dauerlösung und der Weiterbildungspakt als Impulsgeber – verfolgen das gemeinsame Ziel, die Weiterbildung in Hessen qualitativ hochwertig, zukunftssicher und für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu gestalten.
- Quellenangaben erfolgen gesondert.
Strukturelle Defizite und gesellschaftliche Verantwortung
Die hessische Weiterbildungslandschaft steht vor grundlegenden Herausforderungen, die nicht nur Bildungseinrichtungen betreffen, sondern die gesamte Gesellschaft. Während die Bedeutung lebenslangen Lernens in Zeiten des Fachkräftemangels und digitaler Transformation wächst, zeigen sich strukturelle Schwachstellen, die den notwendigen Wandel erschweren.
Drei zentrale Probleme belasten das System nachhaltig:
• Strukturelle Unterfinanzierung
• Ausbau digitaler Infrastruktur als Defizit
• Ausreichende Grundförderung für freie Träger als Herausforderung
Diese Defizite wirken sich direkt auf die Bildungsgerechtigkeit aus. Wenn freie Träger um ihre Existenz kämpfen müssen, fehlen flächendeckend niedrigschwellige Angebote für Menschen in beruflichen Übergangsphasen oder mit besonderem Förderbedarf.* Die mangelnde digitale Infrastruktur wiederum schließt jene vom lebenslangen Lernen aus, die nicht über moderne Endgeräte oder stabile Internetverbindungen verfügen.*
Kernprobleme der Weiterbildungslandschaft
Das Land Hessen hat erste Maßnahmen ergriffen, um diese Lücken zu schließen. So unterstützt es Blended-Learning-Ansätze, die Präsenz- und Online-Lernen verbinden — Stand: 2024 (Quelle: Hessisches Bildungsportal). Der Förderrahmen für Projekte von 2021 bis 2025 konzentriert sich gezielt auf Integrations- und Inklusionsförderung — Stand: 2025 (Quelle: Hessisches Kultusministerium). Diese Initiativen zeigen Wirkung, können jedoch die grundlegenden strukturellen Probleme nicht vollständig lösen.
In einer Phase multipler Krisen – von Klimawandel über Fachkräftemangel bis zur digitalen Transformation – wird die gesellschaftliche Rolle der Weiterbildung immer wichtiger. Sie stabilisiert nicht nur individuelle Berufsbiografien, sondern sichert die Innovationsfähigkeit der hessischen Wirtschaft insgesamt. Wenn Menschen durch qualitativ hochwertige und leicht zugängliche Weiterbildungsangebote unterstützt werden, profitieren davon Unternehmen, Gesellschaft und jeder Einzelne gleichermaßen. Die gegenwärtigen strukturellen Herausforderungen zu meistern, ist daher keine Frage des Ob, sondern des Wie und Wann.
Wege zu einer zukunftsfähigen Weiterbildung
Die Weiterbildungslandschaft steht vor der Aufgabe, sich den vielschichtigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozessen zu stellen. Damit sie diese Rolle wirksam ausfüllen kann, sind gezielte Maßnahmen und stabile Rahmenbedingungen erforderlich. Drei Handlungsfelder kristallisieren sich als besonders relevant heraus: die Qualifikation des Lehrpersonals, die finanzielle Absicherung von Bildungsvorhaben und die strategische Nutzung digitaler Möglichkeiten.
Empfehlungen für Politik und Anbieter
Eine zentrale Stellschraube für qualitativ hochwertige Bildungsangebote liegt in der Fortbildung von Ausbildenden. Solche Initiativen müssen ausgeweitet werden, um pädagogisches Personal flächendeckend für neue Lernformate und Inhalte zu rüsten.
Finanzielle Kontinuität ist ein weiterer Schlüssel. Bereits etablierte Fördermöglichkeiten wie Projektmittel für Integration, Inklusion und Chancengerechtigkeit mit einem Volumen von rund 13 Mio. Euro – darunter 5,5 Mio. Euro für die Erhöhung des Fördersatzes pro Unterrichtsstunde und 7,5 Mio. Euro für innovative Projekte* – zeigen Wirkung. Diese müssen jedoch über 2025 hinaus verstetigt werden. Verlässliche und langfristig angelegte Finanzierungsmodelle geben Bildungsträgern die nötige Planungssicherheit, um nachhaltige Konzepte zu entwickeln.
Ein drittes Handlungsfeld ist die Digitalisierungs-Unterstützung. Die gezielte staatliche Förderung bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Lehrkonzepte hilft Anbietern, moderne Lernumgebungen zu schaffen. Die Kombination aus konstanten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und einer strategisch vorangetriebenen Digitalisierung bildet das Fundament, auf dem die Weiterbildung ihre transformative Kraft für Gesellschaft und Wirtschaft voll entfalten kann.
Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate aus einer Pressemitteilung von Weiterbildung Hessen e.V., dem Verband für Qualität und Transparenz in der hessischen Bildungslandschaft.
Weiterführende Quellen:
- „Das Hessische Weiterbildungsgesetz (HWBG) bietet seit über 20 Jahren einen klar geregelten gesetzlichen und finanziellen Rahmen für die öffentliche und freie Weiterbildung in Hessen, einschließlich einer flächendeckenden Grundversorgung und vielfältigen Angebotslandschaft.“ – Quelle: https://www.gew-hessen.de/bildungsbereich/weiterbildung-bildungsmarkt/details/zukunftsfaehige-erwachsenenbildung
- „Der zweite hessische Weiterbildungspakt (2021–2025) stellt rund 13 Mio. Euro für Projekte und Grundförderung bereit, darunter 5,5 Mio. Euro für die Erhöhung des Fördersatzes pro Unterrichtsstunde und 7,5 Mio. Euro für innovative Projekte.“ – Quelle: https://kultus.hessen.de/schulsystem/erwachsenenbildung/lebensbegleitendes-lernen/weiterbildungspakt
- „Nach dem letzten Weiterbildungsbericht werden die wichtigsten Herausforderungen der hessischen Weiterbildung derzeit in der strukturellen Unterfinanzierung, dem Ausbau digitaler Infrastruktur sowie der ausreichenden Grundförderung für freie Träger gesehen.“ – Quelle: https://www.gew-hessen.de/bildungsbereich/weiterbildung-bildungsmarkt/details/zukunftsfaehige-erwachsenenbildung
- „Im Rahmen der Digitalisierung unterstützt das Land Hessen Weiterbildungseinrichtungen bei der Entwicklung digitaler Inhalte und Lehrkonzepte (z.B. Blended Learning), um gesellschaftliche Transformation zu fördern.“ – Quelle: https://www.bildungsportal-hessen.de/k1002401261
- „Für den Zeitraum 2021–2025 können öffentliche und freie Träger nach dem HWBG und Weiterbildungspakt zusätzliche Projektmittel beantragen, unter anderem zur Förderung von Integration, Inklusion und Chancengerechtigkeit.“ – Quelle: https://kultus.hessen.de/schulsystem/erwachsenenbildung/lebensbegleitendes-lernen/weiterbildungspakt
- „Das Zentrum für Fort- und Weiterbildung der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit qualifiziert seit 2024 Ausbilderinnen und Ausbilder, um Mitarbeitende auf wandelnde Anforderungen und Krisen vorzubereiten.“ – Quelle: https://hoems.hessen.de/zentren/zentrum-fuer-fort-und-weiterbildung
7 Antworten
*Die Bedeutung von lebenslangem Lernen wurde gut hervorgehoben. Aber ich sehe auch das Problem der Unterfinanzierung in vielen Bereichen.* Wie kann man sicherstellen, dass freie Träger ausreichend unterstützt werden?
Die Reden der Minister waren sehr inspirierend! Ich frage mich jedoch, ob wir genug finanzielle Mittel bereitstellen können für alle Maßnahmen zur Verbesserung der Weiterbildung?
Der Jahrestag der Weiterbildung ist eine gute Initiative, aber ich frage mich, ob alle relevanten Stimmen gehört werden. Wie werden die Bedürfnisse von Menschen ohne Zugang zu Bildung berücksichtigt?
Das ist ein wichtiger Punkt! Inklusion sollte im Mittelpunkt stehen. Ich hoffe, dass mehr Programme für diese Gruppen entwickelt werden.
Ich stimme zu! Es ist entscheidend, dass jeder die Chance hat zu lernen. Welche konkreten Schritte plant das Land Hessen dafür?
Ich finde es wichtig, dass Weiterbildung so betont wird, wie es hier gemacht wird. Bildung ist wirklich ein zentraler Punkt für die Zukunft. Aber was wird konkret unternommen, um die digitale Infrastruktur zu verbessern?
Gute Frage! Es gibt viele Menschen, die keinen Zugang zu den nötigen Technologien haben. Ich hoffe, dass mehr in diese Richtung getan wird.