Wir merken das in fast jeder Beratung: Über die Vereins-Website spricht im Vorstand niemand so richtig gerne. Alle wissen, sie ist wichtig. Aber jemand müsste sich „mal kümmern“. Irgendwann. Wenn Zeit ist. Also nie.
Dabei ist die Website längst die digitale Geschäftsstelle. Für Interessierte, Ehrenamtliche, Förderer, Journalist:innen – alle landen früher oder später dort. Und sie entscheiden in Sekunden, ob ihr als organisierter, lebendiger Verein rüberkommt. Oder eher wie der Dachboden, den man seit 2014 nicht mehr aufgeräumt hat.
Wir haben über die Jahre unzählige Vereinsseiten gesehen – von „boah, richtig stark“ bis „oh je, wer klickt hier freiwillig weiter?“. Daraus ist eine Art Minimal-Checkliste entstanden: sieben Punkte, mit denen ihr eure Seite ehrlicher anschauen könnt.
1. Technische Basis: Läuft eure Seite auf stabilen Füßen?
Viele Vereine haben WordPress im Einsatz – und das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. WordPress ist flexibel, bezahlbar und für Laien halbwegs machbar. Aber: WordPress ist wie ein Vereinsbus. Praktisch, wenn er regelmäßig gewartet wird. Gefährlich, wenn nicht.
Worauf wir achten:
- Aktualisierungen: Werden WordPress, Theme und Plugins regelmäßig aktualisiert?
- Hosting: Liegt die Seite bei einem Anbieter in der EU oder mit sauber geregelter Datenverarbeitung?
- Zugänge: Weiß unser Vorstand überhaupt, wer die Zugangsdaten hat?
Wir hatten mal einen Verein am Telefon, der seine Domain nicht mehr umziehen konnte, weil sie noch auf eine private E-Mail-Adresse eines ehemaligen Schatzmeisters lief. Niemand kam mehr rein. Solche Geschichten hören wir öfter, als uns lieb ist.
Unser Tipp:
Legt zentral fest:
- Wo liegt die Domain?
- Wer hat Admin-Zugänge?
- Wo sind Passwörter hinterlegt? (Passwortmanager, nicht Excel-Datei „Passwörter_neu_final2.xlsx“)
2. Wer hat die Seite gebaut – und wer darf sie verändern?
Klassiker im Vereinsalltag: „Das hat damals ein Bekannter von einem Mitglied gemacht… der wohnt jetzt in Kanada.“
Oder: Eine Agentur hat die Seite erstellt – aber niemand weiß, ob es einen Wartungsvertrag gibt.
Für uns sind drei Fragen entscheidend:
- Wer ist für Pflege wirklich zuständig – fachlich und technisch?
- Gibt es klare Absprachen mit Externen? (Rechte an Design, Texten, Fotos; Wartung; Support)
- Können wir Inhalte selbst ändern, ohne jedes Mal eine Rechnung zu bekommen?
Wir erleben immer wieder, dass Vereine für jede kleine Textänderung externe Hilfe brauchen – und dann wird gar nichts mehr angepasst. Die Folge: tolle Projekte, aber auf der Website hängen noch Bilder vom Sommerfest 2018.
Unser Tipp:
Auch wenn ihr mit Profis arbeitet – sorgt dafür, dass:
- jemand im Verein Inhalte selbst einpflegen kann (News, Termine, Teamseiten)
- Rechteübertragungen geklärt sind (Design, Fotos, Texte)
- Wartung/Updates vertraglich geregelt sind – oder bewusst intern übernommen werden
3. Design & Nutzerführung: Fühlt sich eure Seite an wie 2025 – oder wie 2009?
Niemand verlangt von einem kleinen Förderverein ein Award-winning-Design. Aber es gibt ein paar Basics, an denen wir sofort sehen, ob eine Seite „mitgedacht“ wurde:
- Klare, ruhige Gestaltung statt bunter Flickenteppich
- Lesbare Schriften (nicht zu klein, genug Kontrast, auch auf dem Handy)
- Klare Menüs statt 27 Unterpunkte, von denen drei „Aktuelles“ heißen
- Mobile Ansicht: Funktioniert alles auf dem Smartphone? (Navigation, Buttons, Formulare)
Ein Thema, das im Nonprofit-Bereich immer wichtiger wird: Barrierefreiheit.
Nein, niemand erwartet von heute auf morgen perfekte WCAG-Compliance. Aber:
- Alternativtexte für Bilder
- verständliche Sprache
- Kontrastreiche Farben
- Buttons, die nicht nur farblich, sondern auch textlich erkennbar sind
machen für viele Menschen einen echten Unterschied. Und zwar nicht nur für Menschen mit Einschränkungen, sondern schlicht für alle, die abends müde auf dem Handy surfen.
Wir hatten mal eine Vorstandssitzung, in der wir alle Vereinsseiten der Region auf dem Handy durchgeklickt haben. Ergebnis: Bei drei Viertel war das Menü so klein, dass wir uns fühlten wie Chirurgen im OP. Nur ohne Erfolgserlebnis.
4. Botschaft & Klarheit: Wird auf einen Blick klar, was ihr macht?
Eine Frage, die wir lieben: Ist in fünf Sekunden klar, was dieser Verein eigentlich tut?
Auf vielen Startseiten lesen wir zuerst:
„Herzlich willkommen auf der Internetseite des Vereins XY e.V.“
– und noch bevor ein konkretes Thema kommt, ist der erste Eindruck schon verpufft.
Stärker ist:
- Ein klarer Satz, was ihr bewirkt („Wir unterstützen Kinder und Jugendliche in XY“, „Wir machen Kultur im ländlichen Raum möglich“, „Wir kämpfen für…“)
- Ein sichtbarer Einstieg in die wichtigsten Bereiche: Mitmachen, Spenden, Angebote, Termine
- Eine Mini-Erfolgsgeschichte oder ein starkes Bild, das eure Arbeit greifbar macht
Wer euch nicht kennt, wird nicht lange suchen. Wenn man auf der Startseite scrollen muss, um überhaupt zu verstehen, ob es hier um Hundesport, Nachbarschaftshilfe oder Kommunalpolitik geht, springen viele schon wieder ab.
Unser Tipp:
Stellt euch drei Fragen (intern, im Team):
- Was sollen Menschen nach 10 Sekunden verstanden haben?
- Was sollen sie im Idealfall als Nächstes tun? (anrufen, spenden, Mitglied werden, Angebot nutzen…)
- Passt dazu, was auf der Startseite ganz oben sichtbar ist?
Wenn die Antwort eher „Jein“ ist, ist das ein guter Startpunkt für eine Überarbeitung.
5. Kontakt & Vertrauen: Können Menschen euch unkompliziert erreichen?
Überraschend viele Vereinsseiten verstecken ihre Kontaktdaten wie ein geheimes Passwort. Oder es gibt nur ein generisches Kontaktformular, das ins Nirgendwo führt. Wir kennen mehrere Fälle, in denen Anfragen über das Formular monatelang niemand gelesen hat – weil die Zuständigkeit beim ausgeschiedenen Geschäftsführer lag.
Was für uns zu einer vertrauenswürdigen Vereinsseite gehört:
- Vollständiges Impressum nach deutschem Recht, gut auffindbar
- Transparente Kontaktwege: E-Mail-Adresse, ggf. Telefonnummer, Ansprechpartner:in mit Funktion
- Klare Infos zu Spenden:
- Kontoangaben
- Hinweis, ob eine Zuwendungsbestätigung ausgestellt werden kann
- ab welcher Summe die Spendenbescheinigung automatisch kommt oder wie sie angefordert wird
- DSGVO-Hinweise: Datenschutzerklärung, Cookie-Banner (wenn nötig), Infos zu eingesetzten Diensten
Es geht nicht darum, mit Paragrafen zu erschlagen. Aber Menschen wollen wissen:
Wer steckt dahinter? Kann ich euch vertrauen? Was passiert mit meinen Daten und meinem Geld?
Mini-Check (ehrlich durchgehen):
- Finden Interessierte in maximal zwei Klicks:
- Impressum
- Datenschutz
- Spendeninfos
- eine erreichbare E-Mail-Adresse?
Wenn nicht: Nachschärfen. Das zahlt direkt auf euer Vertrauen ein.
6. Recht & Compliance: Nervthema – aber überlebenswichtig
Wir wissen, das ist nicht der Lieblingspunkt in Vorstandsrunden. Aber wir haben zu oft erlebt, was passiert, wenn man rechtliche Themen bei der Website ignoriert: Abmahnungen, Ärger mit Förderern, verunsicherte Mitglieder.
Worauf wir in Deutschland besonders achten:
- Impressumspflicht:
Vereine mit eigener Website sind in der Regel impressumspflichtig. Name, Anschrift, Vertretungsberechtigte, Kontaktdaten – alles sauber aufgeführt. - Datenschutz (DSGVO):
- Datenschutzerklärung, die wirklich zu euren eingesetzten Tools passt
- Vorsicht bei eingebetteten Diensten (YouTube, Google Maps, Newsletter-Tools)
- Cookie-Banner nur, wenn wirklich Tracking oder externe Dienste Cookies setzen – dann aber richtig
- Bildrechte:
- Einverständnisse für Fotos von Personen, vor allem Kindern
- Keine „mal eben aus Google“ kopierten Bilder
- Ggf. Nutzung lizenzfreier Bilddatenbanken mit korrekter Kennzeichnung
- Spendenrecht:
- Formulare/Zahlungsanbieter so nutzen, dass ihr steuerlich sauber Zuwendungsbestätigungen ausstellen könnt
- Textbausteine prüfen („Spende“, „Mitgliedsbeitrag“, „Förderbeitrag“ – das ist steuerlich nicht alles dasselbe)
Wir sind keine Kanzlei – und ersetzen auch keine rechtliche Beratung. Aber wir merken, wie sehr Vereine entspannter arbeiten, wenn diese Basics sitzen. Es ist wie beim Erste-Hilfe-Kasten im Vereinsheim: Man hofft, ihn nie wirklich zu brauchen, aber man schläft besser, wenn er da ist.
7. Sichtbarkeit nutzen: Was Google Ad Grants für Vereine leisten kann
Viele Vereine wissen gar nicht, dass es Programme gibt, mit denen sie kostenlos oder vergünstigt Reichweite einkaufen können. Ein Beispiel, das wir oft empfehlen: Google for Nonprofits und darin speziell Google Ad Grants.
Kurz gesagt:
Gemeinnützige Organisationen können – unter bestimmten Voraussetzungen – ein monatliches Werbeguthaben für Suchanzeigen bei Google bekommen. Kein Geld, das auf euer Konto fließt, sondern ein Budget, mit dem ihr Anzeigen schalten könnt, wenn Menschen passende Begriffe suchen.
Beispielsweise:
- „Nachhilfe Ehrenamt Berlin“
- „Tierschutzverein Spenden“
- „Sportverein Inklusion XY“
Wichtige Punkte aus unserer Praxis:
- Voraussetzung ist in der Regel die anerkannte Gemeinnützigkeit und eine Verifizierung über Google.
- Eure Website muss bestimmte Qualitätskriterien erfüllen (u. a. relevante Inhalte, klare Struktur, keine reinen Verkaufsseiten).
- Ihr braucht jemanden im Team (oder extern), der:
- passende Suchbegriffe recherchiert
- Anzeigen sinnvoll textet
- regelmäßig reinschaut, welche Anzeigen gut laufen – und welche nicht
Wir haben mit Vereinen gearbeitet, die über Google Ads plötzlich erstmals gezielt von Menschen gefunden wurden, die nach Angeboten in ihrer Region gesucht haben. Plötzlich kamen Anfragen für Ferienfreizeiten, neue Ehrenamtliche meldeten sich, Spender:innen fanden den Weg auf die Seite.
Klingt nach viel Arbeit? Ja, ein bisschen. Aber: Wer ohnehin einmal die Website entrümpelt, kann das Thema Sichtbarkeit gleich mitdenken – sei es über Google Ad Grants, lokale Pressearbeit oder Social Media.
Kleine Schnell-Checkliste: Wie „fit“ ist eure Website?
Wenn wir Workshops machen, landen wir am Ende oft bei ein paar ganz simplen Fragen. Vielleicht helfen sie euch beim Blick auf eure Seite:
- Ist in fünf Sekunden klar, was wir tun und für wen?
- Funktioniert alles auf dem Smartphone gut?
- Sind Impressum, Datenschutz, Spendeninfos leicht auffindbar?
- Können wir Inhalte selbst bearbeiten – und tun wir das auch regelmäßig?
- Haben wir mindestens eine klare Handlungsaufforderung (z. B. Mitmachen, Spenden, Newsletter, Kontakt)?
- Wüssten wir, wen wir anrufen, wenn es technisch knallt?
Wenn ihr bei mehreren Punkten zögert: Willkommen im Club. Fast kein Verein kann überall „Ja, perfekt“ sagen. Entscheidend ist, dass ihr überhaupt anfangt – Schritt für Schritt.
Und ganz ehrlich: Wir freuen uns jedes Mal, wenn ein Verein uns den Link zur „neuen alten“ Website schickt und schreibt:
„Ist noch nicht perfekt. Aber man erkennt uns endlich wieder.“
8 Antworten
„Die Kontaktmöglichkeiten auf der Website sind super wichtig! Oft findet man nichts oder nur schwer eine Ansprechperson. Was denkt ihr über die Idee eines FAQs auf der Seite? Könnte das helfen?
„Die Tipps zur Nutzerführung sind echt nützlich! Ich finde auch, dass eine klare Struktur wichtig ist. Was haltet ihr von den Vorschlägen zur Barrierefreiheit? Ist das nicht etwas übertrieben für kleinere Vereine?
„Barrierefreiheit betrifft viele Leute und sollte ernst genommen werden! Wie sieht’s bei euren Webseiten aus? Könnt ihr euch vorstellen, das zu verbessern?
„Ich glaube auch, dass jeder Zugang zu Informationen haben sollte! Vielleicht könnten wir mal einen Workshop zum Thema Barrierefreiheit organisieren?
Ein sehr interessanter Artikel! Ich habe oft das Gefühl, dass viele Vereine ihre Online-Präsenz vernachlässigen. Wie oft sollten wir die Inhalte auf der Website aktualisieren? Gibt es dafür eine Faustregel?
Das mit der Aktualisierung ist ein guter Punkt! Vielleicht könnte man ein kleines Team bilden, das sich regelmäßig darum kümmert? Wer von euch hat damit Erfahrungen gemacht?
Ich denke, es wäre hilfreich, wenn mehr Mitglieder auch Ideen für Inhalte beitragen könnten. Gibt es da Tools oder Plattformen, die ihr empfehlen könnt?
Ich finde es echt wichtig, dass die Vereinswebsite gut aussieht und leicht zu bedienen ist. Es ist schade, dass viele Vereine da nicht so drauf achten. Wie kann man denn die Mitglieder motivieren, mehr darauf zu schauen?