BDEW fordert mehr Wasserstoff-Förderung im Bundeshaushalt 2026: Zahlen und Forderungen im Überblick

Der BDEW fordert anlässlich der morgigen Haushaltsbereinigung des Bundestags mehr Finanzmittel für neue Wasserstoffprojekte. Die geplanten 2,9 Milliarden Euro für 2026 reichen nach Ansicht des Verbands kaum aus, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft anzukurbeln. Zudem kritisiert der BDEW die geplante Verschiebung von Fördermitteln für Wärmenetze und sieht bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos Einsparpotenziale.
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Inhaltsübersicht

– BDEW fordert stärkere Finanzierung für Wasserstoffprojekte im Bundeshaushalt 2026
– Höhere Mittel für klimaneutrale Wärmenetze von mindestens 3,5 Milliarden Euro nötig
– Keine zusätzlichen Fördermittel für Elektromobilität aufgrund ausreichender Ladeinfrastruktur

Wasserstoffwirtschaft: BDEW fordert stärkere Priorität im Bundeshaushalt

Anlässlich der morgigen Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 positioniert sich der BDEW mit deutlichen Forderungen für eine beschleunigte Energiewende. Der Verband kritisiert, dass der aktuelle Haushaltsentwurf die notwendigen Weichen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft verpasst und fordert Nachbesserungen in drei zentralen Bereichen.

Die geplanten rund 2,9 Milliarden Euro für das Jahr 2026 und 3,5 Milliarden Euro in der mittelfristigen Finanzplanung (Stand: 12. November 2025, Presseinformation BDEW)* würden größtenteils bestehende IPCEI-Förderzusagen abdecken, neue Wasserstoffprojekte blieben jedoch auf der Strecke. Der BDEW mahnt dringend erweiterte Förderinstrumente an: Klimaschutzverträge für Wasserstoffprojekte, deutlich erhöhte Mittel für systemdienliche Elektrolyse – die bisher lediglich 200 Millionen Euro umfasst – sowie jährlich 325 Millionen Euro bis 2029 für den Aufbau von Speicherkapazitäten.

Im Wärmesektor warnt der Verband vor der geplanten Verschiebung der Wärmenetze-Förderung ins Sondervermögen, die Planungs- und Investitionssicherheit gefährden würde. Bei der Elektromobilität zeigt sich der BDEW hingegen zufrieden mit der Marktentwicklung: Mit ca. 184.000 öffentlichen Ladepunkten und einer Ladeleistung von mehr als 8,5 Gigawatt übertrifft Deutschland die EU-Vorgaben bereits um das 2,5-fache (Stand: 12. November 2025, Presseinformation BDEW). Angesichts der niedrigen Auslastung der Ladepunkte von durchschnittlich 15 Prozent (Stand: 12. November 2025, Presseinformation BDEW) und des erfolgreichen wettbewerblichen Ausbaus hält der Verband zusätzliche Fördermittel für nicht notwendig.

Die drei zentralen Handlungsfelder des BDEW:

  • Deutlich mehr Unterstützung für den Wasserstoffhochlauf
  • Sicherstellung der Wärmeförderung
  • Einsparpotenziale bei der Elektromobilität nutzen

„Wir brauchen jetzt eine klare Haltung und das bedeutet auch Finanzmittel der Bundesregierung. Ohne politische Rückendeckung droht Deutschland bei Elektrolyseuren den internationalen Anschluss zu verpassen“, betont Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Haushaltstopf KTF: Welche Mittel sind für Wasserstoff vorgesehen?

Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) stellt für das Jahr 2026 erhebliche Mittel für die Wasserstoffwirtschaft bereit. Konkret sind 1,3 Milliarden Euro für den Einsatz von Wasserstoff in der Industrieproduktion eingeplant*. Parallel dazu fließen 900 Millionen Euro in die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Ein weiterer Posten von 680 Millionen Euro ist für deutsch-französische Wasserstoffprojekte reserviert.

Diese drei Positionen zeigen, dass die Bundesregierung Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für die Energiewende betrachtet. Die Mittel aus dem KTF sollen den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschleunigen und Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb stärken.

Was die Zahlen bedeuten

Die Aufteilung der KTF-Mittel verdeutlicht die strategischen Schwerpunkte der Wasserstoffpolitik. Der größte Einzelposten von 1,3 Milliarden Euro zielt direkt auf die industrielle Anwendung – ein Bereich, in dem Wasserstoff besonders hohes Potenzial für die Dekarbonisierung besitzt. Die 900 Millionen Euro für die Nationale Wasserstoffstrategie unterstreichen den ganzheitlichen Ansatz, während die 680 Millionen Euro für deutsch-französische Projekte die europäische Dimension der Wasserstoffwirtschaft betonen.

Trotz dieser beträchtlichen Summen gibt es in der Branche Kritik an der Mittelverteilung. Der BDEW bemängelt, dass der Haushalt "kaum neue Projekte anreizt" und größtenteils bestehende Förderzusagen abdeckt. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, warnt: "Ohne politische Rückendeckung droht Deutschland bei Elektrolyseuren den internationalen Anschluss zu verpassen." Diese Einschätzung zeigt, dass zwischen den budgetierten Mitteln und den tatsächlichen Bedarfen der Wasserstoffwirtschaft weiterhin eine Lücke klaffen könnte.

Finanzierung der Wärmenetze: Was der Bundeshaushalt bereitstellt

Die Transformation der Wärmenetze hin zu klimaneutralen Systemen erfordert erhebliche Investitionen, die im Bundeshaushalt konkret veranschlagt werden. Die bereitgestellten Mittel zeigen eine deutliche Entwicklung zwischen den Jahren 2024 und 2025. Für das Jahr 2024 standen 750 Millionen Euro für die Wärmenetz-Transformation zur Verfügung (Stand: 2025, Quelle: Deutscher Bundestag). Im Folgejahr 2025 sind im Bundeshaushalt rund 979 Millionen Euro für diesen Zweck vorgesehen (Stand: 2025, Quelle: Deutscher Bundestag).

Entwicklung der Mittel (alt → neu)

Die Steigerung der Haushaltsmittel von 2024 auf 2025 um mehr als 200 Millionen Euro unterstreicht die wachsende Bedeutung der Wärmenetze für die Wärmewende. Ergänzend zur regulären Haushaltsplanung erhielt die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) im Rahmen der vorläufigen Haushaltsführung 2025 eine überplanmäßige Verpflichtungsermächtigung von bis zu 305 Millionen Euro (Stand: 2025, Quelle: VKU)*. Diese zusätzlichen Mittel sollen Engpässe in der Förderung überbrücken und den Transformationsprozess beschleunigen.

Jahr Maßnahme/Titel Wert Quelle/Stand
2024 Transformation der Wärmenetze 750 Mio. Euro Deutscher Bundestag, Stand 2025
2025 Transformation der Wärmenetze 979 Mio. Euro Deutscher Bundestag, Stand 2025
2025 BEW – überplanmäßige Verpflichtungsermächtigung 305 Mio. Euro VKU, Stand 2025

Kurzbewertung zur Planungssicherheit

Die jährliche Schwankung der Haushaltsmittel sowie die Notwendigkeit zusätzlicher Verpflichtungsermächtigungen werfen Fragen zur langfristigen Planungssicherheit auf. Für Energieversorger und Kommunen, die in langfristige Infrastrukturprojekte investieren, sind verlässliche Finanzierungsrahmen essenziell. Die Diskussion um die Zuordnung der Mittel – ob im Klima-Transformations-Fonds oder im Sondervermögen – beeinflusst direkt die Projekt- und Zahlungsfristen. Kontinuierliche und vorhersehbare Finanzierungszusagen bilden die Grundlage für die notwendigen Investitionsentscheidungen im Wärmenetzausbau.

Speicherfertigung: Investitionen mit Signalwirkung

Die Bundesregierung stellt für die industrielle Fertigung mobiler und stationärer Energiespeicher erhebliche Mittel bereit. Für das Folgejahr 2025 ist eine Summe von 489,35 Millionen Euro vorgesehen*. Diese finanzielle Ausstattung zeigt, dass der Aufbau einer heimischen Speicherindustrie als strategisches Ziel verfolgt wird. Die leichte Reduzierung der Mittel von 2024 auf 2025 wirft jedoch Fragen zur langfristigen Planungssicherheit für produzierende Unternehmen auf.

Für bestehende und geplante Produktionsstandorte bedeuten diese Mittel eine konkrete Unterstützung. Sie können in den Ausbau von Fertigungskapazitäten, die Entwicklung neuer Speichertechnologien und die Sicherung von Arbeitsplätzen fließen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion um die Haushaltsmittel eine grundsätzliche Spannung auf: Während die Industrie den Bedarf für einen beschleunigten Hochlauf betont, stößt sie an die Grenzen des öffentlichen Budgets. Diese Lücke zwischen ambitionierten Ausbauzielen und den verfügbaren Finanzmitteln könnte den notwendigen Kapazitätsaufbau verzögern und die Versorgungssicherheit langfristig gefährden, wenn private Investitionen nicht im gleichen Maße folgen.

Ausblick: Welche Weichen stellt die Haushaltsbereinigung?

Die Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 am 13. November 2025 stellt entscheidende Weichen für die Energie- und Klimapolitik der kommenden Jahre. Die Bundesregierung muss klare Prioritäten setzen – zwischen verschiedenen Förderbereichen und mit Blick auf die langfristige Transformation.

Ein mögliches Szenario sieht eine stärkere Fokussierung auf den Wasserstoffhochlauf vor. Hier könnte die Politik zusätzliche Mittel für Klimaschutzverträge, systemdienliche Elektrolyse und Importinfrastrukturen bereitstellen, um Deutschland im internationalen Wettbewerb zu positionieren. Ein alternatives Szenario könnte hingegen andere Klimatitel in den Vordergrund rücken, etwa die beschleunigte Wärmewende oder sozial ausgerichtete Mobilitätsförderung, falls die Haushaltsmittel begrenzt bleiben.

Unabhängig von der konkreten Schwerpunktsetzung bleibt die Planungs- und Investitionssicherheit zentral. Unternehmen und Projektentwickler benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, um langfristige Investitionen in klimaneutrale Technologien tätigen zu können. Die Entscheidungen der morgigen Sitzung werden zeigen, ob die Bundesregierung hierfür die notwendigen Signale setzt.

Beobachten Sie die Entwicklung weiter: Nach der Bereinigungssitzung folgen die parlamentarischen Beratungen zum Haushaltsentwurf 2026. Die konkreten Ergebnisse der morgigen Verhandlungen und der finale Haushaltsbeschluss werden Aufschluss darüber geben, welche energiepolitischen Prioritäten die Bundesregierung tatsächlich setzt.

Quellenangabe: Presseinformation BDEW, Stand: 12. November 2025

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).

Weiterführende Quellen:

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