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Warum Erste Hilfe in Schulen an Bedeutung gewinnt

Viele Erwachsene sind im Ernstfall unsicher, weil ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs lange zurückliegt. Das Deutsche Rote Kreuz nutzt den Welt-Erste-Hilfe-Tag, um für verbindliche Erste-Hilfe-Bildung in Schulen zu argumentieren – und die Frage aufzuwerfen, wie frühes Lernen Hemmschwellen senken kann.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Über 40 Prozent der Erwachsenen haben seit 15 Jahren oder länger keinen Erste-Hilfe-Kurs besucht.
  • Das DRK fordert verbindlichen Erste-Hilfe-Unterricht, inklusive Wiederbelebung, früh und regelmäßig in Schulen.
  • Frühes Lernen soll Hemmungen reduzieren und schnelle Reaktionen im Notfall fördern.
  • Praktische, kurze Wiederbelebungskurse ab der 7. Klasse sollen leichter in den Schulalltag integriert werden.
  • Die Umsetzung einer verbindlichen Regelung ist noch offen und hängt von Unterstützung in Schulen ab.

Viele Erwachsene wären im Ernstfall gern sicherer, stehen beim Thema Wiederbelebung aber oft ohne frische Übung da. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes liegt bei mehr als 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung der letzte Erste-Hilfe-Kurs 15 Jahre oder länger zurück.

Genau daraus leitet der Verband eine Forderung ab: Erste Hilfe soll früher und verbindlicher in der Schule vermittelt werden. Wiederbelebung ist dabei nur ein Teil der Ersten Hilfe, lässt sich aber in wenigen Minuten lernen und kann im Notfall unmittelbar entscheidend sein.

Warum das DRK den Schulunterricht ins Spiel bringt

Das Deutsche Rote Kreuz e.V. und sein Jugendverband, das Jugendrotkreuz, nutzen den Welt-Erste-Hilfe-Tag am 12. September, um ihre Position zu bekräftigen. Sie treten für die verbindliche Verankerung von Gesundheit, Resilienz und Lebensrettungskompetenzen im schulischen Bildungssystem ein. Resilienz meint in diesem Zusammenhang die psychische Widerstandskraft.

Der Pressetermin dazu findet am 4. September 2026 um 10.30 Uhr am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin-Prenzlauer Berg statt. Der Ort ist mehr als Kulisse: Er zeigt, dass es dem Verband nicht nur um Theorie geht, sondern um die Frage, wie sich lebensrettende Grundkenntnisse im Alltag von Schulen verankern lassen.

Wichtig bleibt die Einordnung: Es handelt sich bislang um eine Verbandsforderung, nicht um eine bundesweit beschlossene Regelung. Ob und wie solche Inhalte künftig flächendeckend in Lehrpläne aufgenommen werden, ist offen.

Was frühes Lernen bewirken soll

Nach Ansicht des DRK können auch Kinder Erste-Hilfe-Kompetenzen, insbesondere Wiederbelebung, lernen und anwenden. Die dahinterliegende Idee ist nachvollziehbar: Wer früh mit den Handgriffen vertraut ist, soll im Ernstfall weniger Hemmungen haben und schneller reagieren.

Das Jugendrotkreuz beschreibt Erste-Hilfe-Bildung in seiner Rahmenkonzeption als durchgängige Bildungsarbeit von der Grundschule bis zur Sekundarstufe. Gemeint ist ein langfristiger Ansatz, bei dem Wissen nicht nur einmal vermittelt, sondern regelmäßig aufgefrischt und altersgerecht vertieft wird.

In einer DRK-Mitteilung vom 16. Oktober 2024 verwies der Verband außerdem auf breite Zustimmung und auf die Zusammenarbeit mit rund 5.300 Schulen. Die Zahl zeigt Reichweite, ist aber kein Beleg dafür, dass Erste Hilfe an Schulen bereits überall verbindlich und einheitlich unterrichtet wird.

Wie ein Wiederbelebungskurs im Klassenzimmer aussehen kann

Beim Termin in Berlin soll nach einem kurzen Impuls von DRK-Bundesarzt Prof. Dr. Bernd Böttiger ein praktischer Crashkurs folgen. Mit dabei sind außerdem Anton Stey, stellvertretender Bundesleiter des Deutschen Jugendrotkreuzes, sowie Lena Seyfarth, Erste-Hilfe-Trainerin des Jugendrotkreuzes Kreisverband Berlin Spandau. Teilnehmen sollen Schülerinnen und Schüler einer 9. Klasse.

Das Format ist bewusst knapp gehalten. Laut DRK-Bildungswerk gibt es für den Schulkontext auch kompakte Wiederbelebungs-Trainings ab der 7. Klasse. Für den Unterricht ist das ein wichtiger Punkt, weil sich solche Einheiten eher in den Schulalltag integrieren lassen als längere Sonderformate.

Offen bleibt dennoch, wie oft solche Trainings wiederholt werden sollen und wer sie organisatorisch trägt. Gerade bei einer verbindlichen Verankerung im Schulunterricht hängt der praktische Nutzen davon ab, ob Lehrkräfte, Schulen und Träger genügend Zeit, Material und Unterstützung bekommen.

Mehr als ein Projekttag

Der Termin in Berlin steht damit für eine größere bildungspolitische Debatte. Das DRK will zeigen, dass Erste Hilfe nicht erst im Erwachsenenalter gelernt werden sollte, sondern möglichst früh. Ob aus dieser Forderung ein verlässlicher Standard wird, ist jedoch noch nicht entschieden.

Für Schulen, Eltern und alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, bleibt deshalb vor allem die praktische Frage: Wie lässt sich Wiederbelebung so vermitteln, dass sie nicht nach einem einmaligen Aktionstag verpufft? Die Antwort darauf dürfte stärker von Umsetzung und Zuständigkeiten abhängen als von guten Absichten allein.

Quellen

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