Ein Aufstellpool wirkt im Garten zunächst harmlos. Doch schon die Befüllung kann zur Belastungsprobe für das Trinkwassernetz werden: Ein Modell mit 3,66 Metern Durchmesser fasst rund 6.500 Liter – mehr als das 52-Fache des durchschnittlichen täglichen Trinkwassergebrauchs einer Person in Deutschland.
Darauf weist der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hin. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage, ob genug Wasser vorhanden ist, sondern wie schnell es an heißen Tagen gleichzeitig aus dem Netz abgerufen wird.
Das eigentliche Problem sind Lastspitzen
Nach Angaben von BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser Martin Weyand lag der häufigste Grund für technische Engpässe in den vergangenen Sommern nicht in einem allgemeinen Wassermangel, sondern darin, dass an heißen Tagen zu viel Wasser auf einmal angefordert wurde.
Für die Wasserversorgung ist das ein wichtiger Unterschied. Pumpleistung, Aufbereitung sowie Leitungs- und Hochbehälterkapazitäten sind nicht unbegrenzt. Wenn viele Haushalte gleichzeitig gießen, duschen oder Pools füllen, kann das System kurzfristig an seine Grenzen kommen. In solchen Situationen können Gemeinden nach Angaben des BDEW Gartenbewässerung und Poolbefüllungen vorübergehend untersagen, damit die Speicher sich wieder füllen und die Versorgung stabil bleibt.
Der Verband betont zugleich, dass die Trinkwasserversorgung in Deutschland in den allermeisten Regionen auch in Hitzeperioden ausreichend sei. Die erwähnten Einschränkungen sind damit keine Regel im Alltag, sondern eine Reaktion auf lokale Überlastungssituationen.
Warum der Verbrauch langfristig sinkt, im Sommer aber steigt
Langfristig ist der Trinkwasserverbrauch in Deutschland rückläufig. Laut BDEW lag er 1990 bei 147 Litern pro Person und Tag. Seitdem sei der Wert um rund 16 Prozent gesunken; für das vergangene Jahr nennt der Verband 123 Liter pro Person und Tag.
An Hitzetagen kann sich das Bild jedoch deutlich verändern. Der BDEW geht davon aus, dass der Bedarf der Haushalte bei großer Hitze um bis zu 60 Prozent steigen kann. Als Gründe nennt der Verband vor allem Gartenbewässerung, häufigeres Duschen und mehr Haushalte mit Pools, die mit mehreren Tausend Litern gefüllt werden.
Auch das Umweltbundesamt beschreibt diesen Zusammenhang. In seiner Wasserstatistik nennt es für 2022 einen Pro-Kopf-Trinkwasserverbrauch von 126 Litern pro Person und Tag und verweist ebenfalls darauf, dass in heißen und trockenen Sommern mehr Wasser gebraucht wird. Beim Thema Pool nennt das UBA ein Beispiel mit rund 8.000 Litern Wasserbedarf. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Bezugsjahr und Beispiel, zeigen aber in dieselbe Richtung: Der Verbrauch bleibt im Durchschnitt moderat, kann an einzelnen Tagen aber stark ansteigen.
Was an heißen Tagen im Alltag hilft
Für den Alltag heißt das vor allem: Gartenbewässerung sollte nach Möglichkeit nicht in der Tageshitze stattfinden. Auch die Befüllung von Swimmingpools ist laut BDEW besser nicht zu den Hauptverbrauchszeiten am Vormittag oder frühen Abend angesetzt.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist in seinen Hinweisen zu Hitze und Dürre darauf hin, dass örtlich auch zeitweilige Nutzungsbeschränkungen möglich sind, etwa für die Gartenbewässerung. Solche Regeln sollen die öffentliche Wasserversorgung sichern. Für private Haushalte bedeutet das: Nicht jede Einschränkung ist dauerhaft angelegt, in Spitzenzeiten können lokale Vorgaben aber schnell relevant werden.
Für Vereine, Kommunen und andere Einrichtungen mit größerem Wasserbedarf ist der Punkt ebenfalls wichtig. Wer Veranstaltungen, Sportanlagen oder Außenflächen betreibt, sollte Hitzetage nicht nur als Wetterfrage sehen, sondern auch mit Blick auf die Versorgung vor Ort.
Die Infrastruktur bleibt der entscheidende Punkt
Der BDEW verbindet die aktuelle Debatte mit einer längerfristigen Frage: Wie belastbar ist die Wasserversorgung in Zeiten des Klimawandels? Weyand verweist darauf, dass Deutschland zwar grundsätzlich genügend Wasserressourcen habe, diese aber ungleich verteilt seien. Daraus leite der Verband die Notwendigkeit ab, Verhalten und Infrastruktur stärker anzupassen.
Genannt werden unter anderem weitere Investitionen in die Wasserinfrastruktur, der Ausbau regionaler Verbundsysteme sowie ein effizienter und nachhaltiger Umgang mit Wasser. Außerdem fordert der Verband, dass die Wasserwirtschaft von den Infrastrukturfördermitteln des Bundes profitieren soll.
Der einzelne Pool ist damit nicht das Kernproblem, sondern ein Beispiel für eine Versorgung, die an heißen Tagen kurzfristig unter Druck geraten kann. Wie stabil die Netze künftig bleiben, hängt vor allem davon ab, ob Leitungen, Speicher und Verbundsysteme rechtzeitig ausgebaut werden.
Quellen
- Umweltbundesamt: Öffentliche Wasserversorgung und Trinkwasserverbrauch
- Umweltbundesamt: Wassersparen und Wassereffizienz
- Umweltbundesamt: Fragen und Antworten zum Thema Swimmingpool
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Hitze und Dürre
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Risikoanalyse 2018 Dürre