Wanderwege in der Krise: Deutscher Wanderverband warnt Bundestag vor bröckelnder Infrastruktur

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Der Deutsche Wanderverband hat im Tourismusausschuss des Bundestages auf die zunehmenden Herausforderungen für die Wanderinfrastruktur hingewiesen. Deutschland verfügt über mehr als 300.000 Kilometer markierte Wanderwege, die von rund 20.000 Ehrenamtlichen betreut werden. Der Verband fordert unter anderem eine Reform des Bundeswaldgesetzes, die Anerkennung des Wanderns als Sport und mehr Förderung für Klimaanpassung und Digitalisierung.

Inhaltsverzeichnis

– Wandern ist wichtiger Wirtschaftsfaktor und Kulturgut in Deutschland
– Ehrenamtliche pflegen das größte Wanderwegenetz der Welt
– Politische Unterstützung für Infrastruktur und Haftungsregeln gefordert

Wanderverband warnt Bundestag vor Erosion der Wanderinfrastruktur

Der Deutsche Wanderverband hat im Tourismusausschuss des Bundestages eindringlich auf die wachsenden Herausforderungen für das Wandern in Deutschland hingewiesen. Bei der öffentlichen Anhörung am Mittwoch, 5. November, im Paul-Löbe-Haus machte der Verband deutlich, dass die beliebte Freizeitaktivität trotz ihrer großen Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft zunehmend unter infrastrukturellen Problemen leidet.

Deutschland verfügt über ein einzigartiges Wegenetz von mehr als 300.000 Kilometern markierter Wanderwege. Dieses Netz wird durch enormes bürgerschaftliches Engagement getragen: Rund 20.000 Ehrenamtliche leisten dafür jährlich über 350.000 Stunden Arbeit. Doch dieses System gerät zunehmend unter Druck.

„Wandern ist wichtig für Gesundheit, Wirtschaft, Naturschutz und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Das Wanderland Deutschland darf nicht erodieren.“

DWV-Vizepräsident Thomas Gemke betonte die Verletzlichkeit des Systems: „Unsere ehrenamtlichen Wegezeichnerinnen und Wegezeichner können nicht länger als selbstverständlich vorausgesetzt werden.“

Vor diesem Hintergrund formuliert der Deutsche Wanderverband konkrete politische Forderungen:

  • eine Reform des Bundeswaldgesetzes mit klaren Haftungsregeln für wanderbezogene Infrastruktur
  • die Anerkennung von Wandern als Sport und damit Zugang zu Sportfördermitteln
  • verlässliche Förderung für Klimaanpassung und Digitalisierung im Wandertourismus
  • mehr öffentliche Förderung für das Wandern

„Wandern ist Bewegung, Gesundheitsvorsorge und Gemeinschaft. Es ist ein Kulturgut und eine tragende Säule des Tourismus in ländlichen Räumen.“

Die Sitzung des Tourismusausschusses fand am Mittwoch, 5. November, im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages statt. Sie ist abrufbar.*

Klimarisiken und Nachfrage: Warum die Wege unter Druck stehen

Deutschlands Wanderinfrastruktur steht vor einer doppelten Herausforderung: Während klimatische Extremereignisse die Wege zunehmend beschädigen, steigt gleichzeitig die touristische Nachfrage nach naturnahen Erlebnissen. Diese gegenläufigen Entwicklungen bringen das System an seine Belastungsgrenzen.

Klimarisiken für Wanderwege

Die klimabedingten Schäden durch Starkwetterereignisse, Stürme und Trockenheit setzen den Wanderwegen zunehmend zu*. Diese Entwicklung bestätigt die Aussagen des Deutschen Wanderverbands, der im Tourismusausschuss des Bundestages auf die wachsenden Gefahren für die Wegeinfrastruktur hinwies. Thomas Gemke, Vizepräsident des Verbands, betonte: "Unsere ehrenamtlichen Wegezeichnerinnen und Wegezeichner können nicht länger als selbstverständlich vorausgesetzt werden."

Nachfrageprognosen für 2025

Parallel zu den klimatischen Belastungen wächst der Druck durch steigende Besucherzahlen. Für 2025 werden in Deutschland rund 72 Millionen Urlaubsreisen prognostiziert (Stand: November 2024). Viele dieser Reisenden suchen Erholung in der Natur und nutzen dabei das deutschlandweit vielfältigste Wegenetz mit mehr als 300.000 Kilometern markierter Wanderwege.

Jahr Anteil (%) Einheit Quelle/Stand
2023 19 % der Betriebe IHK-Umfrage
Frühjahr 2025 13 % der Betriebe IHK-Umfrage

Die Priorität für Klimaanpassungsmaßnahmen in touristischen Betrieben zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Während 2023 noch 19 Prozent der Betriebe dieses Thema als wichtig einstuften, sank dieser Wert bis Frühjahr 2025 auf nur noch 13 Prozent.

Die Hauptdruckfaktoren für die Wanderinfrastruktur lassen sich zusammenfassen als:

  • Klimabedingte Schäden durch Extremwetterereignisse (Stand: 2025)
  • Wachsende Nachfrage nach naturnahen Tourismusangeboten
  • Rückläufige Priorisierung von Klimaanpassung in touristischen Betrieben

Diese Faktoren verdeutlichen, warum der Deutsche Wanderverband eine verlässliche Förderung für Klimaanpassung und Digitalisierung im Wandertourismus fordert. Die Wegeinfrastruktur, die jährlich durch etwa 20.000 Ehrenamtliche mit über 350.000 Stunden Arbeit gepflegt wird*, steht vor existenziellen Herausforderungen.

Finanzierung, Ehrenamt und Personal: Wer trägt die Last?

Die Wegepflege in Deutschland steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen, die weit über die rein praktische Arbeit hinausgehen. Der Deutsche Wanderverband betont die Bedeutung der rund 20.000 Ehrenamtlichen, die jährlich über 350.000 Stunden für die Wegeinfrastruktur aufwenden*. Im Hintergrund zeigen sich tiefgreifende Finanzierungs- und Personallücken. Die Verteilung der finanziellen Verantwortung variiert dabei erheblich zwischen den Bundesländern – während einige Regionen ausreichend Mittel bereitstellen, herrscht andernorts akuter Mangel.

Finanzierungslage in den Ländern

Die unterschiedliche Finanzierungspraxis in den Bundesländern führt zu erheblichen Qualitätsunterschieden im Wanderwegenetz. Ehrenamtliche vielerorts erhalten Unterstützung, doch es fehlt an verbindlichen Finanzierungsmodellen für langfristige Instandhaltung und Modernisierung. Der Personalmangel verschärft diese Situation zusätzlich: Sowohl bei hauptamtlichen als auch ehrenamtlichen Mitarbeitenden bereitet die Gewinnung qualifizierter Kräfte zunehmend Probleme*.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der gerechten Verteilung der finanziellen Verantwortung zwischen Kommunen, Ländern und Bund. Sollten die Kommunen als unmittelbar Verantwortliche stärker unterstützt werden? Oder benötigt es bundeseinheitliche Lösungen, um das deutschlandweit bedeutende Wanderwegenetz langfristig zu sichern? Die derzeitige Praxis, bei der Ehrenamtliche viele Aufgaben übernehmen, stößt an ihre Grenzen – besonders angesichts klimabedingter Schäden und steigender Qualitätsanforderungen.

Wege aus der Krise: Digitalisierung und Ehrenamt als Zukunftspfeiler

Die Diskussion um die Zukunft des Wanderns konzentriert sich zunehmend auf konkrete Lösungsansätze. Drei Handlungsfelder rücken dabei besonders in den Fokus: die Digitalisierung der Wanderinfrastruktur, die Gewinnung Ehrenamtlicher und die Modernisierung von Vereinsstrukturen. Diese Themen bilden auch die Schwerpunkte des Fachtags 2025 der Wanderbranche – ein deutliches Signal, wo die Branche ihre dringendsten Entwicklungsbedarfe sieht.

Politisch geht es vor allem um strukturelle Verbesserungen. Rechtssicherheit bei Haftungsfragen steht ebenso auf der Agenda wie vereinfachte Förderzugänge für Wandervereine. Die Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen gewinnt angesichts zunehmender Wetterextreme an Bedeutung, während Digitalisierungsprojekte und systematische Ehrenamtsförderung als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit gelten.

Die digitale Transformation treibt die Branche voran – von moderner Wegemarkierung über digitale Tourenplanung bis hin zu zeitgemäßen Vereinsstrukturen. Diese kombinierten Ansätze sollen sicherstellen, dass Deutschland auch künftig sein weltweit vielfältigstes Wegenetz mit mehr als 300.000 Kilometern markierter Wege erhalten kann.*

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Wanderverbandes.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. Der Artikel spricht wichtige Themen an! Es ist schockierend, dass nur wenige Betriebe Klimaanpassungsmaßnahmen priorisieren. Warum wird das Thema nicht ernster genommen? Wir müssen hier Druck machen!

    1. ‚Klimaanpassung‘ sollte wirklich ganz oben auf der Agenda stehen! Vielleicht könnte eine gemeinsame Petition helfen? Wo sollten wir anfangen?

    2. ‚Digitalisierung‘ klingt spannend! Wie genau kann das helfen? Ich habe gehört, dass einige Wandervereine bereits digitale Karten nutzen – sollten mehr folgen?

  2. Wandern ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt. Es ist traurig zu hören, dass die Ehrenamtlichen so viel leisten müssen und kaum Unterstützung bekommen. Was könnten wir als Gemeinschaft tun?

  3. Die wachsende Nachfrage nach naturnahen Erlebnissen zeigt, dass Wandern immer beliebter wird. Warum gibt es dann so wenig Unterstützung für die Infrastruktur? Ich hoffe, die Politik hört endlich hin!

    1. Ich stimme Achim zu! Die Infrastruktur muss dringend verbessert werden. Gibt es bereits Initiativen, die sich dafür einsetzen? Vielleicht könnten wir uns zusammenschließen und etwas bewirken!

    2. Es wäre interessant zu erfahren, wie andere Länder ihre Wanderinfrastruktur unterstützen. Gibt es Vorbilder, an denen wir uns orientieren können? Vielleicht sollten wir diese Modelle untersuchen.

  4. Ich finde den Artikel sehr informativ. Es ist wichtig zu wissen, wie viele Ehrenamtliche sich für die Wanderwege einsetzen. Was können wir tun, um diese Menschen zu unterstützen? Ich denke, mehr politische Förderung wäre hilfreich!

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