Wenn Hitze und Trockenheit über Wochen anhalten, wird aus einem Waldweg schnell mehr als ein Pfad für Spaziergänger. Dann zählt er auch als Zufahrt für Einsatzkräfte und als Teil der Brandvorsorge. Genau an diesem Punkt rückt Waldbrandprävention in den Blick.
Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) will das Thema stärker in der Waldpolitik verankern. Aus Sicht des Verbands reicht es nicht, Brände erst zu bekämpfen, wenn sie bereits ausgebrochen sind. Gefordert werden ein schnellerer Umbau zu klimastabilen Wäldern, eine aktive und nachhaltige Bewirtschaftung sowie eine bessere Einbindung der Waldeigentümer.
Hintergrund ist die steigende Waldbrandgefahr, die der Deutsche Wetterdienst mit einem Waldbrandgefahrenindex in fünf Gefahrenstufen abbildet. Der Index wird von März bis Oktober genutzt. Gerade in trockenen Sommern zeigt sich so, wie schnell das Risiko in vielen Regionen steigen kann.
Warum der Verband politisch nachschärfen will
Der HDH argumentiert, dass Wälder unter längeren Trockenphasen und Hitzeperioden verletzlicher werden. HDH-Präsident Dr. Carsten Merforth verweist dabei auf die aktuellen Waldbrände und auf die verheerenden Feuer in Frankreich. Das ist seine Einordnung; als Beleg für die Lage in Deutschland reicht der Verweis allein nicht aus.
„Die aktuellen Waldbrände führen uns erneut vor Augen, wie verwundbar unsere Wälder durch anhaltende Trockenheit und Hitze sind“, sagt Merforth.
Nach Angaben des Verbands können ungepflegte Wälder mit dichtem Bestand oder hohem Totholzanteil dem Feuer Nahrung geben und die Brandbekämpfung erschweren. Daraus leitet der HDH eine klare Forderung ab: Waldbrandvorsorge, Waldumbau und Bewirtschaftung sollen zusammen gedacht werden. Für die Praxis heißt das vor allem, dass Pflege nicht erst dann beginnt, wenn ein Bestand bereits geschädigt ist.
Was Forschung und Behörden bereits nahelegen
Einige der genannten Punkte finden sich auch in externen Fachhinweisen wieder. Das Thünen-Institut kam 2022 in einer Analyse zu Kiefernwäldern zu dem Ergebnis, dass ein höherer Laubholzanteil die Schwere von Brandschäden senken kann. Laubholz ist also kein Schutzschild gegen Waldbrände, kann die Folgen eines Feuers aber abmildern.
Das Institut beziffert die jährlichen Kosten für Waldbrandprävention und Schadensausgleich seit 2018 auf mehr als fünf Millionen Euro. Außerdem nennt es die Entnahme von Totholz und freie Waldwege als präventive Maßnahmen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist ebenfalls darauf hin, Waldwege als Anfahrtswege für Einsatzkräfte freizuhalten.
Damit wird ein wichtiger Unterschied sichtbar: Prävention soll Brände nicht vollständig verhindern, wohl aber die Brandlast senken und den Zugang für Feuerwehr und Rettungskräfte sichern. Ob das im Ernstfall ausreicht, hängt von vielen Faktoren ab, darunter Wetterlage, Bodenfeuchte und die Struktur des jeweiligen Waldes.
Der Engpass liegt im Kleinprivatwald
Besonders schwierig wird die Umsetzung dort, wo viele kleine Eigentumsflächen aufeinandertreffen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind 43 Prozent der Waldfläche in Deutschland Privatwald. Rund 760.000 private Eigentümer bewirtschaften demnach etwa 700.000 Flächen unter 10 Hektar.
Gerade diese kleinteilige Struktur erschwert nach Einschätzung des HDH Pflege- und Präventionsmaßnahmen. Schwer erreichbare oder teilweise unbekannte Eigentümer, zersplitterte Flächen und ausbleibende Bewirtschaftung machen es schwieriger, Waldwege anzulegen, Bestände zu pflegen oder Totholz zu entnehmen. Wie groß das Problem regional tatsächlich ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Der Verband fordert deshalb Bund und Länder auf, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, mit denen unbekannte und schwer erreichbare Waldeigentümer flächendeckend identifiziert und gezielt angesprochen werden können. Wie das praktisch und rechtlich umgesetzt werden soll, bleibt offen. Gerade bei kleinen Flächen dürfte die Frage der Zuständigkeit ebenso wichtig sein wie die Frage nach der Finanzierung.
Dazu passt eine bestehende Förderlinie: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert seit dem 11. Juni 2025 klimaangepasstes Waldmanagement auch für private und kommunale Waldbesitzende. Nach Angaben des Ministeriums gehören dazu unter anderem Baumartenwechsel, Waldumbau und Wiederbewaldung. Offen bleibt allerdings, ob diese Förderung die Eigentümer erreicht, die schwer auffindbar sind oder deren Flächen kaum organisiert bewirtschaftet werden.
Jetzt entscheidet die Umsetzung
Merforth fasst die Verbandssicht mit einem wirtschaftlichen Argument zusammen: Wälder seien Klimaschützer, Erholungsraum und Rohstofflieferant. Waldbrände gefährdeten all diese Funktionen und verursachten Kosten für Brandbekämpfung, Wiederbewaldung und die Beseitigung von Schäden. Aus Sicht des HDH ist Prävention deshalb auch volkswirtschaftlich sinnvoll.
Für die Praxis bedeutet das vor allem eines: Waldbrandprävention wirkt nur dann, wenn Pflege, Zugänglichkeit und Eigentümerstrukturen zusammenpassen. Wo Zuständigkeiten unklar bleiben oder Wege zuwachsen, steigt das Risiko, dass Vorsorge an der Umsetzung scheitert. Für Kommunen, private Waldbesitzer und Einsatzkräfte ist genau das der Punkt, an dem aus einer politischen Forderung ein konkreter Handlungsauftrag wird.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst: Waldbrandgefahrenindex
- Thünen-Analyse zu Kiefernwäldern (2022)
- Thünen-Institut: Waldbrandprävention und Schadensausgleich
- Statistisches Bundesamt: Privatwald in Deutschland
- BBK: Hinweise zum Verhalten bei Waldbrand
- BMEL: Klimaangepasstes Waldmanagement