– 16 % mehr Nutzungspotenzial im Wald blieb zwischen 2012 und 2022 ungenutzt
– Fast die Hälfte der Waldfläche bleibt unbewirtschaftet, Risiko für Kalamitätsholzanfall steigt
– Aktive Bewirtschaftung und Waldumbau stärken Klimaschutz und sichern Holzrohstoffversorgung
Unausgeschöpftes Holzpotential im Wald bedroht Klimaschutz und Rohstoffversorgung
Die neuesten Studien zur Waldentwicklung in Deutschland zeigen deutlich, dass ein großer Teil des vorhandenen Holzes bisher ungenutzt bleibt. Die Daten aus der vierten Bundeswaldinventur sowie die Modellierungen der künftigen Waldentwicklung bestätigen ein nahezu gleichbleibendes Nutzungspotenzial, das deutlich über der aktuellen Holznutzung liegt. Im Zeitraum von 2012 bis 2022 lag dieses Potential rund 16 Prozent über der tatsächlich erfolgten Nutzung. Dies bedeutet, dass mehr Holz bereitstünde, als zurzeit geerntet wird.
Besonders bei den Holzarten zeigt sich eine deutliche Differenz: Beim Nadelholz wurde aufgrund von Kalamitäten, also Schädigungen durch Naturrisiken wie Stürme oder Krankheiten, mehr geerntet als üblich. Bei Laubholz hingegen ist die Nutzung deutlich geringer. Beispielsweise liegt die Nutzung von Eichenholz bei lediglich 40 Prozent, die von Buchenholz bei etwa 45 Prozent der nachhaltig möglichen Menge. Gleichzeitig bleibt fast die Hälfte der Waldfläche über zehn Jahre hinweg ohne jegliche Bewirtschaftung. Auf etwa 700.000 Hektar, einer Fläche vergleichbar mit der Insel Rügen, ist eine Nutzung derzeit nicht erlaubt oder nicht zu erwarten. Davon wurden allein seit 2021 rund 90.000 Hektar durch Bundesförderung aus der Nutzung genommen.
Die große Fläche ungenutzter Wälder birgt erhebliche Risiken. Wälder ohne Bewirtschaftung sind anfälliger für Schäden und ein übermäßiger Anfall von Kalamitätsholz erhöht die Gefahr von Waldkatastrophen. Ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Wälder besteht im aktiven Waldumbau, der auf jüngere und widerstandsfähigere Baumarten setzt. Junge Bäume leisten einen besonders hohen Beitrag zur CO2-Speicherung und sind besser gegen extreme Wetterereignisse gewappnet.
Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, ist die dauerhafte Sicherung und Verstetigung von Förderprogrammen für Wiederaufforstung und aktive Bewirtschaftung entscheidend. Dabei kommt dem Erhalt eines angemessenen Anteils an klimastabilen Nadelbäumen eine besondere Bedeutung zu. Diese sind unverzichtbar für die Versorgung mit Bau- und Industrieholz und können nur begrenzt durch Laubholz ersetzt werden.
Das vorhandene Holzpotential ist auch vor dem Hintergrund der Klimatransformation im Bausektor von zentraler Bedeutung, da Holz als nachwachsender Rohstoff eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von CO2-Emissionen spielt. Nur durch die gezielte Nutzung und Anpassung der Wälder an den Klimawandel lässt sich dieser Rohstoff langfristig sichern und der Klimaschutz wirksam unterstützen.
Warum aktive Waldbewirtschaftung jetzt entscheidend ist
Die Wälder stehen heute im Zentrum einer vielschichtigen Debatte über Klimaschutz, Rohstoffsicherung und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Dabei zeigt sich: Unbewirtschaftete Wälder gefährden nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen, wie Erwin Taglieber, Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates, auf der Charta für Holz 2.0 deutlich machte. Die Daten der vierten Bundeswaldinventur und die Modellierungen der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) bestätigen eine zentrale Herausforderung: Obwohl das Nutzungspotenzial des Waldes hoch bleibt, wird ein erheblicher Teil des Holzes nicht genutzt. Zwischen 2012 und 2022 lag das theoretisch verfügbare Holz knapp 16 Prozent über der tatsächlich genutzten Menge.
Diese Lage hat weitreichende Folgen. Wälder, die ohne Bewirtschaftung bleiben, sind anfälliger für Schäden durch Kalamitäten wie Sturm, Borkenkäfer oder Krankheiten. Dies führt nicht nur zu einem erhöhten Risiko von Waldschäden, sondern auch zu einem Überangebot von minderwertigem Holz, das die Holzwirtschaft schwächt. Gleichzeitig verhindert eine fehlende Nutzung die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Der aktive Waldumbau, etwa durch die Förderung klimastabiler Nadelbaumarten, gilt als Schlüssel, um Waldökosysteme widerstandsfähiger zu machen und gleichzeitig den Rohstoffbedarf vor allem der Bau- und Industrieholzbranche zu sichern.
Die Diskussion um die Waldbewirtschaftung ist aber nicht nur eine ökologische, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Frage.
Hintergründe des Nutzungskonflikts: Klimaschutz, Naturschutz, Wirtschaft
Ein großer Teil der Waldfläche in Deutschland ist derzeit nicht bewirtschaftet. Während manche Gebiete aus Naturschutzgründen oder aufgrund gesetzlicher Vorgaben genutzt werden dürfen, verhindern andere Flächen eine stoffliche Holznutzung ganz. Rund 700.000 Hektar sind aktuell komplett ohne Nutzung, wovon seit 2021 etwa 90.000 Hektar zusätzlich durch Förderprogramme aus der Nutzung genommen wurden – eine Fläche, die etwa der Größe Deutschlands größter Insel Rügen entspricht.
Diese Entnahme aus der Nutzung hat zu einem Konflikt zwischen Naturschutzinteressen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten geführt. Die Kritiker unbewirtschafteter Waldflächen warnen, dass dadurch langfristig die Versorgung mit Holz als nachhaltigem Rohstoff gefährdet wird. Gleichzeitig spielen Wälder eine wichtige Rolle als Kohlenstoffspeicher. Allerdings ist dieser Beitrag zum Klimaschutz am größten, wenn der Wald aktiv bewirtschaftet wird und durch gezielten Umbau stabilisiert wird. Denn junge, gut gepflegte Wälder speichern mehr CO2 und sind widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterereignissen. Der Umbau kann den Wald in eine robustere Zukunft führen, statt auf eine passive Schutzstrategie zu setzen, die ohne Nutzung nicht die gleichen positiven Effekte erzielt.
Welche Rolle spielt der Waldumbau für die Gesellschaft?
Der Waldumbau ist deshalb eine entscheidende Maßnahme für die Gesellschaft. Er verbindet Klimaschutz, Rohstoffversorgung und Wirtschaftskraft miteinander. Holz ist ein zentraler Baustoff der Zukunft – leichter, klimafreundlicher und nachhaltiger als viele andere Materialien. Für den Bausektor ist eine verlässliche Holzversorgung deshalb unverzichtbar. Dabei kommt dem Erhalt eines angemessenen Anteils an klimastabilen Nadelbäumen besondere Bedeutung zu, denn diese liefern das hochwertige Bau- und Industrieholz, das nicht vollständig durch Laubholz ersetzt werden kann.
Der Prozess umfasst sowohl die Wiederaufforstung als auch die Pflege und nachhaltige Nutzung bestehender Wälder. Um den Waldumbau voranzutreiben, sind dauerhafte Förderprogramme notwendig, die Anreize für die aktive Bewirtschaftung schaffen und gleichzeitig den Schutz ökologisch wertvoller Waldteile sichern. Nur so können die Wälder widerstandsfähiger werden und gleichzeitig als Rohstoffquelle dienen, die den heutigen und künftigen Anforderungen gerecht wird.
Die wichtigsten aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen lassen sich so zusammenfassen:
- Rund 50 Prozent der Waldfläche in Deutschland bleiben ohne Nutzung, was die Waldstabilität schwächt.
- Die tatsächliche Holznutzung liegt etwa 16 Prozent unter dem nachhaltigen Potenzial.
- 90.000 Hektar Wald wurden seit 2021 aus der Nutzung genommen, was zusätzlichen Druck auf die Holzwirtschaft ausübt.
- Junge, klimastabile Wälder tragen besonders zur CO2-Speicherung und Anpassung an den Klimawandel bei.
- Förderprogramme für die aktive Waldbewirtschaftung und den Waldumbau müssen verstetigt werden.
Die Debatte um die Waldbewirtschaftung zeigt deutlich, dass nachhaltige Forstwirtschaft weit mehr ist als eine Frage der Holzernte. Sie ist ein komplexes Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlichen Interessen. Gerade jetzt ist es deshalb entscheidend, Wälder aktiv zu gestalten – für stabile Ökosysteme, eine verlässliche Rohstoffversorgung und eine klimafreundliche Zukunft im Bauwesen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Holzwirtschaftsrats e. V. (DHWR).
8 Antworten
(…) Der Holzbedarf wird steigen und es ist wichtig, dass unsere Wälder bereit sind dafür! Ich finde es schade, dass so viele Flächen brachliegen.
Ich habe gehört, dass viele Waldbesitzer mit der aktuellen Situation überfordert sind. Wenn so viel Fläche ungenutzt bleibt, was können wir tun um sie zu aktivieren? Ich hoffe auf Lösungen!
Das sehe ich genauso! Vielleicht sollten wir mehr Initiativen für die Bevölkerung schaffen, damit jeder etwas über nachhaltige Waldbewirtschaftung lernen kann.
(…) genau das ist der Schlüssel! Bildung und Aufklärung sind entscheidend für eine bessere Nutzung unserer Wälder.
Die Idee, jüngere und widerstandsfähigere Baumarten einzuführen, finde ich super! Das könnte wirklich helfen gegen den Klimawandel. Aber was ist mit den bestehenden Bäumen? Sollten die nicht auch geschützt werden?
Das ist ein berechtigter Punkt! Es geht ja darum ein Gleichgewicht zu finden. Manchmal hat man das Gefühl, dass Naturschutz und Wirtschaft nicht Hand in Hand gehen können. Was denkt ihr darüber?
Ich finde es wirklich wichtig, das ungenutzte Holzpotenzial in unseren Wäldern zu diskutieren. Wenn fast die Hälfte der Waldfläche nicht bewirtschaftet wird, wie können wir dann sicherstellen, dass wir auch in Zukunft genug Rohstoffe haben? Was denkt ihr über die Rolle von Förderprogrammen?
Ja, das ist ein gutes Thema! Aber ich frage mich, ob die Menschen genug über den Waldumbau wissen. Warum wird das nicht mehr in Schulen gelehrt? Ein bisschen mehr Aufklärung könnte helfen!