82 Prozent zweifeln an sozial gerechter Wärmewende: VKU-Studie zeigt mangelndes Vertrauen in Politik

82 Prozent der Deutschen trauen der Politik nicht zu, den Umstieg auf klimaneutrales Heizen sozial gerecht zu gestalten. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). VKU-Chef Ingbert Liebing fordert deshalb Reformen, um die Wärmewende für alle bezahlbar und machbar zu machen.
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Inhaltsübersicht

– 82 Prozent der Deutschen zweifeln an sozial gerechter Wärmewende
– Dreiviertel der Bürger lehnen höhere Kosten für klimaneutrales Heizen ab
– VKU fordert Reformen für weniger Bürokratie und mehr Kosteneffizienz

Große Skepsis bei der Wärmewende

Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung zeigt sich skeptisch gegenüber der Umsetzung der Wärmewende. 82 % der Deutschen trauen der Politik nicht zu, den Umstieg auf klimaneutrales Heizen sozial gerecht zu gestalten.* Dies geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage unter 5.000 Bürgerinnen und Bürgern hervor, die der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) zum Start der Heat Expo 2025 in Dortmund veröffentlicht hat (Stand: 25.11.2025).*

VKU-Vorsitzender Ingbert Liebing kommentiert die Ergebnisse mit deutlichen Worten: „Die Zweifel der Deutschen sind ein Weckruf an die Politik. Die Wärmewende braucht Akzeptanz. Das setzt voraus, dass die Wärmewende für alle machbar ist – auch finanziell. Deswegen brauchen wir Reformen bei der Wärmewende.“

Was sich die Bürger wünschen

Die Befragten haben klare Vorstellungen davon, was die Politik besser machen könnte: 48 Prozent fordern weniger Bürokratie bei der Umsetzung, 43 Prozent wünschen sich klare und verlässliche Vorgaben und 40 Prozent plädieren für realistischere Ziele und Fristen (Stand: Befragung 17.11.2025). Nur 5 Prozent sehen keinen Änderungsbedarf.

Diese Einschätzung teilen auch die Energieversorger. Laut einer VKU-Umfrage unter Stadtwerken gehen 51 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass eine bezahlbare Wärmeversorgung für Wirtschaft und Bürger unter den geltenden Bedingungen langfristig nicht gesichert ist (Stand: VKU-Umfrage Stadtwerke, Befragungszeitraum 26.08.–15.09.2025).

Kluft zwischen Bedeutung und Zahlungsbereitschaft

Während klimaneutrales Heizen 21 Prozent der Befragten sehr wichtig und weiteren 14 Prozent eher wichtig ist (Stand: Befragung 17.11.2025), zeigt sich bei der Zahlungsbereitschaft eine deutliche Diskrepanz. 75 % der Deutschen wären nicht bereit, für klimaneutrales Heizen höhere Heizkosten zu zahlen.* Nur 9 % antworteten mit "Ja, auf jeden Fall" auf die Frage nach ihrer Zahlungsbereitschaft.*

Konkrete Reformvorschläge des VKU

Der Verband kommunaler Unternehmen legt ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor. Liebing appelliert an die Bundesregierung: „Wir appellieren an die Bundesregierung, einen Winter der Entscheidungen einzuläuten.“ Zu den zentralen Forderungen gehören Eckpunkte für eine Reform des Heizungsgesetzes, das Vorlegen des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes und ein Fernwärmepaket.

In der Finanzierungsfrage zeigt sich der VKU ambitioniert: Die geplante Aufstockung der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) von 1 Milliarde auf 1,4 Milliarden Euro für 2026 bewertet der Verband zwar als Schritt in die richtige Richtung, für nötig hält er jedoch mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr (Stand: 25.11.2025).*

Methodische Grundlage: Civey befragte am 17.11.2025 online 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren. Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,7 Prozentpunkten repräsentativ.*

Akzeptanz, Vertrauen und der Kontext der Zahlen

Die öffentliche Debatte um die Wärmewende zeigt ein markantes Spannungsfeld: Während die grundsätzliche Unterstützung für erneuerbare Energien in der Bevölkerung hoch ist, fehlt es an Vertrauen in die politische Umsetzung. Die VKU-Umfrage offenbart mit 82 Prozent der Deutschen, die an einer sozial gerechten Gestaltung der Wärmewende zweifeln, eine tiefe Skepsis gegenüber der Fähigkeit der Politik, den Übergang fair zu organisieren. Dieser Vertrauensverlust steht im Kontrast zu breiter Zustimmung für die Energiewende an sich.*

Akzeptanz vs. Vertrauen

Der Trendreport 2025 zeigt, dass zwar 92 Prozent der Deutschen den Ausbau erneuerbarer Energien befürworten (Stand: 2025). Parallel dazu liegt die Zustimmung zum Ausbau erneuerbarer Energien 2025 bei 81 Prozent, wobei die Akzeptanz für Wärmepumpen in der Nachbarschaft bis zu 68 Prozent steigt (Stand: 2025). Diese Zahlen belegen eine grundsätzliche Offenheit der Bevölkerung für die technologische Transformation.

Dennoch bleibt eine deutliche Diskrepanz zwischen theoretischer Befürwortung und praktischem Vertrauen in die Umsetzung. Während drei Viertel der Deutschen klimaneutrales Heizen für wichtig halten, sind 75 Prozent nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen*. Die lokale Erfahrungsebene spielt hier eine entscheidende Rolle: Obwohl Wärmepumpen in der Nachbarschaft mehrheitlich akzeptiert werden, sorgen sich Bürger vor finanzieller Überforderung und bürokratischen Hürden.

Ökonomische Signale (Stromsteuer)

Die geplante Stromsteuerreform sendet ein wichtiges Signal zur Entlastung der Verbraucher. Die Stromsteuer soll ab 2025 von 2,05 auf 1,50 ct/kWh und ab 2027 auf 1,00 ct/kWh gesenkt werden (Stand: November 2025)*. Diese Maßnahme könnte helfen, die Akzeptanzlücke zu schließen, indem sie die Betriebskosten klimafreundlicher Heizsysteme reduziert und so die finanziellen Bedenken der Haushalte adressiert.

Die zentralen Recherche-Ergebnisse im Überblick:

  • 92% Zustimmung zum Ausbau erneuerbarer Energien (Stand: 2025)*
  • 81% Zustimmung / bis zu 68% Akzeptanz für Wärmepumpen in Nachbarschaften (Stand: 2025)*
  • Stromsteuerreform geplant: Reduktion auf 1,50 ct/kWh ab 2025 und 1,00 ct/kWh ab 2027 (Stand: November 2025)*

Die Diskrepanz zwischen hoher prinzipieller Zustimmung und mangelndem Umsetzungsvertrauen unterstreicht die Notwendigkeit einer sozial ausgewogenen Politikgestaltung. Nicht die Technologie selbst, sondern die Rahmenbedingungen ihrer Einführung bestimmen maßgeblich, ob die Wärmewende als gerecht empfunden wird.

Kommunale Strategien und Planungsrealität

Die Wärmewende findet vor Ort statt – in Städten, Gemeinden und Landkreisen. Während bundespolitische Debatten oft abstrakt wirken, entscheidet sich die konkrete Umsetzung auf kommunaler Ebene. Hier schaffen lokale Wärmepläne die notwendige Verbindung zwischen Klimazielen und gelebter Praxis in den Quartieren.

Laut Fraunhofer CINES bewerten über 75 Prozent der Befragten die kommunale Wärmeplanung als hilfreich – Stand: 2025*. Diese hohe Akzeptanz erklärt sich durch die konkreten Vorteile vor Ort: Sichtbare Planungsprozesse, transparente Kostenverteilung und maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Stadtteile schaffen Vertrauen. Bürger erleben direkt, wie ihre Kommune die Wärmewende strukturiert angeht.

Bedeutung kommunaler Wärmeplanung

Kommunale Wärmeplanung bedeutet praktisch: Städte und Gemeinden analysieren systematisch ihren aktuellen Wärmebedarf, identifizieren lokale Potenziale für erneuerbare Energien und entwickeln umsetzbare Strategien für den Übergang zu klimaneutraler Wärmeversorgung. Entscheidend ist dabei die frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteure – von Wohnungsunternehmen über Handwerksbetriebe bis hin zu den Bürgern selbst.

Lokale Stadtwerke und Netzbetreiber spielen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Sie kennen die spezifischen Gegebenheiten vor Ort, verfügen über die technische Expertise und können Investitionen in die Wärmeinfrastruktur koordinieren. Durch ihre Nähe zu den Bürgern können sie Bedenken direkt aufgreifen und praktikable Lösungen entwickeln.

Ausblick: Politik, Finanzierung und Handlungsspielräume

Die Wärmewende steht vor ihrer entscheidenden Phase. Welche politischen Stellschrauben müssen jetzt gedreht werden, um den Umbau des Heizsystems sozial ausgewogen und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten? Experten diskutieren verschiedene Ansätze – von steuerlichen Entlastungen über Netzentgeltreformen bis hin zu gezielten kommunalen Förderprogrammen.

Die Debatte konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche: Stromkostenentlastung für private Haushalte und mittelständische Betriebe, den beschleunigten Ausbau von Wärmenetzen sowie die Transformation der Gasinfrastruktur. Fachleute betonen, dass keine Einzellösung ausreicht, sondern nur eine durchdachte Kombination verschiedener Instrumente zum Erfolg führen kann.

Kurzfristige Handlungsschritte

Bereits für das kommende Jahr zeichnen sich konkrete Maßnahmen ab. Die geplante Stromsteuerreform sieht eine Absenkung auf 1,50 ct/kWh ab 2025 und eine weitere Reduzierung auf 1,00 ct/kWh ab 2027 vor*. Diese Entlastung soll insbesondere Mieterhaushalte und den Mittelstand unterstützen, die keine eigenen Photovoltaikanlagen betreiben können.

Parallel arbeitet die Bundesnetzagentur an einer Reform der Netzentgelte. Ziel ist es, die Kosten des Netzausbaus gerechter zu verteilen und die Verursacher stärker in die Pflicht zu nehmen. Damit würden finanzschwache Haushalte entlastet, die bisher überproportional zur Finanzierung der Netzkosten beitragen.

Im Bereich der Fernwärme hat die Bundesregierung die Fördermittel für effiziente Wärmenetze (BEW) von einer auf 1,4 Milliarden Euro für 2026 aufgestockt*. Branchenkenner halten jedoch mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr für notwendig, um den Ausbau in der benötigten Geschwindigkeit voranzutreiben*.

Was zu beobachten ist

Die politische Agenda der kommenden zwölf Monate wird maßgeblich durch drei Gesetzesvorhaben geprägt: Die Reform des Heizungsgesetzes, die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) und das Fernwärmepaket. Diese Vorlagen sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Wärmewende klären und Planungssicherheit schaffen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die geplante Ausweitung der Wärmelieferverordnung. Die Diskussion um eine gedeckelte Mieterhöhung von 50 Cent pro Quadratmeter und Monat könnte auch auf Fernwärme übertragen werden. Dieser Schritt würde verhindern, dass Mieter entweder in teuren fossilen Heizsystemen gefangen bleiben oder in Gebieten zur Wärmepumpe gedrängt werden, wo Fernwärme wirtschaftlich sinnvoller wäre.

Bei der Transformation der Gasnetze fehlt bislang ein klarer Finanzierungsmechanismus für die Umrüstung auf Wasserstoff. Die Anerkennung von H2-ready-Investitionen als Transformationskosten und die Nutzung von Gewinnen aus dem Gasnetzgeschäft für den Netzumbau stehen hier im Fokus der politischen Verhandlungen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob es der Politik gelingt, die richtigen Weichen zu stellen – für eine Wärmewende, die sowohl klimapolitische Ziele erreicht als auch sozial verträglich bleibt.

Diese Berichterstattung stützt sich auf eine Pressemitteilung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Weiterführende Quellen:

7 Antworten

  1. „Ich bin sehr besorgt über die Zukunft der Wärmewende in Deutschland! So viele Menschen glauben nicht an eine gerechte Lösung. Was können wir tun, um unsere Stimmen zu Gehör zu bringen?

  2. Die Diskrepanz zwischen den Meinungen zur Wärmewende und der Zahlungsbereitschaft ist sehr auffällig. Warum sind so viele Leute bereit zu zahlen? Glaubt ihr, das wird sich irgendwann ändern?

    1. Das wird schwierig sein, solange man nicht klar sieht, wie die Kosten verteilt werden. Vielleicht sollte man auch mal direkt nachfragen bei den Stadtwerken.

    2. „Ich denke auch, dass der Fokus auf lokale Lösungen wichtig ist! Städte sollten den Bürgern mehr Möglichkeiten bieten, um zu partizipieren und ihre Ideen einzubringen.

  3. Ich finde die Umfrageergebnisse echt erschreckend. 82 Prozent der Deutschen glauben nicht an eine sozial gerechte Wärmewende. Was denkt ihr, könnten konkrete Reformen wie vom VKU gefordert, hier wirklich helfen?

    1. Ja, aber ich bin skeptisch, ob die Politik tatsächlich etwas ändern wird. Die Bürokratie ist ein großes Hindernis. Vielleicht sollten wir mehr über kommunale Lösungen sprechen.

    2. Ich sehe das genauso! Wenn die Bürger nicht in die Planung einbezogen werden, wird sich nichts ändern. Wir brauchen mehr Transparenz und Mitspracherecht.

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