Wärmewende in Gefahr: 51 Prozent der Stadtwerke bezweifeln bezahlbares Heizen – VKU fordert Sofortmaßnahmen

Eine Mehrheit der deutschen Stadtwerke hält bezahlbares Heizen langfristig für gefährdet. Laut einer aktuellen VKU-Umfrage sehen 51 Prozent der befragten Versorger die Wärmeversorgung unter den derzeitigen Bedingungen nicht als gesichert an. Die Branche fordert deshalb von der Politik mehr Fördermittel und klare Rahmenbedingungen, um die Wärmewende sozialverträglich zu gestalten.
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Inhaltsübersicht

– Über die Hälfte der Stadtwerke hält bezahlbares Heizen langfristig für nicht gesichert.
– Der VKU fordert mehr Fördermittel und einen Energiewendefonds für Investitionen.
– Strukturelle Reformen wie eine GEG-Novelle und Netzentgeltanpassungen werden als notwendig erachtet.

Mehrheit der Stadtwerke zweifelt an bezahlbarer Wärmeversorgung

Die Mehrheit der deutschen Stadtwerke sieht die langfristige Bezahlbarkeit des Heizens für Bürger und Wirtschaft gefährdet. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt deutliche Zweifel an der Zukunftssicherung der Wärmeversorgung unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen. Der Verband kommunaler Unternehmen fordert die Politik zum sofortigen Handeln auf, um die Wärmewende sozial verträglich zu gestalten.

„Die Wärmepläne, mit denen Kommunen den Weg zum klimaneutralen Heizen skizzieren, nehmen Form an. Wenn nun die Mehrheit der Stadtwerke zweifelt, dass Heizen für Bürger und Wirtschaft langfristig bezahlbar ist, ist das eine Warnung an Berlin. Politik muss handeln, damit Wärme nicht nur klimaneutral wird, sondern sicher und bezahlbar für alle bleibt, also für Wirtschaft und Bürger“, appelliert VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Die Umfrage unter 609 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern vom 26. August bis 15. September 2025 ergab: 51 Prozent der teilnehmenden Unternehmen verneinen die Frage nach einer langfristig gesicherten bezahlbaren Wärmeversorgung, nur 31 Prozent bejahen sie, und 18 Prozent sind unentschieden. Von den angeschriebenen 609 Unternehmen beteiligten sich 164 an der Erhebung, was einer Rücklaufquote von 26,9 Prozent entspricht.

Als Lösungsansätze fordern die Stadtwerke konkrete politische Maßnahmen: „Wir fordern den Bundestag auf, mit dem Haushalt 2026 erste Weichen zu stellen, damit Heizen auch künftig für alle bezahlbar bleibt. Wenn jetzt nicht die Grundlagen gelegt werden, sehen wir vermutlich in dieser Legislaturperiode keinen einzigen neuen zusätzlichen Projektstart mehr. Wir dürfen für die Wärmewende jedoch keine Zeit verlieren. Erstens sollten die Abgeordneten die BEW-Fördermittel auf mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr anheben. Jeder Fördereuro hilft, Meter zu machen und die Kosten für alle zu senken. Zweitens sollten sie die Grundlagen für den Energiewendefonds sowie der weiteren Finanzierungsinstrumente der KfW legen.“ Bereits in der Haushaltsbereinigungssitzung Mitte November 2025 könnte der Bundestag erste Weichen stellen.*

Hintergrund: Kosten, Infrastruktur und Technik

Die Wärmewende stellt Deutschland vor finanzielle und technische Herausforderungen. Der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmesektor liegt bei rund 17 Prozent (Stand: 2024), während der bundesweite Investitionsbedarf für Wärmenetze und klimafreundliche Heizanlagen auf über 300 Milliarden Euro geschätzt wird*. Diese Dimension verdeutlicht, warum viele Stadtwerke bezahlbares Heizen langfristig als gefährdet ansehen.

Investitionsbedarf und Finanzierung

Die Finanzierungslücke bei der Wärmewende wird durch verschiedene Faktoren verschärft. Energieversorger nennen Planungsunsicherheit und unklare Fördermittelzusagen als wesentliche Hemmnisse für Investitionen. Die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) zeigt zwar Bewegung, doch die ausgezahlten Mittel entwickeln sich uneinheitlich:

Jahr Wert Einheit Quelle/Stand
2024 2,2 Mrd. Euro Haushaltsjahr 2024
2025 (bis Okt.) 1,1 Mrd. Euro 2025 bis Oktober

Diese chronologische Betrachtung macht deutlich: Während 2024 noch 2,2 Milliarden Euro flossen, beliefen sich die BEW-Auszahlungen bis Oktober 2025 auf 1,1 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund fordern 72 Prozent der Stadtwerke in einer aktuellen Umfrage mehr Fördermittel, um die Ausbaukosten zu dämpfen und die Energieeffizienz zu steigern.

Aktuelle Lage bei erneuerbarer Wärme und Preisen

Die Preissituation für Verbraucher bleibt angespannt. Der durchschnittliche Endkundenpreis für Fernwärme liegt regional unterschiedlich zwischen 11,4 Cent/kWh in München und 19,6 Cent/kWh in Berlin*. Diese Spannbreite zeigt, wie unterschiedlich sich die Wärmewende finanziell auf die Haushalte auswirken kann.

Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer, bringt die Situation auf den Punkt: „Die Wärmepläne, mit denen Kommunen den Weg zum klimaneutralen Heizen skizzieren, nehmen Form an. Wenn nun die Mehrheit der Stadtwerke zweifelt, dass Heizen für Bürger und Wirtschaft langfristig bezahlbar ist, ist das eine Warnung an Berlin.“ Diese Aussage unterstreicht die Dringlichkeit, sowohl die technische Infrastruktur als auch die finanziellen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Wärmewende zu schaffen.

Auswirkungen für Verbraucher und Kommunen

Die Wärmewende stellt nicht nur eine technische Herausforderung dar, sondern wirft fundamentale gesellschaftliche Fragen auf. Wer trägt die finanziellen Lasten der Transformation? Wie bleiben Heizkosten für alle bezahlbar? Und welche Konflikte entstehen zwischen verschiedenen Akteuren? Die Antworten darauf werden den sozialen Frieden in vielen Kommunen mitbestimmen.

Aktuell zeigt sich bereits ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bei den Fernwärmepreisen. Im ersten Quartal 2025 lag der bundesweite Durchschnitt bei 15,1 Cent pro Kilowattstunde – doch regional können die Unterschiede erheblich ausfallen. Für Haushalte in strukturschwachen Regionen oder mit geringem Einkommen werden selbst moderate Preissteigerungen zur existenziellen Bedrohung. Der notwendige Umbau des Wärmesektors erfordert Investitionen in einer Größenordnung von über 300 Milliarden Euro (Stand: 2025)*. Diese Summe verdeutlicht die Dimension der Aufgabe, die auf private Eigentümer, Mieter und kommunale Haushalte zukommt.

Regionale Preisunterschiede und soziale Folgen

Die geografische Lage entscheidet zunehmend über die Höhe der Heizkosten*. Während einige Regionen von günstigen Erzeugungsstrukturen profitieren, müssen andere mit überdurchschnittlichen Preisen kämpfen. Diese Disparitäten verschärfen bestehende soziale Ungleichheiten und führen zu neuen Verteilungskonflikten zwischen:

  • Mietern und Eigentümern: Wer trägt die Kosten für energetische Sanierungen und den Anschluss an neue Wärmenetze?
  • Kommunen und Privathaushalten: Wie lassen sich notwendige Investitionen in die Infrastruktur mit bezahlbaren Wärmepreisen vereinbaren?

Planungsunsicherheit und unklare Förderperspektiven hemmen derzeit viele notwendige Investitionen. Laut einer aktuellen Studie zu Hemmnissen der Wärmewende (Stand: 2025)* zögern sowohl private Investoren als auch Stadtwerke angesichts unklarer regulatorischer Rahmenbedingungen. Dabei drängt die Zeit: Der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmesektor betrug 2024 erst rund 17 Prozent.*

Die größten Herausforderungen im Überblick:

  • Finanzielle Überlastung: Viele Haushalte könnten steigende Heizkosten nicht mehr tragen
  • Investitionsstau: Kommunen und Stadtwerke zögern notwendige Projekte aufgrund unklarer Förderbedingungen hinaus

Ohne klare politische Weichenstellungen droht die Wärmewende zur sozialen Spaltungsfrage zu werden. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, nicht nur die Technologie, sondern auch die soziale Balance im Transformationsprozess zu bewahren.

Finanzierungswege und politische Optionen

Die Wärmewende steht vor einer finanziellen Zerreißprobe. Während Stadtwerke und Kommunen Milliardeninvestitionen für klimaneutrale Heizsysteme stemmen müssen, zeigen aktuelle Förderauszahlungen eine wachsende Diskrepanz zwischen Bedarf und realer Finanzierungsbasis. Die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) zahlte im Haushaltsjahr 2024 noch 2,2 Milliarden Euro aus – bis Oktober 2025 sind es jedoch erst 1,1 Milliarden Euro*.

Förderlücken und Fonds-Modelle

Fachverbände schlagen deshalb alternative Finanzierungsinstrumente vor. Ein zentrales Modell ist der Energiewendefonds, bei dem privates Kapital durch staatliche Bürgschaften und Garantien mobilisiert werden soll. Der Vorteil: Es fließt kein zusätzliches Steuergeld, der Bund reduziert lediglich Investitionsrisiken. In der Praxis fehlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau jedoch bislang die rechtlichen Grundlagen für diese Hebelwirkung. Parallel fordern 72 Prozent der Stadtwerke in der VKU-Umfrage mehr Fördermittel, während 46 Prozent alternative Finanzierungsformen wie den Fonds befürworten.

Die politischen Optionen verdichten sich:

  • Sofortmaßnahmen: Anhebung der BEW-Fördermittel auf mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr
  • Strukturreformen: Überführung der BEW-Förderung in ein eigenes Gesetz
  • Netzentgeltanpassung: Reform der Strom- und Gasnetzentgelte für mehr Kosteneffizienz

Die Zeit drängt. Wie der VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing betont: „Wenn jetzt nicht die Grundlagen gelegt werden, sehen wir vermutlich in dieser Legislaturperiode keinen einzigen neuen zusätzlichen Projektstart mehr.“ Entscheidungen in den kommenden Monaten werden zeigen, ob die Wärmewende ihre Finanzierungsbasis erhält oder an Förderlücken scheitert.

Die vorliegenden Informationen und Aussagen stammen aus einer Pressemitteilung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. Die finanzielle Belastung könnte viele Haushalte überfordern! Wie kann man sicherstellen, dass niemand zurückgelassen wird? Vielleicht sollten wir auch über alternative Finanzierungsmodelle nachdenken.

    1. Alternative Finanzierungsmodelle klingen interessant! Welche Modelle wären da besonders effektiv? Ich hoffe auf einen Austausch von Ideen hier.

    2. Ich finde den Ansatz mit dem Energiewendefonds spannend! Es könnte eine Lösung sein, aber wie realistisch ist das in der aktuellen politischen Lage?

  2. Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich ein Problem auf! Ich frage mich, wie schnell politische Entscheidungen getroffen werden können. Wie sieht es mit dem politischen Willen aus? Ist wirklich ein Umdenken nötig?

    1. Das ist eine gute Frage! Ich hoffe wirklich, dass die Politiker jetzt handeln und nicht nur reden. Was denkt ihr über die Vorschläge zur Erhöhung der BEW-Fördermittel?

    2. Ich habe auch Bedenken bezüglich der Umsetzung der Wärmewende in strukturschwachen Regionen. Es wäre gut zu wissen, ob es spezielle Programme für diese Gebiete gibt.

  3. Ich stimme zu, dass mehr Fördermittel benötigt werden. Aber woher sollen diese Mittel kommen? Sollte der Staat mehr Verantwortung übernehmen oder ist es an den Unternehmen, sich stärker zu engagieren?

  4. Die Zahlen sind alarmierend! 300 Milliarden Euro für die Wärmewende klingt nach einer riesigen Herausforderung. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass diese Kosten nicht auf den Schultern der Verbraucher landen?

  5. Ich finde es besorgniserregend, dass über die Hälfte der Stadtwerke glaubt, dass bezahlbares Heizen nicht gesichert ist. Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Kosten zu senken und die Versorgung zu sichern?

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