– BVR prognostiziert moderate Erholung; EM-Schub begrenzt, +0,1 Prozentpunkte BIP-Q2 und Q3
– 2024er BIP-Wachstum prognostiziert nur 0,3 Prozent, gebremst durch hohe Zinsen und Unsicherheit
– Für 2025 erwartet BVR 1,3 Prozent BIP-Wachstum; Inflation sinkt auf 2,2 Prozent
Wirtschaftliche Impulse der Fußball-EM und Konjunkturaussichten 2024
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) prognostiziert für 2024 eine moderate Erholung der deutschen Wirtschaft mit leicht positiven Effekten durch die laufende Fußball-Europameisterschaft. Expansive Impulse gehen derzeit auch von der Fußball-Europameisterschaft aus. Deren gesamtwirtschaftliche Effekte werden aber voraussichtlich überschaubar bleiben, auch weil die durch das Sportereignis ausgelösten Verbraucherausgaben – beispielsweise für Hotelübernachtungen und Fanartikel – teilweise reduzierten Konsum in anderen Bereichen nach sich ziehen dürften, so Dr. Andreas Bley, Chefvolkswirt des BVR.
Für das zweite und dritte Quartal 2024 erwartet der Verband jeweils ein um 0,1 Prozentpunkte höheres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als ohne das Sportereignis. Dennoch bleiben die Gesamtaussichten für das Jahr eher gedämpft: Trotz einer robusten Arbeitsmarktlage, kräftiger Lohnsteigerungen und einem nachlassenden Preisauftrieb, die den Privatkonsum ankurbeln könnten, sieht der BVR kaum über eine Stagnation hinausgehende Wirtschaftsleistungen.
Hohe Zinsen und Unsicherheiten bremsen insbesondere den Außenhandel und Investitionen. Bei der Konjunktur läuft der Ball noch nicht rund, konstatiert Bley. Die schwierigen Rahmenbedingungen wirken sich vor allem auf Investitionen hemmend aus. Vor diesem Hintergrund fordert der BVR die Bundesregierung auf, durch klare wirtschaftspolitische Signale und eine schnelle Einigung im Streit um den Bundeshaushalt 2025 Unsicherheiten zu verringern und so den Investitionsstandort Deutschland zu stärken.
Diese Maßnahmen könnten das Vertrauen in den Standort nachhaltig festigen und damit langfristig zum Wohlstand aller beitragen. Die BVR-Prognose sieht für 2024 ein preisbereinigtes BIP-Wachstum von lediglich 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vor, für 2025 rechnen die Experten mit einer Steigerung von 1,3 Prozent. Parallel dazu soll die Inflationsrate von durchschnittlich 2,4 Prozent im Jahr 2024 auf 2,2 Prozent im Jahr 2025 sinken.
Bremser, Treiber und Perspektiven: Was die aktuelle Lage für die deutsche Wirtschaft bedeutet
Die deutsche Wirtschaft steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen, die das Wachstum spürbar ausbremsen. Aanhaltend hohe Zinsen erschweren Kredite und Investitionen, was wiederum Unternehmen und Verbraucher belastet. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, die insbesondere Handelsbeziehungen und Lieferketten beeinträchtigen. Diese Faktoren führen zu einer spürbaren Zurückhaltung bei Investitionen, die für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung jedoch unerlässlich sind. In dieser komplexen Lage gewinnt die Rolle eines handlungsfähigen Bundeshaushalts und wirtschaftspolitischer Zuverlässigkeit für Unternehmen und Bürger eine besondere Bedeutung. Klarheit und verlässliche Signale schaffen Vertrauen, das gerade in unsicheren Zeiten dringend gebraucht wird. Ohne dieses Fundament drohen kurzfristige Investitionen und Konsum zurückzugehen, was die konjunkturelle Erholung weiterhin verzögern könnte.
Wirtschaftspolitik und Vertrauen: Warum Klarheit so wichtig ist
Zuverlässige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind das Rückgrat für Wachstum und Innovation. Unternehmen benötigen Planbarkeit bei Steuer-, Finanz- und Investitionsentscheidungen, um langfristig Handlungsfähig zu bleiben. Ebenso sind Verbraucher auf stabile wirtschaftliche Aussichten angewiesen, um Vertrauen in ihre finanzielle Zukunft und ihre Kaufkraft zu entwickeln. Die gegenwärtige Situation zeigt, dass Unsicherheiten und unklare Signalwirkungen zu Verzögerungen bei wesentlichen Entscheidungen führen – von Innovationen bis hin zu Neubauten oder Neueinstellungen.
Die Rolle von Großereignissen in schwacher Konjunktur
Sport-Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft können kurzfristig den Konsum ankurbeln. Menschen geben in solchen Phasen oft mehr für Veranstaltungen, Fanartikel oder Gastronomie aus. Diese Impulse sind jedoch meist zeitlich begrenzt und wirken sich selten nachhaltig auf die gesamte Volkswirtschaft aus. Langfristig bleibt das grundlegende Wachstum auf breiter Basis entscheidend.
Im Vergleich zu historischen Wachstumszeiten fällt auf, dass die deutsche Wirtschaft aktuell von weit weniger dynamischen Impulsen getragen wird als in vergangenen, boomenden Phasen. Dabei liegt auch ein Blick auf europäische Nachbarländer nahe, die teilweise durch andere wirtschaftspolitische Modelle oder Ressourcen agiler auf die aktuellen Herausforderungen reagieren.
Die wichtigsten Bremser für das Wachstum sind damit vor allem:
- Hohe Zinsen als Hemmschuh für Investitionen und Konsum
- Geopolitische Risiken und globale Unsicherheiten
- Zurückhaltende Investitionstätigkeit in Unternehmen
Gleichzeitig bieten sich Chancen, etwa durch gezielte wirtschaftspolitische Impulse und die Nutzung von Innovationen, um neue Wachstumspfade zu erschließen. Doch die Grundlage dafür bleibt klar: Eine verlässliche, handlungsfähige Politik, die Orientierung gibt und Vertrauen stiftet – denn ohne diese Voraussetzungen bleibt die Erholung gebremst.
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BVR-Konjunkturprognose: Wachstum 2024 bei 0,3 Prozent; positive Impulse der Fußball-EM
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