Ein Turnier, das schon fast beendet schien, endete für die deutsche U18-Handballauswahl mit EM-Gold. In Belgrad gewann das Team das Finale gegen Slowenien klar mit 36:27 und setzte damit einen überraschenden Schlusspunkt unter einen ungewöhnlichen Weg durch das Turnier.
Für den Deutschen Handballbund ist dieser Erfolg mehr als ein Titel in einer Nachwuchsklasse. Er zeigt, dass mehrere Jahrgänge derzeit konkurrenzfähig sind – und dass gute Ausbildung im Verein, im Verband und im Training zusammenkommen muss, damit Talente den nächsten Schritt schaffen.
Warum dieser Titel über Belgrad hinausweist
Es ist bereits der dritte EM-Titel einer deutschen Auswahl in dieser Altersklasse nach 2008 und 2012. Hinzu kommt der U19-EM-Titel von 2019, nachdem die U18-Europameisterschaft ein Jahr zuvor wegen Corona abgesagt worden war. Der DHB ordnet den jüngsten Erfolg deshalb als Teil eines starken Nachwuchssommers ein.
Vorstand Sport Ingo Meckes sprach in diesem Zusammenhang von drei Goldmedaillen bei fünf Turnieren in diesem Sommer. Die Bilanz deutet auf vielversprechende Talente hin, sagt aber noch nichts darüber aus, wie viele dieser Spieler sich später im Männerhandball dauerhaft durchsetzen werden.
Gerade für Vereine ist das ein wichtiger Punkt. Dort beginnt die Ausbildung, dort werden Belastungen gesteuert und dort entscheidet sich oft, ob ein Talent die Entwicklung auf hohem Niveau fortsetzen kann. Der EM-Titel macht diese Arbeit sichtbarer, ersetzt sie aber nicht.
Der Weg durch Belgrad war alles andere als geradlinig
Der Titelgewinn wirkt auch deshalb so bemerkenswert, weil der Weg dorthin keineswegs glatt verlief. Slowenien war vor dem Finale ungeschlagen und hatte alle sieben EM-Partien gewonnen. In der Hauptrunde verlor Deutschland gegen den späteren Finalgegner mit 28:30.
Auch der Einzug ins Viertelfinale verlief nach Darstellung des DHB eher glücklich. Danach steigerte sich die Mannschaft jedoch deutlich: Nach dem Sieg gegen Island wartete im Halbfinale Spanien, im Endspiel dann erneut Slowenien. Dieses Mal präsentierte sich Deutschland deutlich stabiler als noch in der Vorrunde.
Zur Pause stand es 17:11 für die deutsche Mannschaft, obwohl Slowenien zwischenzeitlich mit 8:5 geführt hatte. Dann kippte die Partie: Die Abwehr stand sicherer, die Torhüter parierten wichtige Bälle, und Slowenien leistete sich vor der Pause elf Ballverluste, die Deutschland direkt in Treffer ummünzte.
Nach dem Seitenwechsel kontrollierte die DHB-Auswahl das Spiel weitgehend. Beim 24:14 war der Vorsprung erstmals zweistellig, am Ende stand ein klarer Finalsieg, der die Ausgangslage aus den Vorrundenspielen deutlich übertraf.
Was Vereine und Nachwuchsarbeit aus dem Titel mitnehmen können
Bundestrainer Erik Wudtke stellte vor allem die Entwicklung seiner Mannschaft heraus. Die Spieler hätten sich von Spiel zu Spiel gesteigert und sich den Titel verdient, nachdem das Team nach seiner Darstellung nur knapp ins Viertelfinale gekommen war. Gerade in der entscheidenden Turnierphase habe die Mannschaft viel gelernt.
„Die Jungs haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Sie haben sich verdient mit dem EM-Titel gekrönt, nachdem wir auf der letzten Rille ins Viertelfinale gekommen waren.“
Auch Martin Heuberger, Delegationsleiter und U20-Bundestrainer, sah in dem Erfolg vor allem eine Lernkurve. Aus seiner Sicht haben die Spieler in kurzer Zeit sehr viel mitgenommen. Er verwies zudem auf die hohe Belastung: acht Spiele in elf Tagen.
„Definitiv – und unabhängig vom Ergebnis – hat jeder einzelne Spieler unglaublich viel für seinen leistungssportlichen Weg gelernt.“
Für die Vereine ist vor allem der Blick auf den weiteren Weg wichtig. Michael Schweikardt, Chef-Bundestrainer Nachwuchs männlich, betonte die enge Zusammenarbeit mit den Klubs. Frühzeitige Einsätze im Seniorenbereich seien aus seiner Sicht ein zentraler Baustein, damit sich Talente nachhaltig entwickeln können.
„Für uns als DHB ist es nun entscheidend, weiterhin eng mit den Vereinen zusammenzuarbeiten, um die Spieler sowohl im Training als auch im Spielbetrieb höchstmöglich zu fordern und zu fördern.“
Das ist der Punkt, an dem der Titel über den Moment in Belgrad hinausweist. Gute Jugendturniere sagen noch wenig darüber aus, wie viele Spieler sich später im Männerhandball behaupten. Entscheidend ist, ob der Übergang in den Alltag gelingt – im Training, im Wettkampf und schließlich im Seniorenbereich.
Ein Titel, der sich erst im Alltag bewähren muss
Mit der Goldmedaille setzt der DHB seinen erfolgreichen Nachwuchssommer fort. Drei Titel bei fünf Turnieren sind eine Bilanz, die im Verband als Zeichen für vorhandene Qualität und Perspektiven gelesen wird. Für Außenstehende bleibt aber die wichtigere Frage, ob aus diesen Jahrgängen in den kommenden Jahren tatsächlich Spieler für die Spitze nachrücken.
Genau daran wird sich der Wert dieses EM-Titels messen lassen. In Belgrad hat die U18 gezeigt, was möglich ist, wenn Entwicklung, Mentalität und Teamarbeit zusammenpassen. Jetzt beginnt der schwierigere Teil: diese Form in den Vereinsalltag und in den Erwachsenenbereich zu übertragen.