Volksbanken und Raiffeisenbanken verzeichnen kräftigen Anstieg bei Kreditvergabe und Immobilienfinanzierung – Wachstumstreiber und Fusionen im Fokus

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Im ersten Halbjahr 2025 erhöhten die 277 Volks- und Raiffeisenbanken ihre Kreditvergaben um 2,0 % auf knapp 340 Mrd. Euro und setzten damit ihre Wachstumsdynamik trotz schwacher Konjunktur und geopolitischer Unsicherheiten fort. Angetrieben wurde das Plus vor allem von langfristigen Finanzierungen und privaten Immobilienkrediten, während auch das gewerbliche Geschäft spürbar belebte. Gleichzeitig treiben die Institute mit 13 gemeldeten Fusionsvorhaben den Strukturwandel voran, um durch Digitalisierung und regulatorische Anpassungen ihre Zukunftsfähigkeit weiter zu stärken.

Inhaltsverzeichnis

– Finanzierungsvolumen stieg im ersten Halbjahr um 2,0 % auf knapp 340 Mrd. Euro.
– Private Immobilienfinanzierungen wachsen H1 2025 um 1,9 %; Neugeschäft sogar +40 %.
– 13 Fusionsabsichten zeichnen ähnlichen Strukturwandel wie 2024 mit zwölf Verschmelzungen ab.

Volks- und Raiffeisenbanken melden starke Wachstumsdynamik bei Finanzierungen im ersten Halbjahr 2025

Die 277 Volks- und Raiffeisenbanken im Genoverband e.V. haben im ersten Halbjahr 2025 ihre Finanzierungen um 2,0 % auf knapp 340 Milliarden Euro gesteigert und damit ihre positive Entwicklung weiter beschleunigt. Dieses Halbjahres-Plus übertrifft deutlich das Wachstum von 1,2 % im Vorjahreszeitraum und auch das im ersten Quartal 2025 beobachtete Wachstumstempo. Besonders die langfristigen Kredite mit Laufzeiten über fünf Jahre legen mit 2,4 % überdurchschnittlich zu. Auch das gewerbliche Kreditgeschäft zeigt mit einem Anstieg von 2,4 % eine zunehmende Belebung nach einem moderaten Plus von 1,0 % im ersten Quartal. Insbesondere die Dienstleistungsbranche, angeführt von Wohnungsunternehmen als stärkstem Wirtschaftszweig, wächst kräftig um 3,5 %. Das Baugewerbe hat nach einem negativen Trend von -0,4 % bis Ende März 2025 die Wende geschafft und liegt nun mit 0,2 % im Plus.

Anchließend an diese Entwicklungen zeichnet sich auch bei den privaten Immobilienfinanzierungen eine Trendwende ab. Die Bestände wachsen im Vergleich zum ersten Quartal stärker und erreichen für das gesamte erste Halbjahr 1,9 %, nachdem sie im Vorjahr lediglich 0,5 % betrugen. Das Neugeschäft stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa 40 %.

Marco Schulz, Vorstandsmitglied des Genoverbandes, fasst die Lage so zusammen: „Hier sehen wir zum einen, dass die Käufer gegenüber dem aktuellen Zinsniveau vorerst keinen spürbaren Rückgang mehr erwarten. Hinzu kommt, dass besonders in den Ballungsräumen die steigenden Mieten höhere Opportunitätskosten mit sich bringen.“ Er ergänzt: „Zudem sichert sich – wer heute auf zehn oder 15 Jahre finanziert – stabile nominale Zinsen. In einem volatilen Umfeld sind dies rationale Entscheidungen. Die Baufinanzierung hat die Talsohle durchschritten. Für eine echte Trendwende kommt es jetzt darauf an, dass der Bau-Turbo auch zündet.“

Trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 % im letzten Quartal und externen Unsicherheiten, darunter US-Importzollerhöhungen, liegt das Betriebsergebnis der Volks- und Raiffeisenbanken in Relation zur Bilanzsumme voraussichtlich bei knapp 1 % und damit leicht unter dem Vorjahresniveau. Mit Blick auf den Strukturwandel meldeten bislang 13 Fusionsabsichten, was den Verlauf von 2024 mit zwölf Verschmelzungen nahezu bestätigt. Marco Schulz erläutert: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken arbeiten fortlaufend an ihrer Zukunftsfähigkeit. Mit ihrem transparenten Geschäftsmodell, der Fokussierung auf ihre regionalen Märkte und der demokratischen Unternehmensverfassung geben sie ihren Kunden in einer Phase tiefgreifender Umbrüche Stabilität in der Veränderung.“

Aus Sicht der Gesellschaft trifft dieses Vorgehen einen wichtigen Nerv: Einer repräsentativen Umfrage des Genoverbandes zufolge sind für rund zwei Drittel der Deutschen derzeit Sicherheit und Stabilität die wichtigsten gesellschaftlichen Werte.

Auf der Passivseite hat sich das Einlagenvolumen trotz eines zwischenzeitlichen Anstiegs der Festgelder aufgrund gestiegener Zinsen im ersten Halbjahr 2025 mit 363,4 Milliarden Euro nahezu seitwärts bewegt (-0,2 %). Die Liquidität in täglich fälligen Geldern hat hingegen wieder um 1,1 % zugenommen, während Termin- und Spareinlagen nach einem Hoch durch die EZB-Zinserhöhungen seit Sommer 2023 rückläufig sind. Insgesamt bleibt die aggregierte Bilanzsumme in den 14 Bundesländern konstant bei etwa 494 Milliarden Euro.

Zu den Herausforderungen, die den Strukturwandel vorantreiben, zählt Schulz: „Triebfedern für die Bündelung der Kräfte sind die stetig wachsenden Herausforderungen durch verändertes Kundenverhalten, notwendige Investitionen in die Digitalisierung, der Druck regulatorischer Anforderungen vor allem auf kleinere und mittelgroße Banken und der Fachkräftemangel.“ Dies wird sich fusionsbedingt weiter auf die durchschnittliche Bilanzsumme der einzelnen Institute auswirken und diese bis zum Jahresende steigern.

Schulz bewertet die Ergebnisvorschau für 2025 vor dem aktuellen wirtschaftlichen Hintergrund als stabil: „Ein voraussichtlich nur leicht rückläufiges ordentliches Betriebsergebnis und ein trotz des Insolvenzgeschehens sowie der Schwankungen an den Wertpapiermärkten in etwa konstant bleibendes Bewertungsergebnis bestätigen die nachhaltige Profitabilität. Für diese ist nicht Gewinnmaximierung, sondern die Erfüllung des Förderauftrags für die Mitglieder und Kunden der Maßstab. Sie ermöglicht, die notwendigen Investitionen wie auch die erforderlichen Gewinnthesaurierungen für starke Kapitalquoten vorzunehmen. Die einzelnen Kreditgenossenschaften und die Genossenschaftliche FinanzGruppe als Ganzes machen auch weiterhin ihre Hausaufgaben.“

Wesentliche Kennzahlen der Volks- und Raiffeisenbanken im ersten Halbjahr 2025:

  • Finanzierungen: +2,0 % auf knapp 340 Mrd. Euro
  • Langfristige Kredite (>5 Jahre): +2,4 %
  • Gewerbliches Kreditgeschäft: +2,4 %
  • Dienstleistungssektor (u.a. Wohnungsunternehmen): +3,5 %
  • Baugewerbe: +0,2 %
  • Private Immobilienfinanzierungen Bestände: +1,9 %
  • Neugeschäft Private Immobilienfinanzierungen: +40 %
  • Einlagenvolumen: -0,2 % auf 363,4 Mrd. Euro
  • Liquidität in täglich fälligen Geldern: +1,1 %
  • Aggregierte Bilanzsumme: ca. 494 Mrd. Euro
  • Fusionsabsichten: 13 gemeldet

Diese Daten spiegeln eine Trendwende bei der Kreditvergabe wider und zeigen, wie sich die Volks- und Raiffeisenbanken als regionale Stützen in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld behaupten.

Was bedeuten die neuen Rekorde für Kreditnehmer und Sparer?

Die Wachstumsdynamik bei den Kreditvergaben von Volks- und Raiffeisenbanken spiegelt nicht nur die Stärke der Genossenschaftsbanken wider, sondern steht auch im engen Zusammenhang mit gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Trotz einer aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase, die durch negative Wachstumsraten geprägt ist, steigt die Nachfrage nach Finanzierungen – insbesondere langfristige Kredite und private Immobilienfinanzierungen zeigen eine deutliche Belebung.

Warum steigen die Finanzierungen gerade jetzt? Die anhaltend niedrigen bis moderat steigenden Zinsen machen langfristige Darlehen attraktiv. Für viele Bauherren und Kreditnehmer ist die Möglichkeit, sich feste Zinsen über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren zu sichern, ein entscheidender Vorteil in einem wirtschaftlich volatil eingeschätzten Umfeld. Gleichzeitig wirken steigende Mieten in Ballungsräumen als Anreiz, den Traum vom eigenen Wohneigentum trotz moderatem Zinsniveau voranzutreiben. Hinzu kommt, dass das gewerbliche Kreditgeschäft, vor allem im Dienstleistungssektor und Baugewerbe, durch eine zunehmende Investitionsbereitschaft unterstützt wird.

Doch der Strukturwandel in der Bankenlandschaft stellt Regionen und Kundinnen sowie Kunden vor neue Herausforderungen. Die Fusionstendenz, die über ein Dutzend Verschmelzungen im laufenden Jahr prognostiziert, wirkt sich vor allem auf kleinere und mittelgroße Kreditinstitute aus. Diese Konsolidierung ist eine Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerbs- und Regulierungsdruck sowie den wachsenden Bedarf an Investitionen in Digitalisierung und Fachkräfte.

Dies hat mehrere regionale Auswirkungen:

  • Vorteile

    • Größere Institute verfügen über mehr Ressourcen, um digitale Angebote und Beratungssysteme auszubauen.
    • Erhöhte Stabilität in einem Markt, der von geopolitischen Unsicherheiten und konjunkturellen Schwankungen geprägt ist.
    • Verbesserte Kapitalausstattung und Risikomanagement zugunsten der Kundinnen und Kunden.
  • Nachteile

    • Mögliche Abwanderung von Bankdienstleistungen aus ländlichen Regionen, was zu einem eingeschränkten Zugang für lokale Kundschaft führen kann.
    • Verlust regionaler Nähe und persönlicher Beratung, die viele Kunden gerade bei komplexen Finanzierungen schätzen.
    • Gefahr der Homogenisierung von Produkten, wodurch individuelle Bedürfnisse weniger berücksichtigt werden könnten.

Finanzierungsdynamik: Triebkräfte und Risiken

Die Zunahme der Kreditvergabe kommt zu einer Zeit, in der die Wirtschaft von Unsicherheiten geprägt ist – unter anderem durch geopolitische Spannungen und protektionistische Maßnahmen. Dennoch suchen Unternehmen und private Haushalte nach finanziellen Mitteln, um vorhandene Projekte und Vorhaben umzusetzen. Besonders auffallend ist die stabilisierte Nachfrage im Bereich der privaten Immobilienfinanzierung, die das Tief der vergangenen Jahre hinter sich zu lassen scheint. Die Talsohle ist sichtbar durchschritten, was allerdings voraussetzt, dass die Baukonjunktur mitzieht und der Wohnungsbau entsprechend angekurbelt wird.

Diese Entwicklung birgt jedoch Risiken: Sollten sich Zinsen unerwartet stark erhöhen oder die Wirtschaftslage weiter eintrüben, könnten Kreditnehmer stärker belastet werden. Außerdem könnte das höhere Finanzierungsvolumen in angespannten Immobilienmärkten zu Überhitzungen führen, was langfristig Preiskorrekturen nach sich ziehen kann.

Regionale Auswirkungen und Digitalisierung

Die angekündigten Fusionsabsichten im genossenschaftlichen Bankensektor sind eine direkte Antwort auf den zunehmenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck. Größere Verbunde sind besser in der Lage, die erforderlichen Investitionen in digitale Lösungen zu stemmen, um Kundinnen und Kunden moderne Dienste wie Online-Banking, digitale Kreditprozesse oder personalisierte Finanzberatung anzubieten. Für viele Regionalkunden bedeutet dies einerseits einen verbesserten Service, andererseits die Herausforderung, sich an Veränderungen in der gewohnten Bankstruktur anzupassen.

Zudem deutet die Entwicklung auf einen verstärkten Trend zur Zentralisierung hin, der zwar ökonomisch Sinn ergibt, aber in der Fläche zu einer Verringerung des regionalen Bankangebots führen kann. Gerade in ländlichen Gebieten sind persönliche Ansprechpartner für viele Bürgerinnen und Bürger unverzichtbar, insbesondere beim Thema Immobilienfinanzierung oder bei langfristigen Kreditverträgen.

Wichtige Herausforderungen im Überblick:

  • Sicherung der regionalen Präsenz trotz Fusionen und Filialschließungen
  • Ausbau digitaler Angebote bei gleichzeitiger Erhaltung persönlicher Beratung
  • Umgang mit potenziellen Preisüberhöhungen in Immobilienmärkten und Zahlungsverpflichtungen der Kreditnehmer
  • Bewältigung der Regulierungsanforderungen bei gleichzeitigem Erhalt der stabilitätsorientierten Geschäftsmodelle

Die aktuelle Finanzierungsdynamik zeigt, dass Kreditnehmer und Sparer von einer stabileren Wirtschaft erwarten, dass sie sich auf verlässliche Banken verlassen können, die auch in Zeiten des Wandels Sicherheit bieten. Der Strukturwandel in der Bankenlandschaft fordert jedoch ein Gleichgewicht zwischen Effizienzsteigerung und Kundennähe, das sowohl gesellschaftlichen Erwartungen als auch wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht wird.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von Genoverband e.V.

8 Antworten

  1. .Ich finde es toll zu sehen, wie regionales Banking Stabilität bieten kann. Aber was können wir tun, um sicherzustellen, dass die Kundennähe trotz Fusionen erhalten bleibt?

  2. „Der Strukturwandel in der Bankenlandschaft“ klingt nach einem großen Thema! Was bedeutet das für kleinere Banken und ihre Kunden? Glaubt ihr, dass es auch Vorteile für uns gibt?

    1. .Ich denke schon! Größere Institute können vielleicht bessere digitale Angebote machen. Aber was passiert mit den persönlichen Kontakten in ländlichen Gebieten?

  3. Die Tatsache, dass das Baugewerbe endlich wieder im Plus ist, gibt Hoffnung! Welche Faktoren glaubt ihr haben dazu beigetragen? Ich denke, es könnte an den stabilen Zinsen liegen.

  4. Die Zunahme der privaten Immobilienfinanzierungen um 40 % ist beeindruckend! Das zeigt, dass viele Menschen Vertrauen in die Märkte haben. Glaubt ihr, dass dies auch langfristig so bleibt?

    1. Ja, aber ich mache mir Sorgen über die mögliche Überhitzung der Immobilienmärkte. Was denkt ihr darüber? Könnte das zu Preiskorrekturen führen?

    2. Das ist ein guter Punkt, Volker! Vielleicht sollten wir auch über die Risiken sprechen, die mit steigenden Zinsen verbunden sind. Wie seht ihr das?

  5. Ich finde es interessant, wie die Volks- und Raiffeisenbanken trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten wachsen. Was denkt ihr über die langfristigen Kredite? Sind sie wirklich eine sichere Wahl für Käufer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​