Vogelgrippe 2025: BUND Hamburg warnt vor Massentierhaltung als Ursache – Über 500.000 Tiere getötet

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Hamburg, 11.11.2025. Der BUND Hamburg macht die industrielle Geflügelhaltung für die aktuelle Vogelgrippewelle verantwortlich. Laut der Pressemitteilung wurden in diesem Herbst bereits mehr als 500.000 Tiere in deutschen Geflügelhaltungen getötet, zudem seien mehrere tausend Wildvögel verendet. Der Verband fordert eine Reduktion der Tierzahlen und appelliert an Verbraucher, auf Geflügel aus Biohaltung und regionaler Erzeugung umzusteigen.

Inhaltsverzeichnis

– Vogelgrippe entsteht in industrieller Geflügelhaltung und breitet sich aus.
– Massentierhaltung fördert gefährliche Virusvarianten durch hohe Tierdichten.
– Verbraucher sollen Geflügel aus Bio- und regionaler Haltung bevorzugen.

Vogelgrippe: Massentierhaltung als Ursache

Die aktuelle Vogelgrippewelle trifft Wildvögel in Deutschland mit nie dagewesener Härte. Besonders betroffen sind Kraniche in wichtigen Rastgebieten wie dem Linumer Teichland in Brandenburg. Der BUND Hamburg macht in seiner Pressemitteilung vom 11. November 2025 deutlich: Die Ursache der gefährlichen Virusvarianten liegt nicht in der Natur, sondern in der industriellen Geflügelhaltung.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass hochpathogene Vogelgrippevarianten vor allem in großen Geflügelbeständen entstehen. Dort schaffen hohe Tierdichten und genetische Gleichförmigkeit ideale Bedingungen für Virenmutationen. Die Übertragung erfolgt nicht nur über direkten Kontakt, sondern auch über Stallluft, Transporte und vor allem über Stallmist, der häufig unbehandelt auf Felder ausgebracht wird.

Die Folgen zeigen sich in den offiziellen Tierseuchenberichten: In Deutschland wurden in diesem Herbst schon mehr als 500.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten in Geflügelhaltungen getötet (Stand: 11.11.2025)*.

„Vogelgrippe ist kein Naturereignis. Sie entsteht in der Massentierhaltung und breitet sich von dort aus. Wer Geflügel aus industrieller Produktion kauft, unterstützt ein System, das Natur, Tiere und am Ende auch uns Menschen gefährdet. Wir haben die Möglichkeit, es besser zu machen. Jeder Einkauf zählt.“ sagt Dr. Gisela Bertram, zweite Vorsitzende des BUND Hamburg.

Der BUND Hamburg richtet einen deutlichen Appell an Verbraucherinnen und Verbraucher: „Wir bitten alle Menschen in Hamburg und darüber hinaus, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Entscheiden Sie sich für Geflügel aus Biohaltung mit kleinen Tierbeständen und unterstützen Sie regionale Höfe, die das Tierwohl im Blick haben. Feiern Sie Weihnachten ohne Billigputen und Hähnchen aus Massentierhaltung. Und fragen Sie in Restaurants ganz bewusst nach, woher das Fleisch kommt. Jede Entscheidung zählt, jede Mahlzeit verändert etwas, wir alle können Teil der Lösung sein.“

An die Politik stellt der BUND Hamburg vier konkrete Forderungen:

  • Reduktion der Tierzahlen in Geflügelhaltungen bundesweit
  • Verpflichtende hygienische Behandlung von Stallmist vor der Ausbringung
  • Stopp der Genehmigung von Großanlagen im Geflügelbereich
  • Förderung kleinerer, artgerechter Haltungen und regionaler Vermarktung

    Wissenschaftliche Einordnung und Chronologie

Die aktuelle Geflügelpest-Welle lässt sich durch eine chronologische Betrachtung der wissenschaftlichen Daten besser einordnen. Die Entwicklung zeigt deutlich, wie sich das Infektionsgeschehen über Jahre hinweg verändert hat.

Bereits in der Vergangenheit gab es signifikante Ausbrüche: Seit dem 30.10.2020 wurden in Deutschland 1.350 HPAIV H5-Fälle bei Wildvögeln und 257 Ausbrüche bei Geflügel festgestellt (Stand: 22.06.2021).* Diese Zahlen bilden eine wichtige historische Basis für die Beurteilung der aktuellen Situation.

Chronologie: Frühere Fälle → aktuelle Welle

Die Entwicklung im Herbst 2025 markiert eine neue Phase des Seuchengeschehens. Bei Kranichen wurden erstmals am 20.10.2025 hochpathogene H5N1-Infektionen bestätigt; das Friedrich-Löffler-Institut setzt das Risiko für weitere Ausbrüche in Geflügelhaltungen und bei Wildvögeln wieder auf ‚hoch‘ (Stand: 20.10.2025).* Diese Einstufung erfolgte nicht ohne Grund – die Auswirkungen auf die Wildvogelpopulationen waren bereits zu diesem Zeitpunkt dramatisch.

Die Dimension des Vogelsterbens wird durch aktuelle Zahlen deutlich: Seit Mitte Oktober 2025 sind über 8.000 Kraniche durch Geflügelpest (HPAI H5N1) verendet, auch ihre Prädatoren und andere Arten sind betroffen (Stand: Oktober 2025).* Dieses Massensterben betrifft eine Art, die bisher nicht im Fokus des Seuchengeschehens stand.

Die Ausbreitung auf Geflügelhaltungen folgte prompt: Zwischen 01. Oktober und 05. November 2025 wurden in Deutschland 66 HPAIV H5N1-Ausbrüche bei Geflügel und gehaltenen Vögeln in neun Bundesländern gemeldet (Stand: 05.11.2025).* Diese rasante Entwicklung innerhalb weniger Wochen unterstreicht die Dynamik der aktuellen Infektionswelle.

Datum Ereignis/Wert Einheit/Kontext Quelle / Stand
22.06.2021 1.350 HPAIV H5-Fälle bei Wildvögeln, 257 Ausbrüche bei Geflügel Fallzahlen seit 30.10.2020 Friedrich-Löffler-Institut
20.10.2025 Erstmals H5N1-Infektionen bei Kranichen bestätigt, Risikoeinstufung "hoch" Ereignis und Bewertung Friedrich-Löffler-Institut
Oktober 2025 Über 8.000 verendete Kraniche durch HPAI H5N1 Verluste bei Wildvögeln Kranichschutz Deutschland
05.11.2025 66 HPAIV H5N1-Ausbrüche bei Geflügel in 9 Bundesländern Ausbrüche in Haltungen Friedrich-Löffler-Institut

Wie entstehen hochpathogene Varianten?

Die Entstehung hochpathogener Vogelgrippevarianten folgt einem wissenschaftlich gut dokumentierten Muster. In großen Geflügelbeständen mit hohen Tierdichten und genetischer Gleichförmigkeit finden Viren ideale Bedingungen für Mutationen vor. Wildvögel tragen meist ursprüngliche, mild verlaufende Varianten, während die gefährlichen Formen in der Geflügelindustrie entstehen und von dort verbreitet werden.

Die Übertragungswege sind vielfältig: Neben direktem Kontakt spielen Stallluft, Transporte und vor allem unbehandelter Stallmist eine entscheidende Rolle. Wird dieser Mist auf Felder ausgebracht, können Wildvögel bei der Nahrungssuche mit den zuvor in Geflügelbeständen entstandenen Virus-Varianten in Kontakt kommen. Dieser Mechanismus erklärt, warum Wildtiere nicht Verursacher, sondern Opfer der aktuellen Ausbrüche sind.

Auswirkungen für Arten- und Verbraucherschutz

Die aktuelle Geflügelpest-Welle trifft nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern hat tiefgreifende Konsequenzen für Wildvogelpopulationen und die Lebensmittelsicherheit. Besonders betroffen sind Kraniche, deren Bestände in Deutschland besonders verletzlich reagieren. Rund 400.000 europäische Kraniche ziehen und rasten hierzulande – mit einer Bruterfolgsrate von nur ein bis zwei Jungen pro Jahr sind sie gegenüber solchen Ausbrüchen kaum gewappnet (Stand: Oktober 2025, Quelle: NABU)*.

Diese Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Geflügelpest beeinträchtigt nicht nur die Verfügbarkeit von Geflügelprodukten, sondern wirft Fragen zur Lebensmittelsicherheit und zu verantwortungsvollen Konsumentscheidungen auf.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten für Verbraucher:

  • Bewusst einkaufen: Vorrang für zertifizierte Bioware und regionale Herkunft
  • Nachfrage in Gastronomie: Restaurants nach Fleischherkunft befragen
  • Vorsicht beim Umgang mit toten Wildvögeln: Funde den zuständigen Behörden melden
  • Alternative Proteinquellen in Betracht ziehen
  • Informationsangebote von Verbraucherzentren nutzen
  • Saisonal und pflanzenbetont einkaufen

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie eng die Gesundheit von Wildtieren, landwirtschaftlichen Nutztieren und menschlichen Verbrauchern miteinander verknüpft ist. Jede Kaufentscheidung hat nicht nur Einfluss auf das persönliche Gesundheitsrisiko, sondern auch auf die Verbreitungsdynamik von Tierseuchen und den Schutz gefährdeter Wildvogelarten.

Politische Fragen und Ausblick

Die aktuelle Entwicklung der Vogelgrippe wirft grundlegende Fragen zur künftigen Ausrichtung der Geflügelhaltung in Deutschland auf. Während die Ursachenbekämpfung im Fokus steht, zeigen sich verschiedene politische Stellschrauben, die in den kommenden Monaten entscheidend sein könnten. Neben Förderprogrammen für kleinere Betriebe mit artgerechter Haltung diskutieren Fachkreise über strengere Hygienevorschriften für Stallmist und angepasste Genehmigungsverfahren für neue Anlagen.

Mögliche politische Maßnahmen

Im politischen Raum zeichnen sich mehrere Handlungsoptionen ab, die das Risiko künftiger Ausbrüche reduzieren sollen. Eine zentrale Rolle spielt die Diskussion um verbindliche Hygienestandards bei der Ausbringung von Stallmist, der als möglicher Übertragungsweg identifiziert wurde. Parallel werden Anpassungen im Genehmigungsrecht für Geflügelhaltungen erwogen, die künftig stärker die Tiergesundheit und Seuchenprävention berücksichtigen müssten. Förderprogramme könnten gezielt Betriebe unterstützen, die auf geringere Bestandsdichten und regionale Vermarktung setzen.

Was in den nächsten Wochen zu beobachten ist

Die Entwicklung der Vogelgrippesituation bleibt dynamisch. Beobachter sollten in den kommenden Wochen besonders auf aktuelle Lageberichte des Friedrich-Loeffler-Instituts achten, die regelmäßig über die Entwicklung der Vogelgrippe informieren. Entscheidende Indikatoren für eine Verschärfung der Lage wären ein weiterer Anstieg der Ausbruchszahlen in Geflügelhaltungen oder vermehrte Nachweise bei Wildvögeln in bisher weniger betroffenen Regionen. Umgekehrt könnte eine sinkende Nachweishäufigkeit bei Wildvögeln und das Ausbleiben neuer Betriebsausbrüche auf eine Entspannung der Situation hindeuten.

Für eine fundierte Einschätzung empfiehlt sich der regelmäßige Blick in die offiziellen FLI-Lageberichte zur aviären Influenza, die unter fli.de abrufbar sind. Diese bieten die aktuellsten und verlässlichsten Informationen zur Entwicklung der Tierseuchenlage in Deutschland.*

Dieser Beitrag basiert auf Informationen aus einer Pressemitteilung des BUND Hamburg.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. ‚Wir alle können Teil der Lösung sein‘ – das ist eine starke Botschaft! Was haltet ihr von Initiativen zur Förderung von Bioprodukten? Glaubt ihr, dass dies langfristig Auswirkungen auf die Vogelgrippe haben könnte?

  2. ‚Jede Entscheidung zählt‘ – dieser Satz bleibt bei mir hängen! Ich möchte meinen Teil dazu beitragen und werde versuchen, nur noch regionale Produkte zu kaufen. Habt ihr Tipps für den Einkauf auf Märkten oder Hofläden?

  3. Die Zahlen sind alarmierend! Über 500.000 Tiere getötet – das ist unvorstellbar! Ich frage mich, ob jeder von uns etwas ändern kann durch bewussten Konsum? Welche Alternativen zu Geflügel nutzt ihr?

    1. Ich versuche immer pflanzliche Alternativen zu finden! Aber manchmal vermisse ich das Geflügelgeschmack sehr stark! Vielleicht sollten wir mehr Aufklärung über solche Produkte bekommen?

  4. Der Artikel hebt wirklich wichtige Punkte hervor. Die Tierdichte in der Massentierhaltung ist ein großes Problem. Ich frage mich, wie viele Menschen tatsächlich wissen, wo ihr Geflügel herkommt. Könnte mehr Aufklärung helfen? Es wäre toll, wenn mehr Restaurants regionale Produkte anbieten würden.

    1. Das stimmt! Ich habe neulich ein Restaurant gefunden, das nur Bio-Geflügel serviert hat und das Fleisch war viel besser im Geschmack. Gibt es noch andere gute Adressen in Hamburg?

    2. Ich hoffe wirklich, dass die Politik endlich handelt und die Forderungen des BUND ernst nimmt. Es wäre schade um die Kraniche und das gesamte Ökosystem. Was denkt ihr über die Idee, weniger Hühner zu halten?

  5. Ich finde es erschreckend, wie die Massentierhaltung zur Verbreitung der Vogelgrippe beiträgt. Wir sollten alle mehr auf Bio-Geflügel achten. Hat jemand von euch schon mal regionales Geflügel gekauft? Wie war eure Erfahrung damit?

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