Vogelgrippe in Deutschland 2025: 1,5 Millionen Tiere betroffen – VIER PFOTEN fordert Ende der Massentierhaltung

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Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN kritisiert das routinemäßige Töten von rund 1,5 Millionen Vögeln während der aktuellen Vogelgrippe-Welle in Deutschland. Statt nur die Symptome zu bekämpfen, fordert sie eine Ursachenbekämpfung durch die Beendigung der Pelztierzucht und eine Reduzierung der Nutztierzahlen. Als Lösung wird der One-Health-Ansatz im geplanten globalen Pandemieabkommen genannt, der die Zusammenhänge zwischen Tierwohl, menschlicher Gesundheit und Umwelt anerkennt.

Inhaltsverzeichnis

– Massentierhaltung fördert Ausbrüche von Vogelgrippe und anderen Zoonosen.
– VIER PFOTEN fordert Unterzeichnung eines globalen Pandemieabkommens.
– Tierschutzorganisation kritisiert routinemäßiges Töten als reine Symptombekämpfung.

Vogelgrippe: Tierschutzorganisation kritisiert reine Symptombekämpfung

Die anhaltende Vogelgrippe in Deutschland führt zu massenhaften Tötungen von Nutztieren. VIER PFOTEN übt scharfe Kritik an diesem Vorgehen und fordert stattdessen Maßnahmen an der Ursache des Problems. „Täglich klettern die Zahlen getöteter Tiere im Zuge der Vogelgrippe nach oben.“ Laut dpa-Meldung vom 12. November 2025 waren rund 1,5 Millionen gehaltene Tiere infolge einer Infektion verendet oder wegen eines Ausbruchs vorsorglich getötet worden.*

Die Organisation bemängelt, dass die öffentliche Debatte sich vorrangig um wirtschaftliche Schäden oder potenziellen Eiermangel drehe, während Lebewesen zu Hunderttausenden präventiv getötet werden. „Die Keulungen mögen aktuell alternativlos erscheinen, sind aber zu kurzfristig gedacht.“ Als Hauptursache identifiziert VIER PFOTEN bestimmte Haltungssysteme: „Pelztierhaltung und Massentierhaltung mit zigtausenden auf engstem Raum gehaltenen Tieren sind Brutstätten für Pandemien: Überfüllte, grausame und unhygienische Bedingungen beschleunigen die Übertragung, Verbreitung und Mutation von Viren wie der hochpathogenen Vogelgrippe.“

Ladina Bissinger, Campaignerin bei VIER PFOTEN Deutschland, betont: „Wir müssen dringend die Zahl der Nutztiere reduzieren und europaweit die Pelztierzucht beenden. Der Übergang zu kleineren Betrieben mit höheren Tierschutzstandards kann das Krankheitsrisiko senken sowie die Tötungen und das Leiden der Tiere begrenzen.“ Zwar seien Biosicherheit, Überwachung und Impfungen wichtige Instrumente zur Eindämmung von Ausbrüchen, doch „sie bekämpfen nicht die zugrunde liegenden Ursachen.“

Wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern diesen Ansatz: „Wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass die Intensivierung der Landwirtschaft seit 1940 mit mehr als der Hälfte aller zoonotischen Krankheiten beim Menschen in Verbindung steht.“ Als Lösung fordert VIER PFOTEN die Unterzeichnung des globalen Pandemieabkommens, das „die tiefe Verflechtung zwischen menschlicher Gesundheit, Umweltgesundheit und Tierwohl anerkennt“ und verbindliche Verpflichtungen zur Prävention enthält.*

Ausbreitung: Zahlen, Fälle, Chronologie

Die Vogelgrippe-Welle in Deutschland zeigt seit Herbstbeginn 2025 eine deutliche Dynamik. Die Fallzahlen steigen kontinuierlich an, wobei sich regionale Schwerpunkte besonders in Niedersachsen abzeichnen. Seit September 2025 wurden in Deutschland über 96 Ausbrüche der hochansteckenden aviären Influenza in verschiedenen Bundesländern gemeldet (Stand: September 2025, Quelle: Tierseucheninfo Niedersachsen)*.

Aktuelle Fallzahlen und regionale Schwerpunkte

Die Entwicklung beschleunigte sich im Oktober deutlich. Zwischen dem 1. Oktober und 5. November 2025 registrierten Behörden 66 Vogelgrippe-Ausbrüche bei Geflügel in neun Bundesländern (Zeitraum: 1.10.2025–5.11.2025, Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut). Besonders gravierend fiel ein Fall in Niedersachsen aus, bei dem über 170.000 Tiere betroffen waren.

Die Situation spitzt sich weiter zu: Im Herbst 2025 werden nahezu täglich neue Ausbrüche bei Geflügel verzeichnet. Zuletzt meldete der Landkreis Vechta einen Fall mit 9.500 Mastputen-Hähnen (Stand: 11.11.2025, Quelle: Geflügelnews)*.

Chronologie der gemeldeten Ausbrüche

Die zeitliche Abfolge verdeutlicht die Eskalation des Infektionsgeschehens:

Zeitraum Anzahl Ausbrüche Betroffene Tiere Quelle/Stand
September 2025 über 96 nicht spezifiziert Tierseucheninfo Niedersachsen*
1.10.–5.11.2025 66 >170.000 (Niedersachsen) Friedrich-Loeffler-Institut*
11.11.2025 1 (LK Vechta) 9.500 Mastputen Geflügelnews*

Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Gefahr durch die Vogelgrippe und die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen in den betroffenen Regionen.

Biosicherheit, Impfungen und die politische Debatte

Die Bekämpfung der Vogelgrippe bewegt sich im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen, praktischer Umsetzung und politischen Kontroversen. Während das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko weiterer Ausbreitung als hoch bewertet und verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen empfiehlt (Stand: 20.10.2025), zeigen sich in der Impfpolitik und den Diskussionen um Haltungssysteme deutliche Unterschiede zwischen europäischen Ländern.

Impfstofflage in Deutschland und Europa

Deutschland hinkt bei der Impfstoffzulassung hinterher: Stand November 2025 ist in Deutschland noch kein Impfstoff gegen Vogelgrippe zugelassen, während in den Niederlanden und Frankreich seit 2023 Impfungen durchgeführt werden*. Aktuell läuft hierzulande lediglich ein Pilotprojekt zur Impfstudie bei Gänsen; eine nationale Zulassung von Impfstoffen steht noch aus (Stand: Herbst 2025).

Die Impfdebatte zeigt zwei Seiten: Befürworter sehen in flächendeckenden Impfungen eine Möglichkeit, das massenhafte Töten von Tieren zu reduzieren. Kritiker verweisen auf handelspolitische Restriktionen – geimpftes Geflügel könnte von Exportmärkten ausgeschlossen werden – und auf die Herausforderung, zwischen infizierten und geimpften Tieren unterscheiden zu können.

Biosicherheitsempfehlungen und Branchenreaktion

Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt konkrete Schutzmaßnahmen für Geflügelhaltungen:

  1. Strengere Zugangskontrollen zu Ställen
  2. Trennung von Wirtschafts- und Personalwegen
  3. Systematische Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
  4. Fütterung und Tränkung ausschließlich unter Dach

Die deutsche Geflügelwirtschaft betont zwar hohe Biosicherheitsstandards, sieht aber im Herbst 2025 aufgrund von Wildvögeln und ziehenden Kranichen weiterhin ein hohes Risiko – besonders in Niedersachsen. Gleichzeitig wird die Forderung laut, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern Ursachen anzugehen. Tierschutzorganisationen wie VIER PFOTEN kritisieren: „Das massenhafte Töten von Tieren bekämpft höchstens die Symptome, nicht die Ursachen!“ Sie fordern die Abschaffung von Pelztierfarmen und eine Reduzierung der Nutztierzahlen in Massentierhaltungen, die sie als Brutstätten für Pandemien betrachten.

Die politische Debatte konzentriert sich damit auf die grundsätzliche Frage: Soll vorrangig in höhere Biosicherheit und Impfungen investiert werden – oder in die Transformation der Tierhaltungssysteme selbst? Während die einen auf technische Lösungen setzen, fordern andere strukturelle Veränderungen, um das Krankheitsrisiko an der Wurzel zu packen.

Folgen für Tiere, Landwirtschaft und Gesellschaft

Die Auswirkungen der Vogelgrippe gehen weit über einzelne Betriebe hinaus und berühren zentrale gesellschaftliche Bereiche. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 400.000 Nutztiere im Zusammenhang mit H5N1 getötet (Stand: 2025). Diese Zahl verdeutlicht das massive Ausmaß der aktuellen Krise. Besonders betroffen sind Geflügelhaltungen aller Größen – von großen Mastbetrieben bis zu kleineren Höfen. Im Herbst 2025 verzeichneten Behörden nahezu täglich Ausbrüche, zuletzt auch ein Fall mit 9.500 Mastputen-Hähnen.

Die wirtschaftlichen Folgen für die Landwirtschaft sind erheblich. Betriebe stehen vor existenziellen Herausforderungen durch Produktionsausfälle, Handelsbeschränkungen und erhöhte Biosicherheitsmaßnahmen. Gleichzeitig wachsen in der Gesellschaft die Sorgen um die Versorgungssicherheit mit Geflügelfleisch und Eiern. Preisschwankungen und mögliche Engpässe betreffen Verbraucherinnen und Verbraucher direkt.

Besonders betroffen sind:

  • Geflügelhalter, die mit wirtschaftlichen Einbußen und Betriebsunterbrechungen kämpfen
  • Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich um Versorgungssicherheit und Preisstabilität sorgen

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie eng Tiergesundheit, landwirtschaftliche Produktion und gesellschaftliche Versorgung miteinander verflochten sind. Während kurzfristige Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung notwendig erscheinen, wird die Diskussion über nachhaltige Lösungen für das gesamte System immer dringlicher.

Wege aus der Krise: Von Forderungen zur Umsetzung

Die Position von VIER PFOTEN steht klar im Raum: Ein Ende der Pelztierzucht, die Reduktion von Nutztierzahlen und die Unterzeichnung des Pandemieabkommens. Diese Forderungen treffen auf komplexe politische Realitäten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Tierschutzstiftung fordert, die Pelztierzucht europaweit zu beenden: „Wir müssen dringend die Zahl der Nutztiere reduzieren und europaweit die Pelztierzucht beenden.“

Der Übergang zu einer tiergerechteren und krisenfesteren Landwirtschaft wirft praktische Fragen auf. Welche konkreten Schritte sind jetzt denkbar? Diskutiert werden strengere Biosicherheitsauflagen für bestehende Betriebe, um die Ausbreitung von Erregern einzudämmen. Parallel laufen Impfprojekte, deren Ergebnisse aus Pilotstudien im Herbst 2025 erwartet werden. Eine breitflächige Anwendung scheitert jedoch bislang an der fehlenden nationalen Zulassung für entsprechende Vakzine (Stand: November 2025)*. Diese Lücke zeigt, dass technologische Lösungen allein nicht ausreichen, ohne dass politische Rahmenbedingungen sie ermöglichen.

Die Debatte über die Zukunft der Tierhaltung muss auch die wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen einbeziehen. Ein Abbau der Nutztierbestände hat unmittelbare Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe und Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig verweist der von VIER PFOTEN geforderte One-Health-Ansatz darauf, dass die Kosten des Nichthandelns – durch Pandemierisiken und massive Tierverluste – langfristig höher liegen könnten.

Offen bleibt, wie ein gesellschaftlicher Konsens für einen grundlegenden Wandel erreicht werden kann. Letztlich müssen jetzt Politik, Wissenschaft und Agrarwirtschaft gemeinsam entscheiden, ob sie weiter vorrangig Symptome bekämpfen oder die Ursachen der Krise angehen wollen. Die Weichen für die nächste Phase dieser Auseinandersetzung sind gestellt.

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, die aktuelle Entwicklungen zur Vogelgrippe und ihre Ursachen beleuchtet.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. ‚Wir müssen dringend handeln‘, höre ich oft in Diskussionen über dieses Thema. Aber wie? Welche Schritte könnten wir als Bürger unternehmen, um Druck auf Politiker auszuüben und Veränderungen zu fordern?

  2. ‚Die Keulungen sind nicht die Lösung‘, sage ich auch! Wir müssen uns mit den Wurzeln des Problems auseinandersetzen und nicht nur mit den Symptomen. Was haltet ihr von dem Ansatz von VIER PFOTEN?

    1. @Andre04 Das klingt nach einer sinnvollen Idee! Wenn wir die Tierhaltung verbessern können, könnten wir viel Leid verhindern. Lasst uns mehr darüber diskutieren!

  3. Die Massentierhaltung ist ein großes Thema hier. Ich verstehe nicht, warum wir immer noch so viele Tiere in schlechten Bedingungen halten. Können wir nicht einfach kleinere Betriebe unterstützen?

    1. Das ist ein guter Punkt! Wenn wir die Haltungssysteme ändern würden, könnte das helfen. Aber was wäre der erste Schritt in diese Richtung? Hat jemand Ideen?

  4. Es ist erschreckend, wie viele Tiere wegen der Vogelgrippe leiden müssen. Ich glaube, dass wir als Gesellschaft dringend Lösungen finden müssen. Gibt es Vorschläge von anderen Ländern, die helfen könnten? Ich habe von den Niederlanden gehört, die schon Impfungen machen.

    1. Ja genau! Die Impfungen könnten wirklich helfen. Aber ich frage mich auch, warum Deutschland nicht schneller reagiert? Es scheint so wichtig zu sein.

  5. Ich finde das wirklich traurig, dass so viele Tiere getötet werden. Die Vogelgrippe ist ein ernstes Problem, aber vielleicht sollten wir mehr über die Ursachen sprechen. Was denkt ihr darüber?

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