– EU-Parlamentsausschuss stimmt GMO-Artikeln 148 und 168 ohne Verbesserungen zu
– BBV kritisiert verpflichtende schriftliche Lieferverträge als bürokratische Belastung und Preisdruck
– BBV fordert länderspezifische Ausnahmen, vorgezogene Folgenabschätzung und klare Vertragsfreiheit
EU-Pläne für Lieferverträge treffen Bayerns Landwirte hart – Bauernverband fordert Vertragsfreiheit
Der Agrarausschuss des Europaparlaments hat mehrheitlich einem Kompromisspapier zu den Artikeln 148 und 168 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) zugestimmt, das keine Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission enthält. Der Bayerische Bauernverband (BBV) bewertet diesen Schritt kritisch, da die beschlossenen Regelungen weitreichende Konsequenzen für die Landwirte in Bayern haben. Im Mittelpunkt steht die verpflichtende Einführung schriftlicher Lieferverträge, die Preis, Liefermenge, Lieferzeitpunkt und mengenbezogene Preisklauseln verbindlich regeln sollen. Dies betrifft neben dem Milchsektor auch Obst und Gemüse, Getreide, Hopfen und Fleisch.
Der BBV lehnt diesen tiefgreifenden Eingriff in die Vertragsfreiheit entschieden ab. Wie Milchpräsident Peter Köninger unterstreicht: „Diese Beschlüsse bedeuten niedrigere Erzeugerpreise, höhere Kosten und mehr Bürokratie. Unsere Bauern brauchen Entlastung, nicht neue Fesseln.“ Er erklärt weiter: „Wir arbeiten mit und in der Natur. Ertragsschwankungen sind nicht exakt vorhersehbar. Wer dennoch Mengen im Voraus festlegen muss, riskiert Preisabschläge.“ Dieses starre Festlegen von Liefermengen widerspricht den realen landwirtschaftlichen Bedingungen und schafft zusätzliche Risiken für die Produzenten.
Kritisch sieht der Verband auch die Übertragung von Problemen einzelner europäischer Regionen auf die bewährten bayerischen Vertragsbeziehungen. Köninger macht deutlich: „Es darf nicht sein, dass Missstände bei Vertragsbeziehungen in einzelnen europäischen Regionen die bewährten Vertragsbeziehungen in Bayern gefährden. Der Vorschlag erzeugt unnötig neue Bürokratie und führt zu höheren Kosten für die gesamte Wertschöpfungskette.“
Durch die verpflichtenden Lieferverträge könnten bewährte Vermarktungsstrukturen wie Erzeugergemeinschaften, Genossenschaften und Vermarktungszusammenschlüsse an Einfluss verlieren. Das schwächt die bayerischen Landwirte anstatt sie zu stärken. Deshalb fordert der BBV, dass vor einer Umsetzung eine gründliche Folgenabschätzung erfolgt – und zwar vor Inkrafttreten der neuen Regelungen, im Gegensatz zum Vorschlag der EU-Kommission, der eine Bewertung erst danach vorsieht.
Peter Köninger bringt die Haltung des Verbands auf den Punkt: „Gut gemeint, aber in diesem Fall bisher sehr schlecht gemacht.“ In der weiteren Debatte hat der BBV verlangt, dass Mitgliedstaaten die Möglichkeit erhalten müssen, sich gegen die verpflichtende Anwendung der Vertragspflicht zu entscheiden.
Die bayerischen Europaabgeordneten Christine Singer und Stefan Köhler haben die Sorgen des BBV im Agrarausschuss aufgegriffen. Köninger appelliert eindringlich: „Die Europaabgeordneten dürfen diesen Unsinn im Plenum nicht durchwinken. Auch die Bundesregierung muss sich um eine mehrheitliche Unterstützung kümmern. Länderspezifische Ausnahmen und ein klares Bekenntnis zur Vertragsfreiheit sind das Minimum.“
Die Ablehnung der starren Vertragsvorgaben durch den BBV unterstreicht den Wunsch nach einer flexiblen und den landwirtschaftlichen Realitäten angepassten Marktorientierung, die den bäuerlichen Betrieben in Bayern Planungssicherheit und Handlungsspielräume erhalten will.
Vertragsfreiheit in der Landwirtschaft: Warum sie jetzt besonders bedroht ist
Die Vertragsfreiheit gilt für Landwirtinnen und Landwirte als ein entscheidender Pfeiler ihrer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit. Sie ermöglicht es ihnen, flexibel auf die natürlichen Schwankungen von Erträgen und Marktbedingungen zu reagieren. In der Landwirtschaft sind Erträge häufig von Witterung, Ernteausfällen und saisonalen Gegebenheiten geprägt – Festlegungen auf feste Liefermengen und Preise können daher zu erheblichen Nachteilen führen. Aktuelle Pläne der Europäischen Union, die Vertragsfreiheit durch verpflichtende schriftliche Lieferverträge einzuschränken, erschweren genau dieses zentrale Prinzip.
Die EU plant, in der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) verbindliche Verträge vorzuschreiben, die Liefermengen, Zeitpunkte und Preise klar regeln müssen. Das betrifft neben dem Milchsektor auch die Bereiche Obst, Gemüse, Getreide, Hopfen und Fleisch. Für viele Landwirte bedeutet das einen erheblichen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und in bewährte Handelsbeziehungen. Wie der Bayerische Bauernverband (BBV) vorbringt, können starre Mengenvereinbarungen Risiken bergen: „Wir arbeiten mit und in der Natur. Ertragsschwankungen sind nicht exakt vorhersehbar. Wer dennoch Mengen im Voraus festlegen muss, riskiert Preisabschläge.“
Für die Landwirtschaft sind flexible Vertragsstrukturen nicht nur ein Schutz gegen wirtschaftliche Risiken, sondern auch ein Mittel, um eigene Vermarktungsstrukturen wie Erzeugergemeinschaften, Genossenschaften und Zusammenschlüsse zu erhalten. Solche Bündnisse stärken die Verhandlungsposition der Bauern gegenüber größeren Verarbeitungsbetrieben und dem Handel. Wenn die EU die Verpflichtung zu standardisierten Verträgen durchsetzt, könnten diese Strukturen an Bedeutung verlieren. Das birgt die Gefahr einer stärkeren Konzentration in der Lieferkette und erhöhten Druck auf die Produzenten.
Diese Regelung trifft die Landwirtschaft besonders, weil nationale Besonderheiten innerhalb des EU-Binnenmarktes unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Regionen mit durchgehend stabilen Lieferketten könnten weniger Probleme mit festen Vertragsvorgaben haben, während traditionell flexible oder saisonabhängige Märkte – wie in Bayern – darunter leiden. Die EU-Kommission sieht ihre Neuerung als Mittel zur Verbesserung von Fairness und Transparenz an, doch Bauernvertreter fordern ausdrücklich, dass Mitgliedstaaten die Möglichkeit haben müssen, Ausnahmen zu erlassen. Ebenso drängen sie auf eine umfassende Folgenabschätzung vor der Anwendung – nicht erst danach.
Ein Blick in andere Branchen und Länder zeigt, wie verbindliche Verträge sich auswirken können: Zum Teil verbessern sie zwar die Planungssicherheit für Verarbeiter und Handel, führen aber häufig zu weniger Flexibilität und steigender Bürokratie. Die Folge sind oft höhere Kosten, die an die Verbraucher weitergegeben werden, sowie eine Verdrängung kleinerer Produzenten zugunsten großer, marktdominanter Anbieter. Für die Landwirtschaft ist diese Entwicklung besonders riskant, denn sie steht in starkem Wettbewerb um Wettbewerbsfähigkeit und faire Preise.
Die Debatte um die Vertragsfreiheit in der EU-Landwirtschaft berührt damit mehrere Ebenen: den Schutz der bäuerlichen Selbstbestimmung, die Vielfalt der Lebensmittelproduktion, die Struktur des Binnenmarktes und letztlich auch die Preise und Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher. Die geplanten Änderungen könnten diese Balance empfindlich stören und nachhaltige Folgen für die gesamte Branche haben.
Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands.




8 Kommentare
Vertragsfreiheit ist wirklich wichtig für Bauern und ihre Planungssicherheit! Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir unsere kleinen Betriebe an große Unternehmen und das wäre sehr schade!
„Gut gemeint aber schlecht gemacht“ – dieser Satz bringt es auf den Punkt! Es ist frustrierend zu sehen, wie Entscheidungen ohne ausreichende Folgenabschätzung getroffen werden können. Wo bleibt die Rücksichtnahme auf die Realität der Landwirte?
„Das schwächt die bayerischen Landwirte“ – genau das passiert hier! Wir müssen uns für eine gerechtere Lösung einsetzen. Gibt es Initiativen oder Bewegungen, die sich dafür stark machen?
Ich stimme Peter Köninger zu: Es braucht mehr Flexibilität! Die strikten Vorgaben können doch nicht wirklich im Interesse der Landwirtschaft sein. Wer denkt da mit? Ich frage mich auch, wie andere Länder mit diesen Vorgaben umgehen wollen.
Das ist ein wichtiger Punkt! Vielleicht könnte ein Austausch zwischen den Ländern helfen? Auch die Erfahrungen aus anderen EU-Staaten wären interessant zu hören, um mögliche Lösungen zu finden.
Die Kritik des BBV an diesen neuen Regelungen ist absolut nachvollziehbar. Warum sollte man bewährte Verträge in Bayern gefährden? Gibt es nicht andere Wege, um Fairness zu gewährleisten? Ich hoffe, dass hier noch ein Umdenken stattfindet.
Ja, ich denke auch, dass eine flexiblere Regelung besser für alle wäre. Die Landwirte sollten in der Lage sein, auf die Schwankungen im Wetter und Markt zu reagieren. Was könnte eine bessere Lösung sein?
Ich finde die Entscheidung des EU-Parlaments bedenklich. Es ist wichtig, dass Landwirte die Freiheit haben, ihre eigenen Verträge zu gestalten. Wie kann man den Bedürfnissen der Bauern gerecht werden, wenn man solche starren Regeln auferlegt?