Versuchstierzahlen 2024: Über 3 Millionen Tiere genutzt – Kritik an Überschusstieren und Forderungen nach Ausstiegsplan

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Im Jahr 2024 wurden in Deutschland über drei Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet oder als sogenannte Überschusstiere getötet. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert diese anhaltend hohen Zahlen und fordert von Bund und Ländern eine klare Strategie für den Ausstieg aus Tierversuchen. Besonders viele Versuche fanden in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen statt.

Inhaltsverzeichnis

– Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hatten 2024 die meisten Tierversuche.
– Insgesamt wurden 2024 über drei Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke genutzt.
– Besonders kritisch ist die hohe Zahl von über einer Million getöteter „Überschusstiere“.

Versuchstierzahlen 2024: Drei Bundesländer an der Spitze

Am 15. Dezember 2025 veröffentlichte der Deutsche Tierschutzbund eine Pressemitteilung zu den aktuellen Versuchstierzahlen. Die vom Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) für 2024 erhobenen Daten zeigen Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit den höchsten Werten. Insgesamt wurden 3.063.569 Tiere für wissenschaftliche Zwecke genutzt und getötet (Stand: 2024; PM veröffentlicht 15.12.2025). Als alarmierend bewertet der Verband zudem 1.109.100 sogenannte „Überschusstiere“, die gezüchtet, aber nicht in Versuchen verwendet und schließlich getötet wurden (Stand: 2024; PM veröffentlicht 15.12.2025).

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, kommentiert die Zahlen scharf: „Im Jahr 2024 wurden 3.063.569 Tiere im Namen der Wissenschaft genutzt und getötet – eine Zahl, die weiterhin schockierend ist. Die Länder müssen gemeinsam mit dem Bund endlich konkrete Schritte unternehmen, um Tierversuche durch moderne, zeitgemäße Forschungsansätze zu ersetzen.“ Er fordert eine grundlegende Neuausrichtung: „In der Grundlagenforschung, dem Bereich mit der größten Anzahl an verwendeten Tieren, liegen die Zahlen seit Jahren hoch. Es ist an der Zeit, endlich umzudenken. Es bedarf einer klaren Strategie für den Ausstieg aus Tierversuchen. Entscheidend ist dabei, die Vergabe von Fördermitteln neu zu strukturieren, um die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden mit höchster Priorität zu fördern.“

Die regionalen Unterschiede sind deutlich. Bayern führt mit 255.456 Versuchstieren an, gefolgt von Baden-Württemberg (227.935) und Nordrhein-Westfalen (217.724) (Stand: 2024; PM veröffentlicht 15.12.2025). Bei den Überschusstieren liegt Bayern ebenfalls vorn (222.408), vor Nordrhein-Westfalen (208.162) und Berlin (172.334) (Stand: 2024; PM veröffentlicht 15.12.2025).

Ein besonderer Fokus liegt auf Primaten. Von den insgesamt 977 in Versuchen verwendeten Javaneraffen (Stand: 2024; PM veröffentlicht 15.12.2025)* entfielen 800 auf Nordrhein-Westfalen, 152 auf Baden-Württemberg und 25 auf Niedersachsen. Das entspricht etwa 81,7 % für Nordrhein-Westfalen.

Die folgende Tabelle bietet einen schnellen Überblick über die Spitzenreiter unter den Bundesländern:

Bundesland Versuchstiere 2024 (Anzahl) Überschusstiere 2024 (Anzahl) Quelle/Stand
Bayern 255.456 222.408 PM 15.12.2025 (Stand: 2024)
Baden-Württemberg 227.935 PM 15.12.2025 (Stand: 2024)
Nordrhein-Westfalen 217.724 208.162 PM 15.12.2025 (Stand: 2024)
Berlin 172.334 PM 15.12.2025 (Stand: 2024)

Hinweis: Eine detaillierte Übersicht der Versuchstierzahlen aller Bundesländer stellt der Deutsche Tierschutzbund auf Nachfrage zur Verfügung.

Die öffentliche Diskussion über Tierversuche wird oft von einer einzigen Gesamtzahl dominiert. Eine differenzierte Betrachtung der offiziellen Statistiken zeigt jedoch ein komplexeres Bild mit gegenläufigen Entwicklungen. Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) veröffentlicht jährlich detaillierte Zahlen, die eine genauere Einordnung ermöglichen.

Für das Jahr 2024 meldet das Bf3R einen Einsatz von rund 1,33 Millionen Wirbeltieren und Kopffüßern in Tierversuchen nach § 7 Abs. 2 TierSchG (Quelle: Bf3R, Stand: 2024)*. Diese Zahl markiert einen Rückgang gegenüber früheren Jahren. Diese Kategorie umfasst primär Tiere, die direkt in genehmigten Versuchsvorhaben eingesetzt werden.

Rückgang bei Wirbeltieren — aber andere Zahlen steigen

Der generelle Abwärtstrend bei Wirbeltieren und Kopffüßern nach § 7 Abs. 2 gilt nicht für alle Tierarten gleichermaßen. Ein Beispiel für eine gegenläufige Entwicklung liefern die Fische. Während die Gesamtzahl sank, stieg die Anzahl der in solchen Versuchen verwendeten Fische im Jahr 2024 auf 176.778 an. Das bedeutet einen Anstieg um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Bf3R, Stand: 2024)*.

Die unterschiedliche Entwicklung unterstreicht, dass die Debatte nicht monolithisch geführt werden kann. Zudem ist es wichtig, die verschiedenen Erfassungskategorien zu beachten. Die vom Bf3R ausgewiesenen 1,33 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer nach § 7 Abs. 2 TierSchG (Stand: 2024)* stellen eine spezifische rechtliche Messgröße dar. Andere Berichte oder Pressemitteilungen, die von deutlich höheren Gesamtzahlen ausgehen, beziehen sich häufig auf einen erweiterten Kreis von Tieren, der beispielsweise auch sogenannte Überschusstiere oder Tiere für andere Zwecke wie die Organentnahme umfasst. Dieser methodische Unterschied erklärt, warum in der öffentlichen Wahrnehmung teilweise divergierende Zahlen kursieren.

Überschusszucht: Ein altbekanntes Problem

Die aktuelle Diskussion um sogenannte Überschusstiere in der Forschung ist kein neues Phänomen. Der Begriff beschreibt Tiere, die für wissenschaftliche Zwecke gezüchtet, aber nie in Versuchen eingesetzt werden und stattdessen getötet werden, weil sie überzählig sind. Diese Praxis und die damit verbundene ethische Debatte begleiten die tierexperimentelle Forschung seit Jahren.

Frühere Großzahlen und Kritik

Bereits vor der aktuellen Debatte um die Zahlen für 2024 gab es alarmierende Fallzahlen, die die Dimension des Problems verdeutlichen. Ein historischer Referenzpunkt zeigt das Ausmaß: Im Jahr 2017 wurden in Nordrhein-Westfalen 680.735 Überschusstiere getötet, mit einer Aufschlüsselung nach Tierarten wie Maus (575.330) und Zebrafisch (92.676) *.

Diese Zahlen aus einem einzelnen Bundesland machen deutlich, dass die Problematik der Überschusszucht und -tötung keine kurzfristige Entwicklung ist. Sie belegt eine langjährige Praxis, die regelmäßig von Tierschutzorganisationen und Teilen der Öffentlichkeit kritisiert wird. Die historischen Daten unterstreichen, dass es sich um ein strukturelles und wiederkehrendes Thema handelt, das über einzelne Jahre hinausreicht.

Zahlen, die bewegen – und Fragen, die bleiben

Die Diskussion um Tierversuche berührt mehr als wissenschaftliche Protokolle. Sie wirft grundsätzliche ethische Fragen auf und zeigt, wie unterschiedlich dieselben Daten interpretiert werden können. Während Tierschutzorganisationen die Gesamtzahl von über drei Millionen verwendeten Tieren im Jahr 2024 als „schockierend“ kritisieren, verweisen offizielle Stellen auf einen anhaltenden Abwärtstrend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) etwa meldet für 2024 den fünften Rückgang in Folge: Die Zahl der verwendeten Versuchstiere sank um rund 9 Prozent gegenüber 1,33 Millionen im Vorjahr (Stand: 2024)*. Diese scheinbare Diskrepanz erklärt sich durch unterschiedliche Zählweisen und Kategorisierungen, die die Debatte zusätzlich verkomplizieren.

Die Kritik konzentriert sich besonders auf zwei Bereiche. Einerseits bleibt die Grundlagenforschung ein Feld mit konstant hohen Tierzahlen, ohne dass ein unmittelbarer medizinischer Nutzen absehbar ist. Andererseits wirft die Zucht sogenannter Überschusstiere – Tiere, die gezüchtet, aber nie in einem Versuch verwendet werden – massive ethische Fragen auf. Parallel dazu zeigen die Daten des BfR, dass die Entwicklung nicht einheitlich verläuft: Während die Gesamtzahl sank, stieg die Zahl verwendeter Fische im selben Zeitraum um 9 Prozent auf 176.778 an (Stand: 2024)*. Diese gegenläufigen Trends machen deutlich, dass pauschale Aussagen schwierig sind und eine differenzierte, transparente Betrachtung nötig ist.

Der langsame, aber stetige Rückgang der Versuchstierzahlen ist ein Signal. Es zeigt, dass der gesellschaftliche und politische Druck wirkt und tierversuchsfreie Methoden an Bedeutung gewinnen. Doch reicht eine bloße Reduzierung aus? Die anhaltende Debatte legt nahe, dass es einer aktiveren Steuerung bedarf. Die zentralen Herausforderungen liegen weniger in der grundsätzlichen Ablehnung von Tierversuchen, sondern in der konkreten Umsetzung einer forschungspolitischen Wende. Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, um den Trend zu beschleunigen und den Tierschutz mit wissenschaftlichem Fortschritt zu vereinen?

  • Wie können öffentliche Fördermittel gezielter auf die Entwicklung und Validierung tierversuchsfreier Methoden gelenkt werden?
  • Welche konkreten Maßnahmen verhindern systematisch die Zucht und Tötung von Überschusstieren?
  • Wie lässt sich die Transparenz über Versuchszwecke und Tierverwendung für die Öffentlichkeit verbessern?
  • Welche realistischen Meilensteine und Zeitpläne definieren einen glaubwürdigen Ausstiegsplan aus dem Tierversuchssystem?

Für eine vertiefte, datenbasierte Auseinandersetzung bieten die detaillierten Jahresberichte und Datenbanken des BfR eine wichtige Grundlage (Quelle: BfR)*.

Diese Ausführungen beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. Die Diskussion über Tierversuche ist so wichtig! Ich hoffe auf mehr Transparenz in der Forschung und eine klare Strategie für den Ausstieg.

  2. Ich finde es wichtig, dass wir über diese Themen sprechen und Lösungen finden. Was sind die nächsten Schritte für eine bessere Tierethik?

  3. Es ist schockierend zu sehen, wie viele Tiere leiden müssen. Was können wir tun, um die Aufmerksamkeit auf diese Probleme zu lenken?

  4. Die hohe Anzahl an Überschusstieren ist alarmierend und zeigt einen Missstand in der Forschung auf. Wie können wir als Gesellschaft darauf reagieren?

  5. Die Zahlen sind wirklich erschreckend. Ich frage mich, was getan wird, um das zu ändern. Gibt es konkrete Pläne für den Ausstieg aus Tierversuchen?

    1. Ich denke, dass die Forschung alternative Methoden dringend braucht. Haben wir schon genug Unterstützung für tierversuchsfreie Methoden?

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