– Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 verzeichnet 10 % mehr Anzeigen wegen Vergewaltigung als im Vorjahr.
– Tatverdächtige sind überwiegend Freunde, Bekannte oder (Ex-)Partner der betroffenen Frauen.
– Es fehlen Schutz- und Beratungseinrichtungen sowie gesellschaftliche Solidarität für Betroffene.
Deutscher Frauenrat dringt nach Kriminalstatistik auf mehr Schutzplätze bei sexualisierter Gewalt
Die neue Polizeiliche Kriminalstatistik hat die Debatte über den Schutz von Betroffenen sexualisierter Gewalt erneut verschärft. Der Deutsche Frauenrat sieht in den aktuellen Zahlen vor allem ein Signal, die Hilfsstrukturen in Deutschland auszubauen und Betroffene beim Zugang zu Schutz und Beratung besser zu unterstützen.
Aus Sicht des Verbands reicht der Blick auf die Zahl der Anzeigen allein nicht aus. Entscheidend sei, ob Frauen nach Gewalterfahrungen schnell einen sicheren Ort, verlässliche Beratung und ein unterstützendes gesellschaftliches Umfeld finden.
Die am 20. April 2026 in Berlin veröffentlichten Zahlen weisen für 2025 insgesamt 14.454 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe einschließlich Todesfolge aus. Das sind laut den veröffentlichten Angaben knapp 10 Prozent mehr Anzeigen als im Vorjahr.
Sylvia Haller, Sonderbeauftragte des Deutschen Frauenrats für das Thema Gewalt gegen Frauen, sagte: „Die Kriminalstatistik für 2025 zeigt erneut auf, was in der Debatte um sexualisierte Gewalt viel zu oft vernachlässigt wird: Tatverdächtige von Vergewaltigungen sind weiterhin überwiegend Freunde, Bekannte und (Ex-)Partner. Um Frauen wirksam vor Gewalt aus dem sozialen Umfeld schützen zu können, braucht es hierzulande dringend mehr Schutz- und Beratungseinrichtungen sowie gesellschaftliche Solidarität, damit mehr Betroffene den Mut fassen, Taten anzuzeigen und öffentlich zu machen.“
Kriminalstatistik bildet nur das Hellfeld ab
Der Deutsche Frauenrat verweist darauf, dass die Kriminalstatistik nur das sogenannte Hellfeld erfasst, also jene Taten, die bei der Polizei angezeigt wurden. Gerade bei sexualisierter Gewalt sei die Differenz zwischen registrierten Fällen und tatsächlichen Vorfällen besonders groß.
In der Mitteilung wird dazu auf die LeSuBiA-Studie verwiesen. Demnach erstatten nur 3 Prozent der betroffenen Frauen bei sexuellen Übergriffen Anzeige. Für die Einordnung der aktuellen Zahlen bedeutet das aus Sicht des Verbands: Steigende Anzeigen zeigen zwar mehr registrierte Fälle, bilden aber nicht das gesamte Ausmaß des Problems ab.
Schutz- und Beratungseinrichtungen stehen unter Druck
Mit seiner Forderung nach mehr Schutzplätzen und besseren Beratungsstrukturen rückt der Verband das bestehende Hilfesystem in den Mittelpunkt. Nach einer Mitteilung des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen fehlten bereits 2022 Aufnahmekapazitäten für rund 15.000 Betroffene in Schutzeinrichtungen.
Lesenswert ist außerdem Gewalthilfegesetz in der Krise: Warum Frauenhäuser trotz Gesetz um Finanzierung kämpfen.
Auch regionale Angaben verdeutlichen nach Einschätzung des Verbands die Belastung der Einrichtungen. Das Netzwerk brandenburgischer Frauenhäuser schätzte, dass 2025 etwa 500 Frauen und 600 bis 700 Kinder Schutz in brandenburgischen Frauenhäusern fanden. Für den Deutschen Frauenrat unterstreicht das, wie stark die vorhandenen Angebote in der Praxis beansprucht werden.
Gewalt aus dem sozialen Umfeld erschwert Hilfe und Anzeige
Besonders gravierend ist aus Sicht des Verbands, dass Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt häufig aus dem sozialen Umfeld heraus verübt werden. Wenn Tatverdächtige Freunde, Bekannte oder (Ex-)Partner sind, werde der Schritt, Hilfe zu suchen oder Anzeige zu erstatten, oft zusätzlich erschwert.
Der Deutsche Frauenrat verbindet seine Forderung nach mehr Einrichtungen deshalb mit dem Appell zu mehr gesellschaftlicher Solidarität. Gemeint ist ein Umfeld, das Betroffene ernst nimmt, Unterstützung nicht infrage stellt und den Zugang zu Schutz und Beratung erleichtert.
Mit Blick auf die aktuelle Debatte leitet der Verband aus den neuen Zahlen daher klare Konsequenzen ab: mehr Schutzplätze, ein Ausbau der Beratungsangebote und ein gesellschaftliches Klima, das Betroffenen das Anzeigen von Taten erleichtert. Für den Gewaltschutz in Deutschland kommt es aus Sicht des Deutschen Frauenrats darauf an, dass diese Strukturen verlässlich abgesichert werden.
Diese Meldung beruht auf einer Pressemitteilung des Deutschen Frauenrats.
Weiterführende Quellen:
- „2022 fehlten Aufnahmekapazitäten für rund 15.000 Betroffene in Schutzeinrichtungen.“ – Quelle: https://www.bdp-verband.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/zur-bekaempfung-geschlechtsspezifischer-gewalt-in-deutschland-braucht-es-dringend-eine-bundesweite-gesamtstrategie
- „Schätzungsweise 500 Frauen und 600-700 Kinder fanden 2025 Schutz in brandenburgischen Frauenhäusern.“ – Quelle: https://www.nbfev.de/gewaltschutz-ist-ein-starkes-netz-auch-2026/
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Die Zahlen zu Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und Übergriffen zeigen laut Beitrag zwar ein „Hellfeld“ durch Anzeigen, machen aber zugleich eine wichtige Lücke sichtbar: Sexualisierte Gewalt wird oft aus dem sozialen Umfeld heraus begangen, und viele Betroffene zeigen Taten offenbar nicht an. Damit bleibt das Thema für die gesamte Gesellschaft relevant – nicht nur als Kriminalstatistik, sondern als Hinweis auf fehlende Sicherheit und Unterstützung.
Für Betroffene, aber auch für Hilfsorganisationen, Beratungs- und Schutzeinrichtungen wird daraus vor allem ein Handlungsdruck deutlich: Es braucht mehr Schutzplätze, verlässliche Beratungsstrukturen und ein Umfeld, das Solidarität zeigt. Auch Politik und Verwaltung stehen damit im Fokus, Schutz- und Unterstützungsangebote so abzusichern, dass Zugänge nicht an Kapazitäten scheitern.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum sagt die Kriminalstatistik nicht alles aus?
Weil sie nur das Hellfeld erfasst, also Fälle, die angezeigt wurden. Laut Beitrag ist die Differenz zwischen registrierten Fällen und tatsächlichen Vorfällen besonders groß.
Warum ist Hilfe oft besonders schwer, wenn Täter aus dem Umfeld kommen?
Der Beitrag beschreibt, dass Freunde, Bekannte oder (Ex-)Partner häufig tatverdächtig sind. Dadurch kann der Schritt zu Hilfe und Anzeige zusätzlich erschwert werden.
Welche Lücke wird im Beitrag beim Schutzsystem beschrieben?
Es werden fehlende Aufnahmekapazitäten und Belastungen bestehender Einrichtungen genannt, etwa durch den Bedarf nach Schutzplätzen und Beratung.
An wen können sich Betroffene für Unterstützung wenden?
Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.