EU-Kommission korrigiert Verbrenner-Aus 2035: Was die neue 90%-Regel für Autokäufer bedeutet

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Der ADAC begrüßt den Vorschlag der EU-Kommission, das geplante faktische Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 zu korrigieren. Statt einer 100-prozentigen CO₂-Reduktion sollen nun 90 Prozent angestrebt werden, wodurch auch Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid, Range-Extender oder konventionellem Antrieb zugelassen werden könnten. Der Verband sieht darin einen Schritt zu mehr Technologieoffenheit und Wahlfreiheit für Verbraucher, kritisiert aber, dass der Wettbewerb der Technologien noch zu wenig genutzt werde.

Inhaltsverzeichnis

* Die EU-Kommission lockert die Flottenregulierung und könnte Verbrenner nach 2035 wieder zulassen.
* Der ADAC kritisiert die zu engen Grenzen für die Anrechnung alternativer Kraftstoffe wie E-Fuels.
* Die Anpassung soll mehr Technologievielfalt ermöglichen, ohne die Elektromobilität abzulehnen.

EU-Kommission öffnet Tür für Verbrenner nach 2035 – ADAC sieht Chancen und Defizite

Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag zur Anpassung der strengen Flottenregulierung vorgelegt, der das faktische Aus für Verbrennerfahrzeuge ab 2035 korrigieren soll. Der ADAC begrüßt diese grundsätzliche Öffnung für andere Antriebstechnologien. Nach dem neuen Entwurf könnten neben batterieelektrischen Autos künftig auch alternative Antriebe zugelassen werden. Ziel ist es, die Vielfalt der Verbraucherbedürfnisse besser abzudecken.

Gleichzeitig übt der Mobilitätsclub deutliche Kritik an den Details des Plans. Die zentralen Positionen und Originalzitate der ADAC-Pressemitteilung im Überblick* (Stand: 16.12.2025):

Kernaussagen des ADAC

Der ADAC Technikpräsident Karsten Schulze betont die Bedeutung von Wahlfreiheit: „Autokäufer wollen bei Antrieben und Energien mehr Wahlmöglichkeiten, damit Klimaschutz im Verkehr leichter möglich wird und bezahlbar bleibt. Der Kommissionsvorschlag zeigt die Richtung, nutzt aber den Wettbewerb der Technologien zu wenig.“*

Die geplante Flexibilisierung berücksichtigt, dass die Elektromobilität in der EU noch nicht wie erwartet anlaufe und bei vielen privaten Käufern Zurückhaltung herrsche.

Besonders kritisch sieht der ADAC die engen Grenzen für alternative Kraftstoffe. Nach dem Kommissionsvorschlag können CO2-Emissionen von nicht-elektrischen Fahrzeugen nur zu einem kleinen Teil durch den Einsatz solcher Kraftstoffe kompensiert werden. Der Club hält die vorgesehenen Obergrenzen für unzureichend. Schulze dazu: „Bei der Anrechnung von bis zu sieben Prozent durch grünen Stahl und bis zu drei Prozent durch erneuerbare Kraftstoffe muss mehr Flexibilität möglich werden. Hier werden erbliche Chancen vertan“.*

Abschließend bewertet der ADAC-Technikpräsident den Vorschlag ambivalent: „Die Anpassungen sind in Teilen richtig. Die EU-Kommission hat es vermieden, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Gleichzeitig werden Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und Ladeinfrastruktur nach wie vor nicht konsequent genug gesetzt, damit alle verfügbaren Technologien zum Klimaschutz beitragen können.“*

Hintergrund: Was die EU-Änderung technisch bedeutet

Die ursprüngliche EU-Regulierung sah vor, dass Neuwagenflotten bis 2035 ihre CO₂-Emissionen im Vergleich zu 2021 um 100 Prozent senken müssen – ein faktisches Aus für neue Pkw mit Verbrennungsmotor*. Die EU-Kommission plant nun eine deutliche Korrektur: Die Grenzwerte sollen auf eine Reduktion von 90 Prozent abgesenkt werden*. Diese Änderung von 100 auf 90 Prozent eröffnet technologisch neue Spielräume.

Wie sich 100 % → 90 % technisch auswirkt

Rechnerisch bedeutet die Absenkung, dass Neuwagenflotten im Jahr 2035 noch einen gewissen Anteil an Emissionen ausstoßen dürfen. Diese Öffnung ist eine direkte Reaktion auf politischen Druck: Mehrere EU-Mitgliedstaaten fordern eine Abschwächung des Verbrenner-Neuzulassungsverbots ab 2035*. Aus Verbrauchersicht könnte dies die Bandbreite verfügbarer Antriebe vergrößern. Der ADAC begrüßt diesen Ansatz, da mit der Anpassung der Zielwerte „neben batterieelektrischen Pkw auch Plug-in und Range-Extender oder reine Verbrenner-Pkw nach 2035 zugelassen“ werden könnten, um die Vielfalt des Bedarfs abzudecken.

Welche Kraftstoffarten berücksichtigt werden

Die geplante Lockerung geht über die reine Prozentzahl hinaus. Kern des neuen Entwurfs ist die Einbeziehung alternativer Kraftstoffe in die Flottenbilanz*. Der Entwurf des EU-Auto-Pakets sieht vor, emissionsfreie und emissionsarme Kraftstoffe sowie fortgeschrittene Biokraftstoffe als anrechenbare Technologien für die Flottenregulierung 2035 einzubeziehen*. Allerdings sieht der Kommissionsvorschlag enge Grenzen vor. Die Anrechnung erneuerbarer Kraftstoffe ist auf bis zu drei Prozent der Flottenemissionen begrenzt*. Der ADAC kritisiert diese Regelung scharf: „Die genannten drei Prozent sind absolut unzureichend, um zusätzliche Anreize für den Hochlauf alternativer Kraftstoffe zu setzen.“ Aus Sicht des Clubs werden hier „erbliche Chancen vertan“, da Biokraftstoffe und E-Fuels eine hohe Bedeutung für die Dekarbonisierung des bestehenden Pkw-Bestands hätten.

Die folgende Tabelle fasst die Entwicklung und zentralen Elemente der geplanten Regulierung zusammen:

Jahr Vorgabe/Ziel (Reduktion gegenüber 2021) Anrechenbare Technologien Quelle/Stand
Ursprünglicher Plan (bis 2021) 100 % Ausschließlich null-emittierende Fahrzeuge (z.B. vollelektrisch) Historischer Politikansatz
Geplante Neuregelung (2035) 90 % Batterieelektrische Fahrzeuge, emissionsfreie/-arme Kraftstoffe (z.B. E-Fuels), fortgeschrittene Biokraftstoffe, grüner Stahl (bis 7%) Stand: Oktober 2025 / 2025*

Damit verschiebt sich der regulatorische Fokus: Statt eines alleinigen Ziels null Emissionen am Auspuff tritt ein System, das auch die CO₂-Bilanz des verwendeten Energieträgers berücksichtigt. Diese technische Öffnung ist der Versuch, unterschiedliche Pfade zur Verkehrsdekarbonisierung wettbewerblich miteinander konkurrieren zu lassen.

Gegenstimmen und Risiken für das Klima

Während der ADAC die Öffnung für alternative Antriebe als notwendige Flexibilisierung begrüßt, formiert sich deutliche Kritik. Umweltverbände, Ökonomen und Teile der Industrie bewerten die geplante Lockerung der EU-Flottengrenzwerte als klimapolitischen Rückschritt mit erheblichen Risiken.

Umweltverbände: Kritik an der Absenkung

Aus Sicht von Klimaschützern untergräbt der Kommissionsvorschlag die bisherigen Ziele. Greenpeace kritisiert die Senkung des CO₂-Reduktionsziels für Neuwagen bis 2035 auf 90 Prozent* sowie die Ausweitung von Ausnahmen für synthetische Kraftstoffe als Kehrtwende für den Klimaschutz im Verkehr. Die Organisation warnt vor potenziell höheren Emissionen*. Diese Position steht im klaren Kontrast zur ADAC-Forderung nach mehr Technologieoffenheit. Für die Umweltverbände ist die geplante Regelung ein Schritt weg von der verbindlichen Dekarbonisierung, nicht hin zu einer intelligenten Ergänzung.

Ökonomen und Industrie: Warnungen und Bedenken

Die Skepsis kommt auch aus wirtschaftswissenschaftlichen Kreisen. Ökonomen warnen, dass eine Lockerung der EU-CO₂-Vorgaben für Neuwagen den Klimaschutzeffekt schwäche, ohne langfristig Arbeitsplätze zu sichern oder Wettbewerbsprobleme zu lösen. Die Kritik zielt darauf ab, dass der politische Kompromiss weder ökologisch konsequent noch ökonomisch stabil sei.

Gleichzeitig zeigt sich die Autoindustrie selbst unzufrieden. Trotz der Öffnung für Verbrenner und alternative Kraftstoffe sieht sie das neue 90-Prozent-Ziel als große Herausforderung, da es einen massiven Hochlauf der Elektromobilität und weiterhin hohe Investitionen in E-Antriebe erfordert. Die Industrie befindet sich somit in einem Dilemma: Einerseits wünscht sie sich mehr Spielraum für Verbrennertechnologien, andererseits zwingt das verschärfte Restziel sie zu enormen Investitionen in die Elektrizierung. Diese gemischten Signale offenbaren die komplexen Zielkonflikte hinter der technologischen Debatte.

Was die EU-Pläne für Verbraucher und Politik bedeuten

Die Diskussion um die Zukunft des Verbrennungsmotors ist keine rein technische. Sie berührt direkt den Alltag von Autokäufern und stellt die Weichen für die politische Steuerung des Verkehrssektors. Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Anpassungen zielen darauf ab, mehr Technologieoffenheit zu schaffen. In der Praxis wirft dies jedoch konkrete Fragen zu Kosten, Infrastruktur und der tatsächlichen Wahlfreiheit auf.

Die Grundanliegen des ADAC – mehr Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher und ein pragmatischerer Weg zum Klimaschutz – treffen hier auf reale Herausforderungen. Die Warnung, dass die Potenziale alternativer Kraftstoffe wie E-Fuels nicht ausreichend genutzt werden, hat handfeste Konsequenzen. Sie verweist auf ein mögliches Szenario, in dem bestimmte Technologien trotz theoretischer Zulassung praktisch kaum verfügbar sind, weil die regulatorischen Anreize für ihren Hochlauf fehlen. Gleichzeitig steht die Industrie vor der komplexen Aufgabe, die Elektromobilität in der gesamten EU massiv auszubauen, was weiterhin als große Herausforderung gilt.*

Die politische Debatte bleibt dynamisch. Stand 2025 zeigt sich, dass der finale regulatorische Rahmen noch nicht feststeht und politisches Handeln den Technologiemix in den kommenden Jahren entscheidend beeinflussen wird.*

Für Verbraucher kristallisieren sich drei zentrale Handlungsfelder heraus:

  • Die langfristige Kostenentwicklung. Welche Antriebsart bietet über die gesamte Nutzungsdauer die beste Wirtschaftlichkeit, wenn Subventionen auslaufen und Energiepreise schwanken?
  • Die Verlässlichkeit der Infrastruktur. Wird das Ladenetz für E-Autos tatsächlich flächendeckend und leistungsstark ausgebaut, oder bleibt die Versorgung mit alternativen Kraftstoffen eine Nischenlösung?
  • Die reale Wahlfreiheit. Führt die technologische Öffnung tatsächlich zu einem breiteren, bezahlbaren Angebot an Neufahrzeugen, oder dominieren aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin wenige Antriebsarten den Markt?

Die Antworten auf diese Fragen werden maßgeblich davon abhängen, wie Politik und Industrie die nächsten Jahre gestalten. Es geht nicht mehr nur um das „Ob“ der Klimaziele, sondern um das „Wie“ der Umsetzung im täglichen Leben.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des ADAC e.V.

Weiterführende Quellen:

6 Antworten

  1. Es ist ermutigend zu sehen, dass die EU-Kommission einige Änderungen vorschlägt. Aber ich frage mich, ob diese Anpassungen tatsächlich zu einer besseren Wahlfreiheit für Verbraucher führen werden? Was denkt ihr über die zukünftigen Kosten für E-Autos?

    1. Das ist eine wichtige Frage, Nadja! Die Kosten sind entscheidend für viele Käufer. Wir sollten auch darauf achten, wie sich der Markt entwickeln könnte und welche Anreizsysteme notwendig wären.

  2. Die Kritik des ADAC an den engen Grenzen für alternative Kraftstoffe ist gerechtfertigt. Wenn die Technologie nicht gefördert wird, werden wir nicht vorankommen. Wie denkt ihr über die Rolle von Biokraftstoffen in der Zukunft?

    1. Agathe, das ist ein guter Punkt! Biokraftstoffe könnten eine wichtige Rolle spielen, wenn sie richtig eingesetzt werden. Vielleicht sollten wir auch mehr darüber diskutieren, welche Technologien tatsächlich praktikabel sind.

  3. Ich finde es interessant, wie die EU-Kommission die Flottenregulierung anpassen will. Es ist wichtig, dass wir eine Vielfalt an Antriebstechnologien haben. Aber was ist mit den Umweltauswirkungen? Könnten E-Fuels wirklich die Lösung sein?

    1. Ich stimme zu, Tobias! Es wäre gut zu wissen, ob E-Fuels wirklich eine umweltfreundliche Option sind. Vielleicht sollten wir mehr über ihre Herstellung erfahren und welche Auswirkungen sie auf den CO2-Ausstoß haben.

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