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VDE warnt: Kürzungen gefährden Elektrotechnik-Studiengänge in Hessen – 40% der Professuren betroffen

Der VDE warnt vor einem dauerhaften Verlust technischen Wissens durch Kürzungen bei elektrotechnischen Studiengängen und Professuren. Konkret betroffen ist etwa die Frankfurt UAS, wo in den kommenden fünf Jahren knapp 40 Prozent der Professuren nicht nachbesetzt werden sollen. Der Verband sieht die Elektro- und Informationstechnik als unverzichtbare Grundlage für kritische Infrastrukturen und den Industriestandort Deutschland.

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Das Wichtigste in Kürze

  • In Hessen sollen bis zu 40 % der Professuren in Elektrotechnik an der Frankfurt UAS nicht nachbesetzt werden.
  • Kürzungen im Hochschulpakt 2026–2031 führen zu erheblichen Einsparungen und gefährden die Fachkräfteausbildung.
  • Elektro- und Informationstechnik ist zentral für kritische Infrastrukturen und den Industriestandort Deutschland.
  • Der Fachkräftemangel in der Elektrotechnik ist hoch, mit rund 14.000 offenen Stellen bundesweit.
  • Ab 2028 ist ein Wiederanstieg der Landesmittel geplant, bis dahin drohen langfristige Wissensverluste.

– Der VDE warnt vor Kürzungen bei Elektrotechnik-Studiengängen an hessischen Hochschulen.
– Mittelkürzungen führen zu gestrichenen Studiengängen und unbesetzten Professuren.
– Dies gefährdet die Fachkräfteausbildung und schwächt den Wissenschaftsstandort Deutschland.

VDE warnt vor gravierenden Folgen der Mittelkürzungen

In einer Pressemeldung vom 15.12.2025 warnt der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. vor den Konsequenzen knapper Finanzmittel für elektrotechnische Studiengänge. Der Verband sieht in der Streichung von Studiengängen sowie der Nichtbesetzung von Professuren einen dauerhaften Verlust von technischem Wissen, der den Hochschul-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen könnte.

Diese Warnung formulierte der VDE bereits im Herbst 2025 in einem Positionspapier. Der Verband richtet sich damit explizit an Hochschulen und Politik.

VDE-Vorstand Martin Hieber betont die fundamentale Bedeutung des Fachs: „Die Elektro- und Informationstechnik sichert den Betrieb unserer Energie- und Kommunikationsnetze, aber auch aller übrigen Netze für die Daseinsversorgung.“ Das Ingenieurfach sei zentral für Künstliche Intelligenz, moderne Verteidigungstechnik, Medizin und Elektromobilität. „Zusammengefasst sehen wir dieses Ingenieurfach in der Konsequenz als Grundlage für Qualität und Sicherheit in der Kritischen Infrastruktur“, so Hieber.

Der VDE befürchtet, dass die Studiengänge durch die Schrumpfung an Attraktivität verlieren – trotz exzellenter Berufsaussichten. „Unsere jetzige und zukünftige Welt ist ohne diese Ingenieurdisziplin nicht vorstellbar“, sagt Hieber. „Arbeitsplätze in diesem Bereich sind zukunftsorientiert, sichern unserer Industrie technisches Know-How, sind von hoher Wertschöpfung und sorgen folglich für den Wohlstand in Deutschland.“ Zur Untermauerung seiner Position führte der VDE ein ausführliches Gespräch mit dem Studiengangsleiter der Elektrotechnik an der Frankfurt UAS, Prof. Dr.-Ing. Sven Kuhn.

Hessischer Hochschulpakt: Was gekürzt wird

Die geplanten Einsparungen im neuen Hochschulpakt des Landes Hessen sind konkret und umfangreich. Sie betreffen die Grundfinanzierung der Hochschulen und werden in mehreren Schritten umgesetzt.

Kurzfristige Einsparungszahlen

Die ersten Auswirkungen zeigen sich bereits im Startjahr des Paktes. Für 2026 müssen die staatlichen hessischen Hochschulen rund 30 Millionen Euro einsparen (Stand: 07.08.2025, Quelle: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst)*.

Die Dimension der geplanten Gesamtreduktion verdeutlicht eine frühere Prognose. Bereits im Juli 2025 wurde eine Reduktion der Hochschulbudgets in Hessen um rund 1 Milliarde Euro gegenüber einer Fortschreibung kommuniziert (Stand: 10.07.2025, Quelle: Grüne Hessen)*.

Landesplanungen und zeitliche Perspektive

Der Hochschulpakt 2026–2031 sieht keine lineare Kürzungslinie vor. Es ist ein jährlicher Wiederanstieg der Landesmittel vorgesehen (Stand: 07.08.2025, Quelle: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst)*.

Die folgende Tabelle fasst die zentralen Planungen und Prognosen chronologisch zusammen:

Jahr / Zeitraum Maßnahme / Wert Einheit / Beschreibung Quelle / Stand
2026 30 Mio. Euro Einsparung für staatliche Hochschulen Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (07.08.2025)*
Ab 2028 Jährlicher Wiederanstieg Geplante Entwicklung der Landesmittel Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (07.08.2025)*
Hochschulpakt 2026-2031 (Gesamtprognose) Rund 1 Mrd. Euro Reduktion gegenüber Fortschreibung Grüne Hessen (10.07.2025)*

Diese finanziellen Vorgaben bilden den Hintergrund, vor dem die Hochschulen ihre Kapazitäten und Studienangebote anpassen müssen. Die konkreten Folgen für einzelne Fachbereiche, wie die Elektro- und Informationstechnik, werden in dieser angespannten Haushaltslage sichtbar.

Fachkräfte, Professuren und Studierendenzahlen — die Zahlenlage

Die Diskussion um die Finanzierung elektrotechnischer Studiengänge ist keine akademische Abstraktion. Sie betrifft unmittelbar den Arbeitsmarkt und die Kapazitäten der Hochschulen, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken. Die verfügbaren Daten zeichnen ein klares Bild von Nachfrage und Angebot.

Arbeitsmarkt: Engpass und Beschäftigung

Die Nachfrage nach Elektroingenieurinnen und -ingenieuren übersteigt das Angebot deutlich. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom Dezember 2023 weist für diesen Beruf einen Engpassindikator von 3,5 aus. Dieser Wert signalisiert einen strukturellen Mangel. Bundesweit waren zu diesem Zeitpunkt rund 14.000 Stellen offen, allein in Hessen etwa 1.200.

Gleichzeitig wächst das Berufsfeld. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Elektrotechnik in Deutschland von etwa 290.000 im Jahr 2015 auf 330.000 im Jahr 2023.*

Akademische Kapazitäten und historische Effekte

Auf der Angebotsseite bestimmen die personellen Ressourcen an den Hochschulen, wie viele Absolventinnen und Absolventen ausgebildet werden können. In Hessen waren im Jahr 2023 laut Hessischem Ministerium für Wissenschaft und Kunst etwa 190 Professuren im Bereich Elektro- und Informationstechnik besetzt.* Die geplanten Nachbesetzungen zielen darauf ab, demografisch bedingte Abgänge auszugleichen und die Kapazität zu halten.

Historische Erfahrungen zeigen, welche Folgen Kürzungen haben können. Eine Auswertung des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2016 ergab, dass frühere Mittelkürzungen an ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten zu einem vorübergehenden Rückgang der Absolventenzahlen um bis zu 20 Prozent führten.* Dieser Befund macht die langfristigen Auswirkungen von Personalreduktionen auf den Arbeitsmarkt nachvollziehbar.

Regionale Reaktionen: Hochschulen, Studierende, Senat

Die angekündigten Mittelkürzungen im hessischen Hochschulpakt lösen vor Ort konkrete Reaktionen aus. Die Spannbreite reicht von studentischen Protesten bis zu offiziellen Stellungnahmen der akademischen Gremien, die die Folgen für die Lehre und den Standort kritisieren.

Parallel dazu positionieren sich die Leitungsgremien der Hochschulen.

Die lokalen Reaktionen in Hessen lassen sich in zwei wesentliche Stränge unterteilen:

  • Studentischer Protest: An der Technischen Hochschule Mittelhessen protestieren Studierende gegen Kürzungen, die ihre Studiengänge direkt bedrohen.
  • Institutionelle Kritik: Hochschulgremien warnen öffentlich vor den Konsequenzen. Sie sehen in der Schwächung der Ingenieurausbildung ein Risiko für die wirtschaftliche Zukunft der Region.

Diese Stimmen aus der Praxis untermauern die grundsätzliche Warnung von Verbänden wie dem VDE. Dessen Vorstand Martin Hieber betont: „Die Elektro- und Informationstechnik sichert den Betrieb unserer Energie- und Kommunikationsnetze, aber auch aller übrigen Netze für die Daseinsversorgung.“* Die regionalen Akteure fürchten, dass durch die Sparmaßnahmen genau diese kritische Infrastruktur für Ausbildung und Wissenstransfer nachhaltig beschädigt wird.*

Ausblick: Folgen, Handlungsoptionen, Risiken

Die geplanten Kürzungen im hessischen Hochschulpakt sind kein isoliertes Ereignis, sondern ein Eingriff mit weitreichenden Konsequenzen. Die unmittelbaren Risiken sind bereits sichtbar, doch die mittel- und langfristigen Folgen für den Wissenschaftsstandort und die Wirtschaft erfordern eine klare Analyse und proaktive Gegenstrategien.

Kurzfristige Risiken

Die ersten Auswirkungen zeigen sich bereits in konkreten Einschränkungen des Studienangebots. An der Frankfurt University of Applied Sciences werden beispielsweise ab dem kommenden Jahr keine Winter-Erstsemester in der Vertiefungsrichtung Informations- und Kommunikationstechnik mehr angenommen*. Diese direkte Reduzierung von Wahlmöglichkeiten untergräbt die Attraktivität der Studiengänge. Der befürchtete Teufelskreis aus Schrumpfung und sinkenden Studierendenzahlen droht sich zu manifestieren. Eine Fachkräftelücke in der Elektro- und Informationstechnik besteht weiterhin – selbst in konjunkturellen Schwächephasen bietet dieses Feld exzellente Berufsperspektiven*.

Mittelfristige Perspektiven

Eine Entspannung der finanziellen Lage ist frühestens ab 2028 in Sicht. Die hessische Landesplanung sieht ab diesem Jahr einen jährlichen Wiederanstieg der Landesmittel vor (Stand: 07.08.2025). Bis dahin müssen Politik und Hochschulen jedoch die Weichen stellen, um einen dauerhaften Verlust von technischem Wissen und Kompetenz zu verhindern. Die zentrale Herausforderung liegt darin, die kritische Masse an Lehre und Forschung in Schlüsseldisziplinen wie der Elektro- und Informationstechnik zu erhalten. Diese Ingenieurwissenschaft bildet die Grundlage für kritische Infrastrukturen, von Energie- und Kommunikationsnetzen bis hin zur KI-Entwicklung und moderner Medizintechnik. Eine Schwächung in diesem Bereich gefährdet langfristig die technologische Souveränität und Wertschöpfung.

Um die Phase bis 2028 zu überbrücken und die Zukunftsfähigkeit zu sichern, ergeben sich drei zentrale Handlungsrichtungen:

  • Priorisierung kritischer Studiengänge: Bei der Mittelverteilung muss die strategische Bedeutung der Elektro- und Informationstechnik für die Daseinsvorsorge und den Industriestandort eindeutig gewichtet werden. Eine stumpfe prozentuale Kürzung über alle Fächer hinweg ignoriert diese unterschiedliche volkswirtschaftliche Relevanz.
  • Gezielte Nachbesetzungen: Der geplante Personalabbau, wie etwa an der Frankfurt UAS, wo knapp 40 Prozent der Professuren in fünf Jahren nicht nachbesetzt werden sollen*, muss durch ein strategisches Nachfolgemanagement abgefedert werden. Schlüsselprofessuren für Zukunftsthemen wie nachhaltige Energiesysteme oder sichere Kommunikation benötigen eine garantierte Perspektive.
  • Übergangsprogramme und Kooperationen: Hochschulen könnten durch gezielte Kooperationen untereinander oder mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen Lehrkapazitäten bündeln und spezialisierte Angebote aufrechterhalten. Zusätzlich sind Übergangsprogramme denkbar, um besonders betroffene Studierende zu unterstützen und einen reibungslosen Abschluss zu gewährleisten.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, die kurzfristige Haushaltskonsolidierung von einer langfristigen Strategie für Bildung und Innovation zu entkoppeln. Die historische Erfahrung und die aktuelle Arbeitsmarktrealität liefern klare Warnsignale. Die Antwort darauf muss in klugen Priorisierungen und dem politischen Willen liegen, die Grundlagen für Wohlstand und technologische Resilienz nicht zu beschneiden, sondern gezielt zu stärken.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

Weiterführende Quellen:

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