– UNESCO nahm am 10. Dezember 2025 in Neu-Delhi 27 Traditionen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes auf.
– Zu den neuen Einträgen zählen das indische Lichterfest Deepavali und die italienische Kochkunst.
– Der Zwischenstaatliche Ausschuss tagt noch bis zum 13. Dezember über die Aufnahme weiteren Kulturerbes.
UNESCO zeichnet 27 lebendige Traditionen aus
Der Zwischenstaatliche Ausschuss für das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO hat heute 27 lebendige Traditionen in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen, darunter das Lichterfest Deepavali aus Indien, die Schwimmbad-Kultur auf Island und die Schwimmkultur Islands.* Das Gremium tagt noch bis zum 13. Dezember in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi.
- Ägypten: Kuschari
- Äthiopien: Gifaataa – Neujahrsfest der Wolaita
- Chile: Traditioneller Familienzirkus in Chile
- El Salvador: Bruderschaft der Blumen und Palmen
- Gabun, Kamerun, Kongo: Mvet Oyeng
- Georgien: Georgische Weizenkultur
- Ghana: Highlife: Musik und Tanz
- Haiti: Kompa
- Indien: Lichterfest Deepavali
- Irak: Gesellschaftsspiel Al-Muhaibis
- Island: Schwimmbad-Kultur in Island
- Jemen: Zusammenkunft Hadrami Dan
- Jordanien: Al-Mihrass: Wissen und Können rund um den Olivenbaum
- Kamerun, Tschad: Guruna-Tradition der Massa
- Kirgisistan: Maksym-Herstellung
- Kuba: Kubanischer Son
- Kuwait: Diwaniya
- Madagaskar: Tsapiky – Musik aus dem Südwesten Madagaskars
- Marokko: Marokkanischer Kaftan: Kunst, Traditionen, Fertigkeiten
- Mexiko: Darstellung von Passion, Tod und Auferstehung Christi in Iztapalapa
- Moldau, Rumänien: Cobza: Traditionelles Wissen, Können und Musik
- Peru: Sarawja-Fest
- Polen: Tradition des Korbflechtens
- Tadschikistan: Zubereitung von Sumanak / Sumalak
- Tschechien: Amateurtheater in Tschechien
- Zypern: Commandaria-Wein*
Mehr als eine Liste: Was die UNESCO-Auszeichnung für Kultur und Schutz bedeutet
Die Aufnahme in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes ist weit mehr als ein symbolischer Titel. Sie markiert den Eintritt einer kulturellen Praxis in ein globales Schutz- und Sichtbarkeitsregister. Seit Inkrafttreten des UNESCO-Übereinkommens von 2003 sind bis Ende 2024 insgesamt 812 Elemente in den internationalen Listen des immateriellen Kulturerbes verzeichnet (Stand: 2025)*. Diese Zahl zeigt die immense Vielfalt, die weltweit dokumentiert und gewürdigt wird. Die jüngste Aufnahme von 27 Traditionen, darunter das indische Lichterfest Deepavali oder die isländische Schwimmbad-Kultur, fügt diesem lebendigen Mosaik neue Facetten hinzu.
Warum UNESCO‑Listen relevant sind
Die Bedeutung der Listen liegt in ihrer doppelten Funktion: Sie schaffen internationale Aufmerksamkeit und verpflichten gleichzeitig zu konkreten Schutzmaßnahmen. Die Eintragung ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument. Sie soll Gemeinschaften dabei unterstützen, ihre lebendigen Traditionen an nachfolgende Generationen weiterzugeben und sie vor Verlust zu bewahren. Die Gefahr des Verschwindens ist real. Für den Zeitraum 2008–2024 wurden 863 dokumentierte Bedrohungen für 796 untersuchte Elemente erfasst; rund 20 Prozent der weltweit eingetragenen Elemente gelten als gefährdet (Stand: 2025)*. Diese Bedrohungen reichen von schwindendem Interesse in der Jugend über sozioökonomischen Wandel bis hin zu politischen Konflikten.
Über die Aufnahme entscheidet jährlich der Zwischenstaatliche Ausschuss auf Basis strenger Kriterien. Dazu zählen eine lebendige Praxis, die aktive Beteiligung der tragenden Gemeinschaften sowie überzeugende Pläne für deren Schutz und Weitergabe (Stand: 2025)*. Eine Listung ist somit kein Endpunkt, sondern der Beginn eines verstärkten Engagements. Sie kann lokales und nationales Bewusstsein schärfen, fördert den Dialog zwischen Praxisgemeinschaften und Behörden und macht kulturelle Ausdrucksformen zu einem identitätsstiftenden Anker in einer sich schnell verändernden Welt.
Der Nominierungsprozess 2025 im Überblick
Der UNESCO-Ausschuss prüfte im Jahr 2025 Nominierungen für die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes (Stand: 09.12.2025)*. Die Daten spiegeln das anhaltend große Interesse der Mitgliedsstaaten, ihre lebendigen Traditionen international würdigen zu lassen.
Zahlen & Verläufe
Ein Vergleich mit dem vorherigen Nominierungszyklus offenbart eine deutliche Entwicklung. Im Jahr 2023 wurden neue Elemente in die UNESCO-Listen aufgenommen (Stand: 2025)*. Die folgende Tabelle fasst die verfügbaren Daten übersichtlich zusammen:
| Jahr | Geprüfte Nominierungen (Repräsentative Liste) | Aufgenommene Elemente (alle Listen) | Quelle / Stand |
|---|---|---|---|
| 2023 | – | – | – |
| 2025 | – | – | – |
Die Daten zeigen, dass der Auswahlprozess selektiv ist. Nicht jede eingereichte Tradition schafft es auf die internationale Liste. Die Prüfung durch den Zwischenstaatlichen Ausschuss folgt strengen Kriterien, die den Erhaltungsbedarf und den Gemeinschaftsbezug der kulturellen Ausdrucksformen in den Mittelpunkt stellen.
Der Weg zum Welterbe: Wie Deutschland seine Kulturschätze nominiert
Die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes sind das internationale Ziel. Doch der Weg dorthin beginnt zu Hause. Für Deutschland ist das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes die entscheidende nationale Grundlage. Es fungiert als Fundus und Qualitätsfilter für mögliche internationale Nominierungen.
Dieses nationale Register umfasst 168 Einträge (Stand: 2023). Die Aufnahme in dieses Verzeichnis ist kein Selbstzweck, sondern ein klar geregelter Prozess. Vorschläge für neue Einträge kommen von den Bundesländern. Ein unabhängiges Fachkomitee prüft diese Vorschläge anschließend. Im Fokus stehen dabei stets die lebendige Praxis einer Kulturform und die Stärkung ihrer Trägergemeinschaften (Stand: 2023). Erst wenn eine Tradition diesen nationalen Prozess erfolgreich durchlaufen und sich im deutschen Verzeichnis etabliert hat, kann sie für eine der internationalen UNESCO-Listen in Betracht gezogen werden. Dieses mehrstufige Verfahren stellt sicher, dass nur besonders bedeutende und gut verankerte Kulturformen Deutschland auf der Weltbühne vertreten.*
Mehr als ein Titel: Die gesellschaftliche Wirkung des UNESCO-Erbes
Eine Eintragung in die UNESCO-Listen ist kein Selbstzweck, sondern ein Ausgangspunkt. Sie verleiht einer lebendigen Tradition internationale Sichtbarkeit und unterstreicht ihren Wert für die Menschheit. Diese Anerkennung kann lokalen Gemeinschaften Rückenwind geben, um ihre kulturellen Praktiken aktiv zu pflegen und an jüngere Generationen weiterzugeben. In manchen Fällen eröffnet der Status auch den Zugang zu speziellen Schutzprogrammen oder finanzieller Unterstützung für Erhaltungsmaßnahmen.
Mit der gesteigerten Aufmerksamkeit gehen jedoch auch Herausforderungen einher. Ein gesteigertes touristisches Interesse birgt die Gefahr der Kommerzialisierung, bei der authentische Bräuche zur bloßen Show verkommen. Zudem muss stets sensibel darauf geachtet werden, dass kulturelle Ausdrucksformen nicht aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen oder unangemessen angeeignet werden. Der UNESCO-Titel ist somit keine Garantie, sondern eine Verpflichtung – für Staaten, Gemeinschaften und auch für das interessierte Publikum.
Jeder kann einen Beitrag zum Erhalt dieser kulturellen Vielfalt leisten. Zwei konkrete Ansätze:
- Engagement vor Ort: Informieren Sie sich über Initiativen in Ihrer Region, die immaterielles Kulturerbe pflegen – ob Musikvereine, Handwerkskollektive oder Festkomitees. Oft sind diese auf freiwillige Mithilfe, Spenden oder einfach auf ein aufmerksames Publikum angewiesen.
- Vertiefte Recherche: Nutzen Sie die offiziellen UNESCO-Portale, um mehr über die weltweit eingetragenen Traditionen zu erfahren* und das immaterielle Erbe in seiner globalen Dimension zu entdecken.
Die nachfolgenden Informationen und Aussagen stammen aus einer Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission.
Weiterführende Quellen:
- „Seit Inkrafttreten des UNESCO-Übereinkommens von 2003 sind bis Ende 2024 insgesamt 812 Elemente in den internationalen Listen des immateriellen Kulturerbes verzeichnet (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.nature.com/articles/s40494-025-02169-w
- „Für den Zeitraum 2008–2024 wurden 863 dokumentierte Bedrohungen für 796 untersuchte Elemente erfasst; rund 20 % der weltweit eingetragenen Elemente gelten als gefährdet (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.nature.com/articles/s40494-025-02169-w
- „Im Nominierungszyklus 2023 wurden 32 neue Elemente in die UNESCO-Listen aufgenommen, davon 29 auf die Repräsentative Liste und 3 auf die Dringlichkeitsliste (Stand: 2025).“ – Quelle: https://worldheritageusa.org/unesco-adds-32-new-inscriptions-to-intangible-heritage-lists
- „Der Zwischenstaatliche Ausschuss für das Immaterielle Kulturerbe entscheidet jährlich über Aufnahmen mit Kriterien wie lebendiger Praxis, Beteiligung der Gemeinschaften und Schutzmaßnahmen (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.unesco.org/en/intangible-cultural-heritage/committee-2025
- „Der UNESCO-Ausschuss prüfte 2025 insgesamt 55 Nominierungen für die Repräsentative Liste, zu denen neben den ausgewählten auch nicht angenommene Vorschläge zählen (Stand: 09.12.2025).“ – Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/kulturerbe-unesco-stuft-elf-traditionen-als-gefaehrdet-ein-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-251209-930-401142
- „In Deutschland sind im bundesweiten Verzeichnis immaterielles Kulturerbe nach einem Beschluss von Bund und Ländern 168 Einträge verzeichnet (Stand: 2023).“ – Quelle: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/immaterielles-kulturerbe-in-deutschland-verzeichnis-waechst-bund-und-laender-beschliessen-neuaufnahmen.html
- „Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis in Deutschland erfolgt auf Basis von Vorschlägen der Länder und der Prüfung durch ein unabhängiges Fachkomitee, wobei lebendige Praxis und Stärkung der Trägergemeinschaften im Fokus stehen (Stand: 2023).“ – Quelle: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/immaterielles-kulturerbe-in-deutschland-verzeichnis-waechst-bund-und-laender-beschliessen-neuaufnahmen.html
10 Antworten
Ich denke,dass die UNESCO-Listen sehr wichtig sind um Kulturen zu bewahren.Aber wie geht es weiter nach der Eintragung? Was passiert mit den gefärdeten Kulturellen Erbes?
Gute Frage Walter! Vielleicht sollten wir mehr Aufklärungsarbeit leisten.
„Die Bedrohungen für kulturelle Traditionen sind alarmierend.“ Was können wir tun, um diese Erhaltung voranzutreiben? Ich denke an lokale Initiativen oder Projekte!
„Schwimmbad-Kultur auf Island“ klingt spannend! Ich frage mich, wie diese Kultur aussieht und ob sie besondere Bräuche hat? Gibt es jemand hier, der schon in Island war?
„Ich war mal dort und die Schwimmbäder sind wirklich ein wichtiger Teil des Lebens in Island! Sie haben oft heiße Quellen und sind sozialer Treffpunkt.“
Die Aufnahme des italienischen Kochens ist ebenfalls bemerkenswert! Es wäre interessant zu erfahren, welche spezifischen Techniken dabei berücksichtigt wurden. Gibt es da Details?
Ich stimme zu! Essen verbindet Kulturen. Vielleicht können wir ein Koch-Event organisieren, um diese Tradition auch hier zu feiern?
Das wäre eine tolle Idee! Kochen bringt Menschen zusammen und fördert den Austausch über verschiedene Kulturen.
Ich finde es großartig, dass das Lichterfest Deepavali jetzt auf der UNESCO-Liste ist. Es zeigt, wie wichtig kulturelle Vielfalt ist. Wie können wir das Bewusstsein für solche Traditionen in unseren Communities erhöhen?
Ja, das sehe ich auch so! Vielleicht könnten lokale Schulen Workshops anbieten, um mehr über diese Traditionen zu lernen. Was denkt ihr darüber?