UN-Weltwasserbericht 2021: Der Wert von Wasser

Verbandsnachrichten Meldung aus den Vereinen und Verbänden

Es fehlt weltweit an Investitionen für die lebenswichtige Ressource Wasser

Wasser wird weltweit viel zu oft als selbstverständlich angesehen, privatisiert, verschmutzt und verschwendet. Wasser muss einen höheren Stellenwert bekommen. Das fordert der Weltwasserbericht 2021 „Wasser bewerten und wertschätzen“, den die UNESCO im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Bericht zeigt, dass zwar ein weltweiter Konsens bestehe, dass Wasser überlebenswichtig und ein Menschenrecht sei, dass aber die praktische Umsetzung bei weitem nicht ausreiche. Der Weltwasserbericht wird am 22. März, dem Weltwassertag, veröffentlicht.

Der Bericht zieht ein ernüchterndes Fazit: Das Bewusstsein ist zwar vorhanden, dass Gesundheit, Hygiene, Landwirtschaft und Industrie ohne sauberes Wasser nicht möglich sind. Die Weltgemeinschaft hat auch festgestellt, dass sicheres Wasser und sanitäre Dienstleistungen ein Menschenrecht und eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen sind. Dennoch fehlen weltweit im politischen Alltag Aufmerksamkeit und Investitionen für die lebenswichtige Ressource. Der Weltwasserbericht zieht daraus die Schlussfolgerung, dass der Wert des Wassers für konkrete politische Entscheidungen genauer bestimmt werden müsse. Der Weltwasserbericht wirbt dafür, den Wert von Wasser mit neuen Methoden zu bemessen.

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„Der Weltwasserbericht 2021 schlägt eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. In Sonntagsreden sind wir uns über den Wert des Wassers einig, im Alltag vergessen wir ihn. Man kann die Bedeutung von Wasser eben nicht mit dem Preis der Bereitstellung für Industrie, Landwirtschaft und Haushalte gleichsetzen. Vor allem muss auch berücksichtigt werden, welchen Wert Wasser für Ökosysteme und damit als menschliche Lebensgrundlage hat. Auch werden große Wasserinfrastrukturprojekte wie Staudämme ebenfalls zu selten nach Kosten und Nutzen bewertet. Eine echte Transformation ist erforderlich.“ fordert Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Weltweit haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen – also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung – haben keine sicheren Sanitäranlagen. Etwa vier Milliarden Menschen leben in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von hoher Wasserknappheit betroffen sind. Die Pro-Kopf-Kapazität von Stauseen nimmt ab, einerseits auf Grund von Bevölkerungswachstum und andererseits wegen der Ablagerung von Sedimenten. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass der globale Wasserverbrauch weiter um etwa 1 Prozent pro Jahr ansteigt. Im weltweiten Mittel verbraucht die Landwirtschaft 69 Prozent der Wasservorräte aus Flüssen, Seen und Grundwasserleitern. In Deutschland ist die Lage anders, hier machen Energieversorgung, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe 77 Prozent aus. Da die Weltbevölkerung weiter wächst, bräuchte es bei unveränderten Trends 50 Prozent mehr Bewässerung in der Landwirtschaft bis 2050 – allerdings fehlt dafür das Wasser. Das heißt, dass in der Landwirtschaft eine viel effizientere Wassernutzung nötig ist, was gerade auch eine andere Bewertung von Wasser erfordert.

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Die Weltpolitik hat die Bedeutung von Wasser durchaus erkannt. So zählen „Wasserkrisen“ seit Jahren durchgängig zu den Top-5-Risiken des World Economic Forum. Auch für die Hälfte aller Großinvestoren ist Wassermangel längst ein Thema. Die Weltbank hat 2016 berechnet, dass Wassermangel die Wirtschaft vieler Staaten bald in eine Schrumpfungsspirale ziehen könnte. Mit Nachhaltigkeitsziel 6 der Agenda 2030 ist die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasserressourcen auch offiziell zu einem Menschheitsziel erklärt worden. Bis 2030 soll für alle Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen sichergestellt sein.

Der Weltwasserbericht stellt aber fest, dass aus diesen Erkenntnissen zu wenig Konsequenzen folgen. Zum Beispiel werde viel zu wenig in wasserwirtschaftliche Infrastruktur investiert. Eine aktuelle Studie der Weltbank ergibt, dass die Einnahmen aus den Wassernutzungsgebühren gerade mal bei einem Drittel der weltweiten Versorgungsunternehmen für die anfallenden Betriebs- und Wartungskosten der Wasserinfrastruktur ausreichen. Kosten für den Bau der Infrastruktur sind hier noch nicht eingerechnet.

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Deutsche Kurzfassung des Weltwasserberichts

Vollversion des Weltwasserberichts und weiteres Pressematerial (engl.)

Website der UNESCO zum Weltwasserbericht (engl.)

Weltwasserbericht 2021 – Facts and Figures (engl.)

Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission zu „Wasser und Ozeane“

Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission

 

Verantwortlich: Sabine Luft

Deutsche UNESCO-Kommission
Martin-Luther-Allee 42
53175 Bonn

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